Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. CAIUS FLAMINIUS 3
3. Verlauf der Via Flaminia 4
3.1 Roma bis Forum Flaminii 4
3.2 Forum Flaminii bis Ariminum 10
3.3 Abweichender Verlauf nach RADKE 13
4. Baugeschichte der Via Flaminia 15
4.1 Generelle Problematik der Datierung 15
4.2 Straßenkörper und Bauwerke der Via Flaminia 16
5. Die Via Flaminia in der Geschichte 20
6. Schlußfolgerungen 21
7. Bibliographie 23
1 NA
1. Einleitung
Wer sich jetzt über römische Straßen äußert,
wähnt sich meist im Besitze einer Art Geheimwissenschaft. 1
Diese Hausarbeit befaßt sich mit der Via Flaminia, und zwar in erster Linie mit der antiken Trasse. Um den Kontext zu dem Thema des Proseminars „Rom und Umbrien” herzustellen, soll dabei versucht werden, einen Überblick über die Via Flaminia aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert zu geben. Ausgangspunkt der Betrachtung ist die Person des CAIUS FLAMINIUS, dem nach heutigem Wissensstand der Bau der Straße zugeschrieben wird. Des weiteren soll dann der Verlauf der antiken Via Flaminia skizziert werden, gefolgt von einer baugeschichtlichen Betrachtung, in deren Verlauf zum einen die Bauweise der Straße selbst, sowie die spätantiken und mittelalterlichen Veränderungen am Straßenkörper, zum anderen auch herausragende Bauten der Via Flaminia betrachtet werden. Schließlich wird noch kurz die Bedeutung der Via Flaminia in der Geschichte Italiens umrissen, auch nach dem Untergang des Imperium Romanums.
Insbesondere für den dritten Teil, die Darstellung des Verlaufs der antiken Trasse, benutze ich den Aufsatz T. ASHBY/R. A. L. FELL 1921: «The Via Flaminia», Journal of Roman Studies 11:125-191. Trotz seines beträchtlichen Alters ist er meines Wissens nach bis heute die einzige Darstellung, die das Ergebnis einer archäologischen Begehung des gesamten Geländes der Via Flaminia ist. Aus diesem Grund hat er Vorrang vor Texten, die sich vor allem auf literarische Quellen berufen Zudem lie gt mir der Artikel A. ESCH 1995: «Die Via Flaminia in der Landschaft», Antike Welt 26:85-113, der Ergebnis einer Begehung eines Streckenabschnittes im Jahre 1990 ist. Er beruft sich ebenfalls auf den Artikel aus dem Jahre 1921 und bestätigt ihn, so daß ich davon ausgehe, daß dieser immer noch als Referenz dienen kann, insbesondere da mittlerweile viele Spuren, die ASHBY und FELL noch sahen durch Straßenbau und Kriegseinwirkung nicht mehr auffindbar sind. Des weiteren sei hier erwähnt, daß die Entfernungen i n Teil 3, soweit sie sich auf Entfernungen der antiken Straße beziehen, in römischen Meilen angegeben, wobei eine Meile bekanntlich 1481 Metern entspricht. 2 1 vgl. RADKE, G. 1964: «Erschließung Italiens durch römische Straßen», Gymnasium 71:204 2 vgl. ESCH, A. 1995: «Die Via Flaminia in der Landschaft», Antike Welt 2/95:85
2
2. CAIUS FLAMINIUS
CAIUS FLAMINIUS lebte im 3. Jahrhundert v. Chr. und entstammte einem plebejischen Geschlecht; der Gentilname leitet sich vom Priesteramt des Flamen ab. Er war ein Gegner der Herrschaft der Patrizier und als solcher der bedeutendste Vorgänger der beiden Gracchen. 232 v. Chr. wurde er in der plebejischen Ständeversammlung zum Volkstribun gewählt. Als solcher initiierte er, trotz hartnäckigen Widerstandes seitens des Senats, ein Gesetz zur Aufteilung des 283 v. Chr. an Rom gefallenen Ager Gallicus und Ager Picenus an römische Bürger.
227 v. Chr. wurde er Prätor und 1. Statthalter Roms in Sizilien und im Jahre 223 v. Chr. Consul. Als solcher begab er sich sofort nach der Wahl zum Heer und führte dieses in den Feldzug gegen die in der heutigen Lombardei lebenden keltischen Insubrer. Erst nach seinem Sieg an der Adda erreichte ihn die Nachricht, daß seine Wahl aus formalreligiösen Gründen für ungültig erklärt worden war. Doch nach diesem Sieg und seinem vom Volk geforderten, vom Senat aber abgelehnten Triumphzug, war im das Amt nicht mehr zu nehmen. 221 v. Chr. wurde er zum Reiteroberst seines politischen Gegners, des Diktators QUINTUS FABIUS MAXIMUS (CUNCTATOR, d.h. der Zauderer). Doch auch dieses Amt wurde ihm aus formalreligiösen Gründen aberkannt.
Im Jahre 220 v. Chr. trat er als ehemaliger Consul die Censur an. In diese Zeit fällt die durch ihn mit initiierte Neuordnung der Centurienverfassung sowie der Bau des Circus Flaminius und vermutlich auch der Bau der Via Flaminia. Nach seiner Censur blieb er weiter als Senator politisch aktiv und setzte sich unter anderem für die Lex Claudia ein, die den Profit begrenzte, den Senatoren aus dem Seehandel ziehen konnten. 217 v. Chr. wurde er, bedingt durch die vitale Bedrohung Roms durch HANNIBAL, zum zweiten Mal Consul und unterlag diesem bei der Schlacht an den Trasimenischen Seen, in unmittelbarer Nähe der von ihm erbauten Via Flaminia, wobei er sein Leben angeblich durch die rächende Hand eines norditalienischen Galliers verlor. Seine Leiche blieb unauffindbar. 3 Zusammenfassend kann man daraus folgendes Bild zusammenstellen: CAIUS FLAMINIUS war, wie andere demokratische Politiker auch, ein Vertreter einer Expansionspolitik. Sein Ziel war 3 vgl. CANCIK, H./SCHNEIDER, H. 1998: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Stuttgart/Weimar, Bd. 4: Epo-Gro:539
3
es, das gewonnene Land an die ärmeren römischen Bürger zu verteilen. Dadurch besaß er eine große Popularität, die er immer wieder ausnutzte um seine politischen Ziele trotz des erbitterten Widerstandes und diverser Behinderungen seitens der Nobilität durchzusetzen. Er hatte sowohl auf politischer als auch auf militärischer Ebene (was sich in der Republik zwangsläufig überschnitt) beachtliche Erfolge. Zusammen mit seinen Bauwerken sprechen diese eine eigene Sprache und passen überhaupt nicht zu den postum gegen ihn vorgebrachten Vorwürfen, wie zum Beispiel durch LIVIUS, der ihm militärische Unbesonnenheit und Unwissenheit (temeritas und inscitia) vorwirft. 4 In Betracht zu ziehen ist dabei sicher auch, daß seine politischen Gegner durchaus ein Interesse daran haben konnten, die Geschichtsschreibung nach dem Tod des FLAMINIUS in ihrem Sinne zu korrigieren und vor allem, daß es sich bei ihm einen sogenannten homo novus, also einen Aufsteiger, handelte
3. Der Verlauf der antiken Via Flaminia
Dieser Teil der Arbeit folgt im wesentlichen dem Aufsatz T. ASHBY/R. A. L. FELL 1921: «Via Flaminia», Journal of Roman Studies 11:125-191, der aus diesem Grund nur an dieser Stelle zitiert wird.
3.1 Roma bis Forum Flaminii
Der Verlauf der Via Flaminia soll in der Folge von Rom aus beschrieben werden. Die Via Flaminia begann am Osthang des Kapitols und verlief von dort aus zunächst in nord- nordwestlicher Richtung, durch die Porta Rotumena, auch Porta Fontinalis genannt. Circa drei Meilen verlief sie auf der linken Tiberseite, bevor sie auf dem Pons Mulvius (Ponte Milvio) auf das andere Tiberufer wechselte. Ob diese Brücke von CAIUS FLAMINIUS gebaut wurde, oder erst später ergänzt wurde, ist nicht geklärt. Es gab aber laut LIVIUS im Jahre 207 v. Chr. dort schon eine Brücke. Der spätere Pons Mulvius aus Stein entstand auf jeden Fall erst 109 v. Chr. 5 4 vgl. RADKE 1964:22 5 vgl. BALLANCE, M.H. 1951: «The Roman Bridges of the Via Flaminia », Papers of the British School at Rome 6 (n. Z.):80
4
Die Via Flaminia folgte nun dem Tiber flußaufwärts und bewegte sich dabei durch flaches Land zwischen Bergen zur Linken und dem Tiber zur Rechten. Von links aus den Bergen kommend, versperrten die Bäche Fosso dell’ Acquatraversa und Fosso della Crescenza, die kurz vor ihrer Mündung in den Tiber zusammenfließen, den weiteren Weg. Heute wir d dieses Hindernis durch zwei aufeinanderfolgende Brücken überwunden, wodurch der moderne Name Due Ponti entstand. Die antike Trasse verlief wohl hier näher am Tiber und wurde lediglich durch eine Brücke hinter dem Zusammenfluß der Bäche überwunden. Zumindest finden sich in mittelalterlichen Karten diese Ruinen noch eingezeichnet. 6 Nördlich dieser Flüsse traf die Via Flaminia auf die Felsen von Saxa Rubra, einer Steilwand aus rotem Tuff, die das Ende eines Hochplateaus bilden, welches sich weiter nach Westen ausdehnt. Gleich zu Beginn findet man heute noch zwei große Grabanlagen aus augusteischer Zeit. 7 Diese roten Klippen begleiteten die Straße nun über circa vier Meilen zur Linken. An dieser Stelle nähern sich drei Tiberschleifen so nahe den Felsen an, daß nur ein enger Durchlaß für die Straße blieb. 8 In der Felswand findet man teilweise sehr beeindruckende, mit prächtigen Malereien geschmückte Grabhöhlen. Bevor man am Nordende dieser Steilwand die antike Poststation Ad Rubras (modernes Prima Porta, 9 Meilen von Rom entfernt) erreichte, überquerte man auf einer Brücke die heutige Valchetta, in der noch antike Spuren zu sehen sind. 9 Die Via Flaminia lief nun von Ad Rubras weiter nach Nordwesten, passierte die Villa Livia, die zur Linken auf dem Hügel liegt. An dessen Ostseite gewann die Via Flaminia an Höhe. In den Ruinen dieser Villa wurde 1863 die berühmte Augustusstatue von Prima Porta gefunden, ebenso wie einige gut erhaltene Wandmalereien. 10 Die Straße folgte ab hier nicht mehr dem Tiber, der eine weit ausholende Schleife nach Osten schlägt, sondern orientierte sich an dem Hochplateau im Westen. Man passierte den Tunnel von Pietra Pertusa, einen Durchlaß im Fels, von wo eine Stichstraße nach Westen, vermutlich nach Veji abging. So erreichte die Via Flaminia Malborghetto. Dort steht heute noch ein Haus mitten auf der Via Flaminia, das aus dem vierseitigen von KONSTANTIN errichteten Bogen von Malborghetto durch Zumauern der Toröffnungen entstand. Die Via Flaminia stieg nun weiter an, wobei die Täler zur Rechten und Linken sich immer mehr annähern, so daß die Straße auf einem Felsrücken lief. Das Tal im
6
vgl. BALLANCE 1951:84
7
vgl. ESCH 1995:88
8
vgl. ESCH 1995:84
9
vgl. BALLANCE 1951:84
10
vgl. ESCH 1995:89
5
Arbeit zitieren:
Ulrich Jacobs, 1998, Die Via Flaminia, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Ehrprinzip in Lessings Minna von Barnhelm
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Essay, 11 Seiten
Zu: Klaus Mann: Mephisto, Roman einer Karriere
Hendrik Höfgen als Prototyp ei...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Zwischenprüfungsarbeit, 25 Seiten
Thomas Manns Mario und der Zauberer - Ein tragisches Reiseerlebnis im ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Die deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert
Hauptseminararbeit, 36 Seiten
Potentiale der Old Economy durch E-Commerce und daraus resultierende O...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Magisterarbeit, 139 Seiten
Exil auf der Leinwand - "Casablanca" als 'Emigrationsfil...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hauptseminararbeit, 24 Seiten
Der historische Hintergrund zu Minna von Barnhelm
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 2 Seiten
Der Koreakrieg und seine Auswirkung auf die BRD
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Seminararbeit, 17 Seiten
Theodor Fontanes Irrungen, Wirrungen
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Luthers Bedeutung für die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftspra...
Hausarbeit, 19 Seiten
"Irgend etwas war mir verlorengegangen" – Zur Identitätsprob...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 87 Seiten
Die Dreigroschenoper - Brecht und das epische Theater
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Das Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger - Ei...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 23 Seiten
Ulrich Jacobs hat den Text Die Via Flaminia veröffentlicht
Ulrich Jacobs hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare