Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. BESCHREIBUNG DER THEORY 3
2.1. UM WAS GEHT ES 3
2.2. ERSTER HAUPTTEIL: DIE SITTLICHE RICHTIGKEIT 4
2.2.1. Theorie der Affekte 6
2.3. ZWEITER HAUPTTEIL: BELOHNUNG UND BESTRAFUNG 7
2.3.1. Schuld und Verdienst 8
2.3.2. Gerechtigkeit und Wohltätigkeit 8
2.3.3. Der Zufall oder die Regelwidrigkeit der Gefühle 9
2.4. DRITTER HAUPTTEIL: SELBSTEINSCHÄTZUNG 9
2.4.1. Der Unparteiische Betrachter 10
2.5. VIERTER BIS SIEBTER HAUPTTEIL 12
3. FAZIT 14
4. ANHANG 16
5. ABSTRACT 20
6. QUELLEN 21
1
1. Einleitung
Adam Smith kann sicherlich als sehr prominenter Vertreter der Ökonomie bezeichnet werden, wenn nicht sogar als Begründer der moderneren Ökonomie. Sein Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, geschrieben von 1766 bis 1776, ist ein wegweisendes Standardwerk der Ökonomie.
Doch Smith beschäftigte sich – neben der Ökonomie – auch sehr erfolgreich als Jurist 1 , Philosoph, Rhetoriker und, zum Ende seines Lebens, als Zollrevisor. Mit dieser Arbeit möchte ich die moral-philosophische Seite von Adam Smith anhand seiner „Theory of Moral Sentiments“ beleuchten, die 1759 erschien, um ein differenzierteres Bild vom Leben und Wirken des Adam Smith zu erhalten.
Für die Beschreibung der Theory of Moral Sentiments und der Analyse der Ethik von Adam Smith werde ich mich in der Struktur an das Originalwerk halten. Jeden der sieben Hauptteile der Theory werde ich in der Abfolge des Werkes besprechen, allerdings habe ich mich, aufgrund der Wichtigkeit, auf die ersten drei Teile konzentriert. Danach werde ich die restlichen vier Teile noch – kürzer – beschreiben.
1 Vgl. dazu die Vorlesungen von Smith in Glasgow
2
2. Beschreibung der Theory
Die „Theory of Moral Sentiments“ 2 ist das erste Buch von Adam Smith und knüpft an seine Vorlesungen in Jurisprudenz, Rhetorik und Moralphilosophie an der Universität von Glasgow an. Das empirisch-deskriptive Werk, das leider von einigen Wiederholungen und Abschweifungen gekennzeichnet ist, erschien 1759, also in Smiths 36. Lebensjahr. 3 Ähnlich wie die 1776 erschienene „Inquiry into the Causes and Nature of the Wealth of Nations“ mag das Werk für den heutigen Leser wohl ungeordnet erscheinen. Insbesondere in Deutschland wird der Theory im Vergleich zu „Wealth of Nations“ eher gering geschätzt, obwohl Smith seiner Theory wohl mehr Beachtung schenkte. Er hat das Werk während seinem Leben mehrfach überarbeitet und sah es als Komplementärwerk zu „Wealth of Nations“. 4 Der nächste Abschnitt behandelt den Inhalt der Theory.
2.1. Um was geht es?
Smith belebte die wohl etwas vernachlässigte Moralphilosophie neu. Moralphilosophie hatte zur Erscheinungszeit der Theory eine andere Bedeutung aIs heute, wo es wohl mit Ethik gleichgesetzt werden könnte. Seinerzeit war die Moralphilosophie das Gegenstück der Naturphilosophie. Smith zufolge „müssen Moralphilosophen Wege zu diesseitigem Glück aufzeigen“ (Streminger, 1999, S. 37). Diese Motivation ist nicht neu, schon in der Antike haben sich Philosophen damit beschäftigt. Es ist sehr schwierig, die Theory kurz und prägnant zusammenzufassen. Ein Versuch von Streminger besagt: „Die Frage nach dem diesseitigen Glück wird darin, wenn auch an keiner Stelle
2 Dt.: Theorie der ethischen Gefühle
3 Vergleiche dazu den Lebenslauf im Anhang
4 Der gemeinhin vermutete Spannungsbogen zwischen der Theory und „Wealth of
Nations“ wird als das Adam-Smith-Problem bezeichnet.
3
explizit, so beantwortet: Menschen sind dann glücklich, wenn sie ihre Wünsche realisieren können, wenn sie geliebt werden und liebenswert sind“ (Streminger, 1999, S. 38). Nun muss also geklärt werden, was diese Liebenswertigkeit ausmacht. Smith sieht denjenigen Menschen als liebenswert an, der moralisch handelt. Wir bewegen uns also mit Riesenschritten zu der Frage, was den Menschen moralisch handelnd machen könnte.
Dazu gibt es mehrere, zum Teil sehr divergierende Ansichten. Smith hatte eine gänzlich andere Ansicht als zum Beispiel die des orthodoxen Christentums, wo „die menschliche Natur verderbt und ohne Gnade Gottes zur Moralität unfähig ist“ (Streminger, 1999, S. 38). Auch die Ansicht von Thomas Hobbes, dass die „Menschen für rücksichtslos selbstsüchtig erklärt und Tugenden als Ergebnisse kluger Berechnungen von Wölfen in Menschengestalt, denen es durch allerlei Kunstgriffe gelingt sich die dumme Masse geringfügig zu machen (Streminger, 1999, S. 38). Smith sieht die moralische Handlung als Resultat der menschlichen Natur. Der Mensch strebt also in der Smith’schen Sicht nicht nur nach persönlicher materieller Besserstellung, sondern darüber hinaus. Diese Motivation kommt, so Smith, aus der menschlichen Natur und sei deshalb auch nicht davon zu trennen.
2.2. Erster Hauptteil: Die sittliche Richtigkeit
Kernelement der Theory ist die so genannte Sympathie 5 , die jedoch nach Smith „...keinesfalls mit Altruismus verwechselt werden sollte“ (Patzen, 1991, S. 33). Genau diese Sympathie, die in der Natur des Menschen gegeben ist, lässt die Handlung über die eigene Besserstellung zu. Smith schreibt dazu. „Ein Prinzip dieser Art ist das Erbarmen oder das Mitleid, das Gefühl, das wir für das Elend anderer empfinden, sobald wir dieses entweder selbst sehen, oder sobald es uns so lebhaft geschildert, dass wir es nachfühlen können“
5 Engl.: „fellowfeeling“, nicht etwa „sympathy“
4
(Smith, 1759, S. 1). Smiths Meinung nach „ist Menschen der Wunsch eigen, mit anderen zu sympathisieren“ (Streminger 1999, S. 38). Mit dieser Sympathie nehmen wir also an den Gefühlen anderer 6 Teil. Es handelt sich also um eine Fähigkeit, „…sich wechselseitig ineinander einzufühlen, einen Rollentausch vorzunehmen, genau so wie die gleichberechtigten wirtschaftenden Subjekte einen Äquivalententausch vornehmen“ (Kittsteiner, 1984, S. 45). Dabei gibt es ein Problem, „da wir keine unmittelbare Erfahrung von den Gefühlen anderer Menschen besitzen, können wir uns nur so ein Bild von der Art und Weise machen, wie eine bestimmte Situation auf sie einwirken mag, dass wir uns vorzustellen suchen, was wir selbst uns wohl in der gleichen Lage fühlen würden“ (Smith, 1759, S. 2). Erst diese Vorstellung in die andere Person hinein ermöglicht es, die „Schranken unserer eigenen Person“ (Smith, 1759, S. 2) zu überwinden. Das Resultat dieser Vorstellung 7 der Gefühle des Anderen wird einer Überprüfung unterzogen: stimmen diese nachempfundenen Gefühle mit den tatsächlichen überein? Aus der Sympathie, also dem Wunsch an den Gefühlen anderer teilzunehmen, entstehen Werturteile. In Anlehnung an das Werk von Ballestrem 8 sind bei der Theory drei Arten des Prozesses der Sympathisierung, der zu Werturteilen führt.
1. Variante: Der Zuschauer beobachtet eine Person, der etwas
widerfährt… Auf Grund der Sympathie urteilt der Zuschauer ob die Gefühle oder das Verhalten der Person der Situation angemessen, d.h. richtig sind (I.i.: Of the sense of propriety)
2. Variante: Der Zuschauer beobachtet eine Person, deren
Handlungen einen Dritten betreffen. Auf Grund seiner Sympathie mit den Motiven der handelnden Person und den Gefühlen des betroffenen Dritten urteilt der Zuschauer, ob die Person gesteigerte Zustimmung (oder Ablehnung) verdient, die in Werturteilen über Verdienst (und Schuld) zum Ausdruck kommt. (II.i.: Of the sense of merit and demerit)
6 Hier die sog. „person principally concerned“
7 Engl.: „imagination“
8 Der eingerückte Text entstammt Ballestrem, 2001, S. 62
5
Quote paper:
Sebastian Müller, 2003, Eine Beschreibung der "Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith, Munich, GRIN Publishing GmbH
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