[...] Trotz der gemeinsamen kolonialen Vergangenheit hat sich die politische Entwicklung der
lateinamerikanischen Staaten schon seit der Unabhängigkeit im frühen 19. Jahrhundert in vielerlei
Hinsicht unterschieden. In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, Unterschiede und
Gemeinsamkeiten zweier Systemwechselprozesse in Lateinamerika anhand eines Vergleichs
darzustellen. Hierzu sollen die Entwicklungen in Chile und El Salvador genauer beschrieben werden.
Während Chile bis zum Militärputsch vom 11. September 1973 als eines der stabilsten politischen
Systeme Lateinamerikas angesehen wurde, wurde El Salvador nicht nur jahrzehntelang diktatorisch
regiert, sondern befand sich auch von 1980 bis 1992 im Bürgerkrieg. Erst in den neunziger Jahren kann
man von einem Systemwechsel in beiden Ländern sprechen.
Theoretisch lassen sich Systemwechselprozesse von autoritären zu demokratischen Systemen in
drei Phasen unterteilen: die Liberalisierung, die Demokratisierung und die Konsolidierung. Während der
Liberalisierung öffnet sich das vorherige System. In der Phase der Demokratisierung, mit der sich diese
Arbeit beschäftigt, entstehen die Strukturen, die sich in der Phase der Konsolidierung verfestigen
sollen.
Im ersten Kapitel sollen zunächst die Begriffe Demokratie, Autoritarismus und Systemwechsel
geklärt werden, an denen sich der anschließende Vergleich zwischen dem Systemwechselprozeß in
Chile und dem in El Salvador orientiert. Um die unterschiedlichen Voraussetzungen des
Demokratisierungsprozesses in beiden Ländern zu analysieren, ist es notwendig, kurz deren Historie
darzustellen. Im dritten Teil soll dann die Rolle verschiedener Institutionen und Akteure in den beiden
Systemwechselprozessen dargestellt werden. Dabei konzentriert sich diese Arbeit auf einen Vergleich
zwischen der Rolle, den Verfassung, Parteien, Elite und Massen im Systemwechselprozeß Chile
innehatten und der, den diese im Systemwechselprozeß El Salvadors vertraten.
Die theoretischen Betrachtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf das Werk „Polyarchy.
Participation and Opposition“ von Robert Dahl und die Reihe Systemwechsel 1 – 3, herausgegeben von
Wolfgang Merkel.
Zur Bearbeitung des Demokratievergleichs wurden vor allem die Dissertationen „Transformation in
Chile“ von Peter Thiery und „Demokratie und politische Institutionen in El Salvador“ von Peter Fischer-
Bollin herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsbestimmung
1.1. Demokratie
1.2. Autoritarismus
1.3. Systemwechsel
2. Historischer Hintergrund
2.1. Chile
2.2. El Salvador
3. Transformationsprozeß in Chile und El Salvador - Ein Vergleich
3.1. Die institutionelle Ebene
3.1.1. Parteien
3.1.2. Verfassung
3.2. Die Ebene der Elitenloyalität
3.3. Die Ebene der Massenunterstützung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Transformationsprozesse von autoritären zu demokratischen politischen Systemen in Chile und El Salvador durch einen systematischen Vergleich zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen, das Verhalten politischer Eliten und die Unterstützung durch die Bevölkerung die Demokratisierung in den beiden Ländern beeinflusst haben.
- Vergleichende Analyse der Systemwechselprozesse in Chile und El Salvador
- Rolle der politischen Institutionen (Verfassung und Parteiensystem)
- Bedeutung der Elitenloyalität für den Erfolg der Transformation
- Einfluss der Massenunterstützung und demokratischen Traditionen
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Verfassung
Wenn die Verfassung El Salvadors für den Systemwechsel auch nicht annähernd eine so zentrale Rolle spielte wie die Chiles, soll hier die Gelegenheit genutzt werden, auch die Verfassung El Salvadors hinsichtlich ihrer Rolle für die junge Demokratie zu untersuchen.
Die Verfassung El Salvadors wurde 1983 durch eine gewählte verfassungsgebende Versammlung und ohne Durchführung eines Referendums angenommen. In den Friedensverhandlungen 1992 wurde beschlossen, jede einzelne von den Friedensverträgen betroffene Verfassungsbestimmung zu ändern. So wurde die Grundstruktur der Verfassung bis heute beibehalten. Die Verfassungswirklichkeit stimmte in den 80er Jahren aber nicht mit dem Gesetzestext überein. Die Demokratisierung wurde 1982 von den Militärs eingeleitet, die dann auch unter der neu entstandenen Zivilregierung noch die stärkste politische Macht darstellte. Die Wahlen wurden gefälscht und durch exzessive Parteiverbote beeinflußt. Autoritäre Willkürakte, Menschenrechtsverletzungen, Mißachtung von Gesetzen und die Verweigerung grundsätzlicher politischer Rechte bestimmten auch nach der Verfassungsgebung das politische Leben in El Salvador. Meist überlagerte der gewaltsame den politischen Konfliktaustrag.
In Chile hatte die im Vergleich zur Militärregierung schwache Opposition kaum eine andere Möglichkeit, als im Rahmen der Verfassung von 1980 zu versuchen einen Systemwechsel herbeizuführen. Nach dem Plebiszit 1988 hielt sich die Regierung Aylwin somit auch minutiös an die Bestimmungen, die in dieser Verfassung für den Fall einer Ablehnung Pinochets vorgesehen waren. Am 30. Juli 1989 erhielt die unter der Diktatur entstandene Verfassung mit einem Plebiszit eine unzweifelhaft demokratische Legitimation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsbestimmung: Definition der theoretischen Grundlagen für Demokratie, Autoritarismus und den Prozess des Systemwechsels.
2. Historischer Hintergrund: Darstellung der jeweiligen Ausgangssituation in Chile und El Salvador vor dem Einsetzen der Transformationsprozesse.
3. Transformationsprozeß in Chile und El Salvador - Ein Vergleich: Untersuchung der Rolle von Institutionen, Eliten und Massenunterstützung im Rahmen des Systemwechsels.
Schlüsselwörter
Systemwechsel, Demokratisierung, Chile, El Salvador, Transformationsprozess, Verfassung, Parteiensystem, Elitenloyalität, Militärdiktatur, Massenunterstützung, Zivilgesellschaft, Politische Institutionen, Konsolidierung, Demokratie, Autoritarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Prozesse des Systemwechsels von autoritären Regimen zu demokratischen Systemen in Chile und El Salvador.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rolle der Institutionen (insbesondere Parteien und Verfassungen), dem Verhalten der politischen Eliten und der Unterstützung der Demokratie durch die Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Identifikation von Unterschieden und Gemeinsamkeiten bei der demokratischen Transformation in beiden Ländern anhand theoretischer Modelle.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende politikwissenschaftliche Analyse, die auf Fachliteratur zu Systemwechseln und Demokratisierungsprozessen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die institutionelle Ebene, die Elitenloyalität sowie die Rolle der Massenunterstützung in den jeweiligen nationalen Kontexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemwechsel, Konsolidierung, Parteiensystem, Militärdiktatur und Zivilgesellschaft.
Welche Rolle spielte die Verfassung von 1980 in Chile?
Sie fungierte als rechtlicher Rahmen, innerhalb dessen die Opposition den Regimewechsel nach dem Plebiszit von 1988 schrittweise durchsetzen konnte.
Warum gestaltete sich die Demokratisierung in El Salvador schwieriger?
Die Diskrepanz zwischen verfassungsmäßigem Text und politischer Realität sowie das Erbe des Bürgerkriegs erschwerten den Aufbau stabiler demokratischer Strukturen erheblich.
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- Theresia Schnell (Author), 2003, Transformationsprozesse in Chile und El Salvador - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26764