Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment, kurz CPFR, ist ein neues Konzept, das zur Zeit die Diskussionen in der Konsumgüterwirtschaft beherrscht. Im Zusammenhang damit, ist von beachtlichen Einsparpotentialen durch Bestandssenkungen in Höhe von 20 bis 30 Prozent und einem starken Umsatzwachstum durch die Reduktion von Bestandslücken die Rede. CPFR wird in der Literatur häufig als Weiterentwicklung der logistischen Seite des Efficient Consumer Response Konzeptes bezeichnet. Dieser logistikorientierte Bereich wird unter dem Begriff Supply Chain Management zusammengefasst. Deshalb wird CPFR auch als Weiterentwicklung des Supply Chain Managements bezeichnet. Die Einordnung in den Gesamtkontext zeigt Abbildung 1.1. Ziel der Arbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen ECR und CPFR zu erläutern, zu klären, was sich hinter CPFR verbirgt sowie abschließend zu beurteilen, ob CPFR eine Weiterentwicklung des Supply Chain Managements ist. Dazu wird in Kapitel 2 zunächst auf das Konzept des Efficient Consumer Response (ECR) eingegangen. Nach der Klärung des Begriffes und des Entstehungshintergrundes werden die Gestaltungsansätze des Konzeptes aufgezeigt. Anschließend werden die beiden Bereiche des ECR, das Supply Chain Management und das Category Vom Supply Chain Management zum Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment Management, behandelt. In diesem Zusammenhang werden auch die vier Basisstrategien des ECR erläutert und den beiden Bereichen zugeordnet. Abschließend werden die für die Umsetzung des ECR-Konzeptes notwendigen Technologien und Methoden, die sogenannten ECR-Enabler, vorgestellt. In Kapitel 3 wird ein ECR-Enabler gesondert betrachtet. Es handelt sich hierbei um die sogenannten Basistechnologien. Sie sind Grundlage für die Umsetzung der in Kapitel 4 näher untersuchten logistischen Basisstrategie Efficient Replenishment. Erläutert werden der elektronische Datenaustausch, Identifikationssysteme sowie das für eine elektronische Erfassung notwendige Scanning. Die dem Supply Chain Management zugeordnete Basisstrategie Efficient Replenishment und die darin enthaltenen Teilstrategien werden in Kapitel 4 näher vorgestellt. Das Kapitel schließt mit einer Einordnung der Teilsstrategien und der Beschreibung von Problemen und Hindernissen, die bei deren Anwendung auftreten. In Kapitel 5 wird zunächst auf die Entstehung des CPFR und die erforderliche Kooperationsbereitschaft eingegangen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Efficient Consumer Response
2.1 Entstehung
2.2 Gestaltungsansätze
2.2.1 Konsumentenorientierung
2.2.2 Wertschöpfungsorientierung
2.2.3 Kooperationsorientierung
2.3 Aufbau
2.3.1 Category Management
2.3.1.1 Efficient Assortment
2.3.1.2 Efficient Promotion
2.3.1.3 Efficient Product Introduction
2.3.2 Supply Chain Management
2.4 ECR-Enabler
3 Basistechnologien
3.1 Elektronischer Datenaustausch
3.1.1 Klassisches EDI
3.1.2 EDI über Internet
3.1.3 Datenaustauschformate
3.2 Identifikationssysteme
3.2.1 Internationale Lokationsnummer
3.2.2 Europäische Artikelnummer
3.2.3 Nummer der Versandeinheit
3.3 Scanning
4 Strategien des Efficient Replenishment
4.1 Strategien mit allgemeiner Bedeutung
4.1.1 Reliable Operations
4.1.2 Efficient Unit Loads
4.2 Steuerungsstrategien
4.2.1 Computer Assisted Ordering
4.2.2 Continuos Replenishment
4.2.2.1 Vendor Managed Inventory
4.2.2.2 Co-Managed Inventory
4.2.2.3 Buyer Managed Inventory
4.2.3 Synchronisierte Produktion
4.2.4 Integrated Suppliers
4.3 Abwicklungsstrategien
4.3.1 Cross Docking
4.3.2 Transport Pooling
4.3.3 Roll-Cage-Sequencing
4.3.4 Direct Store Delivery
4.3.5 Integrated Forwarders
4.4 Einordnung und Probleme
5 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment
5.1 Entstehung
5.2 Kooperation als Dimension der Zusammenarbeit
5.3 Übertragbarkeit auf den europäischen Markt
5.4 CPFR-Prozessmodell
5.4.1 Planungsphase (Planning)
5.4.2 Prognosephase (Forecasting)
5.4.3 Belieferungsphase (Replenishment)
5.4.4 Collaborative Transportation Management
5.5 CPFR als lernender Prozess
5.6 Technologische Abwicklung
5.6.1 Eigenes System
5.6.2 Application Service Provider
5.6.3 Elektronischer Marktplatz
5.7 Implementierung
5.7.1 Basismodell
5.7.2 Partialmodell
5.7.3 Komplettmodell
5.8 Praxisbeispiel
5.9 Bewertung
6 Management Summary
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept des Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) als strategische Weiterentwicklung des Supply Chain Managements im Kontext des Efficient Consumer Response (ECR), um Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und Bestandsoptimierung in der Konsumgüterwirtschaft aufzuzeigen.
- Analyse des ECR-Konzeptes und dessen logistischer Basisstrategien.
- Untersuchung von Basistechnologien wie EDI und Identifikationssystemen als Voraussetzung für CPFR.
- Detaillierte Vorstellung des CPFR-Prozessmodells und dessen Anwendung.
- Diskussion der technologischen Abwicklung sowie der Implementierungsstrategien für CPFR.
- Bewertung der Nutzbarkeit von CPFR anhand von Praxisbeispielen in Europa.
Auszug aus dem Buch
Vendor Managed Inventory
Beim Vendor Managed Inventory wird die Nachschubsteuerung allein vom Hersteller durchgeführt. Das VMI stellt die engste Verzahnung zwischen Hersteller und Handel im Bereich des Warenbestandsmanagements dar und kann als weitestgehende Umsetzung des CR angesehen werden [KOSC01, S. 77]. Um die Nachschubsteuerung eigenverantwortlich durchführen zu können, muss der Hersteller über eine genaue Kenntnis der Bestandsentwicklung verfügen. Der Handel übermittelt dem Hersteller dazu die entsprechenden Lagerbestands- und -abgangsdaten (CR 1) und / oder POS-Daten (CR 2) per EDI. Auf der Grundlage dieser Informationen sowie Erfahrungswerten aus der Vergangenheit errechnet das EDV-System des Herstellers den Bedarf des Produktes und generiert automatisch einen Bestellvorschlag. Diese Empfehlungen des Systems passt der Hersteller noch an seine Anforderungen und an die Vereinbarungen mit dem Handel an. Anschließend wird die Bestellung generiert und der Händler über diese in Kenntnis gesetzt.
Die Übermittlung der Bestellungen vom Hersteller zum Handel ist kennzeichnend für das VMI und wird auch als umgekehrte Bestellung bezeichnet. Auf diese sollte aus rechtlichen Gründen nicht verzichtet werden. Die Waren werden anschließend produziert bzw. direkt oder mittels Cross Docking (siehe hierzu 4.3.1) an den jeweiligen Bevorratungspunkt ausgeliefert. Basierend auf den Abverkaufsdaten und / oder den Daten aus dem zu beliefernden Lagerpunkt wird so ein kontinuierlicher, standardisierter Bestell- und Nachschubvorgang ausgeführt und die Produktion gesteuert. Je früher dem Hersteller die Daten übermittelt werden und je detaillierter diese sind, umso besser ist die Datenbasis des Herstellers und dadurch auch die Nachbevorratung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ziel und Aufbau der Arbeit: Diese Einleitung definiert das CPFR-Konzept und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie den inhaltlichen Aufbau der wissenschaftlichen Arbeit.
2 Efficient Consumer Response: Das Kapitel erläutert die Grundlagen, Entstehungsgeschichte und die drei wesentlichen Gestaltungsansätze (Konsumenten-, Wertschöpfungs- und Kooperationsorientierung) des ECR-Konzeptes.
3 Basistechnologien: Hier werden die technologischen Voraussetzungen für ECR und Efficient Replenishment, insbesondere EDI, Identifikationssysteme und Scanning, detailliert beschrieben.
4 Strategien des Efficient Replenishment: Dieses Kapitel stellt verschiedene logistische Teilstrategien vor, unterteilt in Steuerungsstrategien (wie CAO und VMI) und Abwicklungsstrategien (wie Cross Docking), und analysiert deren Probleme.
5 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment: Das Kernkapitel befasst sich mit dem CPFR-Konzept, dem Prozessmodell, der technologischen Abwicklung sowie der Implementierung und Bewertung mittels eines Praxisbeispiels.
6 Management Summary: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit kompakt zusammen.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, ECR, CPFR, Efficient Replenishment, Category Management, Warenversorgung, EDI, Identifikationssysteme, VMI, Cross Docking, Prozessmodell, Absatzplanung, Nachschubsteuerung, Bestandsoptimierung, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert CPFR als Weiterentwicklung des Supply Chain Managements im Kontext von ECR, um durch kooperative Prozesse zwischen Handel und Hersteller Effizienzpotenziale in der Supply Chain zu heben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf ECR-Grundlagen, notwendigen Basistechnologien für den Datenaustausch, operativen Steuerungs- und Abwicklungsstrategien sowie der detaillierten Ausgestaltung des CPFR-Prozessmodells.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen ECR und CPFR zu erläutern, die Funktionsweise von CPFR zu klären und zu beurteilen, ob CPFR tatsächlich eine Weiterentwicklung des Supply Chain Managements darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und Studien sowie der exemplarischen Untersuchung eines CPFR-Pilotprojektes zwischen Delhaize und Masterfoods.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des ECR-Konzeptes, die technologische Basis, eine systematische Vorstellung der Replenishment-Strategien und eine tiefgehende Analyse der CPFR-Phasen Planung, Prognose und Belieferung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem CPFR, ECR, Supply Chain Management, Vendor Managed Inventory, EDI, sowie die verschiedenen Kooperations- und Prozessmodelle innerhalb der Konsumgüterlogistik.
Welche Rolle spielt die Informationstechnologie bei CPFR?
Technologien sind essenziell; sie bilden das Rückgrat für den automatisierten Datenaustausch und die gemeinsame Planung. Dedizierte Anwendungssysteme oder elektronische Marktplätze sind erforderlich, um die Komplexität der kooperativen Prozesse zu beherrschen.
Warum ist das CPFR-Modell als "lernender Prozess" definiert?
Da CPFR auf zyklischen Regelkreisen basiert, fließen gewonnene Erfahrungen aus der Zusammenarbeit stetig in die zukünftige Planung ein, wodurch sowohl unternehmensinterne als auch kooperative Prozesse kontinuierlich optimiert werden.
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- Matthias Pfister (Author), 2003, Vom Supply Chain Management zum collaborative Planning, Forecasting and Replenishment, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26779