Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Zielsetzung der Wohlfahrtstheorie 3
2 Das Marktgleichgewicht eine effiziente Allokation 5
2.1 Die Konsumentenrente 5
2.2 Die Produzentenrente 6
2.3 Markteffizienz und Marktversagen 8
3 Problem der Wohlfahrtsmessung 10
4 Die soziale Wohlfahrtsfunktion 13
5 Das Verteilungsproblem: Effizienz und Gerechtigkeit 15
5.1 Konzept der fairen Allokation 15
5.2 Die sechs Verteilungskriterien nach C Perelam 18
5.3 Der Trade-off zwischen dem Effizienz- und dem Verteilungsziel 21
6 Die politische Philosophie der Einkommensumverteilung 23
6.1 Utilitarismus 23
6.2 Der egalitäre Liberalismus John Rawls 24
7 Fazit 28
8 Literaturverzeichnis 30
Anhang 32
Eidesstattliche Erklärung 33
2
1 Einleitung: Zielsetzung der Wohlfahrtstheorie
In vielen entwickelten Volkswirtschaften gibt es heutzutage kaum noch wirtschaftliche Aktivitäten, die nicht in irgendeiner Weise mit dem Wirken des 1 . So erfordert der beträchtliche Anteil des Staates am Staates verknüpft sind wirtschaftlichen Leben einer modernen Gesellschaft und der damit verbundene Einfluss hinsichtlich der Verwendung ihrer Ressourcen einen verantwortungsvollen – v.a. aber einen ökonomisch rationalen – Umgang mit dieser Macht. Die Wirkungen staatlicher Maßnahmen stehen zudem zunehmend im Interesse der Öffentlichkeit, so dass sich die Regierungen immer mehr „genötigt“ sehen, die 2 Hierbei ergibt ökonomische Sinnhaftigkeit staatlicher Aktivitäten zu rechtfertigen. sich eine Grundfrage, die immer wieder gestellt wird: „Geht es einer Gesellschaft nach Durchführung einer bestimmten staatlichen Maßnahme „besser“ als zuvor
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oder nicht?“
Zur Beantwortung dieser Frage bedarf es der ökonomischen Evaluation (der Maßnahmen), welche wiederum auf der ökonomischen Wohlfahrtstheorie beruht. Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Ressourcenknappheit und die Frage der 4 Das Kernanliegen der Verwendung der Ressourcen im Wirtschaftprozess.
ökonomischen Theorie besteht darin, Aussagen darüber zu treffen, wie die in einer Gesellschaft zur Verfügung stehenden knappen Mittel optimal genutzt werden 5 Die Wohlfahrtstheorie versucht weiterführend zu beschreiben, unter können.
welchen Bedingungen die Wohlfahrt bei Allokationsänderungen von Ressourcen verbessert werden kann, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt Wohlfahrtsänderungen zu messen und unter welchen Bedingungen ein
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gesellschaftliches Optimum der Allokation erreicht wird.
Werden Versorgungsleistungen beispielsweise mit einem geringst möglichen Mitteleinsatz erstellt, so ist die Rede von technischer Effizienz. Die Kosten-
1 Hier zählen z.B. regulative und steuerliche Maßnahmen, die staatliche Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen, die Rationierung oder gar der Verbot bestimmter Güter, aber auch Subventionen. 2 (vgl.: Alheim, M.; Rose, M., 1992, S. 1) 3 (Alheim, M.; Rose, M., 1992, S.1) 4 (vgl.: Leidl, 2003, S. 2) 5 (vgl.: Schernikau, F., 1992, S.1)
3
Effektivität bezieht darüber hinaus die Preise mit ein, sodass hiernach die Versorgungsleistungen mit einem Minimum an Kosten erstellt werden oder mit
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einem bestimmten Budget ein Maximum an Versorgungsleistung erreicht wird. 4 .
Die Kosten-Effizienz schließt schließlich die technische Effizienz mit ein Neben der Kosten-Effektivität und -Effizienz muß nach der allokativen Effizienz die 7 In diesem Versorgungsleistung auch den Präferenzen des Patienten entsprechen. Kontext steht die globale Effizienz. Diese besteht dann, wenn die Leistung einerseits technisch effizient produziert wird, andererseits es sich aber auch um die Leistung handelt, die ein vollständig und fachkundig informierter Verbraucher oder Patient beziehen wollen würde und für deren Leistung er – beispielsweise im
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Rahmen einer Krankenversicherung – zu zahlen bereit wäre.
Wie wirkt sich das Problem der Ressourcenknappheit auf den Gesundheitssektor aus?
Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen, in denen der technische Fortschritt zu einem effizienteren Umgang mit den Ressourcen und damit zu Einsparungen führt, liegt es im Wesen des Gesundheitswesens, dass moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und bessere Technologien mittels präziser Diagnostik eine zusätzliche Nachfrage schaffen. Auf diese Weise können Krankheiten früher, genauer und besser erkannt werden. Heutzutage können Krankheiten diagnostiziert und oft aufwendig und langwierig behandelt werden, die früher nicht einmal bemerkt wurden. Betroffene Menschen starben und benötigten von daher keine gesundheitlichen Leistungen. Das Angebot im Gesundheitswesen schafft sich heute also eine eigene Nachfrage. Bezogen auf die Knappheit der Ressourcen könnte geschlussfolgert werden, dass der Erfolg der Medizin unser
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heutiges finanzielles Problem darstellt!
In Hinblick auf die wissenschaftlichen technologischen Möglichkeiten (die im Gegensatz zum medizinisch-technischen Fortschritt relativ genau abschätzbar sind), der demographischen Entwicklung und der Knappheit der Ressourcen gilt
6 Hierbei ist zu beachten, dass Max- und Minprinzip nicht gleichzeitig verwirklicht werden können. 7 Weiteres hierzu siehe Kapitel 5 8 (vgl.: Rathje, E., 2001, S.1)
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es Seitens des Staates zu entscheiden, welche bestimmten medizinischen Verfahren bezogen auf den Patienten zur Anwendung kommen, d.h. welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden und für welche
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die Patienten selbst aufkommen müssen.
Ausgehend von der Problematik der Ressourcenknappheit sollen im Rahmen dieser Arbeit als nächstes kurz einige theoretische Grundlagen einer effizienten Ressourcenallokation vorgestellt werden, dem sich die Problematik der Wohlfahrtsmessung a nschließt. Vor diesem Hintergrund gilt es – als Hauptanliegen dieser Arbeit – die Frage nach einer effizienten Verteilungsgerechtigkeit von Leistungen aufzugreifen. Dieses Themengebiet soll anhand der sozialen Wohlfahrtsfunktion, der fairen Allokation, den 6 Verteilungskriterien nach C. Perelam und dem Trade- off zwischen dem Effizienz- und Verteilungsziel bearbeitet werden. Abschließend erfolgt eine kurze Darstellung des Utilitarismus und des egalitären Liberalismus – mit letzterem also eine kurze Reflexion der rawlschen Gerechtigkeitstheorie:
2 Das Marktgleichgewicht – eine effiziente Allokation?
Wie beeinflusst die Allokation von Ressourcen die wirtschaftliche Wohlfahrt einer 9 und ist die Allokation der Ressourcen, so wie sie durch freie Märkte Gesellschaft
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geschieht, letztlich wünschenswert?
Zur Beantwortung dieser Fragen gilt es zunächst die Grundwerkzeuge der Nationalökonomen – die Konsumenten- und Produzentenrente – näher zu betrachten. Dies ermöglicht wiederum die Wohlfahrt von Käufern und Verkäufern
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auf den Märkten zu beurteilen.
2.1 Die Konsumentenrente
Ausgangspunkt der Konsumenten- und Produzentenrente stellt das Marktgleichgewicht bei vollkommener Konkurrenz dar. Hierbei handelt es sich um
9 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S.153)
10 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S. 165)
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eine Situation, in der Angebot und Nachfrage gleich sind, so dass es für Produzenten, wie auch Konsumenten keinen Anreiz gibt ihr Verhalten zu verändern – die Verhaltensweisen der Nachfrager und Anbieter sind demnach kompatibel. So könnte man beispielsweise von einem Preis, der kein Gleichgewichtspreis ist nicht erwarten, weiter zu bestehen, da zumindest einige Akteure einen Anreiz 11 .
hätten ihr Verhalten zu verändern Der normale Verlauf einer Nachfragekurve zeigt an, dass durchaus Transaktionen zustande kommen könnten, wenn der Preis über dem Gleichgewichtspreis liegt. Denn einige Nachfrager sind bereit für ein Gut, aus dem sie einen entsprechend
hohen Nutzen ziehen, einen relativ hohen Preis zu entrichten Marktpreis jedoch unter der Zahlungsbereitschaft des Konsumenten, so bezeichnet man den Vorteil, der für die Nachfrager daraus resultiert, dass sie nur 14 . 15 Bei einem einen geringeren Preis zahlen müssen, als Konsumentenrente Marktgleichgewicht ergibt sich die Konsumentenrente aller Käufer in diesem Markt aus der Gesamtfläche unterhalb der Nachfragekurve und oberhalb des
16
Marktpreises (siehe Abb.1).
2.2 Die Produzentenrente
Analog zur Konsumentenrente ergibt sich die Produzentenrente. Diese entsteht, weil ein Teil der Anbieter ein bestimmtes Gut zu einem geringeren Preis – z.B.
11 z.B.: Gut A ist teurer als Gut B, so dass für Gut A die Nachfrage kleiner als das Angebot ist. In diesem Fall werden einige Anbieter die erwarteten Mengen nicht verkaufen können, so dass die einzige Möglichkeit mehr zu verkaufen darin besteht, die Preise zu senken. Verkaufen nun alle Anbieter identische Güter, und ein Anbieter diese zu niedrigeren Preisen verkauft, so müssen die anderen Anbieter ebenfalls die Preise senken. Das Überschussangebot übt damit einen Druck auf den Marktpreis nach unten aus. Erst wenn die Nachfrage dem Angebot entspricht, wird der Markt sich in einem Gleichgewicht befinden.
12 (vgl.: Varian, H. R., 2001, S. 275f.) 13 Sicher können sich derartige Nachfrager das Gut leisten, da sie über die entsprechende Kaufkraft verfügen.
14 Also die Differenz zwischen der Zahlungsbereitschaft und dem Marktpreis. 15 (vgl.: Fritsch, M; Wein, T.; Ewers, H.-J., 2001, S. 55) 16 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S. 158)
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weil das Gut bei relativ niedrigen Kosten produziert wird – als dem Marktpreis bereitstellen würde. Die Mindestforderungen des Anbieters ergeben sich hierbei aus der Angebotskurve, die veranschaulicht, welche zusätzlichen Kosten dem Anbieter bei zusätzlichen Mengeneinheiten entstehen. Die Angebotskurve stellt demnach eine „aggregierte Kurve der individuellen Grenzkosten“ dar. Die Produzentenrente ergibt sich von daher aus der Differenz zwischen dem Marktpreis und demjenigen Preis, zu dem ein Anbieter zur Transaktion bereit 17 Bei einem Marktgleichgewicht ergibt sich die Produzentenrente also aus
wäre.
der Gesamtfläche oberhalb der Angebotskurve und unterhalb des Marktpreises (siehe Abb.1).
Abbildung 1: Konsumentenrente, Produzentenrente und sozialer Überschuss
G
P
B
0
X G
(Quelle: Fritsch, M.; Wein, T.; Ewers, H.-J.; 2001, S. 56)
17 (vgl.: Fritsch, M; Wein, T.; Ewers, H.-J., 2001, S. 56)
7
2.3 Markteffizienz und Marktversagen
„Die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente wird als sozialer Überschuss bezeichnet, den man als ein Maß für die mit der Bereitstellung des betreffenden Gutes bewirkte Wohlfahrtssteigerung der Gesellschaft interpretieren
18
kann.“
Der soziale Überschuss entspricht demnach der Fläche AGB in Abbildung 1. Wie aus Abbildung 1 weiterhin hervorgeht, ist die Fläche AGB um so geringer (und damit auch der soziale Überschuss), je kleiner die auf dem Markt umgesetzte Menge ist. Da diese Menge in einem Marktgleichgewicht jedoch maximal ist, ist der soziale Überschuss hier am höchsten. Demnach ist das Marktgleichgewicht der gesamtwirtschaftlich vorteilhafteste Zustand, so dass er das unter den
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gegebenen Umständen erzielbare Wohlfahrtsmaximum darstellt.
Ist eine derartige Allokation der Ressourcen im Markgleichgewicht nun effizient? Ja, denn das Marktgleichgewicht maximiert die Summe der gesamtgesellschaftlichen Konsumenten- und Produzentenrente, so dass das
21
So Gleichgewichtsergebnis eine effiziente Allokation der Ressourcen darstellt. ist – nach dem 1. Hauptsatz der Allokationstheorie – jedes
22
„Der Zustand der vollständigen Wettbewerbsgleichgewicht pareto-effizient. Konkurrenz bewirkt auf den Märkten für private Güter eine maximale
23
. Allerdings impliziert Pareto- Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaftsmitglieder“ Effizienz nicht, dass gleiche bzw. gerechte Verteilungsverhältnisse vorliegen, d.h.
24
die Güter können ebenso gut extrem ungleich verteilt sein.
18 (Fritsch, M; Wein, T.; Ewers, H.-J., 2001, S. 57)
19 (vgl.: Fritsch, M; Wein, T.; Ewers, H.-J., 2001, S. 57) 20 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S. 168) 21 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S. 170) 22 (vgl.: Hagel, J., 1993, S.204) 23 (Hagel, J., 1993, S.204) 24 (vgl.: www.iew.unizh.ch, [Stand: 01.12.2003])
8
Hierbei sei jedoch zu beachten, dass die Aussagen über Effizienz im Marktgleichgewicht unter bestimmten Annahmen getroffen wurden. So wurde z.B. angenommen, dass es sich um Märkte mit vollständiger Konkurrenz handelt. In der Realität sind j edoch einzelne Käufer oder Verkäufer zur Beeinflussung der Marktpreise in der Lage. Eine derartige Markmacht kann zu Ineffizienz der Märkte führen, da sie ein Gleichgewicht zwischen Menge und Preis behindert. Ebenso bestand u.a. die Annahme, dass die Marktergebnisse nur die Käufer und Verkäufer in jenem Markt tangieren. Tatsächlich treffen jedoch die Käufer- und Verkäuferentscheidungen oft auf Menschen, die gar keine Marktteilnehmer sind. 25 , als auch im
Die Rede ist von externen Effekten, die sowohl im Konsumbereich 26 vorzufinden sind. Vom Standpunkt der Gesellschaft können
Produktionsbereich Marktgleichgewichte von daher ineffizient sein. Derartige Phänomene des Marktversagens sind Beispiele für die Unfähigkeit einiger selbstgesteuerter
27
Märkte zur effizienten Ressourcenallokation.
In solchen Fällen bedarf es der Regulation von Seiten des Staates, der neben der Problematik einer effizienten Allokation von Ressourcen bei knappen Mitteln mit der Frage einer gerechten Ressourcenverteilungen konfrontiert ist. Bevor wir uns mit dem Problem einer effizienten und gerechten Verteilung von Ressourcen beschäftigen, gilt es vorab kurz das Problem der Wohlfahrtsmessung aufzugreifen und kurz die soziale Wohlfahrtsfunktion zu reflektieren:
25 positive externe Effekte à „wenn Güter und Dienstleistungen nicht nur dem eigentlichen Konsumenten nützen, sondern auch seinen Mitmenschen.“ (Blohm, D., 1991, S.27) Negative externe Effekte à „wenn der Konsum von Gütern und Dienstleistungen den Mitmenschen Schaden zufügt.“ (Blohm, D., 1991, S.27) 26 Positive externe Effekte à „wenn von der Produktionsausdehnung eines Betriebes andere Betriebe unentgeltlich begünstigt werden.“ (Blohm, D., 1991, S.27) Negative externe Effekte à „wenn von der Produktionsausdehnung eines Betriebes andere Betriebe benachteiligt werden, ohne dass sie vom Verbraucher dafür eine Entschädigung erhalten.“ (Blohm, D., S. 28) 27 (vgl.: Mankiw, N. G., 1999, S. 170f.)
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Master of Science in Public Health and Administration Franziska Bittner, 2004, Die ökonomische Wohlfahrtstheorie: Ökonomische Grundlagen zur Ressourcenknappheit und zur Verwendung von Ressourcen im Wirtschaftsprozess, Munich, GRIN Publishing GmbH
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