Kinder sehen zu viel Fern, sitzen den ganzen Tag vor dem PC, sind deshalb unkonzentriert und sogar aggressiv! Diese Aussage ist zur Zeit überall zu hören und zu lesen. Nun soll plötzlich auch die Schule den Computerkonsum unterstützen und mit sogenannten neuen Medien im Unterricht arbeiten?
Moderne Studien zeigen, dass die Problematik nicht im Medium selbst, sondern beim Umgang damit zu finden ist. Nach den neuen Bildungsplänen steht die Schule besonders hinsichtlich des Faches Deutsch in der Pflicht, Kinder schon im Grundschulalter dabei zu unterstützen, neue Medien - so auch Computer und Internet - als mündige, selbstbewusste und reflektierte Nutzer einzusetzen. Dadurch soll auch verhindert werden, dass Kinder in die ausschließlich passive Rolle des naiven Konsumenten gedrängt werden. Das Schlagwort hierfür ist "Medienerziehung".
Doch wie ist es um die Voraussetzungen für eine sinnvolle Medienerziehung bestellt? Sind die Schulen hierfür ausgerüstet? Wie sieht es mit Einstellung und Kompetenz der Lehrer aus?
In mehreren Schulen Baden-Württembergs fand hierzu und zu anderen Schlüsselfragen eine Befragung statt, welche die Forderungen der Forschung, das vorhandene didaktische Angebot und den wirklichen Schulalltag gegenüberstellt.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Begriffsklärungen
1.1. Definition und Überblick Medien
1.2. Definition und Überblick Medienkompetenz
1.3. Definition und Ziele Medienerziehung
2. Kurzer geschichtlicher Hintergrund
2.1. Entwicklung der Medien aus historischer Sicht
2.2. Entwicklung der Medienerziehung im Unterricht
3. Medien heute
3.1. Diskussion und Bedeutung von Medien in Öffentlichkeit und Wissenschaft
3.2. Medien und Medienkompetenz in Politik, Wirtschaft und Medien
4. Aktuelle wissenschaftliche Diskussion
4.1. Mediensozialisation
4.2. Mediennutzung von Kindern im Grundschulalter
4.3. Medienerziehung – eine Aufgabe der Grundschule?
4.4. Medienerziehung im Deutschunterricht
5. Didaktische Konzepte und methodische Umsetzung
5.1. Stellung der Medienerziehung im Bildungsplan
5.2. Mediendidaktischer Ansatz und Ziele
5.3. Bezug zur Praxis und Unterrichtsbeispiele
5.4. Medienerziehung im didaktischen Angebot
6. Medienerziehung im Schulalltag der Grundschule – eine kleine empirische Feldstudie
6.1. Erläuterung zu den ausgeführten Befragungen
6.1.1. allgemeine Ausgangssituation
6.1.2. Ausgangssituation zur ersten Befragung
6.1.3. Ausgangssituation zur zweiten Befragung
6.2. Hypothesen
6.2.1. Vermutungen zur ersten Befragung und Bezug zu vorherigen Untersuchungen
6.2.2. Vermutungen zur zweiten Befragung und Bezug zu vorhergehenden Untersuchungen
6.3. Ergebnisse der beiden Befragungen
6.3.1. Bedeutung von Medienerziehung in Schulen des Landkreis Ludwigsburg – gibt es eine Profilbildung?
6.3.2. Ausstattung der Schulen mit Computern und Internet – Einfluss auf den Medienunterricht?
6.3.3. Zusammenhang von Alter, Dienstzeit und Ausbildung einzelner Lehrer mit dem Verständnis für Medien (-Erziehung)
6.3.4. Einfluss persönlicher Vorlieben auf den Medienunterricht
6.3.5. methodisch-didaktisches Verständnis von Medienerziehung und integrativen bzw. handlungsorientiertem Unterricht
6.3.6. Überblick über das Inventar an Deutschlehrwerken in den Schulen
6.3.7. Nutzung und Wert der Lehrbücher für den Medienunterricht einzelner LehrerInnen – momentane Situation und Wünsche an die Verlage
6.3.8. Bedeutung von Medien in verwendeten Deutschbuchreihen mit Blick auf die einzelnen Verlage
7. Zusammenfassung / Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die praktischen Bedingungen der Medienerziehung an Grundschulen im Landkreis Ludwigsburg, wobei insbesondere das Fach Deutsch als zentrales Leitfach betrachtet wird. Ziel ist es, ein Profil der untersuchten Schulen in Bezug auf ihren medienpädagogischen Ansatz zu erstellen und zu analysieren, welchen Einfluss personelle und institutionelle Rahmenbedingungen sowie das verwendete didaktische Material auf die schulische Praxis haben.
- Integration von Medienkompetenz in den Grundschulalltag
- Analyse des didaktischen Materials und dessen Eignung für die Medienerziehung
- Zusammenhang zwischen Lehrerpersönlichkeit und medienpädagogischer Arbeit
- Vergleich theoretischer didaktischer Konzepte mit der praktischen Umsetzung
- Evaluation der Rolle von Schulbüchern bei der Vermittlung von Medienkompetenz
Auszug aus dem Buch
1.2. Definition und Überblick Medienkompetenz
Es ist unumstritten, dass Kinder und Jugendliche in der Regel sehr viel weniger Probleme mit der Anwendung von Medien haben, als dies bei vielen Erwachsenen der Fall ist. Während die meisten Erwachsenen sich in die Arbeitstechniken einarbeiten müssen, wachsen Kinder mit diesen Technologien auf und können deren Umgang spielerisch erlernen. Sie sind Teil ihrer Lebenswirklichkeit.
In dem Aufsatz „naive Medienexperten“ von Klaus Boeckmann sagt schon der Titel, wo hier die Problematik zu finden ist. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Bedienung der Geräte. "Naiv" sind die Kinder deshalb, weil ihre Kompetenzen fast ausschließlich auf die reine Anwendung begrenzt sind, was u.a. Boeckmann in einer qualitativen Studie belegen konnte. Er schreibt den meist jugendlichen Testpersonen zwar „eine selbstbewusste User-Mentalität zu“, erkennt aber eine „beträchtliche Naivität bezüglich der sozial-politischen Hintergründe der Massenkommunikation“. „Überhaupt ist fast allen die Vorstellung fremd, daß Interessen politischer oder ideologischer Art auf die Medien einwirken könnten.“
Hier stellt sich nun die Frage, was aus einem "naiven Medienexperten" einen "kompetenten Medienexperten" macht. Dabei ist auch zu klären, was unter "kompetent" verstanden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Medienerziehung in der Grundschule ein und legt den Fokus auf die empirische Untersuchung im Landkreis Ludwigsburg.
1. Begriffsklärungen: Es werden die zentralen Termini Medien und Medienkompetenz im Kontext pädagogischer Arbeit definiert und strukturiert.
2. Kurzer geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung technischer Medien und die korrespondierende Genese der Medienerziehung im schulischen Kontext.
3. Medien heute: Die aktuelle gesellschaftliche und politische Diskussion um die Bedeutung von Medien wird analysiert.
4. Aktuelle wissenschaftliche Diskussion: Es wird erörtert, wie sich Medien auf die Sozialisation von Kindern auswirken und welche Rolle der Grundschule zukommt.
5. Didaktische Konzepte und methodische Umsetzung: Dieser Teil befasst sich mit der Verankerung der Medienerziehung im Bildungsplan und verschiedenen didaktischen Ansätzen.
6. Medienerziehung im Schulalltag der Grundschule – eine kleine empirische Feldstudie: Hier werden die methodischen Grundlagen, Hypothesen und Ergebnisse der eigenen Befragungen im Kreis Ludwigsburg detailliert dargestellt.
7. Zusammenfassung / Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz über die Situation der Medienerziehung und diskutiert die Herausforderungen für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Medienerziehung, Medienkompetenz, Grundschule, Mediensozialisation, Unterrichtspraxis, Deutschunterricht, Medienverbund, Schulbuch, Lehrwerke, empirische Untersuchung, Bildungsplan, Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung, Informationstechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Medienerziehung in der Grundschule und analysiert das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen durch Forschung, Politik und Wirtschaft und dem tatsächlichen didaktischen Angebot im Schulalltag.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Einfluss von Medien auf die Lebenswelt von Kindern, die Notwendigkeit von Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation und die Rolle des Fachs Deutsch als möglichem Leitfach für die Medienerziehung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine empirische Feldstudie im Landkreis Ludwigsburg zu ermitteln, welche Bedeutung Medienerziehung in der Praxis hat und von welchen Faktoren diese maßgeblich beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine empirische Feldstudie durch, die auf zwei Befragungsrunden unter Lehrerinnen und Lehrern basiert, ergänzt durch eine systematische Analyse von eingesetzten Deutschbuchreihen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, die Analyse der didaktischen Konzepte in Bildungsplänen sowie die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten zu Medienausstattung und dem Einsatz von Deutschlehrwerken.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Medienkompetenz, Medienerziehung, Mediensozialisation, Medienverbund und didaktische Umsetzung im Deutschunterricht.
Wie bewerten die untersuchten Schulen die Rolle des Deutschbuchs für die Medienerziehung?
Die Studie zeigt, dass die meisten Schulen das Deutschbuch nicht primär unter dem Aspekt der Medienerziehung auswählen; diese findet häufig nur sehr begrenzt oder methodisch isoliert statt.
Welche Rolle spielen regionale Unterschiede oder soziale Brennpunkte?
Entgegen der Erwartungen konnten keine eindeutigen Korrelationen zwischen der Lage der Schule (z. B. sozialer Brennpunkt) und der medienpädagogischen Profilbildung festgestellt werden; entscheidender ist oft die Einstellung der Lehrkräfte und die Initiative des Kollegiums.
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- Matthias Hagen (Author), 2003, Medienerziehung in der Grundschule - Schulalltag zwischen Forschung und didaktischem Angebot, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26946