INHALTSVERZEICHNIS II
3.5.3 Status Quo der deutschen Filmfinanzierung 31
4 Einsatzmöglichkeiten der Projektfinanzierung als
Finanzierungsmethode in der deutschen Filmindustrie 33
4.1 Prüfung der Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren 33
4.1.1 Abgrenzbarkeit des Projektes
Spielfilmproduktion 33 NA
4.1.2 Risikomanagement 34
4.1.3 Finanzierungsstrukturen 38
4.1.3.1 Traditionelle Finanzierungsinstrumente 38
4.1.3.2 Innovative Finanzierungsinstrumente 40
4.2 Bedeutung und Potenziale der Projektfinanzierung für die
deutsche Filmindustrie 42
5 Zusammenfassung und Ausblick 47
Anhang ..............................................................................................................49 NA
Literaturverzeichnis 63 NA
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS III
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb 1: Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung 1
Abb 2: Beteiligte einer Projektfinanzierung 7
Abb 3: Beteiligte einer Spielfilmproduktion 18
Abb 4: Wertschöpfungskette eines Spielfilms 19
Abb 5: Verwertungsstufen eines Spielfilms 20
Abb 6: Das System Spielfilm 21
Abb 7: Risikoquantifizierung mittels SDA-Ansatz 35
Abb 8: Filmrechtsbewertung mittels EDCF-Ansatz 36
Tab 1: Kinobesucherzahlen ausgewählter Spielfilme 15
Tab 2: Kinoerstaufführungen in Deutschland und nationaler
Marktanteil des deutschen Spielfilms 17
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
AG Aktiengesellschaft
BMF Bundesministerium für Finanzen
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. circa
Co. Compagnie
DCF Discounted Cash Flow
d.h. das heißt
EAS Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
EDCF Enhanced Discounted Cash Flow
EStG Einkommenssteuergesetz
etc. ecetera
e.V. eingetragener Verein
FBD Freshfields Bruckhaus Deringer
FFA Filmförderanstalt
FFG Filmfördergesetz
GATT General Agreement of Tariffs and Trade
GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
HGB Handelsgesetzbuch
Hrsg. Herausgeber
i.d.R. in der Regel
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
i.S.d. im Sinne des
JVA Justizvollzugsanstalt
KAG Kapitalanlagegesellschaft
KG Kommanditgesellschaft
MBP GmbH Medienberatungs- und -produktionsgesellschaft mbH
Mio. Millionen
MPA Motion Picture Association
Mrd. Milliarden
No. Nummer
Nr. Nummer
o.V. ohne Verfasser
PWC PriceWaterhouseCoopers
S. Seite, Seiten
SDA Strategic Decision Advice
sog. sogenannte
SPIO Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V.
Tab. Tabelle
TV Television, Fernsehen
u.a. und andere
Ufa Universum-Film AG
UrhG Urhebergesetzt
Ust Umsatzsteuer
usw. und so weiter
v. vom
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 1
1 Einleitung
Cash-Flow-basierte Finanzierungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein zu
finanzierendes Projekt und dessen finanzielle Leistungsfähigkeit ( Cash Flows)
die wesentliche Grundlage der gesamten Finanzierung darstellen. 1 Dieses Cha-
rakteristikum wird C ash Flow Related Lending genannt und ist ein prägendes
Merkmal der Projektfinanzierung. Aus diesem Grund werden die Begriffe Pro-
jektfinanzierung und Cash-Flow-basierte Finanzierung in der Literatur auch oft
synonym verwendet. 2 Die Projektfinanzierung ist e ine Finanzierungsmethode
für in sich geschlossene und meist einmalige Investitionsvorhaben, die sowohl
die Finanzkraft als auch die Bilanzierungs- und Risikobereitschaft einzelner
Unternehmen übersteigen. 3 Obwohl bereits in der Antike e rtragsorientierte
Kreditvergaben existierten, wird der Ursprung der Entwicklung der Projektfi-
nanzierung in den Explorationsfinanzierungen neuer Erdölvorkommen in den
USA in den dreißiger Jahren gesehen. 4 Heutzutage finden Projektfinanzierun-
gen in vielen Bereichen Anwendung (vgl. Abb.1).
Abb. 1: Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung, Quelle: Böger/Boll (2003), S. 41.
Abbildung 1 zeigt drei Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung, die „klas-
sische“ Projektfinanzierung, die private Finanzierung von Infrastrukturinvesti-
tionen (Public Private Partnership) 5 und den Bereich der sog. „neuen“ Projekt-
finanzierungsbranchen. Projektfinanzierungen des letztgenannten Anwen-
1 Vgl. Heintzeler (1983), S. 600; Backhaus/Köhl/Hong (1998), S.4; Tytko (2003), S. 14 f.;
Frank/Moser (1987), S. 35.
2 Vgl. Tytko (2003), S. 14 f.; Uekermann (1993), S. 11 f.
3 Vgl. Reuter/Wecker (1999), S. 1.
4 Vgl. Schulte-Althoff (1992), S. 45; Hupe (1995), S. 8; Tytko (1999a), S. 3.
5 Public Private Partnership (PPP) entstehen durch eine gemeinsame Beteiligung von öffent-
licher Hand und Privatwirtschaft an einem Projektträger. Vgl. Lenz/Zinell (2001), S. 78.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 2
dungsgebietes finden bereits vereinzelt praktische Anwendung, wie z.B. im Telekommunikationsbereich, werden jedoch in der Literatur bislang selten aus- führlich dargestellt. 6 Aus diesem Grund soll aus den „neuen“ Projektfinanzie- rungsbranchen der Bereich „Medien und Entertainment“ näher betrachtet wer- den. Da der deutschen Film und Entertainment Branche in den kommenden Jahren 2003-2007 ein durchschnittliches Wachstum von ca. 7% jährlich prog- nostiziert wird, 7 konzentriert sich diese Arbeit innerhalb der „Medien und E n- tertainment“ Branche speziell auf die deutsche Filmindustrie. Die Finanzierung von Spielfilmproduktionen w ird in der relevanten Filmliteratur vereinzelt als Projektfinanzierung dargestellt. 8 Ob die A utoren dabei Projektfinanzierung im finanzwissenschaftlichen Sinne meinen oder lediglich darstellen wollen, dass es sich um die Finanzierung eines einzelnen Projektes handelt, geht aus der Literatur nicht klar hervor.
Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit sich die Projektfinanzie- rung als spezifische Finanzierungsmethode für Spielfilmfinanzierungen eignet. Dazu werden Einsatzvoraussetzungen der Projektfinanzierung herausgearbei- tet, die es an Hand der Filmfinanzierung zu überprüfen gilt. Darüber hinaus soll dargestellt werden, ob die Methode der Projektfinanzierung bereits in der Spielfilmindustrie angewandt wird und welche Bedeutung dieser spezifischen Finanzierungsmethode zukommt bzw. welche Potenziale sie für die deutsche Filmindustrie aufweist.
Spielfilme können in vielerlei Hinsicht z.B. als Kommunikationsmedium, Wirtschafts-, Kunst-, Kultur- und Rechtsobjekt verstanden und untersucht wer- den. 9 Diese Arbeit beschränkt sich auf den Film als Wirtschaftsobjekt und da- bei speziell auf den abendfüllenden deutschen Spielfilm 10 der zur Uraufführung im Kino produziert wird. Darüber hinaus wird die Finanzierung einer Spiel- filmproduktion aus dem Blickwinkel des Produzenten betrachtet. Daher kann
6
Vgl. Klemm/Röver (2001), S. 32 f.; Pratt/Siderman (2001) S, 52-57; Seibert (1999), S. 164.
7
Vgl. PWC (2003a), S. 21.
8 Vgl. Storm (2000), S. 18; Eggers (1995), S. 13-15.
9 Vgl. Nowka (1983), S. 3; Thiermeyer (1994), S. 21-24.
10 Die Begriffe Film, Spielfilm und Kinofilm werden in dieser Arbeit synonym verwendet.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 3
die Finanzierung der Filmdistribution als auch die Finanzierung des Filmkon- sums wie z.B. Kino-/Theaterhausfinanzierungen ausgeblendet werden.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich wie folgt: Kapitel 2 stellt die Grundlagen der klassischen Projektfinanzierung dar, aus denen nachfolgend die Einsatz- voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für die Anwendung abgeleitet werden. In Kapitel 3 werden eingangs der Betrachtungsgegenstand sowie die Besonder- heiten sowohl der Spielfilmindustrie allgemein als auch speziell der deutschen Spielfilmindustrie aufgezeigt. Des Weiteren werden die grundlegende Wert- schöpfungskette einschließlich aller Beteiligten sowie die spezifischen Risiken einer Spielfilmproduktion beschrieben. Im letzten Abschnitt werden die finan- zierungsspezifischen Besonderheiten sowie die traditionellen Finanzierungsin- strumente einer Spielfilmproduktion vorgestellt und abschließend der Status Quo der deutschen Filmfinanzierung beschrieben. Die in Kapitel 2 erarbeiteten Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren einer Projektfinanzierung werden in Kapitel 4 systematisch an Hand der in Kapitel 3 erarbeiteten Besonderheiten der Filmfinanzierung geprüft. Abschließend wird die Bedeutung und das A n- wendungspotenzial der Projektfinanzierung für die deutsche Filmindustrie e r- örtert. Kapitel 5 fasst die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit z usammen und gibt einen Ausblick auf Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 4
2 Projektfinanzierung
2.1 Grundlagen 2.1.1 Begriff der Projektfinanzierung und Charakteristika
Das heutige Verständnis des Begriffes der Projektfinanzierung ist i.d.R. an den Financial Accounting Standard No. 47 aus dem Jahre 1981 angelehnt. Hiernach versteht man unter Projektfinanzierung (Project Finance) die Finanzierung einer sich selbst tragenden Wirtschaftseinheit (Projekt), bei der die Kreditgeber primär die zukünftigen Cash Flows als Rückzahlungsquelle und die Aktiva des Projektes als Sicherheit für die von ihnen gewährten Kredite zu Grunde l e- gen. 11 Das Projekt stellt dabei eine r echtlich selbstständige Einheit. 12 Um die Haftung der Projektsponsoren auf die Projektaktiva, die Projekt Cash Flows und die mit dem Projekt verbundenen Verträge zu beschränken, wird eine Pro- jektgesellschaft gegründet, die auch als Einzweckgesellschaft ( Single Purpose Company) bezeichnet wird. 13
In der Literatur werden neben der Gründung einer Projektgesellschaft überein- stimmend drei konstitutive Merkmale der Projektfinanzierung genannt: Cash Flow Related Lending, Off Balance Sheet Financing und Risk Sharing. 14 Pro- jektfinanzierung bedeutet, dass das zu finanzierende Projekt die Fähigkeit b e- sitzen muss, Cash Flows zu erwirtschaften, die s owohl die Betriebskosten als auch den geplanten Schuldendienst d ecken. 15 Projektfinanzierung stellt somit eine ertragsorientierte Kreditvergabe seitens der Fremdkapitalgeber dar. Die Bonität der Projektgesellschaft und der Projektträger spielt im Gegensatz zur klassischen Unternehmensfinanzierung keine oder nur eine untergeordnete Rolle. 16 Erstere lässt sich auf Grund der fehlenden ökonomischen Vergangen- heit nicht ermitteln, 17 letztere stellt nur ein Zusatzkriterium dar, welches im Falle von absichernden Verpflichtungen der Sponsoren die Nachhaltigkeit e i-
11
Vgl. Anhang B zu Statement of Financial Accounting Standards No. 47, abgedruckt bei Nevitt/Fabozzi (2000), S. 446.
12 Vgl. Röver (2001), S. 157; Reuter (1999), S. 34; Reuter/Wecker (1999), S. 25. 13 Vgl. Fahrholz (1998), S.259 f.; Finnerty (1996), S. 2 f.; Achleitner (1999), S. 345. 14 Vgl. Hupe (1995), S. 11; Frank/Moser (1987), S. 34; Achleitner (1999), S. 345 f. 15 Vgl. Uekermann (1990), S.18.
16 Vgl. Tytko (1999b), S. 97; Laux (1997), S. 842.
17 Vgl. Finnerty (1996), S. 7, 38.
nes bestimmten Cash Flows zu untermauern hilft. 18 Auch die Projektaktiva haben oft nur eine geringe Bedeutung, da deren Wert auf Grund der meist ho- hen Spezifität im Liquidationsfall sehr gering ist. 19 Die Finanzierung eines Pro- jektes orientiert sich folglich an den zu erwartenden Projekt Cash Flows. Daher wird von einem Cash Flow Related Lending gesprochen. Dabei wird der Cash Flow als Differenz der prognostizierten Einzahlungen des Projektes und der zu ihrer Erzielung notwendigen Auszahlungen ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes ermittelt. 20
Die Gründung einer rechtlich selbstständigen Projektgesellschaft, i.d.R. in Form einer Kapitalgesellschaft, beinhaltet, dass diese Gesellschaft Träger des Projektes ist und somit als Schuldner gegenüber Dritten auftritt. 21 Folglich wird das aufgenommene Fremdkapital in der Bilanz der Projektgesellschaft und nicht in den Bilanzen der einzelnen Sponsoren ausgewiesen, wodurch sich de- ren Bilanzstruktur nicht verändert. Auf Grund dieses Effektes wird die Projekt- finanzierung den bilanzexternen Finanzierungen zugeordnet und es wird von Off Balance Sheet Financing g esprochen. 22 Es kann jedoch in Einzelfällen je nach Rechnungslegungsvorschrift erforderlich sein Kredite, Garantien und a n- dere Verpflichtungen der Projektgesellschaft ebenfalls in den Bilanzen der Sponsoren aufzuführen. 23 Daher sollte dieses Charakteristikum aus Sicht der Sponsoren lediglich als ein potenzieller positiver Zusatzeffekt betrachtet, j e- doch nicht notwendigerweise als Ziel der Projektfinanzierung verfolgt wer- den. 24
Kapitalgeber erwarten grundsätzlich eine Rendite, die dem Risiko ihrer Investi- tion angemessenen ist. Während Eigenkapitalgeber als Anteilseigner der Pro- jektgesellschaft direkt am Projekterfolg partizipieren, haben Fremdkapitalgeber lediglich einen Anspruch auf Rückzahlung und erfolgsunabhängige Verzinsung
18
Vgl. Schepp (1996), S. 526; Röver (2001), S. 159.
19 Vgl. Tytko (1999b), S. 76; Puls (2003), S. 304.
20 Vgl. Uekermann (1990), S. 18; Frank (1986), S. 86. Zur unterschiedlichen Terminologie des Cash-Flow Begriffes vgl. Harrmann (1986), S. 2612; Bieg/Hossfeld (1996), S. 1429. 21 Vgl. Tytko (2003), S. 30; Fahrholz (1998), S. 260 f.; Reuter/Wecker (1999), S. 16. 22 Vgl. Tytko (1999a), S. 11; Uekermann (1990), S. 19 f.; Röver (2001), S. 163.
23 Vgl. Tinsley (2000), S. 2 f.; Hupe (1995), S. 13; Reuter/Wecker (1999), S. 17.
24 Vgl. Uekermann (1993), S. 16 f.; Hupe (1995), S. 14.
ihres Anteils. Auf Grund einer Vielzahl projektspezifischer Risiken, die die prognostizierten Cash Flows negativ beeinflussen können, und der oft g eringen Haftungsmasse der Projektaktiva liegt den Fremdkapitalgebern keine ausrei- chende Sicherheit vor. Um das Sicherheitsbedürfnis der Kreditgeber zu befrie- digen und gleichzeitig der Zielsetzung der Eigenkapitalgeber gerecht zu wer- den, erfolgt bei Projektfinanzierungen eine Verteilung der projektinhärenten Risiken auf alle Beteiligen, die einen Nutzen aus dem Projekt ziehen ( Risk Sharing). 25 Die Risikoallokation erfolgt zweckmäßigerweise in Abhängigkeit der Fähigkeiten der Projektbeteiligten, die jeweiligen projektspezifischen Risi- ken beeinflussen und kontrollieren zu können. Auch wenn sich die Risikover- teilung während der Projektlebensdauer ändern kann, sollte die Übernahme der Risiken durch die Projektbeteiligten immer in Relation zu deren Nutzen aus dem Projekt stehen. 26 Darüber hinaus wird in Abhängigkeit der Möglichkeiten der Kreditgeber, Haftungsansprüche gegen die Sponsoren geltend zu machen, zwischen Non Recourse Financing und Limited Recourse Financing unter- schieden. Bei Non Recourse Financing verfügen die Kapitalgeber über keine Rückgriffsmöglichkeiten auf Projektsponsoren, die über die Kapital- und Sach- einlage der Projektgesellschaft hinausgehen. Hingegen wird den Kapitalgebern beim Limited Recourse Financing die Möglichkeit gegeben, für die Rückzah- lung der Kredite in zeitlich und/oder betragsmäßig beschränkter Weise auf Pro- jektträger oder andere Projektbeteiligte zurückzugreifen. 27
2.1.2 Beteiligte
Die Organisationsstruktur von Projektfinanzierungen ist durch eine Vielzahl von Beteiligten gekennzeichnet und gestaltet sich sehr individuell. Dennoch lässt sich aus der Literatur eine gewisse typische Projektorganisationsstruktur ableiten, deren Beteiligte in Abb. 2 dargestellt sind und im Folgenden kurz charakterisiert werden.
25
Vgl. Backhaus/Köhl (2001), S. 1718.
26 Vgl. Reuter/Wecker (1999), S. 15 f.; Tytko (1999a), S. 10 f.; Hupe (1995), S. 19 f.
27 Vgl. Tytko (1999a), S. 13 f.; Hupe (1995), S. 20; Frank (1986), S. 93-97.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 7
Abb. 2: Beteiligte einer Projektfinanzierung,
in Anlehnung an Uekermann (1990), S. 16.
Die Eigenkapitalgeber einer Projektfinanzierung werden als Sponsoren b e- zeichnet. Sie haben ein originäres Interesse an der Realisation des Projektvor- habens und sind meist die Gründer der Projektgesellschaft. Bei Eigenkapital- gebern kann es sich z.B. um einzelne Unternehmen, Lieferanten, öffentliche Instanzen oder Privatpersonen handeln. 28 Die Projektgesellschaft steht im Zentrum aller mit dem Projekt zusammenhängenden juristischen Beziehungen, wobei die G esellschafterfunktion von den Sponsoren übernommen wird. 29 Die Fremdkapitalgeber bilden die wesentliche Finanzierungsquelle für Projektfi- nanzierungen. Sie verfolgen keine unternehmerischen Ziele, sondern sehen das Projekt als Kapitalanlage, die ihrem Investitionshorizont und ihrer Risikonei- gung entspricht und ihnen eine angemessene Risikoprämie entrichtet. 30 Der Staat, in dem das Projekt durchgeführt wird, bestimmt durch seine gesetzgebe- rische Funktion z.B. in Form einer Genehmigungsinstanz das rechtliche U m- feld. Bei den Projekterstellern handelt es sich um Bau- oder Lieferunterneh- men, die im Auftrag der Projektgesellschaft die Bauwerke, Anlagen oder Sys- teme errichten. Gehören sie nicht zur Gruppe der Sponsoren endet ihre Beteili- gung mit der Fertigstellung, Inbetriebnahme und Übergabe an den Bauherren. Die Zulieferer und Projektlieferanten stellen die für die Leistungserstellung erforderlichen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe während der Betriebsphase b e- reit. Eine langfristige Einbindung der Lieferanten in das Vertragswerk der Pro-
28
Vgl. Tytko (1999a), S. 22; Lenz/Zinell (2001), S. 70; Reuter/Wecker (1999), S. 22-24.
29
Vgl. Röver (2001), S. 158; Fahrholz (1998), S. 257 f.; Schmitt (1989), S. 19.
30
Vgl. Lenz/Zinell (2001), S. 71.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 8
jektfinanzierung wird regelmäßig angestrebt. 31 Die Abnehmer bzw. Nutzer
erwerben die Produkte bzw. Dienstleistungen von der Projektgesellschaft und bilden damit die Grundlage für die zukünftigen positiven Cash Flows. D abei wird eine Einbindung der Abnehmer in das Vertragswerk der Projektfinanzie- rung angestrebt, um einen langfristigen Absatz und damit stabile positive Cash Flows zu gewährleisten. 32 Betreiber und Managementgesellschaften werden
beauftragt, Geschäfts- und Betriebsführungstätigkeiten wahrzunehmen. Neben diesen Hauptaufgaben übernehmen sie häufig bestimmte Wartungs- und I n- standhaltungsverpflichtungen. 33 Des weiteren spielen Versicherungen insofern
eine wichtige Rolle, als dass sie Risiken übernehmen, die von anderen Projekt- beteiligten nicht oder nur gegen Zahlung sehr hoher Risikoprämien g etragen werden können. Gelegentlich werden auch Gutachter, P laner und Berater in die Projektfinanzierung eingebunden. Gutachter bewerten im Auftrag der Gläubiger die von den Projektsponsoren vorgelegten Projektinformationen hinsichtlich der Objektivität der den Cash Flow Prognosen zugrundeliegenden Annahmen. Planer und Berater übernehmen im Auftrag der Sponsoren Aufga- ben, die von diesen selbst aus Kapazitäts- oder fachlichem Kompetenzmangel nicht erbracht werden können. 34
2.1.3 Risiken und vertragliche Gestaltung
Im Falle einer Projektfinanzierung ist das Projekt die alleinige Grundlage für die Wiedergewinnung des eingebrachten Kapitals. Daher nimmt die Analyse aller Einflüsse, die eine Wirkung auf die Werthaltigkeit des Projektes haben können, eine wichtige Stellung ein. Als Projektrisiken gelten alle Risiken, die über einen negativen Einfluss auf die prognostizierten Cash Flows die Werthal- tigkeit des Projektes gefährden können. 35 Auf Grund der Individualität einer
jeden Projektfinanzierung bestimmt die projektspezifische Situation die Risi-
31
Vgl. Lenz/Zinell (2001), S. 76 f., 79, 81 f.; Tytko (1999a), S. 24, 26, 31 f.
32 Vgl. Tytko (1999a), S. 29 f.; Lenz/Zinell (2001), S. 82 f.; Schulte-Althoff (1992), S. 89. 33 Vgl. Tytko (1999a), S. 30; Lenz/Zinell (2001), S. 80.
34 Vgl. Lenz/Zinell (2001), S. 83-87.
35 Vgl. Reuter/Wecker (1999), S. 51 f.; Schmitt (1989), S. 129.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 9
kostruktur eines Vorhabens. Dennoch lassen sich für die Projektfinanzierung typische ursachenbezogene Risiken identifizieren und systematisieren. 36
Technische Risiken umfassen im wesentlichen das Reserve- und Abbaurisiko, das verfahrenstechnische Risiko, das Fertigstellungsrisiko sowie das Kosten- überschreitungsrisiko. Das Reserve- und Abbaurisiko entsteht im Bereich von Rohstoffprojekten durch die Unsicherheit bezüglich der Quantität, Qualität und Förderbeschaffenheit von Rohstofflagerstätten. 37 Im verfahrenstechni- schen Risiko kommt die Gefahr zum Ausdruck, dass sowohl bei der Herstel- lung als auch beim Betrieb des Projektes das quantitative und/oder qualitative Leistungsniveau auf Grund mangelnder Technik nicht erreicht wird. 38 Das Fe r- tigstellungsrisiko bezeichnet den Umstand, dass das Projekt abgebrochen wird oder aber die Fertigstellung nur mit Zeit- und/oder Kostenüberschreitungen erreicht wird. Das Kostenüberschreitungsrisiko wird durch Fehl- kalkulationen, Inflation oder technische Änderungen verursacht. 39 Das Fer- tigstellungs- und das Kostenüberschreitungsrisiko stellen die gravierendsten technischen Risiken dar und können verheerende finanziellen Folgen haben. 40
Wirtschaftliche Risiken lassen sich in die Kategorien Betriebs- und Manage- mentrisiko, Zulieferrisiko, Marktrisiko sowie Finanzierungsrisiko unterteilen. Das Betriebs - und Managementrisiko setzt sich aus möglichen Führungs- und Bedienungsfehlern seitens des Personals sowie Wartungs- und Instandhal- tungsmängeln zusammen. 41 Das Zulieferrisiko umfasst die Nichterfüllung einer langfristigen, termingerechten, qualitäts– und preisdeterminierten Belie- ferung mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen durch die Lieferanten. 42 Das Marktrisiko beinhaltet die Gefahr, dass es zu Abweichungen vom angestreb- ten Erlösniveau kommt, und kann daher als das wichtigste wirtschaftliche Risi- ko angesehen werden. Es entsteht durch die Volatilität der Preis- und Mengen-
36
Vgl. Tytko (1999a), S. 144-146; Reuter/Wecker (1999), S. 59.
37 Vgl. Hupe (1995), S. 50, 67; Tytko (1999a), S. 147; Uekermann (1990), S. 20.
38 Vgl. Hupe (1995), S. 51, 67; Röver (2001), S. 167.
39 Vgl. Backhaus/Uekermann (1990), S. 110; Tytko (1999a), S. 147.
40 Vgl. Hupe (1995), S. 67.
41 Vgl. Backhaus/Uekermann (1990), S. 110; Hupe (1995), S. 67.
42 Vgl. Tytko (1999a), S. 150; Backhaus/Uekermann (1990), S. 110.
CASH-FLOW-BASIERTE FINANZIERUNGSSTRUKTUREN IN DER FILMINDUSTRIE 10
komponenten im Absatz. 43 Das Finanzierungsrisiko ist ein Oberbegriff für die Teilrisiken Zinsänderungsrisiko, Wechselkursrisiko und Bonitätsrisiko. 44
Als Länderrisiken bezeichnet man alle Risiken, die aus Entscheidungen der Regierung oder staatlicher Institutionen des Projektlandes resultieren und von denen eine direkte Wirkung auf die Kapitalrückflüsse des Projektes ausgeht. 45 Force Majeure Risiken subsumieren alle Risiken, die durch die Projektbetei- ligten nicht beeinflussbar sind, da sie in Folge höherer Gewalt auf das Projekt einwirken und dadurch den Projekterfolg gefährden können (z.B. Wetter oder Naturkatastrophen). 46
Projektfinanzierungsvorhaben zeichnen sich durch das Zusammenwirken einer Vielzahl von Beteiligten und deren Abhängigkeiten untereinander sowie einer Fülle sehr unterschiedlicher Risiken aus. Um ein geregeltes Zusammenwir- ken der verschiedenen Beteiligten zu gewährleisten, bedarf es des Abschlus- ses vieler Verträge zwischen den Beteiligten. Diese Verträge regeln die Z u- sammenarbeit in technischer, finanzwirtschaftlicher, bilanztechnischer, rechtli- cher, steuerlicher und risikopolitischer Hinsicht. Mögliche Konflikte auf Grund divergierender Interessen oder der Mehrfachfunktion einiger Projektbeteiligten müssen identifiziert und vertraglich derart berücksichtigt werden, dass die Pro- jektfortführung selbst im Falle eines Auftretens dieser Konflikte nicht gefähr- det ist. 47 Eine detaillierte Darstellung sämtlicher projektspezifischer Verträge geht über den Rahmen dieser Arbeit hinaus. 48
43
Vgl. Backhaus/Schill/Uekermann (1993), S. 541; Tytko (1999a), S. 150.
44 Vgl. Tytko (1999a), S. 150.
45 Vgl. Backhaus/Köhl/Behrens (1997), S. 16; Hupe (1995), S. 57.
46 Vgl. Tytko (1999a), S. 154; Hupe (1995), S. 67; Backhaus/Köhl/Behrens (1997), S. 18. 47 Vgl. Tytko (1999a), S. 42; Reuter/Wecker (1999), S. 22; Reuter (1999), S. 37.
48 Zu detailierten Projektverträgen vgl. Tytko (1999a), S. 42-85.
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Stefanie Wolring, 2003, Cash-flow-basierte Finanzierungsstrukturen in der Filmindustrie - Einsatzvoraussetzungen, Bedeutung, Potentiale, Munich, GRIN Publishing GmbH
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