INHALTSVERZEICHNIS
I Einleitung: Themenstellung und Vorgehensweise 3
II Der Entstehungszusammenhang:
Bayern und die Universität Ingolstadt gegen Ende des 18 Jahrhunderts 5
III Die Biographie Adam Weishaupts bis zur Gründung des Illuminatenordens 7
IV Das System des Illuminatenordens bis zur Kniggeschen Reform 11
1. Die Zielsetzung der Illuminaten in der Anfangsphase 11
2. Die Strategie und Methode: Das Gradsystem 13
2.1. Das Noviziat 13
2.2. Die Minervalklasse 17
2.3. Die Mysterien 18
V Zusammenfassung: Die Einflüsse der Biographie Weishaupts auf sein Konzept
des Illuminatenordens 18
Literaturliste 22
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I. Einleitung: Themenstellung und Vorgehensweise
Die vorliegende Hausarbeit befaßt sich mit dem Illuminatenorden - einem radikal-aufklärerischem
Geheimbund, welcher nur knapp ein Jahrzehnt Bestand hatte, jedoch insbesondere durch die anschließende Verfolgungsgeschichte breite Spuren hinterlassen hat 1 . Hierbei focussiert sie den Blick
auf den Gründer Adam Weishaupt und die von ihm konzipierte Ordensstruktur.
Freiherr von Knigge, welcher Weishaupt kennengelernt hatte wie kaum ein anderer (durch intensive
Ordenstätigkeit in hoher Position)und das von diesem erarbeitete System reformierte, charakterisier-
te ihn als „vortreflichen Kopf“ und „tiefen Denker“, der mit glühendem Eifer daran arbeitete, „etwas Großes und der Menschheit wichtiges zu unternehmen“ 2 . In der verwendeten Sekundärliteratur zu
dem Geheimorden wird Weishaupt beschrieben als ein „ehrgeiziger Gelehrter von seltsamer Weltfremdheit“ 3 , seine „empfindliche, hochmütige und intrigante Wesensart“ 4 und seine „Kampfnatur“ 5
wird hervorgehoben, wobei sich „ein ausgeprägter nüchternkonstruktiver Rationalismus mit kleinli-cher Pedanterie und bisweilen grotesk anmutender Selbstüberschätzung“ 6 verband. Gerade der As-
pekt der Selbstüberschätzung wird immer wieder hervorgehoben, und insgesamt fällt die Beurteilung seiner Persönlichkeit deutlich negativ aus 7 .
Bei der Auseinandersetzung mit Weishaupts Leben und seiner Ordensgründung fiel auf, daß eine
selbständige Biographie bisher nicht verfaßt wurde. Agethen begründet dies damit, daß „für den His-
1 Hammermayer,L., Illuminaten in Bayern. Zu Geschichte, Fortwirken und Legende des Geheimbundes, in: Glaser, H. (Hg.), Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat, München 1980, S.146; Dülmen, R. v., Die Gesellschaft der Aufklärer, Frankfurt/M. 1986 (im folgenden: Dülmen, Aufklärer), S.100 2 Philo’s endliche Rede und Antwort, auf verschiedene Anforderungen und Fragen, die an ihn ergangen, seine Verbindung mit dem Orden der Illuminaten betreffend, 1788 (im folgenden: Philo’s Rede und Antwort), S.59, abgedruckt bei Dülmen, R. v., Der Geheimbund der Illuminaten, Stuttgart/Bad Cannstatt 1977 (im folgenden: Dülmen, Geheimbund), S.342 3 Dülmen, Aufklärer, S.101 4 Agethen, M., Geheimbund und Utopie, München 1984, S.70 5 Lennhoff, E., Politische Geheimbünde, Wien/München/Zürich 1966,S.18 6 Schindler, N., Der Geheimbund der Illuminaten Aufklärung, Geheimnis und Politik, in: Reinalter, H. (Hg.), Frei-maurer und Geheimbünde im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa, Frankfurt/M. 1983, S.301 7 insbesondere bei Weis, E., Der Illuminatenorden (1776-1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen seiner sozialen Zusammensetzung, seiner politischen Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786, in: Reinalter, H. (Hg.), Aufklärung und Geheimgesellschaften, München 1989, S.87-109
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toriker vornehmlich der Abschnitt seines Lebens interessant ist, der in Verbindung mit dem Illumina-tenbund steht; diese Phase kann über Quellen und Literatur hinreichend erschlossen werden“ 8 . Da ich aber die biographische Komponente meines Themas mit dem von Weishaupt erarbeiteten Ordenssystem in Verbindung bringen wollte, fehlte mir eine Darstellung, die diese beiden Teilbereiche zusammenhängend erläutert. Dies soll im folgenden versucht werden.
Hieraus ergibt sich die Gliederung der Arbeit: Zunächst einmal sollen die Zusammenhänge, in denen Weishaupt lebte und arbeitete, also die Verhältnisse in Bayern und speziell in Ingolstadt, dargestellt werden. Dies ergibt sich schon aus der Forderung an den Historiker, „den Spielraum von Möglichkeiten, den die verschiedenartigen Strukturen in ihrem Zusammenwirken ( strukturelle Konstellation) begrenzen, so eng wie irgend möglich zu ziehen“ 9 ; in der Literatur wird auch explizit auf den bayrischen Bezug der Gründung des Illuminatenordens verwiesen 10 . Dann soll der biographische Lebenslauf Weishaupts, eine „für katholische Aufklärer typische Sozialisationsgeschichte“ 11 , dargestellt werden; sie stützt sich maßgeblich auf die Arbeit Le Forestiers 12 zu den Illuminaten. Bei der sich anschließenden Darstellung des Systems des Illuminatenbundes wird das Blickfeld auf die Anfangsphase des Ordens, also von der Gründung bis zum Eintritt Knigges 1780, beschränkt, da Weishaupt in diesem Zeitraum noch sein eigenes Konzept in Reinkultur (ohne fremde Einmischung) durchziehen konnte 13 . Dieser Teilbereich stützt sich weitgehend auf eine selbständige Analyse des Dokumentationsteils von Dülmens grundlegender Arbeit zum Illuminatenbund 14 ; anhand dieser Quellensammlung soll versucht werden, die Ordensstruktur für diesen Zeitraum weitgehend zu rekonstruieren. Auf Probleme der Ordensentwicklung, etwa bzgl. der Ausbreitung und der sozialen Zusammensetzung, wird ausdrücklich nicht eingegangen - aus dem einfachen Grund, weil Weishaupt zwar Instruktionen und Pläne erstellte, „indes er zu Ausführung seines Plans eigentlich gar nichts that“ 15 . Er beschäftigte sich also lediglich mit der inhaltlichen und methodischen Entwicklung des Ordens, war aber nicht aktiv werbend unterwegs. Im letzten Teil der Arbeit sollen die Fäden zusammengezogen werden - es soll verdeutlicht werden, wo subjektive biographische Erfahrungen Weishaupts ihren Niederschlag in
8 Agethen, S.70 9 Kocka, J. Sozialgeschichte. Begriff - Entwicklung - Probleme, Göttingen 1986, S.76 f.
10 Dülmen, Geheimbund, S.23 ff.; Schindler, S.301 f.; Lennhoff, S.18 f.; Fischer, M. W., Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Berlin 1982, S.215 f.
11 Dülmen, Aufklärer, S.101 12 Le Forestier, R., Les Illumines de Baviere et la Franc-Maconnerie Allemande, Paris 1915 13 vgl. Dülmen, Geheimbund, S.23-42 14 Dülmen, Geheimbund, S.147-438 15 Philo’s Rede und Antwort, S.62, abgedruckt bei Dülmen, Geheimbund, S.343
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seinem Ordenssystem fanden. Die Darstellung der Biographie Weishaupts und der von ihm erarbeiteten Organisationsstruktur, sowie das Aufzeigen ihrer Zusammenhänge sind somit Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit.
II. Der Entstehungszusammenhang: Bayern und die Universität Ingolstadt gegen Ende des
18. Jahrhunderts
Das Land Bayern wurde von der deutschen Spätaufklärung des ausgehenden 18. Jahrhunderts im Ländervergleich als äußerst rückständig eingestuft - ein Urteil, dem sich die moderne Historiographie weitgehend anschließt 16 . Richard van Dülmen faßt die spezifischen Problemkonstellationen, mit denen sich die Aufklärung in Bayern konfrontiert sah, wie folgt zusammen 17 :
1. Die Dominanz der feudalen Kirche: „Kein deutsches Land war so von Kirchlichkeit und der mit
ihr verbundenen traditionellen Frömmigkeit geprägt wie Bayern.“ Die katholische Kirche war in Bayern der größte Grundbesitzer. Das wissenschaftliche und geistige Leben, die Volksschulen, Gymnasien und die einzige Universität Ingolstadt wurden von Orden und Klöstern, insbesondere von den Jesuiten, dominiert; die Klosterschulen waren weiterhin „die wichtigsten Ausbildungs und Kulturzentren des Landes“. Die Gründung des Illuminatenordens wird in der gesamten verwendeten Litera-tur als Oppositionsbewegung gegen die klerikale Übermacht klassifiziert.
2. Der Mangel an einem wirtschaftlich potenten Großbürgertum. An der Universität Ingolstadt wur-
den fast ausschließlich Beamten, Juristen, Seelsorger und Theologen ausgebildet; ein „eigenständiges bürgerliches Leben in den kleinen Städten und Märkten“ wurde seitens des Fürsten weitgehend unterdrückt. Der Agrarsektor bildete den ökonomischen Schwerpunkt des Landes.
3. Die späte Rezeption der aufklärerischen Ideen, an welcher nur ein sehr geringer Bevölkerungsan-
teil (zumeist Geistliche und Beamte) partizipierte.
Die Hoffnungen der fortschrittlich gesonnenen Bayern auf einen Durchbruch der Aufklärung verstärkten sich durch eine innerkirchliche Klosterreformbewegung, die Gründung der Akademie der Wissenschaften 1759, eine einsetzende Bildungsreform und die allgemeine Intensivierung von Wissenschaft und Literatur 18 . Nach dem Tode des Kurfürsten Max III. Joseph erwartete man eine weitere
16 Vgl. Jacoby, D., Art. „Weishaupt, Adam W.“, in: ADB, Bd.41, 1905 (?), S.540-42; Dülmen, Geheimbund, S.23 f.; ders., Zum Strukturwandel der Aufklärung in Bayern, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte, Bd. 36, 1973, S. 662-79 (im folgenden: Dülmen, Strukturwandel); Lennhoff, S.18 17 Dülmen, Strukturwandel, S.663 18 Dülmen, Geheimbund, S.23 f.; Jacoby, S.541; ausführlich Dülmen, Strukturwandel
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Förderung durch Karl Theodor von der Pfalz, welcher 1777 die Regierung übernahm und der in dem Ruf stand, nach aufklärerischen Grundsätzen zu regieren 19 . Diese Hoffnungen wurden jedoch schnell enttäuscht: Die Ex-Jesuiten (der Orden, der als Hauptträger des geistlichen Despotismus empfunden wurde, war 1773 von Papst Klemens XIV. aufgelöst worden 20 ), fanden im Kanzler A. Kreitmayr einen prominenten Förderer, der berühmtberüchtigte Pater Frank stieg gar zum Beichtvater des neuen Regenten auf - eine Position, die dem Ex-Jesuiten einen nicht zu unterschätzenden Einfluß si-cherte 21 . Karl Theodor wandte sich bald vom aufgeklärten Absolutismus ab, gegenüber einer Bildungsreform verhielt er sich äußerst zögernd, und die Ex-Jesuiten behielten aufgrund eines Mangels an ausgebildeten weltlichen Lehrern ihre Ämter in den Bildungsstätten. Diese Umstände förderten das Gerücht, daß der aufgehobene reaktionäre Orden sich in Bayern neu konstituieren würde, oder sich die früheren Mitglieder insgeheim unter dem Schutz des neuen Fürsten mit anderen Aufklärungs-feinden, insbesondere den Rosenkreuzern, verbündet hätten, um gemeinsam gegen aufklärerische, fortschrittliche Tendenzen anzugehen 22 . Bei der Auseinandersetzung mit dem Illuminatismus und der bayrischen Aufklärung sowohl in den Quellen wie auch in der Literatur fällt auf, daß reaktionäre bzw. konservative Bestrebungen von den Zeitgenossen nahezu immer mit dem Jesuitenorden in Verbindung gebracht wurden.
Die Polarisierung und der Konflikt zwischen Jesuiten und Aufklärern verdichtete sich in besonderer Weise in Ingolstadt, dem Sitz der einzigen Universität Bayerns und dem Wirkungsort des Illuminatengründers Weishaupt. Die Stadt war seit dem Mittelalter eine Hochburg der Gesellschaft Jesu 23 . Bereits 1548 gründete Petrus Canisius, ein Führer der Gegenreformation und der erste Deutsche im Jesuitenorden, hier ein Gymnasium, welches zur Keimzelle des gesamten Erziehungswesens in Bayern wurde 24 . An der Universität wurden die Lehrstühle für Theologie und Philosophie bis ins 18. Jahrhundert ausschließlich mit Ordensmitgliedern besetzt, diejenigen für Jura und Medizin bestenfalls ebenso, jedoch auf jeden Fall mit Katholiken 25 . Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß aufgrund des Mangels an qualifiziertem Ersatz sich an diesem Umstand auch nach der Aufhebung des Ordens 1773 nicht viel änderte. Die Konflikte, welche ein radikal-aufklärerisch gesonnener Professor wie
19 Jacoby, S.541; Dülmen, Geheimbund, S.24
20 Le Forestier, S.21; Dülmen, Strukturwandel, S.670 21 Dülmen, Geheimbund, S.24 22 Dülmen, Geheimbund, ebd.
23 Le Forestier, S.19 24 Agethen, S.70, Anm.4 25 Le Forestier, S.19; Agethen, S.70, Anm.4
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Jan Jansen, 1997, Der Gründer und die Anfänge der "Illuminaten": Adam Weishaupt und sein Ordenskonzept, Munich, GRIN Publishing GmbH
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