Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
3
2. Der Begriff der Lebenswelt
4
3. Geschichte als Lebenswelt
6
3.1 Der Ursprung des Geschichtsbewußtseins
6
3.2 Tradition und Wissenschaft als lebensweltliches
Phänomen
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4. Geschichtsdidaktische Folgerungen
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Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
„Was wäre eine Vernunft, zu der die Geschichte als Wissenschaft fähig ist,
wert, wenn sie dort nichts ausrichtete, wo Wissenschaft verwurzelt ist: in den
Vorgängen, in denen Menschen sich darum mühen, menschlich zu leben.“ 1
Die in diesem Zitat angesprochenen Vorgänge im Leben des Menschen stellen den zentralen Punkt meiner Hausarbeit dar. Nicht Geschichte als ‚reine‘ Wissenschaft mit Theorien und empirischen Forschungsmethoden bildet den Ausgangspunkt, sondern Geschichte als wichtige Orientierungsgröße i n der L ebenspraxis. Der Wirklichkeitsbereich des Menschen ist dabei der Ort, wo Geschichte entsteht, wo Handlungen ablaufen und wo Erfahrungen gemacht sowie Erkenntnisse gewonnen werden.
Die elementaren und allgemeinen Prozesse des Alltags formen das Bewußtsein von Geschichte. In ihnen vereinen sich die drei Elemente Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die den Menschen Möglichkeiten für ihr Handeln eröffnen. Da Geschichtlichkeit stets ‚da‘ ist, stellt sie für den Menschen ein strukturierender und regulierender Faktor des Lebens dar. Wenn Geschichte an sich im Alltag des Menschen beginnt, muß auch die wissenschaftlich betriebene Geschichte auf den lebensweltlichen Ursprung zurückgreifen, um neue The-orien aufzustellen. Dabei stellt sich die Frage, wo überhaupt der Ursprung des Geschichtsbewußtseins liegt. Wie entsteht Geschichtsbewußtsein, und welche Erfahrungen und Erkenntnisse zieht die Wissenschaft aus ihm? Auch stellt sich die Frage, was für eine Bedeutung die lebensweltlichen Zusammenhänge für die Geschichtsdidaktik haben. Welche Rolle spielt für sie die Reflexion über die Lebenszusammenhänge des historischen Bewußtseins in der Gesellschaft? Und wie kann und soll die Geschichtsdidaktik als Wissenschaft dieser Rolle gerecht werden?
Diese Hausarbeit versucht, Antworten auf solche Fragen zu geben, was aber aufgrund der unzureichenden Literatur zum Thema Geschichte und Lebenswelt nicht immer möglich gewesen ist. Hauptsächlich verwendet worden ist das Buch „Historische Vernunft“ von Jörn Rüsen. Weiterhin sind Teile aus den Büchern von Erich Kosthorst, „Geschichtswissenschaft“, und Alfred
1 Jörn Rüsen: Lebendige Geschichte. Grundzüge einer Historik III: Formen und Funktionen des historischen Wissens, Göttingen 1989, S. 14.
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Schütz/Thomas Luckmann, „Strukturen der Lebenswelt Bd.1“, hinzugezogen worden.
Im folgenden werde ich kurz die Gliederung meiner Arbeit darstellen: Der Hauptteil beginnt mit einer Beschreibung des Begriffes der Lebenswelt. Dies geschieht, um ein Grundverständnis für die weiteren Ausführungen herzustellen. Der folgende Abschnitt befaßt sich konkret mit dem Thema Geschichte als Lebenswelt. Dabei wird sowohl der Ursprung des Geschichtsbewußtseins dargestellt, als auch die Rolle der Tradition und der Wissenschaft als lebensweltliches Phänomen erörtert. Der Versuch einer abschließenden Erörterung der geschichtsdidaktischen Folgerungen, die sich im Zusammenhang mit der Lebenswelt ergeben, beendet meine Arbeit.
2. Der Begriff der Lebenswelt
Der Begriff der Lebenswelt ist vor allem durch die Philosophie von Edmund Husserl in Gebrauch gekommen. Dieser verwendete ihn als Synonym zu ‚natürliche Welt‘ zum ersten Mal im Anhang seiner Schrift „Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomelogischen Philosophie II“ 1920 oder 1917/18. 2 Allgemein ist die Lebenswelt die „in unserem konkreten Weltleben uns ständig wirklich vorgegebene Welt“. 3 Die Lebenswelt ist also keine Auffassung oder gedankliches Konstrukt, sondern die in fragloser Selbstverständlichkeit existierende konkrete Welt, in der wir Menschen leben. Lebenswelt ist immer vorausgesetzt, und sie ist anschaulich, da sie stets da ist und somit auch jedes Handeln, jede Theorie und Praxis von ihr aus geht.
„Die Lebenswelt ist die ständig vorgegebene, ständig im voraus seiend geltene, aber nicht geltend aus irgendeiner Absicht, Thematik, nach irgendwelchem universalen Zweck.“ 4
2 Rüdiger Welter: Der Begriff der Lebenswelt, Theorien vortheoretischer Erfahrungswelt, München 1986, S. 79.
3 Edmund Husserl: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die tranzendentale Phänomenologie (Husserliana, Bd. VI, hg. von Walter Biemel), Den Haag 1962, S. 51.
4 Ebd., S. 461.
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Die Lebenswelt umgibt den Menschen und stellt somit seinen Wirklichkeitsbereich dar. In diesen Bereich kann der Mensch eingreifen ,und er kann ihn dadurch auch verändern. Es bestehen im Prinzip freie Handlungsmöglichkeiten für ihn, die aber durch Ereignisse und Gegenständlichkeiten beschränkt werden können. Dies begründet sich darin, daß sich der Mensch in der Lebenswelt mit seinen Mitmenschen verständigen und sich auf sie einlassen muß. Nur in der alltäglichen Lebenswelt kann sich eine gemeinsame kommunikative Umwelt konstituieren.
„Die Lebenswelt des Alltags ist folglich die vornehmliche und ausgezeichnete Wirklichkeit des Menschen. Unter alltäglicher Lebenswelt soll jener Wirklic hkeitsbereich verstanden werden, den der wache und normale Erwachsene in der Einstellung des gesunden Menschenverstandes als schlicht gegeben vorfindet.“ 5
Auch ist das, was für ein bestimmtes Subjekt seine Lebenswelt darstellt, über seine Biographie sowohl mit Traditionen, als auch mit anderen Biographien seiner Mitmenschen verknüpft. Denn die Lebenswelt ist nicht die Privatwelt des Einzelnen, sondern die Grundstruktur ihrer Wirklichkeit ist allen gemeinsam. 6 Nur in dem ich ‚meine Welt‘ mit anderen ‚Welten‘ verknüpfe, das heißt, mich auf meine Mitmenschen einlasse und ihre Handlungen deute, nur auf dem Wege über Interaktion kann die soziale Wirklichkeit bestehen und funktionieren. Die Lebenswelt ist also der Rahmen, innerhalb dessen für den Menschen Möglichkeiten offen stehen und auch der Ort der Verwirklichung aller offenen Möglichkeiten.
Die Verwirklichung von Möglichkeiten und die Interaktion der Menschen sind von einem entscheidenden Faktor in der Lebenswelt, und zwar dem der Sprache, abhängig. Wenn ich von ‚meiner Gegenwart‘ als einer ‚gemeinsamen Gegenwart‘ ausgehe, lebe ich in einer Welt, die ich mit anderen teile und in der die Sprache eine wichtige Vermittlungsinstanz zwischen ‚mir‘ und den ‚anderen‘ darstellt. Die Kommunikation dient dem Menschen dabei als Mittel, sich in der Lebenswelt zurechtzufinden, sich in ihr einzurichten und sie zu bewältigen. 7 Menschliches Gemeinschaftsleben wird durch die sprachliche Mitteilung
5 Alfred Schütz/Thomas Luckmann: Strukturen der Lebenswelt Bd.1, Frankfurt am Main 1979, S. 25.
6 Ebd., S. 26.
7 Gerd Brand: Die Lebenswelt. Eine Philosophie des konkreten Apriori, Berlin 1971, S. 338.
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Arbeit zitieren:
Andrea Becker, 1999, Geschichte als Lebenswelt, München, GRIN Verlag GmbH
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