[...] Denn 927 wurde der Stadtname erstmalig erwähnt,
als König Heinrich I. seiner Gemahlin Mathilde u.a. Nordhausen als ihr
Witwengut schenkte. Nordhausen, im Besitz der Ottonen, entwickelte sich
unter ihnen zu einem der vielen Aufenthaltsorte, die es für Herrscher im
Mittelalter gab: es entstand eine Pfalz.
Ziel soll es nun sein, jene Entwicklung und deren Umstände aufzuzeigen,
um herauszufinden, welche Bedeutung Nordhausen bei den Ottonen
hatte. Dazu wird wie folgt vorgegangen: Zu Beginn soll es eine
Vorbetrachtung geben, in deren Rahmen geklärt wird, was eine Pfalz ist,
die geographische Lage beleuchtet sowie aufgezeigt wird, wie sich die
Gegend in vor-ottonischer Zeit entwickelt hat. Im Anschluss daran soll die
Ottonenzeit beleuchtet werden. Es geht dabei um die Gründung der Burg1,
die „Volksburg-Problematik“ sowie die Lage und Gestalt des Pfalzbezirkes.
Darüber hinaus wird auf die Gründung des Klosters durch die Königin
Mathilde in Nordhausen und auf die Aufenthalte der Ottonen in der Pfalz
eingegangen. In einem Ausblick soll die Entwicklung nach den Ottonen bis
zur Zerstörung der Burg 1277 kurz umrissen werden.
Themenrelevante Forschungsprobleme, auf die mehr oder weniger auch
eingegangen werden soll, sind zum einen das ungenaue Wissen darüber,
seit wann Nordhausen im Besitz der Ottonen war und wer somit die Pfalz
errichtet haben könnte und zum anderen sowie zum anderen die Ortung
des zur Pfalz gehörenden Wirtschaftshofes. Die Lage der Pfalz hingegen
ist überzeugend geortet worden. Ein sehr aktuelles, aber von der
Forschung noch nicht wirklich aufgegriffenes Problem sind die
berechtigten Zweifel daran, dass Königin Mathilde ihr Kloster Nordhausen
961/62 gegründet hat. Auch hierauf soll eingegangen werden. Die Quellengrundlage für dieses Thema ist übersichtlich.
Hauptquellengrundlage sind zum einen die beiden Viten der Königin
Mathilde sowie Urkunden der Könige und Kaiser. Nicht immer werden in
der Arbeit alle verwendeten Quellenausschnitte zitiert. In diesen Fällen
wird in einer Fußnote verwiesen, an welcher Stelle der Quellentext zu
finden ist. Die Sekundärliteratur ist ausreichend, allerdings in den
wenigsten Fällen sehr aktuell. Deshalb wird sich in der Hauptsache auf
Gockels Repertorium der Pfalzen gestützt und durch weitere Literatur -
wenig neuere, vorwiegend ältere - ergänzt.
1 Da bei den Ottonen Burg und Pfalz eng miteinander zusammenhingen, tauchen in dieser
Arbeit beide Begriffe auf, wobei sie ein und das selbe meinen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Aspekte
2. Vorbetrachtungen allgemeiner und spezieller Art
2.1. Die Pfalz - Überblick
2.2. Die Geographie Nordhausens
2.3. Nordhausen in vor-ottonischer Zeit
3. Nordhausen unter den Ottonen
3.1. Gründung der ottonischen Pfalz Nordhausen
3.2. Die Pfalz Nordhausen eine Volksburg?
3.3. Lage und Gestalt der Pfalzanlage
3.4. Das Nonnenkloster der Königin Mathilde
3.5. Aufenthalte der Ottonen in der Pfalz Nordhausen
4. Ausblick
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung von Nordhausen als Aufenthaltsort ottonischer Herrscher und analysiert die Entwicklung der dortigen Pfalz sowie des von Königin Mathilde gestifteten Nonnenklosters. Ziel ist es, die Gründungsgeschichte, die geographische Einordnung und die politische Relevanz der Pfalzanlage unter Berücksichtigung der quellenkritischen Problematik zu beleuchten.
- Entwicklung und Bedeutung der Pfalz Nordhausen im ottonischen Herrschaftssystem.
- Geographische und historische Rahmenbedingungen des Standortes Nordhausen.
- Kritische Analyse der Gründung des Nonnenklosters durch Königin Mathilde.
- Untersuchung der Aufenthalte ottonischer Herrscher in Nordhausen.
- Zusammenhang zwischen Pfalzanlage, Burgenordnung und Siedlungsgenese.
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Nonnenkloster der Königin Mathilde
Auf einer Exkursion nach Nordhausen zur Abrundung des Proseminars, in dessen Rahmen diese Arbeit entstand, fand sich im Dom eine Nachbildung des Gebäudes. Als Unterschrift war zu lesen: „Dom zum heiligen Kreuz; gegründet von der Königin Mathilde 961“. Dem ist ein Auszug aus der älteren Lebensbeschreibung der Königin Mathilde entgegenzusetzen:
„[...] Hic certe diebus, quibus rex primum adiverat Italiam, ipsa eius genitrix spe timoreque correpta assiduis deum pro filio interpellabat precibus, quo interim pro nati victoria singulari sacrificio fortissimum placeret bellatorem. Hec animo sentencia tractanti sedit in imo: construxit etiam in Northusen cenobium congregans sororum catervam pro sua suorumque salute animarum et corporum, sui quoque nepotis Ottonis iunoris consensu. Quod a fundamento construens illius maximam semper materne gerebat curam inpendendo omne, quicquid erat necessarium, dum in vita viveret praesenti. [...]“
Mathilde gründete also keinen Dom, sondern ein Kloster für eine Schar von Schwestern. Wie Gockel zeigt, finden sich in den Arengen der Urkunden, die für das Kloster zu Nordhausen ausgestellt wurden, Aufforderungen an die Nonnen, für das Seelenheil der Ottonen zu beten. Darüber hinaus soll Mathilde mit der Klostergründung beabsichtig haben, Gott für den glücklichen Ausgang des Italienfeldzuges ihres Sohnes Ottos I. gnädig stimmen zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Aspekte: Hier werden das 1075-jährige Bestehen der Stadt Nordhausen thematisiert und das Ziel der Arbeit sowie die methodische Vorgehensweise skizziert.
2. Vorbetrachtungen allgemeiner und spezieller Art: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Königspfalz, erläutert die Geographie des Standortes und beleuchtet die vor-ottonische Siedlungsgeschichte.
3. Nordhausen unter den Ottonen: Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Pfalz, ihre mögliche Funktion als Volksburg, die Klosterstiftung durch Mathilde und die belegten Aufenthalte der ottonischen Herrscher.
4. Ausblick: Hier wird die Entwicklung nach dem Ende der Ottonen bis zur Zerstörung der Burg 1277 sowie die spätere Umwandlung in ein Kanonikerstift dargestellt.
5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die Verbindung von Pfalz und Kloster sowie den Ursprung der Stadt Nordhausen.
Schlüsselwörter
Nordhausen, Ottonen, Königspfalz, Königin Mathilde, Nonnenkloster, Volksburg, Heinrich I., Otto I., Reichsgeschichte, Mittelalter, Burgenordnung, Pfalzen, Herrschaftspraxis, Klosterstiftung, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Stadt Nordhausen als ottonische Pfalz im Mittelalter und untersucht deren Entwicklung sowie die Rolle des Klosters der Königin Mathilde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die ottonische Herrschaftspraxis, die Siedlungsgeschichte von Nordhausen, die Funktion von Königspfalzen und die kritische Würdigung klösterlicher Stiftungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der Umstände und der Entwicklung, die Nordhausen unter den Ottonen zu einem bedeutenden Aufenthaltsort für die Herrscher werden ließ.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse, basierend auf zeitgenössischen Viten, kaiserlichen Urkunden sowie relevanter Sekundärliteratur zur Pfalzenforschung.
Welche Inhalte stehen im Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Gründungszeit der Pfalz, der sogenannten „Volksburg-Problematik“, der Rekonstruktion der Pfalzanlage sowie den Aufenthalten verschiedener ottonischer Könige.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Ottonen, Pfalzen, Witwengut, Klosterstiftung, Reichskirchengut und frühes Mittelalter charakterisiert.
Wie wird die Rolle von Königin Mathilde für Nordhausen bewertet?
Mathilde wird als zentrale Figur gesehen, da sie Nordhausen als Witwengut erhielt und ein bedeutendes Kloster stiftete, welches zur spirituellen und politischen Identität des Ortes beitrug.
Warum ist die genaue Datierung der Klostergründung umstritten?
Die Datierung auf 961/62 ist aufgrund neuerer Interpretationen der Lebensbeschreibung Mathildes durch den Autor Schütte in Frage gestellt worden, da die Quellen eventuell auf einen früheren Italienfeldzug deuten.
- Quote paper
- Frank Keilhack (Author), 2003, Die Entwicklung der Pfalz Nordhausen unter den Ottonen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27075