Der Übersetzung liegt der masoretische Text zugrunde. Im Folgenden sollen zwei interessante Abweichungen der Septuaginta und der Vulgata von obiger Übersetzung besprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Übersetzung von Richter 9,7-15
II. Literarkritik
III. Formgeschichtliche Analyse
IV. Überlieferungsgeschichte und historische Analyse
V. Redaktionsgeschichte
VI. Traditionsgeschichte
Exkurs: Die Königstradition
VII. Interpretation
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Jothamfabel in Richter 9,7-15 auseinander, um deren literarische Form, ihre Entstehungsgeschichte sowie ihre Rolle innerhalb der antimonarchischen Tradition Israels zu beleuchten.
- Literarkritische Analyse der Struktur und Schichten der Abimelecherzählung
- Formgeschichtliche Bestimmung der Jothamfabel und Vergleich mit anderen alttestamentlichen und außerbiblischen Fabeln
- Untersuchung der traditionsgeschichtlichen Bedeutung des Schattenmotivs
- Analyse des königskritischen Gehalts im Kontext der deuteronomistischen Geschichtsschreibung
- Interpretation der Fabel als radikale Absage an menschliche Herrschaftsansprüche gegenüber dem Jahwe-Königtum
Auszug aus dem Buch
II. Literarkritik
Der zu untersuchende Text befindet sich im Kontext von Kapitel 6-9 des Richterbuches, wobei es nur einen losen Zusammenhang zwischen den Gideonerzählungen Ri 6-8 und dem zu untersuchenden Kapitel 9 gibt. In den Gideonerzählungen gibt es lediglich in 8,29-32 Vorverweise auf die Erzählung von Abimelechs Königtum. Dies geschieht, indem Gideons Nebenfrau in Sichem erwähnt wird, die Abimelech gebar. Auch der Gebrauch des Namens Jerubbaal für Gideon (V.29) weist auf das Kapitel 9 voraus, da dort ausschließlich Jerubbaal verwendet wird. Letztlich wird mit der Erwähnung Sichems der Handlungsort von Ri 9 angedeutet.
Die eigentliche Abimelecherzählung beginnt dann mit 9,1, wobei das in 8,29-32 Gesagte vorausgesetzt wird. Sonderbar mutet der folgende V.2 an: Das Volk wird vor die Alternative zwischen Oligarchie (70 Männer) und Monarchie (ein Mann) gestellt. Dies setzt die Herrschaft Jerubbaals über Sichem voraus und eine dynastische Ordnung, da lediglich seine Söhne als Nachfolger in Frage kommen. Es scheint eine erbliche Herrschaft in der Familie Jerubbaals gegeben zu haben. Von all diesem ist in der Gideonerzählung kein Wort erwähnt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Übersetzung von Richter 9,7-15: Der Autor stellt die Übersetzung des hebräischen Quelltextes vor und diskutiert textkritische Abweichungen zwischen dem masoretischen Text und der Septuaginta.
II. Literarkritik: Dieser Abschnitt untersucht den Kontext der Jothamerzählung innerhalb der Gideonerzählungen und analysiert die literarischen Spannungen sowie die strukturelle Einheit der Verse 1-6.
III. Formgeschichtliche Analyse: Es wird die Gattung der Fabel bestimmt und anhand von Stilmitteln wie Parallelität und Steigerung sowie Vergleichen mit der Joas-Fabel und außerbiblischen Pflanzenfabeln untersucht.
IV. Überlieferungsgeschichte und historische Analyse: Dieser Teil befasst sich mit der Entstehung des Textes aus der mündlichen Tradition und ordnet ihn soziologisch-politisch in die Königszeit ein.
V. Redaktionsgeschichte: Hier wird die Zuordnung der verschiedenen Textschichten zu den deuteronomistischen Redaktoren (DtrH und DtrN) diskutiert.
VI. Traditionsgeschichte: Der Abschnitt fokussiert auf das traditionsgeschichtliche Schattenmotiv als zentrales Element der Fabel und ergänzt einen Exkurs zur Königstradition.
VII. Interpretation: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und deutet die Fabel als radikalen, zeitlosen Beitrag zur antimonarchischen Theologie Israels.
Schlüsselwörter
Jothamfabel, Richterbuch, Abimelech, Königtum, Antimonarchische Tradition, Deuteronomismus, Gideon, Sichem, Jahwe-Königtum, Fabeltheorie, Exegese, Schattenmotiv, Literarkritik, Redaktionsgeschichte, Altes Testament.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der Jothamfabel (Richter 9,7-15) und untersucht deren Stellung innerhalb der Erzählung vom Königtum Abimelechs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Gattungsbestimmung der Fabel, ihre literarkritische Herkunft, ihre redaktionsgeschichtliche Einbettung sowie ihre traditionsgeschichtliche Bedeutung in der Auseinandersetzung um das Königtum in Israel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Jothamfabel als bewusste, radikale Kritik am Königtum als Institution fungiert und wie sie durch redaktionelle Arbeit in das Richterbuch integriert wurde.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit folgt dem klassischen exegetischen Methodenkanon: Literarkritik, formgeschichtliche Analyse, redaktionsgeschichtliche Untersuchung und traditionsgeschichtliche Herleitung.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Textschichten, den Vergleich der Fabel mit anderen altorientalischen Motiven, die Untersuchung der redaktionellen Rahmenstruktur durch deuteronomistische Historiker sowie die traditionsgeschichtliche Deutung des Schatten-Metaphern-Motivs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jothamfabel, Königtumskritik, Deuteronomismus, Abimelech-Erzählung und Jahwe-Königtum.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem "König der Bäume" und der "Zeder des Libanon" für den Autor so wichtig?
Der Autor nutzt diesen Kontrast, um den Lächerlichkeits-Faktor des Dornbusches als König im Vergleich zur majestätischen Zeder herauszuarbeiten, was die Pointe der Fabel – die Sinnlosigkeit eines menschlichen Königs – unterstreicht.
Welche Rolle spielt die deuteronomistische Theologie in der Interpretation der Jothamfabel?
Die deuteronomistische Historiographie nutzt die Fabel, um die Abkehr des Volkes von Gott hin zu menschlichen Herrschern als existenzielle Bedrohung für das Heil des Volkes darzustellen.
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- Holger Schmidt (Author), 1999, Exegese von Ri 9,7-15 - Die Jothamfabel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2712