Inhaltsverzeichnis
1.) Idealtyp: Bürokratische Organisation
1.1) Webers Begriffsystem
1.2) Merkmale bürokratischer Organisationen
2.) Bürokratische Organisationsgestaltung
2.1) Vorzüge
2.2) Nachteile
3.) Perspektive bzgl d Organisationsgestaltung
3.1) Beschäftigte
3.2) Führungsebene
3.3) Klienten
4.) Beispiele von Dienstleistungsorganisationen
4.1) Praxisfeld: Sozialer Bereich
2
1.) Idealtyp: Bürokratische Organisation
Das begriffliche System von Max Webers Bürokratietheorie besteht aus sogenannten Idealtypen. In seiner Typologie unterscheidet er drei verschiedene Ansätze:
a) traditionale Herrschaft
b) rational-legale Herrschaft
c) charismatische Herrschaft. 1
An dieser Stelle soll nur die rational-legale Herrschaft beleuchtet werden. Sie ist die Herrschaftsform, die den Idealtyp einer bürokratischen Organisation beschreibt.
Der Idealtypus ist ein Mittel zur Abstraktion komplexer Realität, also ein Modell. Weber betont in seinen Lehren, dass tatsächliches Handeln selten und dann auch nur annäherungsweise so verläuft, wie das Modell des Idealtypus es vorsieht.
Die Konsequenz ist, dass der sog. Idealtypus der bürokratischen Herrschaft empirisch nicht vorzufinden ist.
1.1) Webers Begriffsystem
Max Weber gilt als einer der Gründungsväter der deutschen Soziologie und war der Vorreiter für grundlegende methodologische Erkenntnisse in dieser noch sehr jungen Wissenschaft.
Weber, von Hause aus Jurist, war er eine internationale Schlüsselfigur in der wissenschaftlichen Landschaft seiner Zeit. Er hat auch nachhaltig wertvolle Errungenschaften für das interdisziplinäre Verständnis von Soziologie, Ökonomie und Rechtswissenschaft erzielt. 2
Die Begriffe Macht und Herrschaft haben in Webers Bürokratie-Ansatz eine zentrale Bedeutung stehen in einem sehr engen Sinnzusammenhang.
Weber unterscheidet Macht und Herrschaft indem er Macht als etwas definiert, das innerhalb sozialer Beziehungen andauernd gegen den Willen eines Untergebenen ausgeübt wird. Herrschaft wird von ihm als Spezialfall von Macht gesehen. Sie ist für ihn mit einem gewissen Maß an Einverständnis seitens des Beherrschten verbunden und fordert ein "Gehorchen-wollen" des Untergebenen. 3
Erich Weede, Mensch und Gesellschaft – Soziologie aus der Perspektive
Dr. Herlinde Maindok, hrsg. v. Arno Mohr, Einführung in die Soziologie,
München, 1998, S. 20-22
1
Die bürokratische (rational-legale) Herrschaft ist Kern der Bürokratietheorie. Sie ist sozusagen "Keimzelle" des modernen Staates; denn es gilt: wer den Apparat beherrscht, beherrscht auch das System. Herrschaft ohne Bürokratie ist in modernen Gesellschaften undenkbar.
1.2) Merkmale bürokratischer Organisationen 4
Es gibt laut Weber acht verschiedene Merkmale, die den Idealtypus einer bürokratischen Organisation kennzeichnen.
Die sog. "Regelgebundenheit der Amtsführung" besagt, dass die Beamten den im Sinne ihrer Dienstpflicht zugeordneten Regeln unterworfen sind. Diese Regeln beruhen auf Satzungen, nach denen in Rechtssprechung und Verwaltung verfahren wird.
Als nächster Punkt wären die "Kompetenzbereiche" zu erwähnen. Die Abgrenzung der Kompetenzbereiche ist durch oben genannte Regelgebundenheit geordnet. Das heißt, dass es für jeden Beamten in den Verwaltungsvorschriften fest vorgeschriebene, abgegrenzte Bereiche von Leistungspflichten gibt.
Das "Prinzip der „Amtshierarchie" (Instanzenzug) ist - wie der Name schon sagt - ein hierarchisches geordnetes System, in dem die Behörden unterteilt werden. Hierbei werden die sog. "Unteren" von den "Oberen" beaufsichtigt und kontrolliert. Weiterhin regelt dieses Prinzip auch die Beschwerderechte der einzelnen Instanzen zu- und untereinander.
Die "Aktenmäßigkeit der Verwaltung" sagt aus, das die Aktenführung auf Schriftstücken basiert und in einem Büro oder einem Verwaltungsgebäude, also nicht in einem privaten Wirkungskreis, ausgeführt wird.
Die "Unpersönlichkeit der Amtsführung" besagt lediglich, dass der Kontakt der Beamten untereinander so unpersönlich und sachlich wie möglich sein sollte. Weber betont, dass seiner Auffassung nach der monokratische Charakter der Bürokratie im Gegensatz zum kollegialen Charakter zur Effizienz der Arbeitsleistung beitrage.
Die Stelleninhaber müssen vor der Amtsübernahme über die für ihren Beruf erforderlichen Kenntnisse verfügen. Das heißt, das die "Qualifikationserfordernisse" durch fachliche Schulungen und Prüfungen erbracht sein müssen.
5. Auflage, Tübingen, 1972, S. 124 ff.
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Sabine Leon, 2002, Max Weber - Merkmale einer bürokratischen Organisation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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