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Inhaltsübersicht
1. Überlegungen zum Unterrichtsinhalt
1.1 Das Thema im Kontext der Unterrichtsreihe
1.2 Das Thema aus fachlicher Perspektive
1.3 Das Thema aus der Perspektive der Voraussetzungen der Lerngruppe
2. Überlegungen zur methodischen Gestaltung
3. Lernziele
4. Verlaufsplan
5. Unterrichtsmaterial
Literatur und Internetseitenverzeichnis
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1. Überlegungen zum Unterrichtsinhalt
1.1 Das Thema im Kontext der Unterrichtsreihe
Im Rahmen der Unterrichtsreihe über die Weimarer Republik wurde bisher der Übergang vom Kaiserreich zur Staatsform der Republik behandelt. Dabei haben sich die Schüler mit der ersten Stufe auf dem Weg Deutschlands zu einer Republik befasst, nämlich der Parlamentarisierung im Jahr 1918. Sie haben die von den Militärs befürwortete Verfassungsänderung als ein strategisches Manöver kennen gelernt, das den Zweck verfolgte, dass nicht die Oberste Heeresleitung, sondern die Parlamentsmehrheit, also v. a. die SPD, den Waffenstillstand zu verantworten hatte. Des weiteren haben sich die Schüler mit der Meuterei der Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel auseinandergesetzt, die sich über Deutschland ausweitete und am 9. November 1918 auch Berlin erreichte. Anschließend befassten wir uns mit der zweiten Stufe, dem Übergang von der parlamentarischen Monarchie hin zur Republik, insbesondere mit dem Ablauf der Ereignisse in Berlin Anfang November 1918: der Verkündung der Abdankung des Kaisers durch Max von Baden, der Ausrufung der Republik durch Scheidemann und Liebknecht und der Bildung einer provisorischen Regierung. Auch behandelt wurde die Verfassung der Weimarer Republik. Hierbei wurden – bei aller gebotenen Vorsicht, die Defizite dieser Verfassung nicht überzubewerten – doch Schwachpunkte dieser Verfassung erarbeitet.
Als Prototyp der Bedrohung der jungen Republik in ihren Anfangsjahren wurde der Kapp- Putsch des Jahres 1920 behandelt. Hier wurde v. a. diskutiert, was die Devise „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“ für die damalige zivile Regierung bedeuten musste und weshalb ihr nur die Flucht blieb.
In der der Lehrprobe vorausgehenden Stunde beschäftigten wir uns mit der wirtschaftlichen Situation der frühen zwanziger Jahre, um außer von der politischen auch einen Eindruck von der wirtschaftliche Destabilisierung in dieser Zeit zu bekommen. Hier machten wir uns ein Bild von der sich bis 1923 zur Hyperinflation steigernden Geldentwertung.
Für die heutige Stunde steht nun der Hitler-Putsch des Jahres 1923 an. Die vorhergehenden Stunden sind insofern wichtige Voraussetzungen für das heutige Thema, als den Schülern Ludendorff in Verbindung mit der von ihm initiierten Parlamentarisierung und dem Kapp- Putsch schon geläufig sein dürfte. Außerdem haben sich die Schüler in Gruppenarbeit eingehend mit dem von der politischen Rechten verwendeten Schlagwort „Novemberverbrecher“ und der von ihr kolportierten Dolchstoßlegende befasst, was wichtig ist, weil dies auch die Stoßrichtung des Hitler-Putsches in München war. Die Schüler dürften sich auch eine Vorstellung davon machen können, was ein gelungener Marsch auf Berlin evtl. bedeutet hätte, schließlich hatte schon 1920 das Militär seine Unterstützung für die zivile, rechtmäßige Regierung versagt („Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“).
Das Stundenthema ist durch den Lehrplan insofern gedeckt, als hier die als „,nur‘ zwölf Jahre“ bezeichnete Themeneinheit vorgesehen ist. 1 Um aber in dieser Hinsicht nichtsdestotrotz Autonomie unter Beweis zu stellen, werde ich im folgenden kurz darstellen,
1 Ministerium für Schule, Jugend und Kinder (Hrsg.), Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte/Politik (Düsseldorf/Frechen: 1989), S. 96.
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wie ich das Thema sowohl aus fachlicher Perspektive wie auch aus der Perspektive der Voraussetzunge n der Lerngruppe einschätze.
1.2 Das Thema aus fachlicher Perspektive
Aus fachwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, stellt sich die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dem Thema immerhin mindestens eine Stunde des stundenmäßig nicht gerade großzügig versehenden Geschichtsunterrichts zu widmen, und ob das Thema nicht zu viele Redundanzen enthält, schließlich wurde schon anhand des Kapp-Putsches erarbeitet, welcher Gefährdung von rechts die Demokratie in Deutschland ausgesetzt war. Und doch denke ich, dass es legitim ist, sich mit dem Hitler-Putsch zu befassen, weil sich im Hitler-Putsch noch sinnfälliger der ganze Hass manifestiert, den die politische Rechte auch noch nach drei Jahren gegen die Republik hegte.
Das nicht zufällig von Hitler gewählte Datum des 9. Novembers und seine Proklamation, die den Schlachtruf „Novemberverbrecher“ enthält, zeigen, wogegen Hitler und seine Gefährten zu Felde zogen: gegen die im Zuge der Parlamentarisierung und der Novemberrevolution an die Macht gelangten Parteien und Politiker, die Hitler in seiner Geschichtsklitterung für das Ende der Monarchie und alle Übel der Gegenwart verantwortlich machte. Die Instrumentalisierung geschichtlicher Ereignisse durch demokratiefeindliche Agitatoren – hier das der Novemberrevolution – lassen sich also gerade an diesem Beispiel verdeutlichen. Auch wenn Hitlers Putsch noch scheiterte, so zeigt sein Zuspruch, den der Demonstrationszug zur Feldherrnhalle fand, dass große Bevölkerungsteile Hitlers Deutungsmuster für überzeugend hielten. Möglicherweise war auch für sie die Demokratie die durch die Kriegsniederlage belastete, von den Siegern durchgesetzte und mit dem Versailler Vertrag, der Inflation und später auch mit der Wirtschaftskrise assoziierte Staatsform, der es den Garaus zu machen galt.
Bedeutsam ist der Putsch auch deswegen, weil Hitler hierdurch erst über die Grenzen Münchens hinweg bekannt und populär wurde. Seine Partei hatte seit den tödlichen Schüssen der Polizei Märtyrer vorzuweisen und konnte sich fortan noch dramatischer in Szene setzen. Der Putsch zeigt aber auch, dass es durch das Handeln einzelner zu diesem Zeitpunkt noch möglich war, den Putsch niederzuwerfen und Hitler von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten und das Verhängnis um 10 Jahre zu verzögern. Den Schülern zu vermitteln, dass der einzelne sozusagen wirkmächtig in die Geschichte eingreifen kann, ist deswegen so wichtig, weil der Geschichtsunterricht stets in der Gefahr steht, ein fatalistisches Geschichtsbild zu vermitteln, obwohl er angehalten ist, zur politischen Mitverantwortung zu erziehen. 2
Von einem mehr den Schüler fokussierenden Didaktikverständnis aus habe ich nun noch die sozialkulturellen und psychologisch-anthropologischen Voraussetzungen hinsichtlich des Stundenthemas zu reflektieren.
2 Auf der anderen Seite droht natürlich auch stets die Gefahr, v. a. bei der Beschäftigung mit wirklich epochemachenden Einzelpersönlichkeiten, ein Geschichtsbild zu vermitteln, dass einen Machbarkeitswahn suggeriert, der die Bedingtheit auch der größten Persönlichkeiten übersieht.
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Marcel Haldenwang, 2004, Unterrichtsstunde: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall des Putschversuchs eines gewissen Adolf Hitlers, Munich, GRIN Publishing GmbH
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