Inhalt
I. Einführung
1. Geographie 3
2. Geschichte der Mískito 3
II. Autonomieentwicklung der Mískito
1. Die Kolonialzeit 4
2. Das zwanzigste Jahrhundert
Der Einfluß der USA 5
MISURASATA gegen Sandinisten 6
Die YATAMA 8
III. Schluss
1. Heutige Situation 10
2. Fazit und Ausblick 11
Literaturverzeichnis 12
Kartenverzeichnis 13
Anl age: Karte Nicaraguas mit Moskito-Küste 14
2
I. Einführung
Zum besseren Verständnis der heutigen Situation der Mískito halte ich es für notwendig, zunächst einen allgemeinen Überblick über die unter Punkt 1. genannten Bereiche zu schaffen, um dann mit der geschichtlichen Entwicklung näher auf die politischen Umstände, in die sich der Autonomieprozeß der Indianer unweigerlich einbindet, einzugehen:
1. Geographie
Die Mískito-Indianer (ca.150.000 1 ) leben an der Atlantikküste der Staaten Honduras und Nicaragua in Zentralamerika 2 , ein Gebiet, welches auch Moskito-Küste, Mosquitia (engl.) oder Yapti Tasba (mískito) genannt wird. Die Moskito-Küste ist Teil des größten zusammenhängenden Regenwaldgebietes nördlich des Äquators. Dieses Gebiet ist aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten (Jungle-/ und Sumpflandschaften) zu einem großen Teil nur mit Kanus über kleine Wasserwege bzw. über den Seeweg zu erreichen. Der Lebensraum der Mískito erstreckt sich heutzutage über einen etwa 65 km breiten und 360 km langen Küstenstreifen vom Süden Nicaraguas bis nach Ho nduras hinein 3 .
In diesem Regenwaldgebiet und dem angrenzenden Karibischen Meer befinden sich zu ca. 80% die natürlichen Ressourcen (Bodenschätze, Hölzer, Meeresfrüchte) des gesamten Landes Nicaragua, so daß es vor allem in unserem Jahrhundert zu massiven Ausbeutungen dieser Ressourcen (und der als Tagelöhner angeheuerten Indianer) durch überwiegend ausländische - und hier insbesondere USamerikanische - Firmen gekommen ist (s. Punkt 2).
1 Diese und folgende Bevölkerungszahlen nach Burke 1995.
2 Der Großteil des von ihnen bewohnten Gebietes liegt in Nicaragua; daher werde ich mich in dieser Hausarbeit auch hauptsächlich mit Nicaraguas Mískito–Indianern beschäftigen.
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2. Geschichte der Mískito
Hervorgegangen sind die Mískito-Indianer aus der Vereinigung von afrikanischen Gruppen mit Sumu-Indianern der Bawikha-Gruppe (Zimmer 1985:2). Sie sind als unter dem Namen Mískito erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts bekannt 4 .
Vor der Kolonialisierung betrieb die autochthone Bevölkerung seminomadische Subsistenzproduktion (Fischfang, Jagd, Ackerbau) und führte periodisch auch Kriege untereinander. Die Mískito sprechen heutzutage Mískito, Creole- Englisch und Spanisch (in dieser Reihenfolge und Häufigkeit) (Lindig/Münzel 1978: 81). Ihre protestantische Religion geht auf den Einfluß amerik anischer und britischer Missionare der mährischen Kirche 5 im 19. Jahrhundert zurück; dadurch unterscheiden sie sich von der mestizischen Bevölkerung, die katholisch ist und ausschließlich Spanisch spricht.
Zusammen mit den Ethnien der Sumu (ca. 9000) und Rama (ca. 800) machen sie heute etwa 5% der indigenen Bevölkerung von Nicaragua aus (Burke 1995). Sie teilen sich den Lebensraum nicht nur mit den Sumu und Rama, sondern auch noch mit den Nachkommen eingewanderter Creoles 6 und der mestizischen Bevölkerung, die sie abfällig als Spaniards 7 bezeichnen.
II. Autonomieentwicklung der Mískito
Die spanische Conquista, die mit Cortés um 1525 an die mittelamerikanische Atlantikküste vo rdrang, vermochte nach heftigen Kämpfen die Indianer an die unzugängliche Mosquitia zurückzudrängen, nicht aber sie zu versklaven oder auf andere Art zu indoktrinieren, so daß schon damals die Weichen für die autonome Haltung der Indianer gestellt wurden (Lindig/Münzel 1978:79). Sie verbanden sich in der Folge zuerst mit den Seeräubern und Piraten, deren anarchistischer ´Gegenstaat´ in der Karibik im 17. Jahrhundert florierte und expandierte, denn deren feindliche Hal-
3 Vergl.Karte im Anhang.
4 Diese Bezeichnung geht wahrscheinlich auf die Briten zurück, welche die Einheimischen mit den (lästigen) Moskito-Mücken verglichen (Schneider 1982: 28).
5 Moravian Church (deutsch: Mährische Kirche), auch als Unitas Fratrum bezeichneter amerikanischer Zweig der Erneuerten Brüderunität, einer protestantischen Erweckungsbewegung, die 1727 im sächsischen Herrnhut als Nachfolgerin der Böhmischen Brüder entstand (Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie).
6 Hier: Afro-Amerikaner.
7 Spanier.
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tung gegenüber den Kolonialmächten - insbesondere gegenüber den Spaniern – wurde gerne von den Einheimischen unterstützt, indem sie den Piraten Zuflucht an der Küste boten und sie mit Nahrungsmitteln versorgten (Lindig/Münzel 1978:80).
Später stellten sich die Mískito auf ein Bündnis mit den Briten um und 1687 richtete der Gouve rneur von Jamaika ein englisches Protektorat ein, dessen Stützpunkte sich vom heutigen Belize bis nach Panama erstreckten. Der Gouverneur ernannte einen aus dem dort herrschenden Kazikentum hervorgegangen Mískito-Häuptling zum Befehlshaber über das Gebiet, welches daraufhin zu einem Zufluchtsort für entlaufene schwarze Sklaven und rebellische Indianer aus der ganzen Zirkumkaribik wurde; für die Briten diente das Protektorat als strategische Rückendeckung in der Karibik. So kam es zum prägenden englischsprachigen Einfluß durch die Creoles, die sich nach und nach mit den Indianern vermischten (Lindig/Münzel 1978: 80/81).
1783 verzichtete Großbritannien in einem Vertrag mit Spanien auf das Protektorat, woraufhin die Spanier die Mískito abermals bis in ihr angestammtes Kernland, der Mosquitia, zurückdrängten. Dort lebten sie in relativer Autono mie bis zum Abzug der Spanier aus Mittelamerika (1821). Danach nahmen sie wieder Handelsbeziehungen mit den Briten auf und tauschten mit diesen Holzprodukte (Kautschuk, Kopal [Harz]) und Schildkrötenpanzer gegen europäische Industrieprodukte wie Kleidung und Macheten, bis die Briten 1860 ihr Protektorat erneut aufgaben und der nicaraguanischen Regierung überstellten 8 , unter der Voraussetzung, daß diese es als autonomes Gebiet anerkennen sollten (ibid.).
1894 fielen nicaraguanische Truppen ein und besetzten das Gebiet, aber die Mískito leisteten erbittert Widerstand gegen die Modernisierungspläne der Regierung in ihrer Region. Die internen Streitigkeiten in der Regierung zwischen Liberalen und Konservativen und die daraus resultierenden Unruhen unter der Bevölkerung veranlaßten Präsident Diaz 1912, die Vereinigten Staaten von Amerika um Hilfe zu bitten.
So konnten die USA ihren Einfluß an der Mosquitia, an der sie landeten, geltend machen, und die nächsten Jahre kamen US-amerikanische Firmen zum ersten Mal an die Moskito-Küste, um dort Hölzer und Edelmetalle zu gewinnen sowie Bananenplantagen einzurichten. „Die klassisch imperialistische Herrschaft der USA ließ Gold, Edelhölzer, chicle [Anm.: Kaugummirohstoff], Schild-
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Quote paper:
Claudio Priesnitz, 1999, Indianer und Nationalstaat - Autonomiebestrebungen der Mískito in Nicaragua, Munich, GRIN Publishing GmbH
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