Inhaltsverzeichnis
Seite
A Einleitung 4
B Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied 6
1. Kriemhild als höfische Dame 6
2. Die gesellschaftliche Stellung Kriemhilds im Nibelungenlied 7
3. Kriemhilds Träume 9
3.1. Der Falkentraum 9
3.2. Der Ebertraum 9
4. Der Königinnenstreit 10
5. Die Täuschung Kriemhilds durch Hagen 13
6. Kriemhilds leit 13
7. Etzels Brautwerbung um Kriemhild und ihr Leben an Etzels Hof 17
8. Kriemhilds Rache 20
8.1. Hinterlistige Einladung 20
8.2. Das Motiv der Rache 21
8.3. Kriemhilds Schritte um einen Kampf auszulösen 22
8.4. Kriemhilds Konfrontation mit Hagen und Gunther 24
C Resümee 27
D Bibliographie 28
„Uns ist in alten maeren wunders vil geseit
von helden lobebaeren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von wienen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen.“ (1)
4
Mit diesen Worten beginnt das Nibelungenlied, das wahrlich eines der herausragendsten Werke der mittelhochdeutschen Heldendichtung ist.
Der Autor, der bis heute namentlich unbekannt geblieben ist, verstand es mit Bravour, jede Art von Wertung weitestgehend aus der Erzählung auszublenden und sich nur auf die Beschreibung der Schicksalhaftigkeit im Nibelungenlied zu stützen, die sich bereits in den ersten Sätzen andeutet.
Das Nibelungenlied, das insgesamt aus 39 Aventiuren besteht, lässt sich in zwei Hauptteile untergliedern. Die Aventiuren 1-19 berichten von den Heldentaten Siegfrieds, seiner Werbung um Kriemhild, die Brünhild-Werbung und Siegfrieds Tod. Der zweite Teil umfasst die Aventiuren 20-39, die von der Vermählung Kriemhilds mit Etzel und vom Untergang der Burgunden erzählen. 1
Bereits in Jugendjahren bewährt sich Siegfr ied, der Sohn von Siegmund und Sieglinde von Xanten, in wagemütigen Unternehmungen und vollbringt aufgrund seiner unglaublichen Stärke wunderbare Taten. Er besiegt unter anderem einen Drachen, in dessen Blut er sich badet, um dadurch unverwundbar zu werden. Doch während des Bades „dô viel im zwischen die herte ein lindenblat vil breit“ (902,3), aufgrund dessen er an dieser Stelle verwundbar wird. Der edle Siegfried nimmt auch den Hort der Nibelungen an sich, indem er im Kampf dem Zwerg Alberich die Tarnkappe entreißt, und somit neuer Herr über den Nibelungenhort ist.
Als er älter wird, entdeckt er die Minne für sich und wirbt um Kriemhild, die Tochter Utes und die Schwester der Burgunderkönige Gunther, Gernot und Giselher. Er bekommt sie aber erst, nachdem er mit Hilfe der Tarnkappe, Brünhild, die jungfräuliche Königin Islands, an der Stelle von Gunther in Kampfspielen besiegt und sie dadurch für Gunther zur Frau erwirbt. Doch Brünhild verweigert Gunther den Beischlaf. Erst als Siegfried wieder mit Hilfe der Tarnkappe und an Stelle Gunthers den Widerstand Brünhilds bricht, lässt sie ihren Mann Gunther gewähren. Dabei entwendet Siegfried Brünhild einen Ring und einen Gürtel, den er später seiner Gemahlin Kriemhild schenkt und ihr das Geschehene verrät.
Nach Jahren, als Brünhild und Gunther Siegfried und Kriemhild nach Worms einladen, kommt es zwischen Brünhild und Kriemhild zum Streit. Auf diese Weise erfährt Brünhild von Kriemhild, dass nicht Gunther, sondern Siegfried sie im Kampf und im Schlafgemach bezwungen hat. Hagen von Tronje, ein Gefolgsmann Gunthers, möchte die Schmach
Brünhilds rächen, und plant, Siegfried auf einer Jagd hinterhältig zu ermorden. Er entlockt Kriemhild durch eine Täuschung das Geheimnis der Unverwundbarkeit Siegfrieds. Als er nach dem Tod Siegfrieds auch noch den Hort der Nibelungen an sich nimmt und ihn im Rhein versenkt, um auf diese Weise die Macht Kriemhilds zu schmälern und um ihr die Mittel für eine Rache zu nehmen, ist Kriemhild untröstlich und schwört Vergeltung für alles, was ihr genommen wurde.
Aventiure 20 beginnt mit der Werbung des Hunnenkönigs Etzel um Kriemhid, dessen Heiratsantrag sie dann auch annimmt. Jahre später lädt sie ihre Brüder zu einem Fest nach Ungarn ein. Nachdem Gunther, Gernot und Giselher angekommen sind, verlangt sie von ihnen, Hagen an sie auszuliefern. Als diese jedoch nicht auf die Forderung eingehen, versucht Kriemhild mit aller Macht einen Kampf zu initiieren, der letztendlich in einem Blutbad endet, bei dem nur Gunther und Hagen überleben, die schließlich von Dietrich von Bern, einem Gefolgsmann Kriemhilds, gefangen genommen werden. Kriemhild fordert von Hagen die Herausgabe des Nibelungenhortes. Als ihr Hagen dies verweigert, mit dem Hinweis, dass er den Hort nicht zeigen werde, solange einer seiner Herren lebe (2368), lässt sie zuerst ihren Bruder Gunther enthaupten, dann tötet sie selbst Hagen mit dem Schwert Siegfrieds. Hildebrand, ein Vasall Dietrichs, „mit zorne zuo Kriemhilde spranc, er sluoc der küneginne einen swæren swertes swanc“ (2376,1-2). So kam auch Kriemhid auf grausame Weise zu Tode.
„...daz ist der Nibelunge nôt.“ (2379,4)
In der folgenden Arbeit soll nun speziell auf die Figur Kriemhilds im Nibelungenlied eingegangen werden. So wird zu Beginn auf ihre Rolle als höfische Dame hingewiesen. Hier soll unter anderem noch die gesellschaftliche Stellung Kriemhilds im Nibelungenlied beschrieben werden. Danach wird kurz auf die Träume Kriemhilds eingegangen, die sich als schicksalhafte Vorausdeutung erweisen, was ihre Beziehung zu Siegfried betrifft. Nicht zuletzt erhält der Königinnenstreit, der als Auslöser des Todes Siegfrieds gilt, eine Erwähnung. Der Schwerpunkt der Arbeit soll allerdings auf der Beschreibung von Kriemhilds `leit` und ihrem Racheplan liegen.
6
Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied
1. Kriemhild als höfische Dame
Kriemhild ist die erste Figur, die im Nibelungenlied eingeführt wird.
„Ez wuohs in Búrgónden ein vil édel magedîn,
daz in allen landen niht schoeners mohte sîn, Kriemhilt geheizen: si wart ein scoene wîp.
dar umbe muosen degene vil verlíesén den lîp.“ (2)
In dieser Strophe wird vor allem ihre unglaubliche Schönheit herausgestellt, aufgrund dessen sie auch Minneimpulse aussendet 2 und somit „küene recken“ (3,2) um sie werben. Als junges Edelfräulein wächst sie am Wormser Hof auf, der einen überaus guten Ruf besitzt. Der Dichter spricht „von ir wîten kraft“ (12,1) und „von ir vil hôhen werdekeit“ (12,2). Nach dem Tod ihres Vaters Dankrat haben ihre Brüder Gunther, Gernot und Giselher das Regiment übernommen, die als „edel unde rîch“ (4,1), „von arde hôhe erborn“ (5,1) und „mit kraft unmâzen küene“ (5,2) charakterisiert werden.
Neben ihrer hohen Abstammung und ihrer Schönheit werden auch Kriemhilds „ethische[n] Qualitäten (tugende)“ 3 erwähnt, die die „Harmonie von äußerer Erscheinung und innerer Disposition“ 4 als idealtypische Stilisierung verdeutlichen.
Schulze meint, dass das Attribut „vil édel“ nicht dagegen spricht, dass die Kriemhild-Figur mit einem problematischem Aspekt behaftet ist, wie es sich bereits in der zweiten Strophe andeutet. Denn edel beschreibt mit anderen Adjektiven wie schoene, guot, küene, starc und so weiter nicht unbedingt die Individualität einer Person, sondern kennzeichnet hauptsächlich die Angehörigkeit zur höfisch-ritterlichen Gesellschaft. 5 So wird Kriemhild auch nach ihrer grausamen Tat noch als edel bezeichnet:
„ze stücken was gehouwen dô daz edele wîp.“ (2377,2)
2 Vgl. Bernreuther, S. 13.
3 Schulze, S. 143.
4 Schulze, S. 143.
5 Vgl. Schulze, S. 143.
7
2. Die gesellschaftliche Stellung Kriemhilds im Nibelungenlied 6
Nach dem Tod von Kriemhilds Vater Dankrat haben, wie bereits erwähnt, ihre Brüder die Herrschaft am Hof von Worms übernommen. Ute, die Mutter Kriemhilds und ihrer Brüder, steht, wie auch Kriemhild selbst, unter der Obhut von Gunther, Gernot und Giselher, die nun die männliche „`Muntgewalt`“ 7 innehaben. Das heißt, dass die Frauen nach der mittelalterlichen Rechtsauffassung zwar nicht rechtlos, jedoch rechtlich handlungsunfähig und somit von der männlichen `Muntgewalt` (Vater, männliche Verwandte, Ehemänner) abhängig sind. Die Frau ist deshalb zum Gehorsam verpflichtet. Dies zeigt sich etwa in der Situation, als Gunther Kriemhild darum bittet, dass sie Siegfried zu ihrem Mann nehmen solle. Dann hat sie seinen „willen mit grôzen tríuwén getân“ (612,4). Kriemhilds Zustimmung zu dieser Hochzeit fällt ihr nicht allzu schwer, da sie von Siegfried sehr angetan ist. Doch in ihren Worten zeigt sich ihrer Untertänigkeit gegenüber ihren männlichen Verwandten:
„...vil lieber bruoder mîn,
ir sult mich niht vlêgen. jâ will ich immer sîn, swie ir mir gebietet, daz sol sîn getân.
ich will in loben gerne, den ir mir, herre, gebet ze man.“ (613)
Wie wichtig ein Ehemann im Leben einer Frau ist, offenbart sich in einer Aussage Utes. Möchte man nämlich dem Ideal einer Frau entsprechen, genügt es nicht, von überragender Schönheit und von hoher Geburt zu sein. Erst ein Partner macht das Glück des Lebens sozusagen perfekt.
„soltu ímmer herzenlîche zer welde werden vrô,
daz gescíht von mannes minne. Du wirst ein scoene wîp, ob dir noch got gefüeget eins rehte guoten riters lîp.“ (16,2-4)
Doch auch diese Bindung muss gewissen Regeln folgen. Kriemhild hat sich ihrem Mann vollkommen unterzuordnen und ihre Bedürfnisse zurückzustellen. Er ist nun derjenige, der an Stelle ihrer Brüder die männliche Gewalt übernimmt. Unter diese `Muntgewalt` fällt auch die Verantwortung, die er für Kriemhild trägt. So muss nicht Kriemhild für die Beleidigung, die sie Brünhild im Streit zugefügt hat, einstehen, sondern Siegfried, was Hagen eindeutig ausspricht:
6 Vgl. zu diesem Kapitel: Brandt, S. 151ff.
7 Brandt, S. 151.
8
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Claudia Faschingbauer, 2002, Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied, Munich, GRIN Publishing GmbH
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