Inhaltsverzeichnis
Seite
I Beispiele aus der nahen Vergangenheit 3
II Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem
1. Gewalt als Sozialisationsproblem 4
2. Erklärungsansätze für Gewalt
2.1 Frustrations- Aggressionstheorie Erklärung anhand eines
Fallbeispiels 6
2.2 Theorie der sozialen Desorganisation 10
3. Erscheinungsformen von Gewalt
3.1 Fremdenfeindlichkeit: Rassismus in der Schule Verdeutlichung
anhand eines Fallbeispiels 12
3.2 Verbale Gewalt bei Kindern und Jugendlichen 14
4. Pädagogische Maßnahmen als Konsequenz zu Gewalt an Schulen
4.1 Konzept an einer Münchner Tagesheimschule (praktische
Aufarbeitung der Aggressionsproblematik gemeinsam in
einer Gruppe) 15
4.2 Mediation 17
III Anhang 18
IV Resümee 20
V Bibliographie 22
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I. Beispiele aus der nahen Vergangenheit
Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem – ein Thema, das immer mehr an Aktualität gewinnt und die Diskussion über das Problem nicht abreißen läßt. Beispiele aus der nahen Vergangenheit haben gezeigt, welche Ausmaße die Gewalt annehmen kann. Auch wenn die Fälle aus Amerika immer sehr herausgehoben werden, braucht man nicht zu glauben, daß die Gewalt vor den deutschen Schultüren haltmacht, ziehe man nur die Beispiele von Metten und Brannenburg heran. In diesen gravierenden Fällen wurde zumal bewußt hingenommen, daß die Anwendung von Gewalt zum Tode führen kann. Aber warum ist Gewalt ein Sozialisationsproblem? Was bedeutet eigentlich Sozialisation? Inhalt der folgenden Seminararbeit soll unter anderem sein, welche Erklärungsansätze es für Gewalt gibt, welche Erscheinungsformen auftreten und welche pädagogischen Maßnahmen ergriffen werden können, um Gewaltausschreitungen zu verhindern.
(Quelle: Ulich, Seite 10)
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II. Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem
1. Gewalt als Sozialisationsproblem
Sozialisation ist ein „Prozeß, in dem der Mensch in die ihn umgebende Gesellschaft und Kultur hineinwächst und durch das Erlernen sozialer Normen und Rollen zum eigenständigen, handlungsfähigen sozialen Wesen wird.“ 1 Gerhard Wurzbacher sieht die Sozialisation „ als `Vorgang der Führung, Betreuung und Prägung des Menschen durch Verhaltenserwartungen und Verhaltenskontrollen seiner Bezugspartner`“. 2 Wichtig bei dieser Entwicklung sind die sogenannten Sozialisationsinstanzen wie zum Beispiel Familie und Schule, die den Menschen die gesellschaftlichen Werte und Normen vermitteln sollen. Bestehen allerdings Störungen im Sozialisationsprozeß, kann es zu Sozialisationsdefiziten kommen, die sehr negativ auf das jeweilige Individuum wirken können, was wiederum negative Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben kann. Solche Sozialisationsdefizite sind zumeist schwer reparabel. Wenn Normen und Werte nicht genügend vermittelt werden, ist es wahrscheinlich, daß Fehlentwicklungen im Verhalten auftreten. Nehmen Familie oder auch Schule ihre `Erziehungsfunktion` nicht wahr, so hat dies Sozialisationsprobleme zur Folge, wie auch die Gewalt eines dieser Probleme darstellt, da Gewalt nicht das Ergebnis einer werteorientierten Erziehung sein kann.
Durch die Pluralisierung der Familienformen, die unter anderem mit dem Monopolverlust der Familie einhergeht, haben sich die Sozialisationsbedingungen doch sehr stark verändert. Man hat sich von der Mehrkindfamilie abgewandt, hin zu einer Klein- beziehungsweise Kernfamilie mit nicht mehr als zwei Kindern. Auch die Zahl von Einkindfamilien hat erheblich zugenommen. Für Kinder und Jugendliche, die in kleinen Familien oder Haushalten aufwachsen, vielleicht auch noch als Einzelkind, gibt es „wenig Chancen, Erfahrungen sozialen Lernens zu sammeln und Solidarität zu erleben“. 3 Aber auch der Wandel der räumlichen Umwelt, wie Verstädterung oder die explodierende Verkehrsentwicklung, tragen einen großen Teil zur Entwicklung der Kinder bei. Die Kinder werden gehemmt, ihren Aktivitätstrieb auszuleben und die Möglichkeiten des Spielens auszuschöpfen. So nehmen vor allem andere Spielarten, die zu Hause `erlebt` werden können,
1
Schäfers, Grundbegriffe der Soziologie, Seite 269
2
Schäfers, Grundbegriffe der Soziologie, Seite 269/270
3
Schad, Verbale Gewalt bei Jugendlichen, Seite 30/31
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einen hohen Stellenwert bei den Kindern ein. Solche `Ausweichspielarten` sind zum Beispiel Video, Computer, Fernsehen, Radio und so weiter, was allerdings zu einer Abkapselung von der Außenwelt führen kann. Ebenso wird das Spielen auf der Straße immer gefährlicher. Kinder und Jugendliche werden in speziell für sie vorgesehene Spielräume `hineingedrängt`, aus denen sie oftmals auszubrechen versuchen. Die Folge daraus sind bereits schon sehr frühe Kontakte und Konflikte mit staatlichen Kontrollinstanzen. Kindern wird die Möglichkeit geraubt, ihren Bedürfnissen, die viel mit Erleben und Abenteuer zu tun haben, nachzugehen. Für die Übernahme gesellschaftlicher Normen und sozialer Fähigkeiten wird dem Spiel eine überaus gewichtige Rolle zuteil. Erst im Spiel mit anderen kann das Kind in Interaktionen Erfahrungen sammeln, die von großer Bedeutung für den Sozialisationsprozeß sind. Hier lernt es, in spätere Rollen hineinzuwachsen und auch Grenzen des eigenen Handeln zu sehen.
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2. Erklärungsansätze für Gewalt
2.1 Frustrations-, Aggressionstheorie – Erklärung anhand eines
Fallbeispiels
Manche Psychologen waren früher der Meinung, daß die Ursache einer Aggression in jedem Fall in einer vorausgegangenen Frustration zu suchen sei, und umgekehrt jede Frustration zwangsläufig zur Aggression führt. Dabei liegt eine Frustration dann vor, wenn die Aktivität, die auf ein bestimmtes Ziel gerichtet ist, derart gestört wird, daß sie erfolglos verläuft und deshalb eine Enttäuschung entsteht. Aggression wäre demzufolge ein Verhalten reaktiver Art, das durch die erlebte Enttäuschung ausgelöst wird und sich zum Beispiel in einer Tätigkeit gegenüber der frustrierenden oder aber auch anderen Person äußert. Allerdings können auch Emotionen verschiedenster Art wie beispielsweise Neid, Haß, Schmerz und so weiter zu Aggressionen führen. So kann als Frustration praktisch jeder Mangelzustand, nicht zuletzt der Mangel an Triebbefriedigung, genannt werden. Aus diesem Grund schreiben viele Psychologen Frustration heute eher eine auslösende als eine ursächliche Funktion zu, denn es kommt hier vor allem darauf an, wie die betreffende Person mit Frustration umgeht und wie groß ihre Frustrationstoleranz, beziehungsweise die Fähigkeit Frustration zu ertragen, ist. Deshalb müssen Frustrationen nicht in jedem Fall zur Aggression führen. Mehr Bedeutung, als lediglich momentan auftretenden beziehungsweise kurzfristigen Frustrationsereignissen, ist den Langzeitfrustrationen beizumessen. Dazu gehören vor allem auch die frühkindlichen Frustrationserlebnisse, die in hohem Maße für spätere Aggressionen beziehungsweise für eine erhöhte Aggressionsbereitschaft verantwortlich sind.
Es gibt verschiedene Einflüsse, die für das Auftreten aggressiven Verhaltens mitverantwortlich sind, wie zum Beispiel familiäre Bedingungen, Geschlechtsunterschiede, Mängel in der Wahrnehmung sozialer Geschehnisse (Unfähigkeit, Bedrohungen und Angriffe seitens der Umwelt richtig einschätzen zu können), Mängel im Sozialverhalten (Unfähigkeit, mit Frustrationen, Konflikten und aggressiven Impulsen umgehen zu können), Konflikte sowie aggressionsbegünstigte Umstände (z.B. Streß, Lärm, räumliche Enge etc.).
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Quote paper:
Claudia Faschingbauer, 2000, Gewalt an Schulen als aktuelles Sozialisationsproblem, Munich, GRIN Publishing GmbH
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