Inhaltsverzeichnis
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1. Schiller ein Schüler der Karlsschule 3
2. Geschichtlicher Hintergrund 5
2.1. Ständegesellschaft 5
2.2. Das höfische Leben zur Zeit des Absolutismus 6
2.3. Das bürgerliche Leben 7
3. Umsetzung in Kabale und Liebe 9
3.1. Die bürgerliche Partei 9
3.1.1. Miller 9
3.1.2. Millers Frau 11
3.1.3. Luise 12
3.2. Wurm als Verbindungsstelle zwischen Bürgertum und Adel 13
3.3. Die adlige Partei 15
3.3.1. Fürst 15
3.3.2. Präsident 15
3.3.3. Hofmarschall von Kalb 17
3.3.4. Ferdinand 18
3.4. Lady Milford eine Adlige mit bürgerlichen Wertvorstellungen 19
4. Resümee 22
5. Literaturverzeichnis 23
2
1. Schiller – ein Schüler der Karlsschule
„ `Die ersten Jugendjahre bestimmen vielleicht die Gesichtszüge des Menschen durch sein ganzes Leben, so wie sie überhaupt die Grundlage seines moralischen Charakters sind.`“ 1
Schillers Worte scheinen wie autobiographisch gezeichnet, betrachtet man seine Jugendjahre, die für sein ganzes Leben und auch für seine Werke bestimmend waren.
Bereits mit vierzehn Jahren wurde Friedrich Schiller 2 von dem damalig regierenden Herzog Karl Eugen von Württemberg in seine neu gegründete militärische Akademie berufen, um dort dem Studium der Jurisprudenz nachzugehen. Karl Eugen hatte die Absicht, begabte Schüler in seiner `Schule` nach seinen Vorstellungen zu erziehen, und sie später entweder als Offiziere oder Beamte einzusetzen. Sowohl Schiller als auch seine Eltern waren über diese Entwicklung bestürzt, wollte Schiller sich doch der Theologie widmen. Doch eine Widersetzung gegen die staatliche Gewalt wäre zu dieser Zeit undenkbar gewesen. Und so mußte Schiller, um seinen Eltern Schwierigkeiten zu ersparen, dem Befehl des Herzogs Folge leisten.
Schon nach drei Jahren wurde Schiller als der schlechteste Schüler der Karlsschule vorgeführt, mitunter eine Folge seiner Resignation. Doch Herzog Karl Eugen dachte nicht im geringsten daran, einen seiner Schützlinge gehen zu lassen, und so überwies er Schiller, nach dem Umzug der Akademie nach Stuttgart, der Fakultät der Medizin, da er als Jurist unbrauchbar geworden war. Friedrich Schiller glaubte, daß das Studium der Medizin ihm mehr Freiheiten zu Selbststudien gewähren würde und es „`der Poesie verwandter` sei“ 3 , und fügte sich somit in sein Schicksal.
Dieses Ereignis stellte einen Wendepunkt in seinem Leben dar. Zwar war ihm der militärische Drill auf der Pflanzschule immer noch ein Dorn im Auge, doch sein stilles Hinnehmen hatte ein Ende und seine Stimmung schlug mir der Zeit in Haß gegen das politische System um. Sein Dichterwesen begann in ihm aufzubegehren, und er hörte nicht auf, eigene Gedichte zu schreiben und sich oft nächtens der verbotenen Privatlektüre bekannter Schriftsteller, wie beispielsweise Shakespeare, zu widmen.
1 Burschell, Friedrich Schiller, Seite 7
2 vgl. Burschell, Friedrich Schiller, Seite12 ff.
3 Burschell, Friedrich Schiller, Seite 19
3
Die Idee zu dem bürgerlichen Trauerspiel Kabale und Liebe, um das es im Folgenden gehen wird, hatte Schiller anscheinend schon während seines vierzehntägigen Arrestes, den er aufgrund der unerlaubten Reise nach Mannheim der Räuber wegen absitzen mußte. Herzog Karl Eugen hatte von Schillers heimlicher Unternehmung erfahren und ließ ihm nun seinen Mißmut spüren.
Im Laufe der Zeit war es Schiller unmöglich geworden, die Bevormundung des Herzogs weiter über sich ergehen zu lassen. Obwohl er alles versucht hatte, den Herzog, unter anderem durch Bittschriften, umzustimmen, konnte er seine eigentliche Profession nicht ausleben und beschloß mit seinem Freund Andreas Streicher aus Stuttgart zu fliehen. Seine Flucht ging über Mannheim nach Frankfurt, weiter über Oggersheim bis er zuletzt in Bauerbach, auf dem Gut der mütterlichen Freundin Henriette von Wolzogen, angekommen war, auf dem er sich sicher fühlen konnte. An diesem Ort schrieb er eines seiner wichtigsten Werke, nämlich die Luise Millerin, die später auf Anraten Ifflands hin in Kabale und Liebe umbenannt wurde. Dieses `bürgerliche Trauerspiel` ist Schillers Abrechnung mit dem absolutistischen System und seine Rache an dem Herzog K arl Eugen. „Ämterschacher, Menschenhandel, Mätressenwirtschaft und Dekadenz von Höflingen sind nur die wichtigsten Kritikpunkte“ 4 , die Schiller in Kabale und Liebe dem Publikum vor Augen führen möchte. Sein Leben war gekennzeichnet durch Freiheitsberaubung. „Leiblicher Zwang, Gebundenheit, die Nichterfüllung seiner sehnlichsten Wünsche, und die gewaltsame Trennung von dem elterlichen Hause“ 5 machten Schiller zu einem Rebell seiner Zeit.
In der folgenden Arbeit sollen die sozialen beziehungsweise politischen Zustände zur Zeit Schillers aufgezeigt werden, um verstehen zu können, was um ihn herum geschah. Außerdem wird darauf eingegangen werden, wie Schiller versucht hat, die damalige gesellschaftliche Ordnung in sein Werk einzuflechten und sie in seinen Figuren widerspiegeln zu lassen.
4 Mader, Friedrich Schiller, Seite 57
5 Loohuis, Analyse von `Kabale und Liebe`, Seite 71
4
2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1. Ständegesellschaft
Als Stände 6 werden soziale Schichten bezeichnet, die in einem hierarchisch gegliederten Gesellschaftssystem, nämlich einer Ständegesellschaft, leben, und deren Zugehörigk eit zu einem Stand sich aus Herkunft, Beruf oder der gesellschaftlichen Rolle ergibt. Unter anderem wird diese Standeszugehörigkeit noch durch die moralischen Werte, die Lebensführung und das Standesbewußtsein ihrer Mitglieder untermauert. Angehörige der j eweiligen Schicht haben sowohl den gleichen sozialen Rang, als auch die damit verbundenen Pflichten, Rechte und Privilegien inne. Die Ständeordnung des Mittelalters mit ihrer Trennung zwischen Herrschendem und Dienendem, die als gottgewollt angesehen wurde, besaß bis weit in das 18. Jahrhundert hinein in vielen Gebieten Deutschlands ihre Gültigkeit und fand erst mit der Französischen Revolution 1789 ihr Ende.
Die Gesellschaft zur Zeit Schillers war eine Ständegesellschaft, die gegliedert war in Adel, Bürgertum und Bauern. Das Reich selbst war durch den Westfälischen Frieden von 1648 in über 300 selbständige Teile, Reichsstädte, Bistümer, Abteien, große Fürstentümer und kleinste Herrschaften, zersplittert. 7 „Nicht das Reich, sondern die reichsunmittelbaren Territorien, die Fürstenstaaten und Freien Reichsstädte, waren der unmittelbare Rahmen des politischen und gesellschaftlichen Lebens für die deutsche Bevölkerung im damaligen Deutschland.“ 8 Die politische Herrschaft lag dabei bei den absoluten Fürsten, die i hre landesherrlichen Hoheitsrechte gegenüber den partikularen, ständischen Machtinstanzen immer mehr ausgedehnt hatten.
In den nächsten zwei Punkten soll vor allem auf das höfische Leben in Württemberg unter Herzog Karl Eugen und das der Bürger eingegange n werden, da dies von bedeutender Wichtigkeit für die Entstehung von Kabale und Liebe gewesen ist und Schiller viele dieser historischen Umstände in sein Werk eingebaut hat.
6 vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie 2000, Stände
7 vgl. Zuber/Holzbauer, bsv-Geschichte/3, Seite 30
8 Glaser, Deutsche Literatur - Eine Sozialgeschichte, Seite 15
5
2.2. Das höfische Leben zur Zeit des Absolutismus
Der Adel galt durch Geburt, Besitz oder Leistung als eine sozial, rechtlich und politisch privilegierte Klasse und war somit auch erster Stand im Staat.
Das höfische Leben war gekennzeichnet durch Korruption, Intrigen, das Mätressenwesen und Verschwendungssucht der Herren sowie sittliche n Verfall. Wenn auch nicht in allen Territorien Deutschlands diese Existenz auf der Tagesordnung stand, so war dies jedoch am württembergischen Hofe unter Herzog Karl Eugen der Fall. Er galt als Abbild des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., der als unumschränkter Herrscher sein luxuriöses Dasein auf Kosten der Bürger verwirklichte. Karl Eugen war „rücksichtslos, verschwenderisch und den Staat als Vorratskammer für die Erfüllung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse auffassend.“ 9 Um sein Leben auch ausgiebig genießen zu können, scheute er wie manch anderer Fürst nicht zurück, eigene Männer als Soldaten an das Ausland zu vermieten oder zu verkaufen. Bereits während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) bis hin zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-83) wurde dies praktiziert, da es eine gute und schnelle Geldquelle darstellte. 10 Freiwillig ging fast keiner dieser Männer zum Militär, und daher war es auch keine Seltenheit, daß sie gewaltsam dazu gezwungen wurden, hatten sie doch dem Herzog ohne Widerrede zu dienen.
Über dies hinaus verfügte Karl Eugen über eine große Anzahl von Mätressen, die nicht nur aus seinem Land stammten, sondern die er auch aus fremden Staaten bezog, um seine Lüste zu befriedigen. Körperliche oder geistige Treue waren ein Fremdwort und so hielt der sittliche Verfall zunehmend an.
Hofintrigen waren durchaus üblich gewesen und so wimmelte es nur von „skurrilen unbedeutenden Dienern, die stolz auf ihre Stelle bei Hofe waren“ 11 und die durch Schmeicheleien versuchten, ihren Stand zu festigen. Ihre Sprache war gespickt mit vielen Fremdwörtern und wirkte nicht selten äußerst gekünstelt. Verachtend blickten sie auf die nicht adelige Schicht herab. Ihr eigener Vorteil war ihnen wichtig, ohne Rücksicht auf Verluste, die ihre Intrigen forderten. Der Hof war ein Ort, an dem Karriere möglich war und somit bedeutete die Sympathie des Fürsten alles, um dem gesellschaftlichen beziehungsweise wirtschaftlichen Aufstieg näher zu kommen. Doch Aufstieg und Fall lagen nahe beieinander.
9 Herrmann/Herrmann, Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, Seite 15
10 vgl. Schafarschik, Erläuterungen und Dokumente, Seite 73 ff.
11 Loohuis, Analyse von `Kabale und Liebe`, Seite 73
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Claudia Faschingbauer, 2001, Die soziale bzw. politische Ordnung zur Zeit Schillers und ihre Realisierung in Kabale und Liebe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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