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Das Tabu ist einer der wenigen Begriffe, der nahezu in allen europäischen Gefilden Einklang gefunden hat. Beachtenswert ist dabei, dass dieses Wort aus der Sprache eines Naturvolks entlehnt ist. Um das späte 19. Jahrhundert kam es in die ’hoch zivilisierte Welt’. Es kommt aus dem Polynesischen.
Ähnlich erging es auch dem Wort Totem aus dem Indianischen. Dieses wird jedoch fast ausschließlich nur im Bereich ethnologischer Schilderungen benutzt. Im Gegensatz dazu hat das Wort Tabu aber seinen ‚Siegeszug’ auch im öffentlichen Leben fortgesetzt. Man braucht nicht lange recherchieren um das Wort Tabu in Zeitungsartikeln zu finden. In der FAZ findet man z.B. 119 Suchergebnisse zu diesem Begriff. Und dies in den unterschiedlichsten Bereichen. 1 Von Politik, über Sport, Forschung, Wirtschaft, Freizeit u.a. Die Süddeutsche Zeitung bietet 115 2 und der Focus immerhin noch 19 3 Ergebnisse.
Man könnte dies sicher weiter führen. Doch wichtiger erscheint eher die Frage, was bedeutet dieses universal anwendbare Wort eigentlich und wo liegen seine Ursprünge. In dieser Hausarbeit soll dieses Wort hinter dem religionswissenschaftlichen Hintergrund beleuchtet werden. Dazu wird erst mal auf den Begriff an sich eingegangen, bevor ich einige Theorien um diesen aufzuzeigen versuche.
Eine Frage, die hier vielleicht noch interessant wäre, ist vielleicht die, in wie fern Tabu heutzutage immer noch mit Religion oder deren Erscheinungen zusammenhängt. Diese jedoch endgültig beantworten zu können, möchte ich eher bezweifeln.
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1 Online-Suche auf www.faz.net, 05.02.02 2 Online-Suche auf www.sueddeutsche.de, 05.02.02 3 Online-Suche auf www.focus.de, 05.02.02
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Durch die Reiseberichte des Kapitän J. Cook wurde der Begriff Tabu erstmalig in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Dieser befand sich 1777 auf seiner dritten Reise auf der Insel Mangaia. Tabu diente ihm als Leitzeichen bei seiner Erörterung rechtlicher Verhältnisse verschiedener Inselstaaten.
Hierbei wird auch schon erstmalig die normative Erscheinungsform des Wortes deutlich. In die ethnologische Religionswissenschaft kam das Wort und auch die Sache dann wohl durch L. Marillier (1896) hinein. Es wurde dann sobald neben das von R.H. Codrington aus dem Melanesischen näher bekannt gemachte Mana (1891) gestellt.
1909 sprach dann R.R. Marett von einer gewissen Tabu-Mana-Formel als einer Minimaldefinition der Religion. Sie bezeichnete als Mana die Kraft oder Macht, auf die sich ein religionsbildendes Gefühl richte und mit Tabu-Vorstellungen reagiere. Dies soll nach ihr eine frühe Entwicklungsstufe anzeigen, für die der Seelenglaube charakteristisch sei. Also den Präanimismus oder Animatismus.
M. P. Nilsson (1940) folgte da aber eher der Durkheim-Schule und beschrieb mit Mana etwas positives, das man anwenden solle und mit Tabu etwas negatives, das man vermeiden solle. Wobei man wohl Mana hier mit dem positiven und Tabu mit dem negativen sacré bei Durkheim vergleichen kann.
P. Radin zeigte dann 1951, dass Mana nur eine von Denkern in Südseevölkern herausgearbeitete Abstraktion ist und von europäischen Forschern teils zu etwas Korrektem, teils zu etwas Undefinierbarem gemacht wurde. Für das Tabu heißt das, dass es dadurch beweglicher wird und von Zeit und Ort auch abhängig. D.h., dass man immer auch das Sozialsystem und die Mythologie des bestimmten Volkes hinterleuchten muss, um bestimmte Tabuierungen zu verstehen.
Dies scheint natürlich im Sinne der Vergleichenden Wissenschaft nur selbstverständlich.
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Das Wort Tabu wird im polynesischen Sprachgebrauch adjektivisch und substantivisch gebraucht. Das Verb dazu ist tabuieren. Man könnte es vielleicht in die Silben ‚Ta’ und ‚Pu’ trennen. ‚Ta’ bedeutet im polynesischen ‚markieren, bezeichnen’ und ‚Pu’ bedeutet ‚äußerst, überaus, außerordentlich’. Es könnte also letztendlich als das ‚außerordentlich Bezeichnende’
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Eric Maes, 2002, Tabu, Munich, GRIN Publishing GmbH
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