Wilhelm von Humboldts Arbeit an Aischylos "Agamemnon"
von: Yvonne Manske
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3
2. Biographische Information zu Wilhelm von Humboldt S. 4
3. Entstehungsgeschichte der Agamemnon-Übersetzung S. 4
4. Die Einleitung zu Agamemnon oder: Humboldts Übersetzungsmaximen S. 5
5. Vergleich der verschiedenen Übersetzungen des Prologs/der Wächterszene und der Chorpartien
5.1 Wilhelm von Humboldts älteste Fassung und die Druckversion von 1816 S. 10
5.2 J.J.C. Donners Agamemnon-Übersetzung von 1855 S. 12
5.3 Oskar Werner Agamemnon-Übersetzung von 1943 S. 13
5.4 Peter Steins Agamemnon-Übersetzung von 1980 S. 14
6. Abschließende Beobachtung S. 19
7. Bibliographie S. 21
1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit werden zunächst in einer Kurzbiographie die Eckdaten von Wilhelm von Humboldts Biographie genannt und ein kurzer Überblick über die Entstehungsgeschichte der Agamemnon-Übersetzung gegeben. Die inhaltliche Zielsetzung der Studie besteht darin, die Vorrede Humboldts wiederzugeben und die Maximen seiner Übersetzungstheorie darzustellen. In einem weiteren Schritt soll anhand ausgewählter Kategorien Stil, Integration des Fremden und Sprachgenauigkeit überprüft werden, inwiefern seine Maximen in der Agamemnon-Übersetzung realisiert wurden. Schließlich wird ein Textvergleich verschiedener Übersetzungen geschehen. Die erste und letzte Fassung Humboldts, die Agamemnon-Übersetzung J.J.C. Donners, Oscar Werners, sowie Peter Steins Orestie-Übersetzung sollen gegenübergestellt werden. Hierzu erfolgt teilweise eine Analyse der theoretischen, praktischen oder historischen Hintergründe, um zu erhellen welche Perspektive der jeweilige Übersetzer auf seine Arbeit gerichtet und nach welchen Kriterien er übersetzt hat. Die grundsätzlichen Hauptunterschiede im Übersetzungsdenken um 1800 und dem des 20.Jahrhunderts sollen exemplarisch anhand der Texte dargestellt werden. Abschließend soll kurz erläutert werden, welche Anforderungen die heutige Übersetzungspraxis an das Theater stellt.
2. Biographische Information zu Wilhelm von Humboldt
Wilhelm von Humboldt wurde 1767 in Potsdam geboren. Er studierte in Frankfurt am Main und in Göttingen. Während seiner göttinger Zeit lernte er Heinrich Heine kennen, der ihn mit der „Welt des Aischylos“ vertraut machte. Heine schreib zu dieser Zeit Interpretationen zu „Die Perser“, „Aischylos“ und „Agamemenon“, die Humboldt bekannt gewesen sein dürften. 1 Um 1800 arbeitete Humboldt als Leiter des Kultus- und Unterrichtswesens im preußischen Innenministerium. Seinen kulturpolitischen Rang im 19. und 20. Jahrhundert hat er sich besonders durch zwei Verdienste erworben. Einmal durch die Gründung der Friedrich- Wilhelms-Universität in Berlin; hierzu formulierte er die deutsche Universitätsidee der „Einheit von Forschung und Lehre.“2 und durch die Gründung des neuhumanistischen Gymnasiums in Preußen. Zudem leistete er wichtige Reformvorschlägen in der Bildungspolitik, die allerdings erst post hum realisiert wurden. Wilhelm von Humboldt verlies 1819 den Staatsdienst und zog sich zu schriftstellerischen Arbeiten auf das Humboldtsche Schloss in Tegel zurück, wo er am 8. April 1819 verstarb.
3. Entstehungsgeschichte der Agamemnon-Übersetzung
Humboldt wurde im August 1792, unter anderem durch den damals sehr bekannten Altphilologen Wolf, zu seiner Agamemnon-Übersetzung inspiriert. Die Anfänge der ersten Übersetzung geschahen 1796/97 in Jena. Bis April lag bereits die Hälfte der Übersetzung vor. Briefwechsel aus dieser Zeit dokumentieren die Freundschaft zu Wolf, Schiller, Goethe und den Gebrüdern Schlegel, welche Humboldt als Kritiker seiner übersetzten Szenen heranzog.3 1804 in Marino (Italien) wurde die erste Übersetzungsversion abgeschlossen. Es folgte ein jahrelanger Prozess der Überarbeitung. Das Erscheinen der Übersetzung wurde weiter aufgeschoben. Inzwischen hatte. Humboldt eine römische Reinschrift des Agamemnon erhalten und die Übersetzung des Altphilologen Gottfried Hermann entdeckt, was wiederum eine grundlegende Umarbeitung seiner Übersetzung erforderte. Zudem musste Humboldt seinen politischen Pflichten nachkommen, weshalb der Druck erst im Jahr 1816 erschien. Entgegen Humboldts, Wolfs und Herrmanns Wunsch, weigerte sich der Verleger eine zweisprachige Ausgabe in griechisch und deutsch herauszugeben.
4. Die Einleitung zu Agamemnon
1816 erschien erstmals die Agamemnon-Übersetzung Wilhelm vom Humboldts in Leipzig bei Gerhard Fleischer dem Jüngern, mit dem Titel: „Aischylos Agamemnon metrisch übersetzt von Wilhelm von Humboldt“. Der vorliegende Text „Einleitung zu Agamemnon“ enthält Humboldts Vorrede, wie er sie seiner Übersetzung vorangestellt hat. Die Vorrede stammt vom 23. Februar 1816, dem 50. Geburtstag Caroline von Humboldts, welcher die Übersetzung des Agamemnon gewidmet ist. Im ersten Textabschnitt erfolgt Humboldts Lob von Aischylos‘ Agamemnon, welches sich im wesentlichen darauf gründet, dass Aischylos die Erhabenheit des unausweichlichen Schicksals als alles überschattende Macht in seiner Tragödie konstruiert hat. Die Größe der Götter und Helden zeige sich darin, dass „jeder aus zufälliger Persönlichkeit geschöpfte Bewegungsgrund entfernt ist“. 4
[...]
1 Wilhelm von Humboldts Werke. Hrsg.: Albert Leitzmann. Bd. 8. Berlin 1909, S. 233.
2 Knoll, Joachim H./ Siebert, Horst : Wilhelm von Humboldt. Politiker und Pädagoge. Köln 1967, S. 6.
3 Wilhelm von Humboldts Werke. Hrsg.: Albert Leitzmann. Bd. 8. Berlin 1909, S. 255.
4 Störig, Hans Joachim: Das Problem des Übersetzens. Darmstadt 1963, S. 71.
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Magistra artium Yvonne Rudolph, 2003, Wilhelm von Humboldts Arbeit an Aischylos "Agamemnon", Munich, GRIN Publishing GmbH
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