Weltweit sind die Menschen aktuell von einer Situation bzw. einem Prozess betroffen, die teilweise als „neoliberale Globalisierung“ bezeichnet werden, für die aber auch das Etikett „real existierender Kapitalismus“ gewählt werden kann: Insbesondere nach dem Ende der Blockkonfrontation wird die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsform als alternativlos bezeichnet und als „Globalisierung“ ein Prozess voran getrieben, der in den 1980er Jahren begonnen wurde und seitdem mit steigender Geschwindigkeit abläuft.
Damit werden die Rahmenbedingungen kapitalistischen Wirtschaftens verbessert, indem mehr und mehr gesellschaftliche Bereiche in die kapitalistische Verwertung einbezogen werden. Gleichzeitig verschärfen sich jedoch die „Kollateralschäden“ der Wirtschaftsform, wie weltweite Umweltzerstörung, Kriege, globale Machtverhältnisse, Gewalt, Unterdrückung und Migration. Für die meisten Menschen hat beides negative Auswirkungen.
Menschen werden dabei vielfach und umfassend zum Objekt: durch Marktbeziehungen, Tauschlogik, Macht- und Herrschaftsverhältnisse, strukturelle und offene Gewalt.
Dagegen wird mehr und mehr protestiert. Neben ‚traditionellen’, staatsorientierten, reformistischen, kommunistischen Zielsetzungen, verbreiten sich mehr und mehr auch Ansätze, die Herrschaftsfreiheit, Selbstbestimmung und Emanzipation in den Mittelpunkt stellen.
In allen Organisationsformen politischer Arbeit findet dabei auch immer politische Bildung statt – egal ob selbst organisiert oder professionell begleitet. Pädagogik, die sich nicht in den Dienst von Herrschafts- und Machtstrukturen stellen will, muss klar die Freiheit und Emanzipation des Einzelnen zum Ziel haben und auch ihre Methoden danach ausrichten. Der Ausbau der subjektorientierten Bildung in der politischen Arbeit ist daher ein möglicher Schritt auf dem Weg hin zu mehr Selbstbestimmung, Emanzipation und Beseitigung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen.
Es muss also gefragt werden, was subjektorientierte Bildung zunächst im Detail bedeutet, welche Relevanz sie genau für die politische Erwachsenenbildung hat und welche Rolle sie in der praktischen Arbeit der AkteurInnen im Bereich der politischen Bildung mit Erwachsenen spielt.
Mit der vorliegenden Arbeit soll genau dies getan werden. Es sollen Begrifflichkeiten geklärt, Kernpunkte des Konzepts heraus gearbeitet und vor diesem Hintergrund die Praxis der Subjektorientierung in Zusammenhängen der politischen Erwachsenenbildung betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
PROLOG
KAPITEL I INHALTLICHE UND METHODISCHE EINFÜHRUNG
I.1 Anlass und Problem der Arbeit
I.2 Fragestellungen
I.3 Methodische Ausrichtung der Arbeit
I.4 Materialabgrenzung
I.5 Aufbau der Arbeit
I.6 Angrenzende, aber nicht behandelte Probleme
KAPITEL II BEGRIFFSKLÄRUNGEN
II.1 Subjekt
II.1.1 Historischer Begriffshintergrund
II.1.2 Moderner Subjektbegriff
II.1.3 Zusammenfassung
II.2 Bildung
II.2.1 Historischer Begriffshintergrund
II.2.2 Moderne Bildungstheorien
II.2.3 Zusammenfassung
II.3 Politische Erwachsenenbildung
II.3.1 Begriff und Theorie der politischen Bildung
II.3.2 Politische Bildung mit Erwachsenen
II.3.3 Ausblick in die Praxis der politischen Erwachsenenbildung
II.3.4 Zusammenfassung
KAPITEL III SUBJEKTORIENTIERUNG IN DER POLITISCHEN ERWACHSENENBILDUNG
III.1 Vorüberlegungen
III.1.1 Begriffliche Abgrenzung
III.1.2 Motivationen/Begründungen des Konzepts
III.1.2.1 Historische Entwicklungen
III.1.2.2 Gesellschaftspolitisch-philosophische Begründung
III.1.3 Ziele von subjektorientierter politischer Erwachsenenbildung
III.2 Grundlinien subjektorientierter Erwachsenenbildung
III.2.1 Subjekttheoretische Grundannahmen
III.2.2 Möglichkeiten der Subjektentwicklung
III.3 Bedeutungen für die Praxis
III.3.1 Anforderungen an pädagogische Arbeit
III.3.1.1 Die Beteiligten und ihre Rollen
III.3.1.2 Die Inhalte
III.3.1.3 Die Gestaltung der Zusammenarbeit
III.3.2 Mögliche Probleme und Gefahren
III.4 Zusammenfassung
KAPITEL IV UNTERSUCHUNGSKONZEPTION
IV.1 Erhebung
IV.1.1 Methode
IV.1.1.1 Methodenwahl
IV.1.1.2 Grundsätzliches zur Methode des problemzentrierten Interviews
IV.1.2 Konzeption der Befragung
IV.1.2.1 Interviews
IV.1.2.2 Kurzfragebogen
IV.1.2.3 Leitfaden
IV.1.3 Durchführung
IV.1.3.1 Äußere Bedingungen (Zeit, Ort, Atmosphäre)
IV.1.3.2 InterviewpartnerInnen
IV.1.3.3 Aufzeichnungen und Transkription
IV.1.3.4 Qualitatives Interview
IV.2 Auswertungsmethoden
IV.2.1 Methoden
IV.2.1.1 Wahl der Methoden
IV.2.1.2 Grundsätzliches zu den Methoden
IV.2.2 Grundlegende analytische Überlegungen
IV.2.3 Erster Interpretationsschritt
IV.2.3.1 Kategorien
IV.2.3.2 Zuordnung und Zusammenfassung
IV.2.4 Zweiter Interpretationsschritt
KAPITEL V UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
V.1 Fallbezogene Betrachtung
V.1.1 Herr A
V.1.1.1 Strukturierende Betrachtung
V.1.1.2 Interpretative Herangehensweise
V.1.2 Frau B
V.1.2.1 Strukturierende Betrachtung
V.1.2.2 Interpretative Herangehensweise
V.1.3 Herr C
V.1.3.1 Strukturierende Betrachtung
V.1.3.2 Interpretative Herangehensweise
V.2 Fallübergreifender Vergleich der Ergebnisse
V.2.1 Handlungsleitende Ziele und Prinzipien der AkteurInnen
V.2.2 Genannte Problemfelder der Arbeit
V.3 Subjektorientierung im professionellen Handeln der AkteurInnen
KAPITEL VI ZUSAMMENFÜHRUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Relevanz des Konzepts der Subjektorientierung für die Praxis politischer Bildungsarbeit mit Erwachsenen. Ziel ist es, die theoretischen Kernpunkte dieses Konzepts herauszuarbeiten und zu analysieren, wie professionelle AkteurInnen diese in ihrem praktischen Handeln umsetzen, um Emanzipation und Selbstbestimmung der Lernenden zu fördern.
- Grundlagen der Begriffe Subjekt, Bildung und politische Erwachsenenbildung
- Subjektorientierung als didaktisches und pädagogisches Konzept
- Anforderungen an die Gestaltung von Lernprozessen und die Rolle der Lehrenden
- Herausforderungen und Gefahren bei der Umsetzung subjektorientierter Ansätze
- Empirische Untersuchung der Praxis anhand von Experteninterviews im BUKO-Netzwerk
Auszug aus dem Buch
Bedeutungen für die Praxis
Nachdem die theoretischen Hintergründe von Subjektentwicklung und Subjektorientierung dargestellt sind, sollen daraus nun Konsequenzen für eine pädagogische Praxis entwickelt werden, die Subjektentwicklung ermöglicht bzw. fördert. Dabei geht es zunächst um Anforderungen an pädagogisches Handeln, bevor mögliche Gefahren bzw. Problemfelder bei der Umsetzung aufgezeigt werden.
III.3.1 Anforderungen an pädagogische Arbeit
Die Gestaltung von subjektorientierten Veranstaltungen der politischen Erwachsenenbildung ist eine Aufgabe, die der Sache nach den gesamten pädagogischen Prozess und alle Beteiligten betrifft. Daher werden im Folgenden die Anforderungen und Konsequenzen für die Beteiligten, die Didaktik bzw. Methodik sowie die Inhalte dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
KAPITEL I INHALTLICHE UND METHODISCHE EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung der Arbeit, definiert die Forschungsfragen und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Abgrenzung der Untersuchung fest.
KAPITEL II BEGRIFFSKLÄRUNGEN: Hier werden die zentralen theoretischen Begriffe Subjekt, Bildung und politische Erwachsenenbildung analysiert und ihre Bedeutung für die politische Arbeit hergeleitet.
KAPITEL III SUBJEKTORIENTIERUNG IN DER POLITISCHEN ERWACHSENENBILDUNG: Dieses Kapitel setzt sich detailliert mit dem Konzept der Subjektorientierung auseinander und leitet Anforderungen für eine gelungene Praxis ab.
KAPITEL IV UNTERSUCHUNGSKONZEPTION: Das Kapitel beschreibt das methodische Design der Untersuchung, insbesondere die Erhebung mittels problemzentrierter Interviews sowie die anschließende qualitative Inhaltsanalyse.
KAPITEL V UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE: Hier werden die Ergebnisse der Interviews fallbezogen und fallübergreifend dargestellt und die Praxis der AkteurInnen kritisch reflektiert.
KAPITEL VI ZUSAMMENFÜHRUNG UND AUSBLICK: Das abschließende Kapitel führt die theoretischen Erkenntnisse und die empirischen Ergebnisse zusammen und diskutiert Implikationen für weitere Überlegungen.
Schlüsselwörter
Subjektorientierung, Politische Bildung, Erwachsenenbildung, Emanzipation, Selbstbestimmung, Bildungstheorie, Kritische Theorie, Partizipation, pädagogische Praxis, Subjektentwicklung, Lernprozess, Selbstreflexion, Politische Arbeit, BUKO, Qualitative Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das pädagogische Konzept der Subjektorientierung in der politischen Bildungsarbeit mit Erwachsenen theoretisch begründet und praktisch angewandt werden kann, um Lernende zu emanzipieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Subjekt und Bildung, die Rolle der Lehrenden, die Gestaltung von Lernprozessen sowie die Bedingungen und Hürden bei der praktischen Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Bestandsaufnahme der Relevanz von Subjektorientierung, um aufzuzeigen, wie diese zur Förderung der Selbstbestimmung und politischen Mündigkeit von Erwachsenen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen qualitativ-empirischen Ansatz, primär basierend auf problemzentrierten Interviews mit ExpertInnen aus dem Bereich der politischen Bildungsarbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Subjekt und Bildung theoretisch geklärt, das Konzept der Subjektorientierung detailliert entfaltet und anschließend anhand von Interviews mit Aktiven eines politischen Netzwerks (BUKO) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Subjektorientierung, Emanzipation, Partizipation, politische Erwachsenenbildung und qualitative Inhaltsanalyse charakterisiert.
Wie wird das Rollenverständnis zwischen Lehrenden und Lernenden im Konzept definiert?
Das Konzept fordert eine horizontale, hierarchiefreie Beziehung, in der Lehrende und Lernende als gleichberechtigte Subjekte in einen dialogischen Prozess treten, um gemeinsam Wissen zu erarbeiten.
Warum sieht die Autorin die Umsetzung des Konzepts oft als "Gratwanderung"?
Die Umsetzung ist eine Gratwanderung, da der Anspruch auf Selbstbestimmung der Lernenden häufig auf traditionelle Rollenerwartungen und strukturelle Zwänge (wie Zeitdruck oder institutionelle Anforderungen) stößt.
- Arbeit zitieren
- Eike Rösch (Autor:in), 2004, Subjektorientierung in der politischen Bildung mit Erwachsenen - Programm und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27551