Seit der Mensch begann seßhaft zu werden und erste Siedlungen gründete, versuchte er
auch, sie in bestimmter Weise zu planen und in die Entwicklung dieser Siedlungen
bewußt einzugreifen. So sind bereits in der Renaissance Bestrebungen, eine Idealstadt
zu bauen bekannt ( Bsp.: Sabionetta, Sforzinda).
Durch die Industrialisierung entstanden allerdings sehr viele neuartige Probleme in
natürlich gewachsenen Städten: Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, Probleme
in der Verkehrsführung, die Bildung von Slums, etc.
Stadtplanung wurde zu einer eigenständigen Disziplin, doch beschäftigte sie sich nicht
nur mit den funktionellen Probleme der Städte. Zunehmend wurden auch Fragen zu
ästhetischen Aspekten gestellt. Es wurde versucht, verschiedene Werte und Traditionen
durch die Architektur zu vermitteln, Bürger sollten durch die Bauten inspiriert und
Völker durch ihre Städte repräsentiert werden.
Auch Canberra wurde mit einem sehr ehrgeizigen Bestreben gebaut:
„I hope ... that the children of our children will see an Australian Federal city that
will rival London in population, Paris in beauty, Athens in culture, and Chicago in
industry.”1
Ob sich Canberra heute in die Liste der Metropolen einreihen kann, und wie sich die
Stadt heute inszeniert wird in dieser Arbeit dargestellt.
1 National Capital Planning Authority, Seite 12
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die politische Situation
3. Das Gebiet
4. Der Wettbewerb
5. Walter Burley Griffin
6. Griffins Vorbilder
a) Die Gartenstadt
b) Washington
7. Griffins Design
a) Die Struktur
b) Der See
c) Die Gebäude
d) Die Wohngebiete
8. Die Umsetzung Griffins Plan:
a) Unter Griffin
b) 1920-1931
c) 2. Weltkrieg bis 1960
d) Entwicklung des Großraums Canberra von 1960 an
e) 1960 - 1990
f) Canberra heute
9. Canberra und seine Inszenierung über 90 Jahre
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die städtebauliche Entwicklung Canberras über einen Zeitraum von 90 Jahren und analysiert, inwiefern die Stadt als geplantes Projekt ihren Anspruch als Repräsentationsort und kulturelles Zentrum erfüllt. Dabei steht die Frage im Fokus, wie sich die ursprünglichen Visionen von Walter Burley Griffin im Spannungsfeld politischer und administrativer Entscheidungen über die Jahrzehnte gewandelt haben und wie die Stadt heute inszeniert wird.
- Die historische Genese und die politische Motivation zur Gründung Canberras.
- Der Einfluss von Walter Burley Griffins Architekturkonzepten und dessen städtebauliche Leitideen.
- Die Transformation von Griffins Idealplan durch spätere Planungsbehörden und historische Ereignisse.
- Die städtebauliche Entwicklung Canberras im 20. Jahrhundert von der Gartenstadt zur autogerechten Vorstadt.
- Die heutige Wahrnehmung und Identität der australischen Hauptstadt.
Auszug aus dem Buch
7. Griffins Design:
Griffin gelang es in seinem Plan, Elemente der oben genannten Bewegungen mit den gegebenen und einzigartigen Faktoren der Natur zu verbinden. Dies war der Punkt, in dem er sich von seinen Konkurrenten im Wettbewerb klar absetzte.
a) Die Struktur: Griffin teilte die Stadt in drei Teile: das Regierungsviertel, das kommunale Viertel und das Marktplatzviertel. Dieses Dreieck paßte sich sehr genau der natürlichen Topographie an, da Griffin die Mittelpunkte dieser Zentren auf drei Bergen (Capital Hill; Mount Vernon, Mount Pleasant) ansiedelte. Verbunden waren diese Punkte durch ein System von Achsen – weite, von Bäumen begrenzte Straßen, die ebenfalls vom Terrain vorgegeben wurden. Dies ergab sich „distinctly, almost without the assistance of man´s handiwork“, wie er selbst es beschrieb.
Die Straßen stellen Sichtachsen dar, die manchmal den Blick auf Gebäude oder Monument lenken, beispielsweise weist die Achse vom Marktzentrum aus auf die City Hall hin, auf der gegenüberliegenden Seite auf eine Kathedrale auf dem Mount Pleasant. Öfter jedoch führen die Achsen den Blick auf die umliegende Natur und die Berge und stellen somit eine starke optische Bindung zwischen der Stadt und der Natur her. Wichtige Straßen tragen symbolische Namen: die vom Capitol Hill strahlenförmig ausgehenden Straßen sind nach den Hauptstädten der australischen Staaten, in deren Richtung sie weißen, benannt (Bsp.: Darwin, Perth, Adelaide).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die historische Entwicklung der Stadtplanung von der Renaissance bis hin zum ehrgeizigen Anspruch bei der Gründung Canberras.
2. Die politische Situation: Das Kapitel beschreibt den Zusammenschluss der britischen Kolonien zum Commonwealth und den daraus resultierenden Streit um den Sitz der neuen Hauptstadt.
3. Das Gebiet: Hier wird die Auswahl und Verfassungsgrundlage des Australian Capital Territory (ACT) erläutert.
4. Der Wettbewerb: Es wird dargelegt, wie ein internationaler Wettbewerb zur Gestaltung der Hauptstadt ausgerufen und Griffin als Sieger ermittelt wurde.
5. Walter Burley Griffin: Eine Kurzbiografie des Architekten, der das Erscheinungsbild Canberras maßgeblich prägte.
6. Griffins Vorbilder: Darstellung der Einflüsse durch die Gartenstadt-Bewegung und den Städtebau von Washington auf Griffins Entwürfe.
7. Griffins Design: Analyse der städtebaulichen Struktur, der Einbindung in die Landschaft und der funktionalen Anordnung der Gebäude in Griffins Plan.
8. Die Umsetzung Griffins Plan: Untersuchung der historischen Phasen von der frühen Umsetzung über die Nachkriegszeit bis hin zur modernen Entwicklung des Großraums Canberra.
9. Canberra und seine Inszenierung über 90 Jahre: Abschließende Betrachtung darüber, wie sich das Selbstverständnis der Stadt im Wandel der Zeit und der unterschiedlichen Planungsansätze formte.
Schlüsselwörter
Canberra, Stadtplanung, Walter Burley Griffin, Gartenstadt, Hauptstadtdesign, Architektur, Föderation, Australien, Stadtentwicklung, Repräsentation, Stadtplanungshistorie, National Capital, Urbanistik, Siedlungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die städtebauliche Geschichte Canberras von der Gründungsphase 1913 bis in die späten 1990er Jahre und untersucht, wie verschiedene Planungsphasen die Identität der Stadt geprägt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der ursprünglichen Vision von Walter Burley Griffin, der Umsetzung durch verschiedene staatliche Komitees sowie der sozio-ökonomischen Entwicklung der Stadt im Kontext ihrer Funktion als australische Hauptstadt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verstehen, ob und wie sich Canberra als „ideale“ Hauptstadt verwirklichen konnte und wie sich das Stadtbild sowie die Inszenierung der Stadt über 90 Jahre gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer Auswertung städtebaulicher Entwürfe, Dokumentationen und zeitgenössischer Architekturtheorien basiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Griffins Designprinzipien, die chronologische Aufarbeitung der baulichen Umsetzung und die Analyse der verschiedenen politischen Einflüsse auf die Stadtentwicklung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Canberra, Stadtplanung, Walter Burley Griffin, Gartenstadtkonzept, Regierungszentren und die Inszenierung der Stadt als politisches und kulturelles Symbol.
Warum wurde das Gelände um Canberra überhaupt als Hauptstadtstandort gewählt?
Die Wahl fiel auf das Gebiet als Kompromiss, um die Konkurrenz zwischen den großen Städten Sydney und Melbourne zu befrieden, obwohl das Areal zum damaligen Zeitpunkt über keine nennenswerte Infrastruktur verfügte.
Wie beeinflusste der "Y-Plan" von 1967 die weitere Entwicklung der Stadt?
Der Y-Plan legte den Fokus auf eine Dezentralisierung in Form von Satellitenstädten, die durch Schnellstraßen verbunden waren, was Canberra zu einer weitläufigen, autogerechten Stadtstruktur führte.
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- Nadine Sohn (Author), 2003, Canberra - Inszenierung einer Stadt über 90 Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27575