CPFR in der Praxis
von: Stefan Küppers
8. Semester
1. Einordnung des CPFR 3
1.1 Die Ziele des CPFR 3
1.2 ECR als Ausgangspunkt des CPFR 4
1.3 Kollaboration als Voraussetzung des CPFR 5
2. CPFR in der Praxis anhand des VICS- Prozessmodells 6
2.1 Planungsprozess (Planning - strategisch) 6
2.2 Prognoseprozess (Forecasting - taktisch) 7
2.3 Bestellprozess (Replenishment - operativ) 9
3. Bewertung des CPFR- Ansatzes 10
3.1 Vorteile 10
3.2 Nachteile 10
4. Stärken des CPFR anhand diverser Szenarios 12
4.1 Peitschenschlag Effekt 13
4.2 Selbstlernendes CPFR 17
4.3 Produktauslauf und Anlauf des Substitutionsproduktes 20
5. Weiterentwicklungen des CPFR 23
5.1 Collaborative Transportation Management (CTM) 23
5.2 Entwicklung zum n- Tier- CPFR 24
Anhang 26
Literaturverzeichnis 26
Abbildungsverzeichnis 27
1. Einordnung des CPFR
CPFR bedeutet Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment, also eine kooperative Planung, eine kooperative Prognose und ein kooperatives Nachschubwesen. Es ist laut ECR Europe eine branchenübergreifende Initiative vom Hersteller über den Handel bis hin zum Kunden. Das Einsatzgebiet ist vorwiegend die Konsumgüterindustrie. Für CPFR besonders geeignet sind Produkte mit: häufigen Neueinführungen, z.B. Mode kurzer Lebensdauer häufigen Promotion- Aktionen schwer vorhersehbarer Nachfrage und langen Durchlaufzeiten und hohen Beständen. Bei Produkten wie: undifferenzierte Standardprodukte wie Kaffee, Getreide, usw. Waren, die bei vielen Lieferanten erhältlich sind und Produkte, bei denen der Preis im Mittelpunkt steht, da dies dem CPFR- Gedanken einer langfristigen Bindung der Geschäftspartner widerspricht, sollte CPFR vermieden werden. Durch gemeinsame Planungsprozesse und unternehmensübergreifende Informationen erwarten die beteiligten Unternehmen vor allem erhebliche Effizienz- und Profitabilitätssteigerungen.
1.1 Die Ziele des CPFR1
Eines der wichtigsten Ziele von CPFR ist die Gewährleistung der Produktverfügbarkeit, sowohl in den Regalen des Händlers als auch zur Versorgung des Händlers. Weiterhin soll die Fehlerquote bezüglich der Prognose reduziert und dadurch eine Steigerung der Prognosequalität erreicht werden. Die bisher getrennte Betrachtung der beiden Kooperationsfelder Supply Side (SCM) und Demand Side (CM) wird nun durch CPFR zusammengeführt, um die Transparenz entlang der Lieferkette mit Hilfe eines vermehrten Datenaustauschs zu verbessern. Weitere Ziele sind die Verbesserung der gesamten Lieferqualität wie Termintreue, Mengenabweichung usw., der Verkürzung der Geschäftsprozesse sowie die Verringerung oder evtl. sogar die vollständige Beseitigung von Schwächen innerhalb der Supply Chain (SC). Das Anstreben dieser Ziele beinhaltet Kosteneinsparungen als eine messbare Größe vor allem durch die Reduzierung der Lagerbestände, Retouren und Eilaufträgen.
1.2 ECR als Ausgangspunkt des CPFR2
CPFR wird als die nächste Stufe des Efficient Consumer Response (ECR) eingeordnet. Das ECR- Konzept gilt als Ausgangspunkt einer neuen, vertikalen Kooperation zwischen den Geschäftspartnern mit dem Ziel gemeinsamer Absatzbemühungen. Betrachtet werden nicht mehr einzelne Wertschöpfungsstufen, sondern das System Hersteller, Handel und Konsument insgesamt. Es ergibt sich somit eine neue Betrachtungsweise über drei Wertschöpfungsstufen hinweg. Das ECR- Konzept besteht grundsätzlich aus zwei Grundelementen, der Kooperation innerhalb der Logistik durch das Supply Chain Management (SCM) auf der Supply Side, sowie der Kooperation im Marketing durch das Category Management (CM) auf der Demand Side. Beides basiert auf der Grundlage von Enabling Technologies wie Internet, EDI, B2B- Plattformen, usw. (siehe Abb. 16). Durch diese neue Art der Zusammenarbeit soll die Kooperationsbereitschaft auf diesen beiden neuen Kooperationsfeldern erhöht und die Kommunikationseffizienz gesteigert werden, wobei es auf die Optimierung von Schnittstellen ausgerichtet ist. Die Kooperation wird nun an der tatsächlichen Nachfrage am Markt ausgerichtet, es findet also ein Wandel vom Push- zum Pull- Prinzip statt. CPFR baut auf diesem ECR- Konzept auf. Es wurde für die Zusammenarbeit von Hersteller und Handel von der Voluntary Interindustry Commerce Standards (VICS) Association 1997 entwickelt und 1998 veröffentlicht. In dieser Weiterentwicklung (siehe Abb. 17) von ECR zu CPFR wurden die beiden Kooperationsfelder, den Logistikbereich durch Supply Chain Management und das Marketing durch das Category Management, in einem Gesamtansatz integriert. Es erfolgt eine stärkere Prozessorientierung und dadurch besser aufeinander abgestimmte Prozesse. Den Hauptfaktor des CPFR bildet dabei die Kollaboration.
1.3 Kollaboration als Voraussetzung des CPFR3
In der heutigen Zeit hat die Kooperation innerhalb der Supply Chain immer mehr an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe. Die Entwicklungen hin zu gesättigten Weltmärkten zwingen die Unternehmen immer stärker zu Rationalisierungen und Effizienzsteigerungen. Da die internen Optimierungspotenziale mittlerweile ausgeschöpft sind, wird man gezwungen, Einsparungen durch externe Effizienzsteigerungen zu suchen, also durch Kollaboration mit den Geschäftspartnern. Die Kollaboration bildet auch weiterhin die Voraussetzung für die Integration bisher isolierter Geschäftsprozesse und Informationen, so dass die von CPFR geforderte Transparenz erreicht werden kann. Diese Transparenz ermöglicht eine gemeinsame Betrachtung der relevanten Geschäftsaktivitäten, sowohl beim Hersteller als auch beim Händler, wobei die Basis jeder Kollaboration das Vertrauen der Teilnehmer am CPFR- Prozess darstellt. Die Qualität der Zusammenarbeit zeigt sich dabei besonders darin, dass Ausnahmesituationen durch einen gemeinsamen Lösungsprozess besser bearbeitet werden können. Für eine erfolgreiche Partnerschaft und zu einem besseren Verständnis sowie einem besser funktionierenden CPFR- Prozess zwischen den Kollaborationspartnern sind folgende Voraussetzungen förderlich:
ähnliche Unternehmenskulturen
verwandte Organisationsstrukturen
personelle Kontinuitäten
langfristige Perspektiven der Zusammenarbeit
individuelles und organisationales Lernen
2. CPFR in der Praxis anhand des VICS- Prozessmodells4
Das von der VICS Association entwickelte Prozessmodell gliedert sich in neun Schritte, die nun im Folgenden ausführlicher vorgestellt werden (siehe Abb. 18). Diese lassen sich in drei Phasen einteilen, dem Planungsprozess (Planning, Schritt 1 und 2), dem Forecast, also der Prognoseprozess (Schritt 3 bis 8) und dem Bestellprozess, dem Replenishment (Schritt 9). Die Kollaboration als durchgängiges Kriterium befasst sich mit der gemeinschaftlichen Steuerung der Wertkette, welche über alle neun Schritte aufrechterhalten werden soll. Die operativen Tätigkeiten nehmen dabei mit jedem Schritt zu, die Entscheidungen dagegen werden gegen Ende kurzfristiger. Die Vollständigkeit und Kontrolle innerhalb des Modells wird dadurch gewährleistet, dass die Schritte iterativ mit Hilfe von Rückkopplungen durchlaufen werden.
2.1 Planungsprozess (Planning - strategisch)5
[...]
1 vgl. Seifert (2002), S. 55ff.; Bauer 2002, S.1
2 vgl. Seifert (2002), S. 27ff.
3vgl. Seifert (2002), S. 105ff., S.338f.; CGI (2002); Tab 2
4 vgl. Bauer (2002), S. 17 f; www.cpfr.org ; Voluntary Guidelines
Arbeit zitieren:
Stefan Küppers, Jennifer Weber, 2004, CPFR in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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