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Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit

Title: Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit

Research Paper (undergraduate) , 2004 , 14 Pages , Grade: 1

Autor:in: Iris Gorke (Author)

Social Work
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Der Verlust der Wohnung ist eine der schlimmsten Auswirkungen von Armut. „Für das Jahr 2002 schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe die Gesamtzahl der Wohnungslosen in der BRD auf 410.000 Menschen. Davon lebten 13%, also ca. 20.000 Menschen auf der Straße, „machten Platte“. 1 Sie leben in öffentlichem Raum und gleichzeitig gehören sie zu dem Teil der Bevölkerung über den die Öffentlichkeit kaum etwas weiß bzw. wissen möchte. „Dies drückt sich bereits im alltäglichen Sprachgebrauch aus, wenn Begriffe wie „Nichtsesshafte“, „Obdachlose“ oder „Wohnungslose“ meist unreflektiert angewandt werden. Insbesondere die Bezeichnung der „Nichtsesshaftigkeit“ bringt ein dahinterstehendes gesellschaftliches Problem auf den Punkt. Althergebrachte Ausdrücke wie „Penner“, „Trebegänger“ oder eben „Nichtsesshafte“ drücken Stigmatisierungen und Vorurteile“ 2 aus, wie z.B. „sind alles Alkoholiker und Arbeitsscheue“. Dies ist auf die Entwicklungsgeschichte der Vorstellung vom Wohnungslosen zurückzuführen und hängt mit gesellschaftlichen Bedingungen und den sie begleitenden Erklärungsansätzen der Wissenschaft zusammen.

„Bereits im 19. Jahrhundert wurde nach ursächlichen Erklärungen für die sogenannte „Landstreicherei“ gesucht.“ 3 Im Rahmen dieser Arbeit soll kurz auf die Problematik der Begrifflichkeiten eingegangen werden und warum andere Termini sich als adäquater erweisen. Im Anschluss werden typische Erklärungsansätze, die Wohnungslosigkeit ursächlich erklären wollen, von damals bis heute vorgestellt. Sie spiegeln auch das für die jeweilige Zeit kennzeichnende Verständnis, das diesem Personenkreis entgegengebracht wurde und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Folgen für die Betroffenen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit

3. 1 Psychiatrisch- neurologische Ansätze

3. 2 Der psychologische Ansatz

3. 3 Der Armutsansatz

3. 4 Der Unterversorgungsansatz

3. 5 Der Etikettierungs- / Stigmatisierungsansatz

4. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den historischen und aktuellen Erklärungsansätzen zur Entstehung von Nichtsesshaftigkeit und Wohnungslosigkeit auseinander, um ein tieferes Verständnis für die sozioökonomischen Hintergründe und die gesellschaftliche Stigmatisierung dieser Bevölkerungsgruppe zu entwickeln.

  • Historische Entwicklung der Begriffsbildung (von "Wanderarmen" zu "Wohnungsnotfall")
  • Kritische Analyse psychiatrisch-neurologischer und psychologischer Erklärungsmodelle
  • Strukturelle Betrachtung von Armut als Ursache für Wohnungslosigkeit
  • Untersuchung von Unterversorgungsfaktoren im sozialen Sicherungssystem
  • Soziologische Perspektive der Etikettierung und Stigmatisierung

Auszug aus dem Buch

3.1 Psychiatrisch- neurologische Ansätze

„Durch den deutschen Arzt Donath wurde 1899 der Krankheitsbegriff des Wandertriebs (Poriomanie) propagiert, der anfangs als eine Form der Epilepsie verstanden wurde. Nichtsesshaften, auf den Strassen umherziehenden Menschen, wurde ein zwanghafter innerer Drang zum Umherwandern zugeschrieben. Neben der Landstreicherei wurde, die mit dem Begriff verbundene Vorstellung, eines „krankhaften Wanderzustandes“ zunehmend auf Schulschwänzen, Fortlaufen aus der Fürsorgeerziehung und Fahnenflucht ausgeweitet.

Ein ähnlich psychiatrisch orientiertes Konzept, das Psychopathie- Konzept, wurde im Gegensatz zur „Wandertriebtheorie“ bis in die 70-iger Jahre immer wieder herangezogen.“ Unter Psychopathen versteht man „abnorme Persönlichkeiten“. Da derartige Abweichungen als erblich erworben angesehen wurden, war man der Ansicht, eine positive Beeinflussung oder gar Heilung sei nicht möglich. Somit wurden Wiedereingliederungsmaßnahmen kategorisch ausgeschlossen. „Stumpfl war in seinem Beitrag „Geistige Störungen als Ursache der Entwurzelung von Wanderern“ (1938) der Auffassung, dass eine gesellschaftliche Reintegration sinnlos und unrentabel sei.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die erschreckende Ausbreitung der Wohnungslosigkeit als drastische Folge von Armut und hinterfragt die stigmatisierende Alltagssprache im Umgang mit Betroffenen.

2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Bezeichnungen von „Wanderarmen“ über „Nichtsesshafte“ bis hin zum heutigen „Wohnungsnotfall“ nach und verdeutlicht die Notwendigkeit präziserer sozialpolitischer Definitionen.

3. Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit: Dieser Hauptteil analysiert verschiedene wissenschaftliche Deutungsmuster, von historisch überholten psychiatrischen Konzepten bis hin zu modernen soziologischen Modellen wie dem Armuts- und Etikettierungsansatz.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Entwicklung hin zu einer ganzheitlichen Sichtweise der Wohnungslosenhilfe, die die Eigenverantwortung der Betroffenen stärkt und fordert, Wohnungslosigkeit als gesamtgesellschaftliches politisches Problem zu begreifen.

Schlüsselwörter

Wohnungslosigkeit, Nichtsesshaftigkeit, Armut, Stigmatisierung, Sozialpolitik, Wanderarme, Wohnungsnotfall, Etikettierungsansatz, Ausgrenzung, soziale Sicherung, Psychiatrie, Psychopathie-Konzept, Wohnungsnot.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsmodelle für das Phänomen der Nichtsesshaftigkeit und Wohnungslosigkeit im Wandel der Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die historische Entwicklung der Begrifflichkeiten, die Kritik an psychiatrischen Deutungen sowie die Analyse soziologischer Theorien zur Entstehung und Verstetigung von Wohnungslosigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Vorurteile durch wissenschaftliche Erklärungsansätze geprägt wurden und warum eine Verschiebung hin zu einer strukturellen und gesellschaftspolitischen Sichtweise notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene Erklärungsansätze sowie historische und aktuelle Quellen kritisch gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in fünf spezifische Ansätze: den psychiatrisch-neurologischen, den psychologischen, den Armuts-, den Unterversorgungs- sowie den Etikettierungs- und Stigmatisierungsansatz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wohnungslosigkeit, Armut, Stigmatisierung, Sozialpolitik, Ausgrenzung und Wohnungsnotfall sind zentrale Begriffe dieser Untersuchung.

Wie bewertet die Autorin die psychiatrischen Erklärungsversuche des 19. Jahrhunderts?

Sie stuft diese als wissenschaftlich unhaltbar ein und ordnet sie historisch in den Kontext der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und gesellschaftlichen Ausgrenzung ein.

Warum wird der "Etikettierungsansatz" als kritisch für Betroffene hervorgehoben?

Der Ansatz verdeutlicht, dass die gesellschaftliche Stigmatisierung (Etikettierung) durch Vorurteile die Situation der Betroffenen zementiert und ihnen den Zugang zu regulärem Wohnraum massiv erschwert.

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Details

Title
Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit
College
Munich University of Applied Sciences  (Fachbereich Sozialwesen)
Course
Wohnungslosigkeit als Gegenstand der Sozialen Arbeit
Grade
1
Author
Iris Gorke (Author)
Publication Year
2004
Pages
14
Catalog Number
V27719
ISBN (eBook)
9783638296878
Language
German
Tags
Theoretische Erklärungsansätze Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit Wohnungslosigkeit Gegenstand Sozialen Arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Iris Gorke (Author), 2004, Theoretische Erklärungsansätze der Erscheinungsform Nichtsesshaftigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27719
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