Es besteht in der allgemeinen Literatur zur Rechnungslegung kein Zweifel, dass externe Rechnungslegung eine Informationsfunk tion zu erfüllen hat. Bei der Frage allerdings, wer der Adressat der gelieferten Information sein oder welchen Nutzen er daraus ziehen solle, beginnt bereits die Uneinigkeit. Besonders in der deutschen, stark bilanzrechtlich geprägten Diskussion, wird meist unterstellt, dass Rechnungslegung eine Informationswirkung habe, ohne auf den eigentlichen Zweck der Information oder des Rechnungslegungssystems einzugehen. Das Konzept der value relevance stellt eine empirische Assoziation zwischen einzelnen Größen der Rechnungslegung und Marktpreisen her.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Die externe Rechnungslegung als Informationssystem der Unternehmung
II. Die Informationen der externen Rechnungslegung und ihr Spagat zwischen Relevanz und Zuverlässigkeit
1. Der Wert von Informationen auf Kapitalmärkten
2. Definition von Relevanz und Zuverlässigkeit von Informationen
3. Die Problematik von Relevanz und Zuverlässigkeit in der Bilanzierung
4. Das Ohlson-Modell
III. Das Konzept der value relevance
1. Die Zielsetzung der value relevance-Literatur
2. Die Methodik der value relevance
2.1 Grundlegende Annahmen
2.2 Verhalten der Anleger bei spezifischen Unsicherheiten
2.3 Theoretische Begründung der value-relevance über das clean surplus-accounting
3. Empirische Bedeutung der value relevance-Studien
3.1 Analyse einzelner Bilanzierungsprobleme
3.2 Vergleich von Rechnungslegungssystemen
IV. Fazit: Relevanz der Operationalisierung von Relevanz und Zuverlässigkeit unter value relevance-Gesichtspunkten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der "value relevance" als Methode zur Operationalisierung der Kernkriterien Relevanz und Zuverlässigkeit in der externen Rechnungslegung. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Nutzen und die Aussagekraft dieser empirischen Studien im Kontext der Unternehmensbewertung kritisch zu hinterfragen.
- Informationseffizienz auf Kapitalmärkten und ihr Einfluss auf die Rechnungslegung
- Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen Relevanz und Zuverlässigkeit
- Theoretische Fundierung durch das Ohlson-Modell und das clean surplus-accounting
- Klassifizierung und methodische Ansätze von value relevance-Studien
- Empirische Evidenz und Grenzen der Vorhersagekraft von Rechnungslegungsdaten
Auszug aus dem Buch
2. Definition von Relevanz und Zuverlässigkeit von Informationen
Dem „Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V.“ zufolge benötigen die Adressaten der Rechnungslegung „Informationen, mit deren Hilfe sie die Höhe, die zeitliche Struktur und den Grad der Sicherheit künftiger Zahlungsströme, die sie interessieren, einschätzen können. Die mit der Rechnungslegung bereit gestellten Informationen sollen es den Adressaten ermöglichen, entsprechende Prognosen selbst zu erstellen.“13. Diese Informationen haben sowohl relevant als auch zuverlässig zu sein.
Relevanz wird im IFRS-Framework Abs. 26 treffend definiert: „Informationen gelten dann als relevant, wenn sie die wirtschaftlichen Entscheidungen der Adressaten beeinflussen, indem sie ihnen bei der Beurteilung vergangener, derzeitiger oder zukünftiger Ereignisse helfen oder ihre Beurteilungen aus der Vergangenheit bestätigen oder korrigieren.“14. Eine Information ist demnach also nur dann relevant, wenn sie die Entscheidung des Adressaten potenziell beeinflussen kann. Dies kann sie nur, wenn sie etwas über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens auszusagen vermag oder bereits getroffene Annahmen zur Zukunft des Unternehmens korrigiert oder bestätigt. Besitzt eine Information also einen „predictive value“ oder einen „feedback value“, so kann sie als relevant angesehen werden15. Wagenhofer ergänzt diese Definition noch um den zeitlichen Aspekt des rechtzeitigen Eintreffens der Information beim Adressaten16.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die externe Rechnungslegung als Informationssystem der Unternehmung: Erläutert die Informationsfunktion der Rechnungslegung und diskutiert die Problematik divergierender Adressateninteressen im HGB und IFRS.
II. Die Informationen der externen Rechnungslegung und ihr Spagat zwischen Relevanz und Zuverlässigkeit: Analysiert den Wert von Informationen auf informationseffizienten Märkten sowie das inhärente Spannungsfeld zwischen den Qualitätskriterien Relevanz und Zuverlässigkeit.
III. Das Konzept der value relevance: Stellt das Ohlson-Modell als theoretisches Fundament vor und differenziert zwischen verschiedenen Typen von value relevance-Studien.
IV. Fazit: Relevanz der Operationalisierung von Relevanz und Zuverlässigkeit unter value relevance-Gesichtspunkten: Kritische Würdigung der Aussagekraft empirischer Korrelationsstudien angesichts unveränderter Schätzprobleme bei der Unternehmensbewertung.
Schlüsselwörter
Value Relevance, Rechnungslegung, Relevanz, Zuverlässigkeit, Ohlson-Modell, Clean Surplus Accounting, Kapitalmarkt, Informationseffizienz, Unternehmensbewertung, Aktienkurs, Earnings Response Koeffizient, Bilanzierung, Residualgewinn, empirische Bilanzforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie die wissenschaftliche Forschung versucht, die Qualität von Rechnungslegungsinformationen mittels des "value relevance"-Konzepts empirisch messbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Anforderungen an Rechnungslegungsinformationen, die Effizienz von Kapitalmärkten und die theoretische Verknüpfung von Buchhaltungskennzahlen mit Unternehmenswerten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob value relevance-Studien tatsächlich eine valide Aussage über die Qualität von Rechnungslegungssystemen treffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturenbasierte Analyse und führt die mathematisch-theoretischen Herleitungen von Modellen wie dem Ohlson-Modell und dem clean surplus accounting aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es werden Definitionen von Relevanz und Verlässlichkeit, die mathematische Modellierung des Unternehmenswerts und verschiedene empirische Ansätze zur Korrelation von Aktienkursen mit Buchgewinnen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Value Relevance, Rechnungslegung, Ohlson-Modell, Informationseffizienz, Kapitalmarkt, Relevanz und Zuverlässigkeit.
Welche Schwächen des value relevance-Konzepts werden identifiziert?
Der Autor bemängelt unter anderem das fortbestehende Schätzproblem zukünftiger Einzahlungsüberschüsse und die Schwierigkeit, in einem informationsüberfluteten Markt die isolierte Wirkung einer einzelnen Rechnungslegungsgröße zu messen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung des HGB im Vergleich zum US-GAAP in den zitierten Studien?
Überraschenderweise zeigen einige Studien, dass HGB-Daten in Hinblick auf die Korrelation mit Marktwerten nicht signifikant schlechter abschneiden als US-GAAP-Daten, trotz der unterschiedlichen Zielsetzungen beider Systeme.
- Citation du texte
- Pascal Holz (Auteur), 2004, Die Operationalisierung von Relevanz und Zuverlässigkeit über value relevance-Studien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27833