Die betriebswirtschaftlichen Einsatzm¨ oglichkeiten von GIS im Marketing 2
Abbildungsverzeichnis
1 Angrenzende Wissenschaften und Disziplinen . . . . . . . . . . . . 5 2 Diffusion von GIS in verschiedenen Branchen . . . . . . . . . . . . 11 3 Industrie Struktur des gesamten GIS Marktes . . . . . . . . . . . 13 4 Segmente des GIS Marktes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 5 Mitarbeiterzahlen GIS-Firmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 6 Entwicklung Anzahl GIS-Firmen 1963-1995 . . . . . . . . . . . . 15 7 Konzept der thematischen Karten (Layer) . . . . . . . . . . . . . 16 8 Screenshot eines Business GIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 9 Verschneiden von Layern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 10 Prismen-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 11 Portfolio-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 12 Entfernungsabh¨ angige Einf¨ arbung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 13 Rubini-Graph . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 14 Voronoi-Diagramm Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 15 Voronoi-Diagramm Regional . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 16 Stern-Diagram . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 17 Transportstrom-Diagramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 18 ABC-Analyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 19 Schematische Darstellung Rasterdaten . . . . . . . . . . . . . . . 28 20 Schematische Darstellung Vektordaten . . . . . . . . . . . . . . . 28 21 Kundenanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 22 Nachfragepotentialanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 23 Kundenbesuchsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 24 Standortanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Mit herzlichem Dank an die Firma MACON f¨ ur die freundliche Unterst¨ utzung
Alle Angaben von Website-Adressen beziehen sich auf das Datum der Ver¨ offentlichung bzw. ¨ Uberarbeitung.
Die betriebswirtschaftlichen Einsatzm¨ oglichkeiten von GIS im Marketing 3
1 Einleitung
1.1 Relevanz und Zielsetzung der Arbeit
Die Anwendung von Geoinformationen in der Wirtschaft ist sehr alt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erg¨ anzte der Geograph Alfred Hettner Landkarten mit wirtschaftlichen und historischen Daten (Fritsch 2000). Die Verbindung von wirtschaftlichen Daten mit Ortsangaben liefern wichtige Angaben ¨ uber kausale
Beziehungen innerhalb der Wirtschaftsdaten.
Die quantitative Marketing-Forschung hat sich hier jedoch bisher sehr verhalten gegen¨ uber geographischen Einfl¨ ussen auf den Marketing-Prozess ge¨ außert. Es ist zwar richtig, dass einige geographische Modelle wie die Gravitationsmodelle zur Bestimmung von Einzugsgebietsgr¨ oßen oder als Instrument zur Standort-Planung einen festen Platz im Werkzeugkasten des Handelsmarketing haben (Reilly 1931; Converse 1949; Huff 1964; Fickel 1979). Andererseits sind damit die F¨ ahigkeiten von modernen Geographischen Informationssystemen nicht einmal ann¨ ahernd ersch¨ opft. Solche Systeme k¨ onnen neben Informationen ¨ uber geographische Distanzen zwischen Objekten oder der Berechnung von Fl¨ achen und Umf¨ angen von Gebieten, Beschr¨ ankungen wie beispielsweise ein Geschwindigkeitslimit auf Verkehrswegen in Betracht ziehen.
In vielen Gewerbezweigen die als global und hyperkompetitiv gelten wie dem Einzelhandel, der Zement- und Stahlindustrie und dem Handwerk liegen tats¨ achlich oligopolistische, lokale M¨ arkte vor, 1 so dass die Bestimmung der r¨ aumlichen Ausdehnung dieser M¨ arkte, sowie deren Analyse das h¨ ochste Interesse jedes Marketing- 1 DieMeinung von Sheth und Sisodia (1999), dass das Internet die Struktur dieser M¨ arkte ver¨ andere durch seine Zeit und Raum ¨ uberbr¨ uckende Funktion, wird diesen M¨ arkten nicht
gerecht. Diese M¨ arkte sind lokal, da in ihnen hohe Transportkosten vorliegen oder die indi-
viduellen Konsumentscheidungen sehr kurzfristig getroffen werden. Die Br¨ uckenfunktion des
Internets kommt hier also nicht zum Zug. Das Internet sorgt gleichwohl f¨ ur eine gr¨ oßere Effizi-
enz des gesamten Marktmechanismus.
Die betriebswirtschaftlichen Einsatzm¨ oglichkeiten von GIS im Marketing 4
Fachmannes sein sollte.
In der vorliegenden Literatur wird angegeben, dass aus der Gesamtheit aller Unternehmensbezogenen Daten ein Anteil von 80-90% 2 einen geographischen Bezug hat. Mit Instrumenten wie der Kausalanalyse oder Strukturgleichungsmodellen liessen sich durch die Miteinbeziehung von r¨ aumlichen Daten beeindruckende Analyse- und Prognoseerfolge erzielen. Im Rahmen der Erforschung der Wirkung von Preis-Maßnahmen auf die Markenwahl oder der Interaktionen zwischen Marketing-Instrumenten liessen sich durch Einbindung von GIS-Analysen in die Modelle interessante zus¨ atzliche Zusammenh¨ ange entdecken. Bei der Analyse von Wettbewerbsbeziehungen w¨ are zum Beispiel interessant, inwieweit die N¨ ahe von mehreren Konkurrenten den Wettbewerb verst¨ arkt oder zus¨ atzliche Nachfrage auf Grund des breiteren Angebotes in die Region lockt (Beispiel: M¨ obelm¨ arkte, Einkaufs-Zentren oder die Konzentration von Fast-Food-Filialen an Bahnh¨ ofen und Kinos).
Die vorliegende Arbeit gibt einen kurzen Abriss der Meilensteine und Einfluss-faktoren der GIS-Entwicklung und eine kurze begriffliche Einordung. Es folgt eine Beschreibung der Funktionsweise von GIS und ein ¨ Uberblick ¨ uber die GIS-M¨ arkte. Abschließend wird ein ¨ Uberblick ¨ uber m¨ ogliche Analysen gegeben, welche mit
Hilfe von Ortsinformationen erstellt werden k¨ onnen. Den Abschluss der Arbeit bildet eine Beispiel-Sammlung aus der Literatur, die jeweils den zugeh¨ origen Marketing-Funktionen, die unterst¨ utzt werden, und den Branchen zugeordnet werden.
2 Die Angaben bei vielen Autoren wie (Goss 1995; Kindervater et al. 2001; Hassmann 2001; Nattenberg und K¨ onig 2002) st¨ utzen sich auf grobe Sch¨ atzungen oder Aussagen von Vertriebsleuten von GIS-Firmen. Jedoch scheint ein solch hoher Anteil empirischer ¨ Uberpr¨ ufung
im Einzelfall in etwa Stand zu halten.
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1.2 Begriffsbestimmungen
Geographische Informationssysteme haben sich an der Schnittstelle verschiedener Wissenschaften gebildet. Methoden der Kartographie wurden erg¨ anzt mit computergest¨ utzer Bildbearbeitung und einem Datenbanksystem zur Speicherung der geographischen Strukturdaten und den zugeordneten Attributen. Andere Disziplinen, welche mit bereits eine starke Verzahnung mit Computertechnologien erfahren hatten, wie Statistik und OR, konnten jetzt auf die digitalen Daten zugreifen und mit ihnen arbeiten. Schliesslich griffen auch betriebswirtschaftliche Disziplinen auf diese Technik zu.
Unter GIS versteht man allgemein ein computergest¨ utztes System zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Pr¨ asentation von r¨ aumlichen Informationen (Gaiser et al. 1994). ¨ Ahnliche Definitionen: Grossmann und Eberhardt (1992); Kuehn et al. (1994). (Guter ¨ Uberblick ¨ uber alternative Definitionen findet sich
bei Murphy (1995). Dar¨ uber hinaus gibt es in der Literatur eine Reihen von Taxonomien von GIS (s. Bracken und Webster (1989), Grimshaw (1996)). Diese sind jedoch heute durch die rasante Entwicklung von GIS weitgehend ¨ uberholt.
Jemand, der sich eines geographischen Informationssystemes bedienen will,
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ben¨ otigt drei Komponenten (Leiberich 1998):
• Die GIS-Software (Datenbank, Kartenanzeige- u. Analysefunktionen)
• GIS-kompatible digitale Karten (mit Gebietseinteilungen z.B. 5-stellige PLZ)
• Themenbezogene geographische Daten (z.B. Umsatzzahlen, Potentialdaten, etc.)
Diese Einteilung ist jedoch nicht absolut trennscharf. So gibt es Hersteller von r¨ aumlichen Datenbanken, welche ihre Produkte einzeln vertreiben. Man ben¨ otigte nun noch ein Anzeige-Werkzeug und ein Auswertungs-Tool. F¨ ur eine ausf¨ uhrlichere Einf¨ uhrung in die zugrundeliegenden technischen Begriffe wird Lother (1999) empfohlen.
Man kann nat¨ urlich auch komplette GIS mit Statistik (z.B. SAS, S+, SPSS) oder Data Mining Produkten (z.B. SAS, Clementine, IBM Intelligent Miner) kombinieren, um die Analysef¨ ahigkeiten des Systems zu erweitern. Jedoch finden sich in marktg¨ angigen Business-GIS L¨ osungen bereits bis zu 100 unterschiedliche Diagramm- und Visualisierungsm¨ oglichkeiten (GfK MACON AG 2001b).
1.3 Meilensteine bei der Entwicklung von GIS
Der Begriff ”geographic information system” (GIS) tauchte Mitte der 1960er Jahre erstmals in den USA auf. Der Terminus wurde sowohl von der Northwestern University als auch der Kanadischen Regierung gebraucht (Frost & Sullivan 1994).
W¨ ahrend die Wissenschaftler an der NWU den Begriff f¨ ur ein Computermodell eines Transportnetzwerkes benutzen, verwandten ihn die Beamten von Kanadas ”Federal Department of Agriculture” f¨ ur das Canada Geographic Information System. Das System wurde 1963-1971 von dem Geographen Roger Tomlinson entwickelt (Tomlinson 1967). Das CGIS bestand aus einer Datenbank, welche
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nat¨ urliche Resourcen, Landbenutzung und ein ein sozio-¨ okonomisches Profil enthielt. Die Entstehung des CGIS wird von vielen als die Geburtsstunde von GIS bezeichnet.
Einige Autoren f¨ uhren das Jahr 1969 als weiteren Meilenstein an mit den Gr¨ undungen von den Firmen INTERGRAPH mit Sitz in Huntsville, Alabama und dem Environmental Systems Research Institute (ESRI) mit Hauptquartier in Redlands, California. Jedoch waren beide Firmen zun¨ achst in ganz anderen Bereichen aktiv. ESRI besch¨ aftigte sich nach der Gr¨ undung mit unterschiedlichen Beratungsprojekten zu Landnutzung und Stadtplanung, w¨ ahrend Intergraph (bis 1980 noch unter dem Namen M&S Computing) lange Zeit in erster Linie als Hardware-Produzent auftrat. Intergraph geh¨ orte sogar bis zur unvorteilhaften Partnerschaft mit Intel Anfang bis Ende der 1990er sogar neben Sun Microsystems, Hewlett Packard, IBM, Compaq, DEC und Silicon Graphics zu den f¨ uhrenden Herstellern von graphischen Workstations (o.V. 1999, 2002a). Beide Firmen etablierten sich jedoch erst deutlich sp¨ ater als GIS-Hersteller. In den Folgejahren tat sich wenig. Bemerkenswert ist nur das 1972 der erste Landsat-Satellit (ERTS-1) seine Arbeit aufnimmt. Erst Anfang der 1980er wurden die ersten kommerziellen GIS-Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht. Es entsteht beispielsweise ARC/INFO von ESRI, ein GIS f¨ ur Minicomputer: Anzeige von Punkten, Linien und Polygone gekoppelt an ein Datenbanksystem um diesen geographischen Objekten weitere Attribute zuordnen zu k¨ onnen.
Um verstehen zu k¨ onnen, wie und warum sich dann GIS in der Folgezeit so schnell verbreiten konnten, muss man sich mit den Geschehnissen auf dem Computerhardware-Markt (bzw. bei Betriebssystemen) auseinandersetzen, denn bislang musste die Hardware f¨ ur GIS speziell konzipiert werden. Dann aber bringt IBM im August 1981 den IBM PC auf den Markt mit Intel Prozessor und Mi- crosoft Betriebssystem MS-DOS. Compaq bringt 1983 einen IBM-Clone heraus
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mit demselben Betriebssystem, welcher prompt ein Verkaufsschlager wurde, und schafft damit einen riesigen Markt an ”IBM-kompatiblen PCs”. 1984 erscheint der Apple Macintosh (mit Microsoft Betriebssystem). Damit wurde der Grundstein gelegt f¨ ur die weitere rasante Entwicklung im PC-Markt und im abh¨ angigen Software-Markt.
Mitte der 1980er erscheinen erste PC GIS. Die GIS Software Programmierer programmieren neben UNIX, nun auch f¨ ur die jungen Betriebssysteme DOS-PCs, MacOS und schliesslich auch f¨ ur MS Windows nach dessen Erscheinen 1985. Ebenfalls 1985 geht das Global Positioning System (GPS) in Betrieb. Ab 1986 umrundet der erste SPOT-Satellit die Erde. Das wachsende Interesse an GIS wird durch staatliche Gelder unterst¨ utzt. So entstehen 1987 in den USA das National Center for Geographic Information and Analysis (NCGIA) und im Vereinigten K¨ onigreich eine Untergruppe des Economic and Social Research Council namens Regional Research Laboratory (ESRC-RRL) (Abler 1987; Masser und Blackmore 1988; Fischer und Nijkamp 1992).
In den 1990ern folgte eine rasante Entwicklung in Geographischen Informationssystemen. ESRI entwickelt ein Desktop Mapping GIS, welches sich in den ersten sechs Monaten von 1992 bereits 10.000 verkauft. Es folgen weitere Produkte zum Datenmanagement, f¨ ur CAD-Umgebungen. W¨ ahrend die Firma Macon bereits seit 1990 eine dezidierte GIS-L¨ osung f¨ ur Business-Anwendungen vertreibt, bringen die GIS-Marktf¨ uhrer erst 1994/95 Business-Mapping Applikationen auf den Markt. Ende der 1990er und Anfang der 2000er wird auch die GIS-Industrie von der M&A-Welle der fortschreitenden Globalisierung erfasst und es kommt zu einigen Unternehmens¨ ubernahmen. Durch die Konsolidierung beherrschen ESRI und Intergraph heute noch nahezu die H¨ alfte des gesamten GIS-Software Marktes (s. Abschnitt 2.1 auf S. 14).
Die Standardisierung von Programmschnittstellen, sowie die Industrialisie- rung von Software Engineering durch die objektorientierte Programmierung und
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die Ausbreitung des Internet f¨ uhrten zu bedeutenden Kostenersparnissen bei der Erstellung Geographischen Informationssysteme. Das Entstehen von plattformunabh¨ angigen Software-Technologien (CORBA 1991, COM 1993 und OpenDoc 1993) und plattformunabh¨ angigen Programmiersprachen (JAVA 1995) lassen die GIS-M¨ arkte f¨ ur UNIX, LINUX, MacOS, SunOS, OS/2, AIX, Windows konvergieren. Einige Softwarehersteller wie ESRI sind bereits auf den Zug aufgesprungen und haben eine universell lauff¨ ahige Software herausgebracht. Auf der anderen Seite wirken Bestrebungen eine vollst¨ andige Interoperabilit¨ at (=reibungsloser Datenausstausch zwischen Systemen verschiedener Anbieter) herzustellen (OpenGIS Consortium) als Kostensenker (Fritsch 2002). 1997 wurde der erste Standard vom OpenGIS Consortium (OGC) ver¨ offentlicht. Mittlerweile gibt es 294 GIS-Produkte, welche die OGC-Standards implementieren bzw. standard-konform sind.
Zum gegenw¨ artigen Stand sind GIS so kosteng¨ unstig zu haben, dass Sie bereits f¨ ur eine kleine Pizza-B¨ ackerei schon eine sinnvolle Investition darstellen, um Werbe-Massnahmen und Promotionaktionen sinnvoll zur Neukundenakquisition und Kundenbindung einsetzen zu k¨ onnen.
Weiterentwicklungen von GIS sind in 3D-GIS und Echtzeit-GIS zu sehen. Daneben gibt es mobile GIS-L¨ osungen, welche sogenannte ”location-based services” m¨ oglich machen (Zobel 2002; Schneider 2002). Darunter sind Dienstleistungen zu verstehen, welche sich auf den konkreten Standort des Nachfragers beziehen z.B. Ein Einzelhandels-Unternehmen verschickt aktuelle Informationen uber Parkpl¨ atze und Sonderangebote gezielt an Autofahrer in einem bestimm-¨
ten Umkreis. Zur Zeit gibt es jedoch erst relativ wenig Anbieter solcher Dienste (s. Strassen-Navigator NaviGate von T-mobile 3 oder Tankstellen-/, Restaurantsuche, ¨ ortlicher Polleninformationsservice, Personen-Finder, etc. bei Vodafone
3 http://www.t-mobile.de/navigate/1,4338,5951- ,00.html
Die betriebswirtschaftlichen Einsatzm¨ oglichkeiten von GIS im Marketing 10
LBS 4 ).
An der Weiterentwicklung der Darstellungsm¨ oglichkeiten arbeiten Wissenschaftler an der Bochumer Universit¨ at. Dort wird versucht Daten in thematischen Karten als Schall darzustellen. Mit solchen Schallkarten k¨ onnen neben Daten mit Zeitbezug insbesondere Unterschiede in bei intervallskalierten und metrischen Daten besser dargestellt werden als dies durch die optische Wahrnehmung des Menschen erfolgen kann, da die Ver¨ anderungen durch Lautst¨ arkenvariation erfolgen kann (Hinrichs 2003).
1.4 Diffusion von GIS und technische Weiterentwicklung
Urspr¨ unglich wurden Geographische Informationssysteme in Disziplinen eingesetzt, welche innerhalb oder nahe den Wissenschaften der Erde angesiedelt sind. Fr¨ uh gab es Systeme zur Analyse von Landnutzung, sp¨ ater dann zur Analyse und Prognose von seismischen Ver¨ anderungen und Hochwasser. Im Laufe der Entwicklung wurden diese Systeme dann auch f¨ ur Erd¨ olfirmen und Unternehmen der Montanindustrie interessant. Man konnte so m¨ ogliche Vorkommen visualisieren und die Daten aus Probebohrungen graphisch aufbereiten. Sehr bald sprangen auch Strom- und Wasserversorger, sowie Telekommunikationsunternehmen auf den Wagen auf, die erkannten, dass durch die graphische Oberfl¨ ache der Systeme die geographischen Daten an Bedeutung gewannen. Das geographische Netzwerkmanagement war geboren. Recht bald interessierten sich auch Tageszeitungen, Logistikunternehmen, Wissenschaftler (z.B. Arch¨ aologen) sowie die Marketing-Abteilungen von Industrie-Unternehmen f¨ ur Geographische Informationssysteme (s. Abb. 2 auf S. 11).
Die Diffusion von GIS verlief mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Anfang der 1990er noch gehypt (”GIS ist in!”, Bill (1990)) wurden diese Softwarel¨ osungen nur vier Jahre sp¨ ater ausgebremst (”Der Markt f¨ ur GIS-Systeme ist
4 http://www.vodafone.de/kundenbetreuung services/unterwegs/lbs partnerservices.html
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Abbildung 2: Diffusion von GIS in verschiedenen Branchen (Backhaus et al. 1995)
noch nicht reif”, o.V. (1994a)). Das lag sowohl an falschen Annahmen der Hype-Verursacher 5 , sowie an der unklaren Positionierung der Software-Hersteller 6 und der Verunsicherung potentieller Kunden, welche durch den pl¨ otzlichen Hype und das nicht abgestimmtes Marketing f¨ ur ein erkl¨ arungsbed¨ urftiges Produkt verursacht worden sind 7 . Goss (1995) geht in seiner Kritik ¨ uber die ”hype-ridden
industry” weiter: Man solle zwar den ”Glauben” der Marketing-Fachleute in die GIS-Technologie ernst nehmen - die Technologie werde sich langfristig durchsetzen - jedoch sei man l¨ angst nicht so allwissend wie man den Aussagen von GIS-Firmen (Roszak 1986) oder Marketing-Leuten (Larson 1992) zufolge sein k¨ onne. Die ”dramatic gains” durch die Technologie l¨ agen in Wahrheit jedoch nur
5
Niemand hat Windows als Betriebssystem Bedeutung beigemessen (Bill 1990), die rasante Entwicklung und breite Akzeptanz des Internets wurde nicht erkannt
6 GIS wurden uneinheitlich Dargestellt: F¨ ur die einen stellten sie eine Fortentwicklung von CAD-Systemen dar, andere sahen in ihnen eine Desktop-Mapping-L¨ osung und wieder andere
wollten sie als Datenbanken mit graphischen F¨ ahigkeiten dargestellt wissen.
7 Diese Darstellungsweise, sowie eine hervorragende und detaillierte Analyse der Markthemm- nisse bei GIS findet sich bei (Backhaus et al. 1995, S. 4-7)
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bei 2-3% verbesserten Prognosen (Humby 1989, S. 65) 8 , es lohne sich also nur bei Firmen mit der entsprechenden Umsatzh¨ ohe (Merrick und Tordella (1988, S. 30);Openshaw (1989, S. 114)).
Ein weiteres Problem war, dass GIS zu dem Zeitpunkt reine Werkzeuge waren, die einsatzfertigen Anwendugen jedoch von Unternehmen selbst entwickelt werden mussten.
Der Hype ist nun verklungen, ¨ ahnlich dem Internet-/New-Economy-Hype. Was bleibt ist eine solide Technologie, welche in vielen betriebswirtschaftlichen Bereichen einen enormen Wissensprung erm¨ oglicht - nun ohne Hype. In den n¨ achsten f¨ unf bis acht Jahren ist damit zu rechnen, dass GIS durch Integration in ERP- oder CRM-Systeme (Hassmann 2001, S. 60) oder als Add-On zu Office-Software zu einer Standard-Technologie wird. Ein starker Katalysator bei dieser Technologie wird das Internet und andere Client-Server-Technologien und Protokolle sein. In einer Welt in der die Konsumenten immer mobiler werden, braucht das Marketing dringend Instrumente, um diese Mobilit¨ at darstellen zu k¨ onnen und um mit pr¨ azisen Analysen, effiziente Marketing-Kampagnen lancieren zu k¨ onnen.
8 Anders: (Fr¨ uhling und Steingrube 1995, S. 192). Hier werden Steigerungen um 20-40% erw¨ ahnt.
Die betriebswirtschaftlichen Einsatzm¨ oglichkeiten von GIS im Marketing 13
2 GIS-Software
2.1 Marktdaten
Abbildung 3: Industrie Struktur des gesamten GIS Marktes. Quelle: Frost & Sullivan (1998).
VARS=Value Added Reseller, OEM=Original Equipment Manufacturer.
Es ist nicht sehr leicht den GIS-Markt getrennt in Software, Daten und Dienstleistungsm¨ arkte aufzuschl¨ usseln, da der Markt (s. Abb. 3) einen hohen Grad an vertikaler Integration verf¨ ugt. Aus analytischen Gr¨ unden soll dies trotzdem versucht werden. Es finden sich sehr gute und detaillierte Marktanalysen in Frost & Sullivan (1994), Frost & Sullivan (1998), Buhmann und Wiesel (2001) und Buhmann und Wiesel (2002). Die Firma Daratech hat 2001 und 2003 Marktstudien herausgebracht (Preis je $ 5.950), die zwar ¨ uberall zitiert werden, jedoch scheint
sie kaum jemand vorliegen zu haben; die Firma selber stellt ihre Studie nicht einmal f¨ ur akademische Zwecke und auch nicht auszugsweise zur Verf¨ ugung. Aus Internetrecherchen kann man aus verschiedenen Quellen, welche den Daratech-Report 2001 zitieren (leider teilweise widerspr¨ uchlich) sich folgende Zahlen zu- sammenreimen:
Arbeit zitieren:
Wilhelm Dyckerhoff, 2003, Einsatzmöglichkeiten von GIS im Marketing, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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