Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Psychologie und Pädagogik
Angewandte Schulentwicklung -
Ein Leitbild für ein Lehrerkollegium
Schriftliche Hausarbeit
Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Realschulen
Frühjahr 2003
Verfasser: Simon Hahnzog
31. Juli 2002
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 3
Teil I.
Leitbilder und Leitsätze – Hintergründe, Beispiele und Theorien ... 5
1. Ein Leitbild als Methode der Schulentwicklung ... 5
2. Ziele und Funktionen ... 7
2.1. Leitbild ... 7
2.2. Schulprogramm und Schulprofil ... 10
3. Leitbilder im Vergleich ... 11
3.1. Wirtschaftliche Unternehmen ... 12
3.2. Kirchen und kirchliche Organisationen ... 14
3.3. Jugendarbeit ... 16
3.4. Schule ... 17
4. Entwicklung von Leitbildern ... 20
4.1. Vorbereitung ... 21
4.2. Bestandsaufnahme ... 23
4.3. Formulierung des Leitbilds ... 24
4.4. Umsetzung ... 26
5. Leitbildentwicklung als Handlungsforschung ... 28
Teil II.
Entwicklung eines Leitbilds für das Lehrerkollegium einer Realschule ... 30
1. Erste Kontakte und Vorbereitung ... 30
2. Präsentation des Projekts vor dem Lehrerkollegium ... 32
3. Fragebogen für die Lehrerinnen und Lehrer ... 34
3.1. Entwicklung des Fragebogens ... 34
3.2. Darstellung der Ergebnisse ... 37
3.2.1. Die geschlossenen Fragen ... 41
3.2.2. Die offenen Fragen ... 59
4. Die Leitbildentwicklung in der Projektgruppe ... 64
4.1. Erste Sitzung ... 64
4.2. Zweite Sitzung ... 65
4.3. Dritte Sitzung ... 69
4.4. Vierte Sitzung ... 72
4.5. Fünfte Sitzung ... 73
5. Das Leitbild ... 75
6. Fazit und Ausblick ... 77
Anhang ... 79
Literaturverzeichnis ... 100
Vorwort
„Könnte ein Leitbildprozess auch in einer Schule sinnvoll sein?“ – so lautete die abschließende Frage in einem erziehungswissenschaftlichen Seminar mit dem Thema ‚Wohin soll es gehen? Leitbilder in Diakonie und Kirche?‘ im Sommer 2001.
Auch aus eigener Erfahrung ist es immer wieder zu beobachten, dass, wenn viele Menschen gemeinsam arbeiten, viel Energie auf der Strecke bleibt. Denn einige Sachen werden doppelt und andere gar nicht getan. Oft wird mehr gegeneinander argumentiert als an der Sache gearbeitet. Oder die Identifikation mit der gemeinsamen Arbeit oder der Gruppe ist nicht mehr selbstverständlich. Welche Möglichkeiten gibt es dabei, die Effektivität zu erhöhen und Synergieeffekte zu schaffen?
Ich war zwei Jahre lang Hauptverantwortlicher für die Organisation und Durchführung eines Jugendzeltlagers zweier Münchner Kirchengemeinden. Einer meiner ersten Schritte war es, das vergessene „Regelwerk“ zu überarbeiten und gemeinsam mit allen Mitwirkenden zu besprechen. Dieses Regelwerk beschreibt ausführlich die Aufgaben, Rechte und Pflichten aller Beteiligten. Allein durch diesen Anhaltspunkt konnte die gemeinsame Arbeit effektiver gestaltet werden.
Im Jahr 1996 führte die McKinsey Unternehmensberatung gemeinsam mit der Evangelischen Kirche München das „Evangelische München Projekt“ durch. Dabei sollten aus vielen Münchner Gemeinden zwei herausgesucht werden, die anschließend von dieser Firma strukturell beraten wurden. Zu diesem Zweck wurde in meiner Gemeinde der sog. „Strukturausschuss“ initiiert, an dem auch ich teilnahm. Dieser sollte die Struktur der Gemeinde detailliert erfassen und Änderungsvorschläge erarbeiten, um die Gemeindearbeit effektiver, moderner und „kundengerechter“ zu gestalten. Auch wenn meine Gemeinde nicht an dem Projekt selber teilnahm, so sind die Auswirkungen, die durch diese Organisationsentwicklung ins Rollen gebracht wurden, nach einigen Jahren nun durchaus spürbar. Die Gemeindearbeit ist durchlässiger und transparenter geworden. Die einzelnen Arbeitskreise arbeiten stärker zusammen und konzentrieren ihre Kräfte auch in gemeinsamen Projekten.
Mit dieser Erfahrung besuchte ich das oben erwähnte Seminar, und der Vorschlag für ein Leitbild in einer Schule erschien mir äußerst interessant. Es könnte ein Modell der modernen Organisationsentwicklung angewendet werden, um an einer Schule die Zusammenarbeit effektiver zu gestalten, und synergetische Effekte zu nutzen – ohne jedoch die gemeinsame Diskussion zu verlieren. Verbindliche Standards für das gesamte Kollegium könnten entwickelt werden, auf denen die gemeinsame Arbeit an der Schule gestützt, erhalten und vielleicht verbessert werden kann.
Die vorliegende Studie beschreibt dazu Hintergründe, Vorgehen und Ergebnisse der Leitbildentwicklung in einem Lehrerkollegium. Sie gliedert sich in zwei große Abschnitte:
Im ersten Teil werden theoretische Hintergründe für die Entwicklung von Leitbildern dargestellt. Ein Gesamteindruck über die Leitbildentwicklung soll sich anschließend in Verbindung mit dem konkreten Prozessbeispiel im zweiten Abschnitt ergeben. Dort beschreibe ich das praktische Vorgehen bei der Erarbeitung eines Leitbilds für das Lehrerkollegium einer Münchner Realschule.
An dieser Stelle möchte ich mich insbesondere beim ehemaligen Beratungslehrer der Schule bedanken, der mich so stark und begeistert unterstützt hat, beim Schulleiter, der sofort zur Umsetzung meines Vorschlags bereit war und immer ein interessiertes offenes Ohr hatte und nicht zuletzt bei allen Mitgliedern der Projektgruppe, ohne die dieses Leitbild gar nicht entstanden wäre.
Teil I.
Leitbilder und Leitsätze – Hintergründe, Beispiele und Theorien
Der erste Teil dieser Arbeit gibt einen Einblick in die Theorie von Leitbildern und deren Entwicklung. Der Leser soll einen Eindruck erhalten, was ein Leitbild ausmacht und in welchen Schritten es erarbeitet werden kann. Ein einleitender Überblick soll verdeutlichen, dass die Entwicklung und Anwendung von Leitbildern, die ursprünglich im Bereich der Wirtschaft anzusiedeln sind, ein Teil von Schulentwicklungsprozessen sein kann. Der Begriff Leitbild muss dabei gegenüber den zwei durchaus gängigen Schulentwicklungsmethoden Schulprogramm und Schulprofil abgegrenzt werden. Zur Verdeutlichung sind Beispiele für Leitbilder aus Wirtschaft, Kirche, Jugendarbeit und Schule aufgezeigt. Abschließend zeige ich Möglichkeiten auf, wie die schrittweise Entwicklung eines Leitbilds erfolgen kann. Das methodische Vorgehen des praktischen zweiten Teils soll schließlich die Einstufung als Handlungsforschung erläutern.
Für umfassende Übersichten über das Leitbildkonstrukt und vertiefte Anleitungen zur Leitbildentwicklung verweise ich auf die entsprechende Fachliteratur1 (z.B.: Philipp/ Rolff 1999; Schratz 1996; Journal für Schulentwicklung 1997/2).
[...]
1 In der verwendeten Forschungsliteratur beziehe ich mich – neben anderen Quellen – häufig auf das Werk „Schulprogramme und Leitbilder entwickeln“ von Elmar Philipp und Hans-Günter Rolff (Philipp/Rolff 1999). Diese Autoren sind – meiner Einschätzung nach – die führenden Schul¬entwicklungsforscher im Bereich der Leitbild- und Schulprogrammentwicklung in Deutschland und deren Veröffentlichung daher eine angebrachte Informationsquelle für die Erarbeitung eines Leitbilds.
Arbeit zitieren:
Simon Hahnzog, 2002, Angewandte Schulentwicklung - Ein Leitbild für ein Lehrerkollegium, München, GRIN Verlag GmbH
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