Inhaltsverzeichnis Seiten
1. Einleitung 02
2. Die Entstehung der These einer Informationsgesellschaft 03-05
3. Wissens - und Arbeitssoziologische Ansätze der Industriearbeit und 05-10
industrieller Rationalisierung
3.1 Die Risikogesellschaft als Konsequenz der Eigendynamik einer 05-07
Industrienation (Ulrich Beck)
3.2 Die Versuche einer wissenssoziologischen Interpretation 07-08
industrieller Rationalisierung (Christoph Deutschmann)
3.3 Die Informatisierung des betrieblichen Erfahrungswissens 08-09
(Thomas Malsch)
4. Technikbeda rf aus der Perspektive erfahrungsgeleiteter Arbeit sowie 10-16
Methoden zu dessen Anwendung
4.1 Die Konzeption erfahrungsgeleiteter Arbeit als Bezugsgröße 10-12
rationellen Technikbedarfs
4.2 Moderation Supervision und Nutzerrückkopplung als Elemente 12- 15
des methodischen Vorgehens zur Ermittlung von Technikbedarf
4.3 Ein Anwendungsbeispiel - Komplementäre Analyse und Gestaltung 15-16
von Produktionsaufgaben in soziotechnischen Systemen (KOMPASS)
5. Zusammenfassung Ausblick 16
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 17 -18
1
1. Einleitung
Entstanden in den 60er und 70er Jahren, hat die gesellschaftliche Diskussion um den Weg in eine Informationsgesellschaft – auch durch das gerade in dieser Diskussion thematisierte Massenmedium Internet - eine neue Tiefe und Reichweite erlangt. Die Internetsuchdienst Google findet aktuell ca. 143.000 Einträge zu diesem Schlagwort. 1 Standen bei den ersten wissenschaftlichen Ausarbeitungen von Machlup (1962), Drucker (1969) 2 und Bells Klassiker „The coming of Post-Industrial Society“ (1973) 3 noch die Vorstellungen über theoretisches Wissen als das Axialp rinzip der modernen Gesellschaft 4 im Vordergrund, wird heute mit dem Begriff der Informationsgesellschaft tendenziell der schnelle Austausch von Daten und Wissen durch sogenannte Massenmedien assoziiert. Durch die verstärkte Verwendung des Begriffes „Informationsgesellschaft“ sowohl in den Medien als auch insbesondere seit 1995 durch die Bundesregierung, nach expliziter Empfehlung dieser Terminologie durch den Technologierat der Bundesregierung 5 , scheint die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Phänomens als Realität anzuerkennen. Die vorliegende Arbeit will in diesem Zusammenhang erörtern, inwieweit die Bundesrepublik als westliche Industrienationen auf dem Weg zu einer Informationsgesellschaft fortgeschritten ist. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Analyse der industriellen Fertigung und dessen Technikbedarf anhand theoretischer Grundlagen und einer vorliegenden arbeitssoziologischen Untersuchung zur erfahrungsgeleiteten Arbeit. Der Aufbau der Ausarbeitung gestaltet sich dabei wie folgt: Zunächst ist ein Blick auf die Entstehung der wissenschaftlichen Diskussion um eine Informationsgesellschaft erforderlich. Sodann stehen Ulrich Becks These einer „Risikogesellschaft als Konsequenz der Eigendynamik einer Industrienation“ und zum Verständnis der Diskussion um die Ermittlung des Technikbedarfs ein Überblick über Deutschmanns wissenssoziologische Interpretation industrieller Rationalisierung sowie Thomas Malschs Überlegungen zur Informatisierung des betrieblichen Erfahrungswissens im Mittelpunkt. Darauf aufbauend erfolgt eine Untersuchung der Notwenigkeit erfahrungsgeleiteter Arbeit in der industriellen Produktion; auch anhand der praktisch umgesetzten KOMPASS-Methode sowie abschließend ein Ausblick auf die weitere Entwicklung einer Informationsgesellschaft.
2. Die Entstehung der These einer Informationsgesellschaft
Die Ursprünge der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Informationsgesellschaft identifiziert Rudolf Stichweh in „Die Soziologie und die Informationsgesellschaft“ 6 mit Fritz Machlups „ The Production and Distribution of Knowledge in the United States“ aus dem Jahre 1962. Hierbei werde zunächst zwischen wissensproduzierenden und nicht-wissensproduzierenden Tätigkeiten unterschieden. Insgesamt heben in der Diskussion alle Gesellschaftstheoretiker, die die Entwicklungstendenzen der heutigen Wirtschaftsgesellschaften in ihren Grundprinzipien zu erfassen suchen, die Bedeutung des Wissens im Sinne eines technisch-organisatorisch verwertbaren Wissens hervor. Insbesondere Peter F. Drucker, der eine post-kapitalistische Gesellschaft diagnostiziert und John Naisbitt, der in der post- industriellen Gesellschaft in Wahrheit die Informationsgesellschaft sieht, haben diese Entwicklung thematisiert. Naisbitt versteht dabei Wissen nicht als traditionelles Wissen, sondern als Information, die mit Hilfe von Computern prozessierbare in sehr große Datenmengen transportiert werden kann. 7 Die klassische Quelle der Diskussion wird jedoch in der grundlegenden Arbeit Daniel Bells „Die nachindustrielle G esellschaft“ gesehen, wobei Bell selber in der Diskussion den Begriff des „Wissens“ verwendet und diesen definiert als „…Sammlung in sich geordneter Aussagen über Fakten oder Ideen, die ein vernünftiges Urteil oder ein experimentelles Ergebnis zum Ausdruck bringen und anderen durch irgendein Kommunikationsmedium in systematischer Form übermittelt werden, und den Begriff damit von dem der Neuigkeiten oder Nachrichten und dem der Unterhaltung abgrenzen 8 .“ Obwohl Bell von einer möglichen Existenz des Internets seit dem ausgehenden 20. Jahrhunderts nicht wissen konnte, schließt er dieses Medium als Wissensmedium als Ganzes damit kategorisch aus. Ein möglicher Trend in eine Informationsgesellschaft kann somit nicht antizipativ aus dem Erfolg von Massenmedien, insbesondere des Internet geschlossen werden. Bell unterteilt Gesellschaften grundsätzlich in drei Bereiche.
1. Die soziale Struktur mit den Ausdifferenzierungen Wirtschaft, Technologie/
Wissenschaft und der Berufsgliederung, die sich an der Wirtschaftlichkeit orientiert.
2. Die politische Ordnung mit den Aufgaben der Regelung der Machtverteilung und der
Rechtsprechung.
6 Stichweh, Rudolf: „Die Soziologie und die Informationsgesellschaft“, Seite 433 7 Mikl-Horke, Gertraude: „Industrie- und Arbeitssoziologie“, Seite 408 8 Bell, Daniel: „Die nachindustrielle Gesellschaft“, Seite 180.
3
3. Der kulturelle Sektor, in dem der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Entfaltung der eigenen Person vorherrsche.
Bezogen auf seine These einer postindustriellen Gesellschaft bezieht sich Bell insbesondere auf die Änderungen in der sozialen Struktur, sowie das Auseinanderdriften der drei Bereiche, die ehedem durch ein gemeinsames Wertesystem verbunden waren. 9 Den Begriff der postindustriellen Gesellschaft unterteilt er in fünf Komponenten: Die erste Komponente benennt er den wirtschaftlichen Sektor, in dem er langfristig eine Verschiebung der Arbeitskräfte von der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion in den tertiären Sektor sieht. Das zweite für eine postindustrielle Gesellschaft kennzeichnende Merkmal sei in einem Wandel der Berufsstruktur zu sehen. Hierbei ginge es nicht nur darum, in welcher Branche, sondern auch mit welchem Tätigkeitsschwerpunkt die Menschen arbeiten. Insbesondere in den USA sieht Bell hier eine rasante Verschiebung zu den technisch hoch qualifizierten Berufen. Die dritte Komponente beschreibt das genannte axiale Prinzip, also die Zentralität theoretischen Wissens als Quelle von Innovationen und als Ausgangspunk t der gesellschaftlich-politischen Programmatik. Für die soziale Struktur einer Gesellschaft sieht Bell die Theorie der Empirie überzuordnen und belegt dies anhand der Naturwissenschaft der Chemie in Bezug auf die Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts. Viertens hält Bell die Probleme der „Beurteilung der Technologie“ für gelöst. Planung und Lenkung des technologischen Wachstums sei hier die zentrale Dimension des sozialen Wandels. Inwieweit diese Einschätzung Bells in der heutigen Industrieproduktion und dem dortigen Einsatz von Technik zutrifft, wird im vierten Kapitel über den Einsatz erfahrungsgeleiteter Arbeit zu erörtern sein. Die nachindustrielle Gesellschaft ist in Bells Augen letztlich eine Wissensgesellschaft, insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften. Nach Häußermann/Siebel 10 scheine bei Bell die vage Vision einer Gesellschaft auf, die von Wissenschaftlern und politischen Technokraten beherrscht werde. In Bells Vision werde die technische Problemlösung zum Paradigma gesellschaftlicher Steuerung, während in Industriegesellschaften noch das Privateigentum das axiale Prinzip bildete.
Stichweh konstatiert in der Summe jedoch eine gewisse Enthaltsamkeit der Soziologie in der Diskussion und betont gleichzeitig eine Stagnation des Diskurses über Informationsgesellschaften bei den Paradigmata der siebziger Jahre. Wenn er auch die
Strukturumbrüche in den westlichen Gegenwartsgesellschaften sieht, so definiert er die Informationsgesellschaft doch nur als These, die als Reaktion auf eben diese Umbrüche zu verstehen ist.
3. Wissens- und Arbeitssoziologische Ansätze der Industriearbeit und
industrieller Rationalisierung
Die soziologische Untersuchung der industriellen Rationalisierung ist historisch ein Aufgabengebiet der Industrie- und Arbeitssoziologie. Die Überlegungen von Ulrich Beck, Christoph Deutschmann (als Wissenssoziologe) und Thomas Malsch werden im folgenden vorgestellt, um die Makroprozesse der Industrialisierung und dessen Konsequenzen auf Gesamtgesellschaftlicher bzw. Gesamtwirtschaftlicher E bene aufzuzeigen. Darauf aufbauend kann dann die Betrachtung des Technikeinsatzes auf der Mikroebene des einzelnen Betriebes und dessen Bedeutung für den rationellen Einsatz von erfahrungsgeleiteter Arbeit des menschlichen Facharbeiters erfolgen.
3.1 Die Ris ikogesellschaft als Konsequenz der Eigendynamik einer Industrienation
(Ulrich Beck) Seit der Veröffentlichung des Buches „Risikogesellschaft“ 1986 nimmt Ulrich Beck, auch international, großen Einfluß auf die öffentliche Debatte um die gesamtgesellschaftliche Zukunft von Industriegesellschaften.
Beck definiert Risikogesellschaften als „Gesellschaften, die zunächst verdeckt, dann immer offensichtlicher mit den Herausforderungen der selbstgeschaffenen Selbstvernichtungs- möglichkeiten allen Lebens auf dieser Erde konfrontiert sind.“ 11 Für Beck resultiert in sämtlichen Industriegesellschaften aus dessen Eigendynamik eine zwangsläufige sogenannte „Zweite Moderne“, wobei er im Unterschied zum ersten Übergang von den Agrargesellschaften zur Industriegesellschaften nun eine reflexive Modernisierung konstatiert. Diese „fortschrittliche“ Industrie gesellschaft werde aufgrund der latenten Nebenfolgen beziehungsweise Modernisierungsrisiken, die sie produziere, mit sich selbst konfrontiert. 12 Eine zentrale Bedeutung stellen hierbei die Wissenschaft en dar. Diese haben den Übergang von der Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft durch ihre naturwissenschaftlichen Erkenntnisse erst ermöglicht, wobei die vorgegeben Welt nur aus
11
http://www.tu-harburg.de/tbg/Deutsch/Mitarbeiterinnen/Frank/Vorlesunga11.pdf, Abruf vom 13.09.2003
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Quote paper:
Dennis Möhlmann, 2003, Deutschland auf dem Weg in eine Informationsgesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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