Inhaltsangabe
Seiten
1. Einleitung 3-4
2. Dienstleistungsgesellschaften ( DLG ) 4-7
2.1 Ursprung der DLG: Die Dienstbotengesellschaft
2.2 Begriffsbestimmung von Dienstleistung und Dienstleistungsgesellschaft
2.2.1 Sektorale Gliederung
2.2.2 Funktionale Gliederung
2.3 Die Abgrenzung der drei Sektoren bei Clark, Fischer und Fourastié
3. Klassische Ansätze 8-10
3.1 Daniel Bell : Die Dimensionen der nachindustriellen Gesellschaft
3.2 Die Pessimisten Baumol und Gershuny
4. Ausprägungen der DLG in den Industrienationen USA, Schweden, Deutschland 10-12
4.1 Das Volksheim Schweden
4.2 Das US-amerikanische Modell der integrierten Marktwirtschaft
5. Die Entwicklungsdynamik des DLS 12-17
5.1 Funktionale Definition des DLS
5.2 Die interne Gliederung des DLS
5.3 Dynamische Faktoren der Entwicklung des DLS
6. Zusammenfassung / Fazit 17-18
7. Quellen- und Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
„Die Franzosen lieben die Vielfalt, die Engländer den Service und die Deutschen den Preis“. 1
Mit diesen Worten beschreibt Wolfgang Twardawa, Marketingleiter der Gesellschaft für Konsumforschung ( GfK) die grundlegenden Unterschiede im Kaufverhalten der drei Nationen. Trotz dieses den Deutschen nachgesagten Mangels für Dienstleistungsnachfrage befinden sich jedoch alle Industrienationen in eine Dienstleistungsgesellschaft ( DLG ). Bereits 1998 sprach der damalige Bundesminister Jürgen Rüttgers von einer Beschleunigung des weltweiten Strukturwandels weg von industrieller Produktion hin zur Dienstleistungsarbeit, auf dessen Weg Deutschland jedoch weit hinterherhinke. 2 Dies zeige sich neben der grundsätzlichen gesellschaftlichen Einstellung zum Service auch in der negativen Dienstleistungs-außenhandelsbilanz Deutschlands. Die USA, Frankreich und England hingegen exportieren mehr Dienstleistungen als sie importieren, wie etwa der Siegeszug McDonalds um die Welt exemplarisch zeige. Rüttgers sieht weiterhin den Dienstleistungssektor als den zentralen Bereich zur Lösung des deutschen Beschäftigungsproblems. Bei derzeit 4,7 Mio. Arbeitslosen kann die Bedeutung dieses Sektors somit nicht überschätzt werden. „Mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 83100 auf 4,7 Millionen im Februar steht die Bundesrepublik vor einem der größten Arbeitsmarkt-Desaster ihrer Geschichte.“ 3 „Quo vadis Bundesrepublik ?“ fragten denn auch Hartmut Häußermann und Walter Siebel 4 . Einigkeit bestehe in der Wissenschaft lediglich darüber, daß der Abbau des Dienstleistungsdefizits in der Bundesrepublik für nötig und möglich gehalten wird. Insbesondere die ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Forschungen stellen seit 1940 ( Clark) Erklärungsversuche und Theorien zur Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft auf. Die vorliegende Seminararbeit will daher zunächst die wesentlichen Definitionen und Entwicklungstendenzen der Dienstleistungsgesellschaft vorstellen. Zunächst sollen hierbei die Ursprünge der DLG sowie die wesentlichen Begriffsbestimmungen skizziert werden. Nach den Vorstellungen der klassischen Ansätze (Clark, Fourastié ), und der Weiterentwicklungen der Optimisten ( Bell ) und Pessimisten ( Baumol / Gershuny ) werden die jeweiligen Ausprägungen in den Industrienationen USA, Schweden und Deutschland erörtert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt daran anknüpfend in der Darstellung und
kritischen Auseinandersetzung mit den Überlegungen von Johannes Berger und Claus Offe in ihrer Arbeit „Entwicklungstendenzen des Dienstleistungssektors“, die zunächst eine ausdifferenzierte funktionale Definition von Dienstleistungsarbeit vorgenommen haben, und durch eine neue interne Gliederung des Dienstleistungssektors ( DLS) eine neuartige Sicht auf eine mögliche Entwicklung des DLS vorstellen.
2. Dienstleistungsgesellschaften ( DLG )
2.1 Ursprung der DLG: Die Dienstbotengesellschaft
Die Ursprünge der heutigen sog. Dienstleistungsgesellschaft reichen zurück in das 17. Jahr-hundert, in dem vermehrt das sozialökonomische Phänomen des Dienstboten und insbesondere des Dienstmädchens auftrat. Im Zuge der zunehmenden Industrialisierung und des starken Bevölkerungsanstiegs in den europäischen Staaten, zogen vor allem viele junge Mädchen vom Land in die Stadt, um bei reichen Familien - Herrschaften - als Dienstmädchen zu arbeiten. Die Aufgabenbereiche reichten von der Wohnungsreinigung, dem Wäschewaschen, dem Kochen und der persönlichen Bedienung der Herrschaft hin zur Kindererziehung und schweren körperlichen Arbeiten wie dem Heizen, der Warmwasserzubereitung. Während es im 17. und 18. Jahrhundert noch einen gewissen Anteil an männlichen Dienern, Knechten etc. gab, waren die Dienstmädchen spätestens im 19. Jahrhundert das Mädchen für alles mit den entsprechenden persönlichen Konsequenzen eines Arbeitstages rund um die Uhr. Die Arbeits- und Lebensbedingungen wurden rechtlich in der Gesindeordnung festgehalten, die die gegenseitigen Rechte und Pflichten des Dienstboten und der Herrschaften regelte. Neben gewissen Kündigungsrechten und Anspruch auf eine geringe Vergütung waren die diversen Regelungen gerade in Bezug auf den Anspruch auf Gehorsam, der Dienstkleidung und der nicht explizit geregelten Arbeitszeit auf die Ansprüche der Herrschaft zugemünzt. In einer sozialen Situation, in der das Dienstmädchen im Haus der Herrschaften mitlebte, oft in einem kleinen, nicht beheizten Raum kommt es konsequenterweise zu sozialen Spannungen, die generell zu einer patriarchalischen Herrschaft des Hausherren führte. Die Gründe für junge Mädchen vom Land in die Stadt als Dienstmädchen zu gehen sind aus der Sozialstruktur der damaligen Situation erklärbar. In den ländlichen Regionen war der Bildungsgrad deutlich niedriger als in den großen Städten. Zudem waren die Aussicht auf Verdienstmöglichkeiten für viele junge Mädchen verlockend. Der Beruf des Dienstmädchens wurde als Übergangsberuf angesehen, mit der
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Absicht zunächst einmal überhaupt in die Zivilisation der Städte zu gehen, dort Geld zu sparen, und später heiraten zu können. Die Mädchen, die den Schritt in die Städte wagten, wurden zudem von den zurück-bleibenden bewundert, was als subjektive Statuserhöhung den Drang in die Stadt unterstützte. Die starke persönliche Abhängigkeit und soziale Isolation wurde vermutlich nicht gesehen. Die angesprochene Gesindeordnung wurde erst 1918 abgeschafft. Im Jahr 1940 nahm die Diskussion zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit der „Drei-Sektoren-Theorie“ von Colin Clark dann ihren Anfang. 5 Der Begriff der modernen Dienstleistung wurde geprägt. Die grundlegenden Begriffe und Definitionen der ersten Theoretiker der Debatte Clark und Fourastie sollen nun im folgenden erläutert werden.
2.2 Begriffsbestimmung von Dienstleistung und Dienstleistungsgesellschaft
Gesellschaften werden typischerweise dann als Dienstleistungsgesellschaften bezeichnet, wenn die Beschäftigungsstruktur durch ein Übergewicht von Dienstleistungen gekennzeichnet ist. 6 Über die Konsumstrukturen sagt diese Definition allerdings noch nichts aus. Es stellt sich die Frage, wie Dienstleistungen von anderen Tätigkeiten des Wirtschaftslebens abgegrenzt werden können. Die Tatsache, daß beispielsweise ein Chirurg und ein Werkspförtner offensichtlich sich in ihrer Tätigkeit stark unterscheiden, aber gleichzeitig per Definition beide Dienstleister sind, macht eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig. Ein Sachbearbeiter in der Personalabteilung eines Industrieunternehmens führt ebenfalls dienstleistende Tätigkeiten aus, ist aber gleichwohl indirekt am Produktionsprozeß beteiligt. Häußermann/Siebel unterscheiden daher die sektorale und die funktionale Gliederung des Wirtschaftslebens
2.2.1 Sektorale Gliederung
Der primäre Sektor umfaßt: Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Energie- und Wasserversorgung sowie Bergbau, also insgesamt die Rohstoff gewinnenden Industrien. Der sekundäre Sektor umfaßt die gesamte Industrie, die Rohstoffe zu Investitions- und Konsumgütern weiterverarbeitet.
Der tertiäre Sektor schließlich umfaßt alle Wirtschaftsabteilungen, die sich weder zum primären, noch zum sekundären Sektor zuordnen lasse. Hierbei stoßen wir das erste mal auf eine sogenannte Residualdefinition. Der Tertiäre Sektor ist also alles, was sich nicht sinnvoll zu den anderen Sektoren zuordnen läßt. Entscheidend für die sektorale Zuordnung eines Unternehmens
ist nach Häußermann/Siebel alleine das Endprodukt, bei BMW also das Auto, so daß unser Personalsachbearbeiter eindeutig zum sekundären Sektor gezählt würde.
2.2.2 Funktionale Gliederung
Die funktionale Gliederung hingegen bezieht sich explizit auf das Individuum, bei dem gefragt wird, ob in der Arbeit ein materielles Produkt durch Bearbeitung einer Sache hergestellt wird, oder ob das Produkt der Arbeit immateriell ist, also es sich um die Leistung eines Dienstes handelt.
Mit dem häufig diskutierten Begriff des Trends zur DLG ist nun genau dieser Sachverhalt zu verstehen, daß empirisch die Zahl der in Betrieben der Güterproduktion Beschäftigten abnimmt.
2.3 Die Abgrenzung der drei Sektoren bei Clark, Fischer und Fourastié
Mit seinem Buch „ The Conditions of Economic Progress“ brachte Colin Clark im Jahr 1940 die Diskussion um eine Verschiebung vom primären über den sekundären hin zum tertiären Sektor in Gang. Diese Verschiebung entstehe insbesondere in wirtschaftlichen Wachstumsphasen. Grundlage seiner Sektoreneinteilung war die von Fisher entwickelte Einteilung der Beschäftigung, in der er eine Hierarchie der Bedürfnisse entsprechend ihrer Notwendigkeit abgrenzte. Der sogenannte „Vater der Debatte“ von der These einer Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, Jean Fourastié, grenzt die drei Sektoren schließlich hinsichtlich ihrer (potentiellen) Produktivitätssteigerung ab. 7 Hierbei wird konsequenterweise der Begriff des technischen Fortschritts zum Schlüsselbegriff, den er pragmatisch als Steigerung des Produktionsvolumens je Arbeitszeit- oder Rohstoffeinheit definiert. Fourastié prognostizierte daß sich insbesondere die Konsumneigung der Menschen, bedingt durch Wohlstand und Sättigungseffekt zum tertiären Sektor entwickelt werde. Dadurch wiederum steige die Nachfrage nach Dienstleistungen, also Produkten des tertiären Sektors, so daß auch auf der Arbeitsangebotsseite die durch Rationalisie rung in der Industrieproduktion freigesetzten Arbeitskräfte neue Arbeit im Dienstleistungsbereich finden würden. Die Begründung für diesen „Hunger nach Tertiärem“ sieht Fourastié in der Zeitersparnis für den Konsumenten von Dienstleistungen und in der steigenden Vergeistigung der Arbeit. Fourastié teilt sodann typische Dienstleistungsbereiche wie folgt ein:
Arbeit zitieren:
Dennis Möhlmann, 2003, Die Entwicklungsdynamik des Dienstleistungssektors, München, GRIN Verlag GmbH
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