Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 3
2. DIE BEIDEN ORGANISATIONEN 4
2.1 Der Ursprung 4
2.1.a SOS Homophobie 4
2.1b Schwules Überfalltelefon Berlin 5
2.2. Die Ziele von SOS und SÜB 6
2.2.a SOS Homophobie 6
2.2b Schwules Überfalltelefon Berlin 7
3. DIE DOKUMENTATIONEN 8
3.1. SOS Homophobie 8
3.2 SÜB 11
4. VERGLEICH 13
5. LITERATURVERZEICHNIS 15
2
1. Einleitung
Die Geschichte der Homosexualität in Frankreich ist die Geschichte der Homosexuellen in Frankreich und insbesondere die ihrer Diskriminierung.
In (zu) vielen Epochen der Geschichte konnten Homosexuelle in Frankreich und Deutschland, um nur von diesen beiden Ländern in Europa zu reden, sich sicher nur heimlich hinter geschlossenen Gardinen treffen, wenn sie nicht hinter schwedischen landen wollten.
Die lange Zeit der Intoleranz und Diskriminierung in Europa - aber nicht nur hier - hat Auswirkungen bis in die heutige Gesellschaft der jeweiligen Länder.
Diskriminierungen, Benachteiligungen, Aggressionen etc. gehören zum Alltag vieler Homosexueller in Frankreich und in Deutschland. In den 80er Jahren galt, daß „zwar Homosexuelle in Frankreich schon seit langem nicht mehr strafrechtlich verfolgt [werden], doch daß die Öffentlichkeit die Schwulen mehr als tolerierte, ließ sich [der Pariser Schriftsteller Yves] Navarre nicht vormachen,“ 1 in Deutschland hörte die gesetzliche Kriminalisierung sexueller Kontakte zweier Männer durch den §175 des Strafgesetzbuches hingegen erst mit dessen Streichung im Jahre 1994 auf.
Um gegen die gewaltsamen Formen der Diskriminierung von Homosexuellen anzugehen, haben sich in Paris und Berlin zwei Organisationen gegründet. In der französischen Hauptstadt sammelt SOS Homophobie 2 die Aussagen und Berichte von betroffenen Schwulen und Lesben und versucht gegen homophobe Äußerungen - ganz gleich über welches Medium sie verbreitet werden - vorzugehen, in der deutschen leistet das Schwule Überfalltelefon Berlin 3 die analoge Arbeit.
Die Tätigkeit von SOS und SÜB soll in dieser Arbeit beschrieben und verglichen werden, dabei sollen insbesondere die verschiedenen Arbeitsschwerpunkte beleuchtet werden.
Wenn in dieser Arbeit von Homosexuellen die Rede ist, sind Lesben und Schwule gemeint, soll nur von homosexuellen Männern bzw. homosexuellen Frauen die Rede sein, werden die Ausdrücke Schwule bzw. Lesben benutzt.
SOS hat nunmehr zum zweiten Mal den „Rapport sur l’homophobie“ vorgelegt. Der von 1997 ist der erste seiner Art und soll eine Bilanz der Arbeit der Gruppe in den Jahren 1995 und 1996 ziehen, der „Rapport 1998“, im Juni 1998 erschienen, reflektiert das Jahr 1997. Beide Berichte sind „le fruit d’un travail collectif [...] uniquement de bénévoles.“ 4
Für das SÜB veröffentlicht der Projektleiter und einzige hauptamtlich beschäftigte Mitarbeiter Bastian Finke den Jahresbericht „Stand und Perspektiven“. Der letzte ist im Dezember 1997 erschienen und enthält Material zum Jahr 1996.
Die Berichte von SOS und SÜB sind die Grundlage dieser Arbeit.
1 Naguschewski, 41.
2 Nunmehr als SOS bezeichnet.
3 Nunmehr als SÜB bezeichnet.
4 SOS 98, 3.
3
2. Die beiden Organisationen
2.1 Der Ursprung
2.1.a SOS Homophobie
Im Herbst 1993 entstanden, basierend auf einer Idee der F.A.R. (Fraction Armée Rose), die ersten Ideen, in Paris eine Art schwules Überfalltelefon („ligne d’écoute anonyme contre les violences à caractère homophobe“ 5 ) einzurichten, inspiriert durch die äquivalenten Einrichtungen, die bereits in London, Berlin und New York ihre Arbeit aufgenommen hatten. Am 11. April 1994 wurden die Statuten des neuen Vereins offiziell eingereicht, am 25. Oktober 1994 nahm SOS mit der Bereitstellung der Telefonleitung die Arbeit auf. Die Mitarbeiter sind von Montag bis Freitag in der Zeit von 20.00 bis 22.00 Uhr zu erreichen, freitags versehen Lesben den Telefondienst. Es arbeiten zur Zeit etwa 80 Leute in den verschiedenen Gruppen wie Telefondienst, groupe prévention/intervention, groupe rapport annuel, groupe communication externe, groupe recherche et réflexion, groupe juridique und groupe finances 6 mit. SOS ist ein Projekt von homosexuellen Männern und Frauen und hat eine nationale Ausrichtung, das heißt, es werden Personen aus der gesamten Republik betreut.
Der Name des Vereins spielt auf den bekannten Verein („association“ 7 ) „SOS Racisme“ zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenhaß an, der sich in Frankreich seit vielen Jahren für Migrannten einsetzt und der den in der Öffentlichkeit viel beachteten Spruch „ne touche pas à mon pote“ geprägt hat. Gelegentlich arbeiten die beiden Gruppen auch Hand in Hand, so bei der Reaktion auf eine homophobe und rassistische Fernsehsendung im Jahre 1995. 8
Der Begriff der Homophobie ist im Französischen ein Neologismus. Während der Bestandteil „phobie“ auf das griechische Wort „φοβος“ „Furcht“ verweist, hat sich der erste Teil von seiner ursprünglichen griechischen bzw. lateinischen Etymologie 9 gelöst. „Homo“ ist schlicht die Abkürzung für „homosexuel“.
„L’homophobie n’est donc pas à comprendre comme étant la peur ou la haine (phobie) du ‘même’ mais, au contraire, celle de l’homosexuel, c’est-à-dire, pour l’hétérosexuel, de ce qui lui est différent!“ 10
In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde der Begriff in den siebziger Jahren geprägt, in Frankreich wird er erst jetzt übernommen:
„Pourtant d’un usage courant, cette terminologie a dû attendre 1998 pour que les principaux dictionnaires de langue vivante française, sous la pression de Sos homophobie l’intègrent à leur nomenclature.“ 11
Das Problem der Homophobie entstehe dadurch, daß die Homosexualität der anderen verlange, sich mit seiner eigenen Sexualität auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen. Das könne zu einer Identitätskrise führen, aus dieser entstehe dann
„une dynamique d’agression dont l’objet est justement de prouver, à soi et aux autres, que l’on est loin de cette remise en cause des attributs ‚normaux‘ de son sexe. L’agression agit ici comme un exorcisme.“ 12
Der Begriff der Homophobie erlaubt es, ein breites Spektrum an
Diskriminierungstatbeständen zu erfassen. Dieses Spektrum kann von Gewalttaten an
5 SOS 97, 4.
6 Flugblatt zur Selbstdarstellung der Gruppe, o.O., 06/97.
7 SOS 97, 4.
8 SOS 97, 36.
9 Griechisch όµοιος „gleich“, lateinisch homo: „Mann“.
10 SOS 97, 6.
11 SOS 98, 8.
12 SOS 97, 7.
4
Homosexuellen bis hin zur Weigerung reichen, homosexuellen Paaren die „certificats de vie commune“ 13 auszustellen, die unverheirateten heterosexuellen Paaren das gemeinsame Zusammenleben bescheinigen und mittels derer sie eine minimale rechtliche Würdigung ihrer Beziehung erhalten können. Hierbei ging SOS sogar soweit, sich aktiv für eine Änderung der Politik der Bürgermeister, die diese Bescheinigungen ausstellen, einzusetzen. 14
2.1b Schwules Überfalltelefon Berlin
Das SÜB ist ein Projekt von Mann-O-Meter e.V., „nach amerikanischem Vorbild als ein ‚Switchboard‘ bekannt, der über alle Aspekte schwulen Lebens, HIV und AIDS informiert.“ 15 Im Frühjahr 1989 entstanden dort Überlegungen, aufgrund zunehmender Berichte von Überfällen auf Schwule,
„eine Dokumentationsstelle und ein Beratungs- und Betreuungsangebot für Opfer antihomosexueller Gewalttaten aufzubauen und damit der Bagatellisierung dieser Form von Gewalt ein Ende zu setzen.“ 16
Das SÜB, finanziell gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Jugend und Familie, wurde also innerhalb bereits bestehender Strukturen „geboren“ und nahm im Juli 1990 in den Räumen von Mann-O-Meter seine Arbeit auf.
Ein Teil der Arbeit liegt in den Händen eines festangestellten Mitarbeiters, der mit einem Zivildienstleistenden und maximal 12 ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammenarbeitet. Die Mitarbeiter gewährleisten einen täglichen Telefondienst von 18.00-21.00 Uhr und bemühen sich darüber hinaus, die Opfer zu einem Gespräch in den Räumen des SÜB zu bewegen. 17 In dem Projekt arbeiten ausschließlich schwule Männer mit, die Betreuten sind zum allergrößten Teil männlichen Geschlechts und selbst schwul oder bi-sexuell und kommen aus Berlin oder dem näheren Umland, bei hilfesuchenden Opfern aus anderen Bundesländern kann auf die übrigen regionalen Überfalltelefone (z.B. Köln, München) verwiesen werden.
Das SÜB versteht sich als Anti-Gewaltprojekt und erklärt die Entstehung antischwuler Gewalt
„durch eine schwulenfeindliche und vorurteilsbedingte Einstellung des Täters. Der Täter fühlt sich durch die Homosexualität des Mannes bedroht und versucht, im Gewaltakt die Homosexualität am Mann zu bekämpfen. Obgleich sich der Gewaltakt am diskriminierten, mißhandelten Schwulen bzw. an dem Mann den der Täter für schwul hält, verobjektiviert, verweist die Gewalt letztlich auf die Problemlage des Täters. Der Täter projiziert sein Problem mit der Homosexualität auf den Schwulen und versucht, dieses im Gewaltakt zu bewältigen.“ 18
Hingegen wird der Begriff der Phobie, der eineVermeidungshaltung ausdrücke, als zu schwach zurückgewiesen, so suche
„der schwulenfeindliche Gewalttäter gezielt die Konfrontation. Die Einstellung des Täters führt dazu, daß sich dieser bewußt und gezielt Homosexuelle als Opfer sucht und nicht davor zurückschreckt, in schwule Lebensbereiche einzudringen.“ 19
13 SOS 1997, 28.
14 Ausführlich dazu SOS 97, 28-35.
15 SÜB, 5.
16 SÜB, 5.
17 In 1996 wurden fast genauso viele der Opfer direkt beim SÜB vorstellig (34,8%), wie die, die sich zunächst telefonisch meldeten (40%) SÜB, 30.
18 SÜB, 6.
19 SÜB, 7.
5
Arbeit zitieren:
Ralf Strauss, 1999, SOS Homophobie Paris und Schwules Überfalltelefon Berlin. Ein Vergleich der beiden Einrichtungen, München, GRIN Verlag GmbH
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