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Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Zwei Beispiele zur Erinnerungspolitik der HDZ 3
1.1. Der Kardinal Alojzije Stepinac (1898-1960) 3
1.2. Der Kommunist Andrija Hebrang (1899-1949) 4
2. Die politische Lage und die HDZ in den 1990er Jahren 5
2.1. Der Parteivorsitzende Franjo Tudjman. 7
2.2. Die Interessen innerhalb der HDZ. 8
2.3. Die Interessen außerhalb der HDZ 10
3. Die Erinnerungspolitik der HDZ 11
3.1. Državotvornost 13
3.2. Pomirba 16
4. Resümee. 20
Quellenverzeichnis 23
Literaturverzeichnis 23
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Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll anhand zweier Beispiele die Erinnerungspolitik der kroatischen Hrvatska Demokratska Zajednica (im folgenden HDZ) in den 1990er Jahren untersucht werden. Erinnerungspolitik wird dabei als spezielle Form der Erinnerungskultur betrachtet. Sie bezieht sich weder auf die persönliche Erinnerung noch auf die wissenschaftliche Disziplin, sondern auf die öffentliche Praxis. Erinnerungspolitik ist insofern ein Konstrukt der Eliten, die über die Machtmittel verfügen, die öffentliche Praxis des Erinnerns zu beeinflussen. Sie wird losgelöst vom lebendigen Gruppengedächtnis institutionell geformt.
Im Folgenden werden die Personen, um deren öffentliche Erinnerung es gehen soll, kurz vorgestellt: der Kardinal Alojzije Stepinac und der Führer der Kommunistischen Partei Andrija Hebrang. Im zweiten Abschnitt werden die politische Lage und die Strukturen der HDZ in den 1990er Jahren näher beleuchtet. Dabei werden auf Franjo Tudjman und seine Funktion als Parteivorsitzender sowie auf die Interessen innerhalb und außerhalb der HDZ besonderes Augenmerk gelegt. Bei der anschließenden Untersuchung der Erinnerungspolitik der HDZ im dritten Teil der Arbeit geht es überwiegend um die Schlagworte državotvornost (Eigenstaatlichkeit) und pomirba (Versöhnung aller Kroaten), die maßgeblichen Einfluss auf die Erinnerungspolitik hatten. Wie lässt sich die gleichzeitige Hervorhebung beider des Kardinals Stepinac und des Kommunisten Hebrang in der öffentlichen Erinnerung erklären? Welche Ziele verfolgte die Erinnerungspolitik der HDZ? Ein Resümee fasst die Erkenntnisse abschließend zusammen.
1. Zwei Beispiele zur Erinnerungspolitik der HDZ
1.1. Der Kardinal Alojzije Stepinac (1898-1960)
„Stepinac [war] ein Mann mit relativ engem, klerikalem Horizont, geprägt von bedingungsloser Ergebenheit gegenüber dem Papst und der kroatischen Nation, die er mit der katholischen Kirche gleichsetzte.“ 1 Er begrüßte als Erzbischof von Zagreb 1941 die Gründung des unabhängigen kroatischen Staates NDH 2 . „Stepinac befürwortete die staatliche Selbständigkeit der Kroaten, scheint jedoch dem neuen Staatschef Pavelic und dem Ustaša-Regime mit einer Mischung aus Reserviertheit und Ablehnung gegenüber gestanden zu haben.“ 3
1 N.N.: Papstbesuch in Kroatien, Neue Zürcher Zeitung vo m 05.02.1999.
2 Die kroatische nationalistische Bewegung der Ustaša kämpfte 1941-1945 gegen den serbischen Zentralismus in Jugoslawien und errichtete am 15. April 1941 mit Hilfe der deutschen Faschisten den kroatischen Terrorstaat Nezavisna Država Hrvatska (NDH).
3 Sundhaussen, Holm: Stepinac. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, Bd. 4, München 1981.
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Stepinac’ Haltung wandelte sich im Laufe der Zeit: anfangs vermied er Auseinandersetzungen mit dem neuen Ustaša-Regime und zelebrierte den Geburtstag des Poglavnik 4 , Ante Pavelic. Über die Ermordung von Serben, Juden und Roma bemerkte er: „nun ‚spreche’ das Blut mit seinen geheimnisvollen Bindungen zu dem Land, in welchem wir das Licht Gottes gesehen haben“. 5
Später erschrak er vor den Morden und relativierte seine Äußerungen: „Die Katholische Kirche kennt keine Rassen, die zum Herrschen und Rassen die zu Sklaverei verdammt sind.“ 6 Im Sommer 1941 verurteilte er die Ermordungen in Briefen an den Poglavnik und hohe Funktionäre und kritisierte die antijüdische Gesetzgebung. Durch Zwangstaufen gelang ihm die Rettung Verfolgter. Erst im Mai 1942 übte er in einer Predigt öffentlich Kritik an der Politik des Regimes. In einem Hirtenbrief protestierte er 1943 gegen die Verfolgung Andersgläubiger und Angehöriger ethnischer Minderheiten.
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges durch den Sieg der Kommunisten wurde Stepinac unter Druck gesetzt. Milovan Djilas sagte über die Ziele der KP: „If he had only proclaimed [the creation of] a Croatian Church, separate from Rome, we would have raised him to the clouds.“ 7 Als Stepinac sich den Forderungen widersetzte und Exilangebote ablehnte, wurde 1946 unter dem Vorwurf der Kollaboration und der Beihilfe zu den Verbrechen des Ustaša- Regimesder Prozess eröffnet. Stepinac wurde zu 16 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und zu Hausarrest an seinem Heimatort begnadigt. 1951 wurde er vom Papst zum Kardinal ernannt. Als er 1961 starb, konnte er erst nach längerem Zögern der Behörden in der Zagreber Kathedrale bestattet werden.
1.2. Der Kommunist Andrija Hebrang (1899-1949)
Hebrang war seit seiner Jugend Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ). Ende 1942 wurde er nach einer Haftzeit Sekretär des Zentralkomitees und damit Chef der KP Kroatiens. „Um in der kroatischen Bevölkerung stärkere Sympathien für die Partisanen zu gewinnen, stellten sich die kroatischen Kommunisten unter Hebrang als die nun führenden Sprecher der kroatischen Nationalbewegung innerhalb Jugoslawiens dar [...]“ 8
Die KPJ betrachtete die eigenständige Politik Hebrangs mit Argwohn und erklärte ihn nach mehreren Verwarnungen im Oktober 1944 für abgesetzt. Als Tito von den Alliierten mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, bekam Hebrang das Industrieministerium und den Vorsitz der Zentralen Planungskommission zugesprochen. Jedoch kritisierte er die serbisch-kroatische Grenzziehung und den
4 Führer der Ustaša.
5 Flottau, Heiko: Eigenwilliges Geschichtsbild. Tudjman und der kroatische Nationalismus, Süddeutsche Zeitung vom 23.1 1.1995.
6 Flottau, SZ vom 23.11.1995.
7 Ramet, Sabrina P.: Balkan Babel: politics, culture, and religion in Yugoslavia. Boulder et al. 1992b , S. 129.
8 Steindorff, Ludwig: Kroatien: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. (Südosteuropa-Gesellschaft München), Regensburg 2001, S. 185.
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Umtauschkurs der kroatischen Kuna zum neuen Dinar. Unter dem Vorwurf der Übervorteilung Kroatiens wurde er 1946 als ein Signal an alle Anhänger von Republiksinteressen aus dem Politbüro ausgeschlossen.
Tito ließ Hebrang, als der Kominform-Konflikt mit der UdSSR 1948 begann, verhaften. Ihm wurde vorgeworfen, ein Doppelagent -„Ustaša- und Sowjetagent“ 9 - zu sein. Nach offiziellen Angaben der KPJ in den 1950er Jahren nahm sich Hebrang aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in der Untersuchungshaft das Leben. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der Fall Hebrang der jugoslawischen Öffentlichkeit verschwiegen.
Zum Tode Hebrangs finden sich unterschiedliche Angaben in der heutigen Literatur. Einhellig ist die Überzeugung, dass die offiziellen Angaben der KPJ nicht der Wahrheit entsprechen. Tanner ve rmerkt hierzu: „It is almost certain that Hebrang was killed in secret, and that the authorities feared to grant him in public platform court, in the way that they had given one to Stepinac.“ 10 Dem gegenüber schreibt Steindorff zum Tode Hebrangs: „Laut offizieller Mitteilung beging Hebrang noch vor Prozessbeginn im Gefängnis in Belgrad 1949 Selbstmord; nach heutigem Wissen war es ein als Freitod inszenierter Mord.“ 11
Nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens wurden Stepinac und Hebrang 1992 vom Sabor rehabilitiert. Im Dezember 1998 wurde Stepinac vom Papst selig gesprochen. Zu diesem Anlass wurde eine Sondermarke herausgegeben. Zahlreiche Straßen und Plätze tragen heute seinen Namen. Zu Hebrangs 100. Geburtstag am 21. Oktober 1999 wurde ebenfalls eine Briefmarke herausgegeben. Auch nach ihm sind zahlreiche Straßen benannt. Die Gründe für die gleichzeitige Hervorhebung beider Persönlichkeiten, des Kardinals und des Kommunisten, in der öffentlichen Erinnerungskultur der Kroaten werden im Folgenden näher beleuchtet.
2. Die politische Lage und die HDZ in den 1990er Jahren
Tito hinterließ bei seinem Tod im Mai 1980 ein einzigartiges und problematisches Gesellschaftsmodell in Jugoslawien. Der Bund der Kommunisten Jugoslawiens besaß das Machtmonopol, aber ökonomische wie nationale Spannungen verschärften sich zunehmend. Was Tito mit seinem Charisma und Repressionen zusammengehalten hatte, wurde im Machtkampf der Oligarchien der sechs Republiken und zwei autonomen Provinzen zusehends zerstört. 12 Der Zusammenbruch der E inparteienherrschaft in Osteuropa und die
Demokratisierungstendenzen im benachbarten Slowenien schufen die
9 Völkl, Ekkehard: Abrechnungsfuror in Kroatien. In: Henke, Klaus -Dietmar (Hg.): Politische Säuberung in Europa. Die Abrechnung mit Faschismus und Kollaboration nach dem Zweiten Weltkrieg. (Dtv. 4561), München 1991. S. 392.
10 Tanner, Marcus: Croatia: a nation forged in war. O.O. 1997, S. 182.
11 Steindorff 2001, S. 198. Steindorff führt jedoch nicht näher aus, worauf dieses Wissen basiert.
12 Vgl. Sundhaussen, Holm: Experiment Jugoslawien. Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall, Mannheim et al. 1981, S. 121.
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Voraussetzungen für die ersten freien Wahlen 1990 in Kroatien. Dabei waren die kroatischen Kommunisten von ihrem Wahlsieg so überzeugt, dass sie ein Mehrheitswahlrecht einführten, das die siegreiche Partei extrem begünstigte.
Nach der Zuweisung einer kroatischen Kollektivschuld an den Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, der Niederschlagung des „kroatischen Frühlings“ Anfang der 1970er Jahre sowie der als Benachteiligung und wirtschaftliche Ausbeutung empfundenen Umverteilung durch die Belgrader Zentralregierung wetteiferten die Parteien nun um die Position des „besten Anwalts kroatischer Interessen“. „Übereinstimmend gehen Kommentatoren davon aus, daß e s bei der Wahl prioritär nicht um den Übergang von der kommunistischen Herrschaft zur Demokratie, sondern um die kroatische Frage gegangen war. Danach gaben die Kroaten überwiegend derjenigen Partei ihre Stimme, die am zügigsten, kompromißlosesten und wortgewaltigsten die nationale Selbstbestimmung versprach.“ 13
Die Betonung nationaler Interessen brachte schließlich den Erfolg der HDZ unter Franjo Tudjman. Sie versprach die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts des kroatischen Volkes, also die Herauslösung aus dem jugoslawischen Staatsverband und die Integration in westliche Strukturen. Am 21. Juni 1990 erklärte das Parlament einstimmig die Unabhängigkeit Kroatiens, strich den Terminus „sozialistisch“ aus der Staatsbezeichnung und änderte die Staatsinsignien. 14 Beispielsweise wurde der kommunistische Stern der Nationalflagge durch das rot-weiße Schachbrettmuster, das offizielle Symbol des Ustaša-Regimes, ersetzt.
Der mit der kroatischen Frage verbundene Nationalismus schürte die Ängste der in Kroatien lebenden Minderheiten, insbesondere der ca. 12% Serben. Im Sommer 1990 begannen bewaffnete Überfälle militanter Serben. Sie riefen die „Republik Serbische Krajina“ aus und verlangten die Unabhängigkeit von Kroatien. Nachdem das kroatische Parlament am 25. Juni 1991 die Souveränität und Unabhängigkeit des kroatischen Staates proklamiert hatte, wurden aus den Republikgrenzen nun Staatsgrenzen. In Belgrad nutzte man die Unzufriedenheit der kroatischen Serben zur Umsetzung eigener Ziele und Interessen. „Der Krieg, in dessen Verlauf Jugoslawien zerfiel, wurde nicht um historische Erinnerungen geführt, sondern um politische Ziele und territoriale Interessen.“ 15
Die ehemalige Jugoslawische Volksarmee (JNA), nach außen hin Schlichter der innerkroatischen Kämpfe, unterstützte die serbischen Paramilitärs. Nach dem sogenannten „kleinen Krieg“ in Slowenien rückte die JNA nach Kroatien vor und
13 Weckbecker, Arno : Die Entwicklung der politischen Parteien im ehemaligen Jugoslawien. (Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas. 34), München 1997, S. 146.
14 Weckbecker 1997, S. 146.
15 Höpken, Wolfgang: Kriegserinnerung und nationale Identität(en). Vergangenheitspolitik in Jugoslawien und in den Nachfolgestaaten. In: Transit, Jg. 1996, H. 15, S. 88.
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Andrea Friemann, 2004, Erinnerungspolitik der kroatischen HDZ am Beispiel des Kardinals Stepinac und des Kommunisten Hebrang, München, GRIN Verlag GmbH
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