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Das wohl hervorstechenste Merkmal der Soziologie des 19. Jahrhunderts ist ihre Faszination durch die Naturwissenschaften und die Orientierung an diesen. Das erklärte Ziel einiger Sozialwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, wie z.B. Comte, Pareto oder Durkheim, war es, die Sozialwissenschaften endlich auf das Niveau der Naturwissenschaften zu heben, um für das menschliche Zusammenleben Gesetzmäßigkeiten hoher Präzision und Gewißheit zu finden. Den Schlüssel zum Erfolg in diesem Bemühen sahen sie allesamt in der Übernahme der naturwissenschaftlichen, "positiven" Methode durch die Sozialwissenschaftler. Sie gingen alle von der Einheit der Methode in Natur- und Sozialwissenschaften aus und wollten die sozialen Tatbestände wie "Dinge" behandeln und nur "beobachtbare Fakten" gelten lassen. Alfred Schütz kritisiert diese Vorgehensweise als "Naturalismus". Gegenseitiges Verstehen, Interaktion, Interkommunikation und Sprache würden dabei einfach als ungeklärte Grundlage ihrer Theorien vorausgesetzt, anstatt sie als ihren eigentlichen Gegenstand zu behandeln. Nun darf man dem Positivismus nicht nur als reinen Empirismus kritisieren, denn keiner der frühen Soziologen war naiver Empirist in dem Sinne, daß er glaubte, es genüge, die Fakten "sprechen" zu lassen, um zu positiver Erkenntnis zu gelangen. So war z.B. Comte der Meinung, daß "keine echte Beobachtung" möglich sei, "ohne daß sie durch irgendeine Theorie anfangs gelenkt und am Ende interpretiert wird" (Comte in Hauck 1991, 444). Auch Pareto war der Meinung, daß es nötig sei, im voraus gewisse Normen und Prinzipien aufzustellen, die jedoch nicht als Dogmen aufzufassen seien, sondern eher als an den Fakten zu korrigierende Hypothesen (vgl. Hauck 1991, 445). Doch in welcher Art und Weise manifestieren sich solche Überlegungen in den jeweiligen Theorien dieser positivistischen Soziologen? Dieser Frage will ich in dieser Arbeit nachgehen, wobei ich die Theorien von vier Soziologen aus dem 19. Jahrhundert vorstellen und kritisieren will. Ich kann mich bei der Vorstellung dieser Theorien aber nur auf einzelne Aspekte beziehen, da eine umfassende Vorstellung dieser Theorien den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde.
So geht es im folgenden um Auguste Comtes Überlegungen zur "sozialen Dynamik", im besonderen um das "Dreistadiengesetz", sowie im "soziale Statik". Weiterhin werden der Organismusbegriff von Herbert Spencer und Vilfredo Paretos Überlegungen zu logischen und nicht-logischen Handlungen, sowie seine Theorie von der "Zirkulation der Eliten" vorgestellt. Im letzten Teil der Arbeit werde ich mich mit Emile Durkheims Theorien auseinandersetzen, wobei es dabei nur um seine allgemeinsten gesellschafts- und wissenschaftstheoretischen
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Grundannahmen gehen kann, insbesondere aber um sein Konstrukt der "sozialen Tatsachen". Abschließen möchte ich noch eine zusammenfassende Einschätzung abgeben.
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Auguste Comte, der nach seiner Schulausbildung in von Theologie und Philosophie gereinigten Naturwissenschaften zunächst als Sekretär bei Saint-Simon arbeitete und dort umfangreiche Studien in allen Wissenschaften betrieb, war der erste, der das Wort "Soziologie" für eine neue Wissenschaft verwandt hat und somit wohl als "erster" Soziologe bezeichnet werden kann. Im ging es vor allem darum, den gesetzmäßigen Charakter der gesellschaftlichen Entwicklung zu erkennen. Dabei wollte er sich Beobachtungsmethoden bedienen, die an den exakten Naturwissenschaften orientiert waren und jegliche Spekulationen verbannen. Schlüsselbegriffe und grundlegende Unterscheidungen der Soziologie in Comtes Überlegungen sind Ordnung und "soziale Statik", Fortschritt und "soziale Dynamik". Die "soziale Statik" widmet sich dabei den gesetzmäßigen Bedingungen der sozialen Ordnung, während die "soziale Dynamik" mit der historischen Methode (Comte hielt es für erforderlich, zunächst den vergangenen Zustand der Gesellschaft zu untersuchen und dann daraus den folgenden, zeitgenössischen Zustand abzuleiten) die Abfolge von Phasen des Fortschritts beschreibt. "Anders ausgedrückt, erforsche die letztere die Gesetze der Aufeinanderfolge, die erstere aber die Gesetze des Nebeneinanderbestehens von Erscheinungen" (Kon 1968, 12). Beide, "soziale Dynamik" wie "soziale Statik" haben sich dabei auf "beobachtbare Fakten" zu beschränken und die unveränderlichen Naturgesetze des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erforschen
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In seinem "Dreistadiengesetz", dem "Grundgesetz" der "sozialen Dynamik", behauptet Comte, daß das gesellschaftliche wie individuelle menschliche Wissen notwendig drei aufeinanderfolgende Stadien durchläuft. Grundlage seiner Einteilung der Menschheitsgeschichte in Stadien - dem theologisch-fiktiven, dem meta-physisch-abstrakten und dem wissenschaftlichpositiven - ist die Unterscheidung zwischen drei verschiedenen Weltanschauungen, womit er gleichzeitig die absolute Verschiedenheit dieser grundlegenden gesellschaftlichen Organisationsprinzipien behauptet:
Im ersten Stadium, dem theologisch-fiktiven, herrscht ein Denken vor, das nach den letzten Ursachen der Dinge fragt und alle natürlichen Erscheinungen als Wirken personaler, übernatürlicher Kräfte und Mächte interpretiert.
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Arbeit zitieren:
Thorsten Reineke, 1996, Positivismus in der Soziologie des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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