Veränderungen, soll eine Mediengeschichte konstruiert werden, die sich aus den Ergebnissen des biografischen Interviews zusammensetzt.
2 Erinnerungsaktivierung im biografischen Interview
Der alltäglich Gebrauch der Medien, insbesondere derjenige des Radios und des Fernsehgerätes, führt dazu, dass die Erinnerung an frühere Lebensgewohnheiten im Umgang mit Medien und deren Veränderung erschwert wird. Es entstand für mich also die Notwendigkeit, Erinnerungen im Zusammenhang mit Medien zu aktivieren, ohne entscheidend in den biografischen Konstruktionsprozess des Interviewpartners einzugreifen.
Für mich stand außer Frage, dass ich mich im Vorfeld so intensiv wie nur möglich mit den Medien Fernsehen und Hörfunk, vor allem mit deren geschichtlichen Werdegang und deren Verbreitung, auseinandersetzen musste. Ich bediente mich relevanter Literaturquellen die ich eifrig zu lesen begann, um mir ein Wissensgerüst anzueignen, dessen ich mich während des Interviews unterstützend bedienen konnte. Mit diesem Basiswissen bewaffnet und nach einer kurzen einführenden Information des Gegenübers, begann das Abenteuer biografisches Interview. Im nachhinein muss ich festhalten, dass sich ein Mindestmass an themenspezifischem Vorwissen als in höchstem Maße hilfreich erwies. Ich versuchte, das Interview nicht zu steuern oder störend einzugreifen sondern konnte teilweise „Zündungen“ (in Form v on Stichworten: Namen von SchauspielerInnen, Filme, Radioprogramme, etc) liefern - also eine Erinnerungsaktivierung auslösen. Diese wurden nicht nur dankbar angenommen, sie ermöglichten auch einen Verlauf des Interviews in entspannter Atmosphäre.
3 Chronik der österreichischen Rundfunklandschaft -Zahlen und Fakten
Im Jahr 1924 fand die Verleihung der Konzession statt und man begann mit Probesendungen aus dem Studio im ehemaligen Kriegsministerium (Wien I). Im September 1924 ging die erste konstituierende Generalversammlung der RAVAG über
die Bühne, bei der Oskar Czeija zum Generaldirektor bestellt wurde. Darauf folgte im Oktober die offizielle Eröffnung des Rundfunkbetriebes, die Programmzeitschrift „Radio Wien“ wurde von der RAVAG herausgegeben und etablierte sich als erstes Medium über ein Medium. Bereits 20 Tage nach der offiziellen Eröffnung des Hörfunks zählte man 30.000 Rundfunkteilnehmer, bis zum Jänner 1925 stieg die Zahl der registrierten Teilnehmer auf 100.000 an.
Die RAVAG adaptierte neue Studienräume in der Johannesgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk, überhaupt begann sich das neue Medium in Österreich auszubreiten (Grazer Schlossbergsender: Eröffnung am 30. März 1925; Sender Klagenfurt: Februar 1927; Sender Innsbruck: Juni 1927). Erste Höhepunkte des Hörfunkprogramms bildeten eine drahtlose Übertragung aus London und die Ausstrahlung der Salzburger Festspiele im August 1925.
Ende der 30er Jahre begann man mit der Etablierung eines mitteleuropäischen Programmaustauschs, außerdem gab es nun regelmäßig Sportreportagen (mit tragbaren Kurzwellensendern), die „Aktuelle Stunde“ wurde von der RAVAG eingeführt. 1929 wurde das „wandernde Mikrophon“ zum ersten Mal eingesetzt, das den Reportern eine flexiblere Berichterstattung erlaubte und den Arbeitsalltag erheblich erleichterte. Im Mai 1933 wird der Großsender Bisamberg (100 kW) in Betrieb genommen. Im November desselben Jahres zählte man bereits 500.000 registrierte Hörer. Nicht zuletzt durch den mitteleuropäischen Programmaustausch erfreute sich das Programmrepertoire des Hörfunks einer immer größeren Vielfalt. Die RAVAG war aber auch bemüht, ihr Programm permanent zu erweitern und für jedermann Interessantes anzubieten. Das Programm reichte von der „Turnstunde“, über Übertragungen aus dem Parlament, Dreiländerreportagen Bayern-Österreich-Schweiz, die „Geistliche Stunde“ und regelmäßigen Gottesdienstübertragungen bis zu den am Vormittag ausgestrahlten „Frauen-Stunden“. Daran kann man auch ganz deutlich erkennen, welche Bedeutung den Frauen von Anfang an bei der Programmgestaltung zukam. Die Rolle, die ihnen bei der Rezeption des damals neuen Mediums zufiel, deckte sich mit der sozialen Rolle der Frau.
Am 9. März 1938 kündigte Schuschnigg bei der Übertragung der Innsbrucker Rede die Volksabstimmung an. N ur zwei Tage später wurden der Programmbetrieb von der deutschen „Reichsrundfunkgesellschaft“ und der Sendebetrieb von der deutschen „Reichspost“ übernommen. Bereits am 12. März 1938 meldeten sich die Sender der
ehemaligen RAVAG mit der Ansage: „Hier ist d er deutsch-österreichische Rundfunk“. Der Rundfunk gehörte nunmehr der Hauptabteilung 7 der NSDAP-Landesleitung Österreich an. In der Folge (1939) erwarb die „Deutsche Reichspost-Direktion“ von der Reichsrundfunkgesellschaft die Sendeanlagen der ehemaligen RAVAG. Es wurde eine Neugliederung des „Ostmärkischen Rundfunkwesens“ vorgenommen, die
Reichsrundfunkgesellschaft übernahm das RAVAG-Vermögen und im Wiener Handelsregister erklärte man die RAVAG für erloschen.
Im August 1939 erließ man das Abhörverbot ausländischer Sender und sanktionierte eine Zuwiderhandlung mit Zuchthaus (1942: Der Landwirt Oskar Uebel aus Hollabrunn wurde wegen Abhörens feindlicher Rundfunksendungen vom Sondergericht Wien zum Tode verurteilt). In den Jahren 1945/46 waren der Rundfunkbetrieb und das ausgestrahlte Programm vor allem von den Wirren des Krieges und der Besatzungszeit geprägt. Der Sender fungierte als Vermittler politischer Informationen (Übertragung aller Urteilsverkündungen der Nürnberger Prozesse) und als Sprachrohr d er alliierten Besatzungsmächte („Stunde der Alliierten“, wurde im November 1945 als gemeinsame Sendung aller Rundfunksender eingeführt). Der Rundfunk engagierte sich auch in Form von Suchaktionen, verkündete regelmäßig Namen von Heimkehrern oder strahlte d en Radio-Suchdienst des Roten Kreuzes „Helft alle mit!“ aus. Im September 1950 liefen allmählich ernsthafte Vorarbeiten für die Einführung des Fernsehens an, zwei Jahre später wurde von den Mitgliedern des Radiobeirates die im Labor des Österreichischen Rundfunks gebaute Fernsehversuchsanlage vorgeführt. Jedoch hielt sich die RAVAG anfangs mit größeren Investitionen in die Entwicklung des Fernsehens zurück, da sie Fehlinvestitionen vermeiden wollte. Nach Kriegsende versuchten vor allem die Alliierten sich d urch das Fernsehen in bestem Lichte darzustellen. Von öffentlicher Seite (ZB Presse) wurde eine ehestbaldige Fernsehzukunft heraufbeschwört, auf der anderen Seite zweifelten Rundfunkexperten angesichts der anfänglich hohen Kosten für die Empfangsgeräte, das Sendernetz und die Programmproduktion an diesem Fernsehboom, der selbst in den USA erst allmählich anlief. Karl Waldbrunner ließ aber 1949 trotz eines Verbots der Alliierten Vorbereitungen für UKW-Hörfunk und das Fernsehen seitens der Post und des Rundfunks treffen. ÖVP und SPÖ waren sich darüber einig, dass das Fernsehen in die Hörfunkorganisation eingebettet werden soll, beide Parteien unterstützten die Rezentralisierungsbestrebungen. Die sozialistische Vorstellung einer Fernsehzukunft bestand darin, d ass der Rundfunk von staatlicher Seite betrieben und mit Hilfe des
Quote paper:
Michaela Fabian, 2000, Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Communications - Journalism, Journalism Professions
Scholary Paper (Seminar), 36 Pages
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Michaela Fabian has published the text Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien
Michaela Fabian has uploaded a new text
RICHTIG üben - Mein großes Übungsbuch - Erstes Rechnen 1. Klasse - Cor...
Dorothee Raab, Bettina Abel, Bernhard Mark, Karin Schliehe
Mein erstes Bildwörterbuch Englisch
Principles and Applications of...
Wolfgang Hoeg, Thomas Lauterbach
0 comments