Gliederung
1 Vorbemerkungen Vorbemerkungen
2 Was heißt Alle Tiere sind gleich
2.1 Prinzip der Gleichheit
2.2 Utilitarismus
2.3 Jeremy Bentham
2.4 Das pathozentrische Argument
2.5 Hauptformen des Speziesismus
2.5.1 Fleischkonsum
2.5.2 Tierversuche
2.5.3 Exkurs: Zum Umgang mit Potentialitäten
3 Diskussion
3.1 Bedarf an Nahrung
3.2 Der Interessensbegriff
3.3 Probleme der Grenzziehung
3.4 Akzeptanz der Gründe
4 Abschließende Bemerkungen
5 Literaturangaben
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1 Vorbemerkungen
Welche Verantwortungspflichten hat außermenschlichen Natur und wie lassen sich diese begründen? Gilt nur Menschen moralische Rücksichtsnahme oder sollte man nicht auch Wälder oder Flüsse, Pflanzen oder Tiere in die Moralgemeinschaft aufnehmen? Fragen dieser Art werden in der gegenwärtigen Naturethikdebatte diskutiert. Als Grundorientierung lässt sich die Naturethik in zwei Lager teilen: die Tierethik und die ökologische Ethik. Während sich die Tierethik mit dem empfindungsfähigen Teil der Natur beschäftigt, untersucht die ökologische Ethik auch den moralischen Status des anderen Teils der Natur. Es wäre falsch diese Unterscheidung als absolut anzusehen, spielen doch Argumente aus der Tierethik eine Rolle in der ökologischen Ethik und andersherum. Die vorliegende Arbeit behandelt den Aufsatz "Alle Tiere sind gleich" von Peter Singer, der in dem von Angelika Krebs 1997 herausgegebenen Buch "Naturethik" veröffentlicht wurde.
Peter Singer, ein Pionier der Tierethik, wurde 1946 in Australien geboren, studierte in Oxon und Melbourne, Australien, Philosophie und wurde 1977 Professor an der Monash University, Melbourne. Von 1987 bis 1991 war er Direktor des Centre for Human Bioethics an der Manosh University. Grob lässt sich die Arbeit in zwei Teile gliedern:
Zuerst wird eine unkritische und wertungsfreie Darstellung der wesentlichen Aussagen des Aufsatzes "Alle Tiere sind gleich" versucht (2). Sodann folgt unter Punkt (3) eine kritische Auseinandersetzung mit einigen Argumenten und Behauptungen Singers.
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Punkt (4) markiert mit abschließenden Bemerkungen zu Grundproblemen der Ethik das Ende der Arbeit.
Sämtliche Zitate mit der ausschließlichen Angabe der Seitenzahl beziehen sich auf das Buch "Naturethik"; sind bei Zitaten Autor und Jahreszahl vermerkt, gibt das Literaturverzeichnis entsprechend Auskunft.
2 Was heißt „Alle Tiere sind gleich“ ?
Der Aussage „Alle Tiere sind gleich“ für sich, ohne irgendwelche Hintergrundinformationen betrachtet, heißt erst mal, dass für alle Entitäten gilt, wenn sie Tiere sind, d ann sind sie gleich. Eine Maus ist gleich einem Elefanten? Das kann nicht gemeint sein. Um eine vollständige Verstehensleistung zu erbringen, scheinen noch einige Informationen gegeben werden zu müssen. Logisch stellt der Titel eine Universalquantifizierte Subjunktion dar. Das Sukzedens der Subjunktion besteht aus dem Gleichheitsprädikator, der eine Relation ausdrückt, er ist also mindestens zweistellig. Das Antezedens ist aus einer Konjunktion, der zwei Einstelligenprädikate ‚Ist-Tier (..)’ aufgebaut. Formalisiert sieht das so aus:
' ∀x∀y (Ist-Tier (x) ∧ Ist-Tier (y) → Ist-Gleich (x,y)) '
Die logischen Operatoren ('∀','(_)∧(_)' und '(_)→(_)') sind eindeutig definiert. Es soll deshalb an dieser Stelle auf ausführliche Erläuterungen verzichtet werden. Ganz anders verhält es sich mit den zwei Prädikatoren 'Ist-Tier (..)' und 'Ist- Gleich (..,..)', die nicht in ihrem zoologischen bzw. mathematischen Sinne gemeint sein können, da wir sonst auf so absurde Schlüsse wie ‚ein Elefant ist gleich einer Maus’ gelangen.
Im folgenden soll das Prinzip der Gleichheit erörtert werden (2.1). Sodann folgt eine kurze Darstellung der Theorie des Utilitarismus (2.2), insbesondere von Jeremy Benthem (2.3), einem klassischen Vertreter. Dies ist notwendig, da diese Theorie das moralische Grundprinzip für das pathozentrische Argument (2.4) liefert. Schließlich sollen noch besonders diskriminierende
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Verhaltensweisen von uns Menschen den Tieren gegenüber Erwähnung finden (2.5).
2.1 Prinzip der Gleichheit
In den westlichen Industrienationen und auch an vielen anderen Orten der Erde hat das Prinzip der Gleichheit, nach Überzeugung der meisten, für alle Mitglieder unserer Spezies Gültigkeit.
In Deutschland ist das Prinzip der Gleichheit in den Grundrechten verankert und findet im Grundgesetz, Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz] seine Veröffentlichung:
(1) Alle Menschen sind gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche
Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die
Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner
Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder
politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen
seiner Behinderung benachteiligt werden.
Aus diesem Artikel geht hervor, dass der Gesetzgeber das Prinzip der Gleichheit erstmal der Spezies Mensch vorbehält; Tierrechte findet man im Grundgesetz keine. Diese Privilegierung des Menschen ist aus der Geschichte heraus nachvollziehbar, sprechen doch "Pico und andere Humanisten" dem Menschen "die zentrale und wesentliche Stellung in der >>Great Chain of Being<< ( der Stufenleiter des Seins)" zu, sehen ihn als 'Krone der Schöpfung' und "diese Sichtweise des Universums wiederum geht sowohl auf klassische wie jüdisch-christliche Lehren zurück" (S.27).
Um sich nun aber wohlwollend auf Singers Forderungen und Argumente einlassen zu können, ist es geboten die "Menschen als eine kleine Untergruppe all jener Lebewesen zu sehen, die unseren Planeten bewohnen" (S.28). Wir sollten uns darauf besinnen, wie das Tier 'Mensch' aus der Evolution heraus entstanden ist.
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Stefan Krauss, 2002, Zum pathozentrischen Argument: Darstellung und Diskussion zu Peter Singers Aufsatz "Alle Tiere sind gleich", Munich, GRIN Publishing GmbH
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