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Inhaltsverzeichnis: Seite:
1...Einleitung 3
2. Leben und Werk von Ruth Cohn. 3
3. Einführung in die Themenzentrierte Interaktion. 4
3.1. Die Axiome. 5
3.2. Das Strukturmodell 6
3.3. Regeln der TZI. 7
4. Methodik der Themenzentrierten Interaktion 9
4.1. Vorklärungen und Kontrakt 10
4.2. Grobplanung/allgemeine Vorbereitungen. 12
4.3. Konkrete Planung: Vorbereitung der Arbeit mit der Gruppe 12
4.4. Planung, Gestaltung und Leitung der Anfangsphase 13
4.5. Prozessbegleitung und Rollende Planung. 15
4.6. Planung und Gestaltung der Endphase 17
5. Zusammenfassung und persönliches Resümee. 18
6. Literaturverzeichnis 20
Anfang des letzten Jahrhunderts gab es einen Film von Charly Chaplin, der die industrialisierte Arbeitsweise seiner Zeit auf lustiger Art und Weise darstellte, aber auch gleichzeitig die Probleme des Kapitalismus aufzeigte. Zentral war die Figur Charly Chaplins, der sehr eintönig an einem Fließband arbeitete und kaum in Interaktion zu seinen Arbeitskollegen stand. Aufgrund einiger Umstände kommt er im Laufe des Films mit der Fließbandfertigung nicht hinterher und löst somit ein großes Durcheinander aus. Auch in der heutigen Arbeitswelt dominiert zumeist die Arbeit an einer bestimmten Sache. Vorherrschende Fragestellungen innerhalb eines Betriebes sind meist marktwirtschaftliche Fragen zu einem bestimmten hergestellten Produkt. Einzel- oder Gruppenbedürfnisse spielen innerhalb des Arbeitslebens, wie auch bei Charly Chaplin, nur eine untergeordnete Rolle.
Auch in der Gruppenarbeit, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung, kommt es häufig vor, dass individuelle Bedürfnisse der Teilnehmer vernachlässigt werden und diese somit unzufrieden sind. Es kann aber auch vorkommen, dass die individuellen Bedürfnisse überhand nehmen und damit die Bearbeitung eines bestimmten Themas vernachlässigt wird. Die Themenzentrierte Interaktion, oder einfach „TZI“ genannt, nimmt sich diesen Problemen an und versucht einen Ausgleich zu schaffen. Gerade in Gruppenprozessen hat sich gezeigt, dass das Konzept der TZI sehr effektiv ist. Um größtmögliche Effektivität zu erreichen, sollte jedoch eine bestimmte Methodik berücksichtigt werden. In dieser Arbeit soll, nachdem ich auf die Begründerin und das Grundkonzept der TZI eingegangen bin, dargestellt werden, wie die TZI in der Gruppenarbeit methodisch am erfolgreichsten eingesetzt werden kann.
Ruth Cohn ist vielleicht die bedeutendste Psychologin und Therapeutin nach dem 2. Weltkrieg. Die Impulse, die ihr die humanistische Psychologie verdankt, sind bedeutend. Bezüglich ihrem Leben und Werk ist vielleicht am entscheidendsten die Tatsache, dass sie als Begründerin der Themenzentrierten Interaktion gilt. Im Folgenden soll ihr Leben kurz vorgestellt werden, um eine Basis zu schaffen für ein besseres Verständnis der Themenzentrierten Interaktion und ihrer Entwicklung.
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Ruth Cohn wurde 1912 als Tochter einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin geboren. Nach ihrem Abitur, ab 1931, hat sie in Heidelberg und Berlin Nationalökonomie studiert. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Cohn aufgrund ihrer jüdischen Abstammung 1933 nach Zürich. Dort begann sie Psychologie zu s tudieren und machte nebenher eine Ausbildung als Psychoanalytikerin. 1938 heiratete sie Hans Helmut Cohn, wobei die Ehe 1946 schon wieder geschieden wurde. Zunächst jedoch emigrierte das Ehepaar in die USA, wo Ruth Cohn ihr Psychologiestudium beendet und darauf hin als klinische Psychologin und Kindertherapeutin arbeitete. Ende der vierziger Jahre begann sie jedoch eine Ausbildung zur Gruppentherapie und wendete sich damit von der klassischen Psychoanalyse ab. Darauf aufbauend absolvierte sie 1955/56 eine Zusatzausbildung in Gestalttherapie. Im Jahr 1955 initiiert Cohn einen Workshop zum Thema „Gegenübertragung“, dessen Methodik zum Ausgangspunkt für die TZI wird. Anfang der sechziger Jahre fängt Cohn damit an in Wirtschaftsunternehmen mit der TZI zu arbeiten. Bedeutend ist die Gründung einer Ausbildungsstätte für Themenzentrierte Interaktion 1966, „Workshop Institute for Living-Learning“ genannt. In den Jahren darauf gründete sie weitere Institute in den USA, Kanada und auch in Europa, genauer gesagt in Zürich, ihrem ehemaligen Heimatort. 1974 kehrte Ruth Cohn wieder fest in die Schweiz zurück und widmete sich dort der Beratung und Ausbildung in der Themenzentrierten Interaktion. 1979 bekommt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen und 1992 sogar das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Bei der konzeptuellen Entwicklung der Themenzentrierten Interaktion hatte Ruth Cohn vorher festgestellt, dass das interaktionelle Lernen in Gruppen wesentlich anregender und nutzbringender ist, als das typische Lernen von Studenten, dass sich meist darauf beschränkt in Hörsälen passiv rezeptiv Informationen aufzunehmen und sich mit diesen nicht aktiv auseinander zu setzen. Cohn erkannte, dass diese Lernform nur auf das Thema beschränkt ist, wobei Gefühle und Empfindungen der Lernenden überhaupt nicht berücksichtigt werden. Mit der Praxis der Themenzentrierten Interaktion wollte Ruth Cohn diesen Zuständen entgegenwirken.
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„Ihr gedanklicher Ansatz war die Frage, wie die Ich-stärkenden Faktoren therapeutischer Arbeitsmethoden auch im alltäglichen Umgang miteinander wirksam werden könnten, um zu ganzheitlichen, die ganze Persönlichkeit ansprechenden Lern- und Arbeitssituationen zu gelangen“ (Langmaak 1995, S. 96f.). Ihre ersten Erfahrungen mit l ebendigerem Lernen machte sie, wie schon erwähnt, 1955 in einer studentischen Ausbildungsgruppe zur Psychoanalyse. Aus dem dort angewendeten Verfahren wurde dann später die TZI entwickelt.
Die Themenzentrierte Interaktion ist ein eigenständig entwickeltes Konzept, unabhängig von irgendwelchen psychotherapeutischen Konzepten. Sie zielt auch nicht auf die Therapie psychisch kranker Menschen, sondern eher auf die Gemeinsamkeiten in einer Gruppe, auf die Kommunikation und auf das gemeinsame Lernen innerhalb der Gruppe. Dieser Aspekt hat dazu beigetragen, dass sich die TZI vor allem in zentralen pädagogischen Bereichen, wie Schule, Ausbildung, Fortbildung oder Erwachsenenbildung ausgebreitet hat. Die TZI dient dazu Themen und Aufgaben ins Zentrum der beteiligten Personen zu stellen (=themenzentriert), um sie dann im Hin und Her zwischen allen Beteiligten zu bearbeiten (=interaktionell). Das Konzept der TZI versucht somit eine Balance herzustellen zwischen dem persönlichen Beteiligtsein, dem Interesse am Inhalt und an der Interaktion. Dabei wird zusätzlich das Umfeld mit einbezogen. Es kommt oft vor, dass eine Arbeitsaufgabe daran scheitert, dass nicht genügend auf die Realität emotionaler und psychosozialer Realitäten der anwesenden Personen geachtet wird. Dagegen kann eine zu starke Beschäftigung mit persönlichen Themen hinderlich für den Arbeitsfortschritt sein. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren, wie es die TZI bewirkt, ermöglicht es, sich intensiv mit einer Sache auseinander zu setzen und Lern- und Arbeitsziele zu erreichen.
3.1. Die Axiome
Die TZI basiert auf drei Axiomen, anerkannte Grundsätze, die so beschrieben werden: 1) Das anthropologische Axiom:
„Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er hat psychische und spirituelle Bedürfnisse, Erfahrungen und Antriebe“ (Langmaak 1995, S. 97). Der Mensch hat nicht separierbare physische, emotionale und intellektuelle Bedürfnisse und Erfahrungen, die beachtet werden müssen.
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2) Das pragmatisch-politische Axiom:
„Der Mensch ist autonom und interdependent, eigenständig und allverbunden. Er ist Teil des Universums. Freie Entscheidung geschieht innerhalb bestehender innerer und äußerer Grenzen, deren Grenzerweiterung möglich ist“ (ebenda, S. 97). Der Mensch ist nie völlig auf sich allein gestellt und nie völlig abhängig. Innerhalb dieser Grenzen kann er sich verändern. 3) Das ethisch-religiöse Axiom:
„Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum“ (ebenda, S. 97). Dieser Aspekt beinhaltet einen Respekt vor allem Geschaffenem zu bewahren, das dem Leben dient und Humanität bewahrt.
Alle drei Axiome beanspruchen universell gültig zu sein, d. h. sie gelten für alle Menschen. Wer mit der TZI überzeugt arbeitet, bekennt sich automatisch zu diesen Werten.
3.2. Das Strukturmodell der TZI
In TZI-Gruppen werden stets drei Faktoren mit gleicher Gewichtung behandelt: Die Person (das „Ich“), die Gruppe (das „Wir“) und das Thema innerhalb der Gruppe. Solange immer ein dynamisches Gleichgewicht im Gruppenprozess erarbeitet wird, also alle Aspekte ausreichend behandelt werden, bestehen optimale Bedingungen für die teilnehmenden Personen, die Gruppe und für die Erfüllung der Aufgabe. Selbstverwirklichung, Kooperation und Aufgabenlösung können sich innerhalb des dynamischen Gleichgewichts am effizientesten entfalten. Das folgende
Strukturmodell des gleichseitigen Dreiecks, dessen Ecken von einem Kreis verbunden werden, veranschaulicht die angeführten Aspekte:
Arbeit zitieren:
Philipp Schulz, 2004, Methodik der Themenzentrierten Interaktion (TZI), München, GRIN Verlag GmbH
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