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Die Whistleblowing Paragraphen im Sarbanes Oxley Act aus ökonomischer Sicht

Title: Die Whistleblowing Paragraphen im Sarbanes Oxley Act aus ökonomischer Sicht

Swiss Diploma Thesis , 2004 , 51 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: lic. rer. pol. Yves Grüninger (Author)

Business economics - Revision, Auditing
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Enron: Bilanzmanipulationen verwandeln hohe Verluste in virtuelle Gewinne bis der Betrug auffliegt und die Firma wie ein Kartenhaus zusammenbricht. WorldCom: Listige Buchhaltungstricks und versteckte Verluste bleiben nicht länger verborgen, die Firmenpleite ist perfekt. FBI: Die Ignoranz gegenüber einem Appell zur Untersuchung eines Verdächtigen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 lässt das Vertrauen in die Bundespolizei schwinden und stellt die Behörde in Frage. Was diese drei Vorfälle gemeinsam haben? In allen drei Skandalen gab es vor dem Kollaps einen Fall von Whistleblowing, einem internen Notruf also, der auf Rechtsverletzungen aufmerksam machte. Allerdings kam die Meldung entweder zu spät oder wurde nicht ernst genommen, so dass der GAU in allen drei Fällen nicht mehr verhindert werden konnte.
Vorfälle wie diese sind herbe Rückschläge für die Wirtschaft und Gift für das Investitionsklima und die Konjunktur. Eine Reaktion seitens des Gesetzgebers in den USA blieb nicht aus: Zur Verschärfung der Corporate Governance und zur Schaffung einer fundierten rechtlichen Grundlage wurde Mitte 2002 der ‚Sarbanes Oxley Act’ (fortan SOX) mit dem Ziel der Rückgewinnung des Investorenvertrauens in Kraft gesetzt. Der SOX enthält nebst den Paragraphen zum Schutz auch Paragraphen zur Förderung von Whistleblowing. Die zugrunde liegende Argumentation geht davon aus, dass Whistleblowing im Sinne eines Frühwarnsystems Rechtsverletzungen in Unternehmen rechtzeitig erkennt, potentielle Gefahren identifiziert und das Übel im besten Fall im Keim erstickt. Die Verhinderung eines Skandals ist nicht nur im Interesse der Unternehmung selbst, sondern lässt die Gesellschaft und die Wirtschaft als Ganzes von der Erhaltung der Arbeitsplätze profitieren.
Je früher, genauer und einfacher eine Meldung erfolgen kann, umso deutlicher fallen die Vorteile für die involvierten Parteien aus. Um dies zu erreichen, muss ein Umfeld geschaffen werden, welches dem Whistleblowing freundlich gestimmt ist. Da der Nutzen des Whistleblowing für die Unternehmen oft nicht leicht ersichtlich ist und bestenfalls erst in Zukunft anfällt, die Massnahmen aber mit heutigen Mehrkosten verbunden sind, müssen Gesetze den notwendigen Druck schaffen. Ob diese dem ursprünglichen Zweck dienen können und nicht bloss weitere Kosten verursachen, ist immer noch strittig. Das Endziel sollte ein Arbeitsklima sein, (...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1. GANG DER UNTERSUCHUNG

1.2. BEGRIFFSKLÄRUNG

1.3. FALLBEISPIELE

2. KONZEPTIONELLE ANALYSE DES WHISTLEBLOWING PROZESSES

2.1. WHISTLEBLOWING – EIN SPIELTHEORETISCHER ANSATZ

2.1.1. Einführung in die Spieltheorie

2.1.2. Wege aus dem ‚Prisoner’s Dilemma’

2.1.3. Implikationen für die Praxis

2.2. WHISTLEBLOWING UND BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE

2.2.1. Effektivität von Whistleblowing

2.2.2. Voraussetzungen für Whistleblowing

2.2.3. Möglicher Entscheidungsprozess vor dem Whistleblowing

2.3. WHISTLEBLOWING UND UNTERNEHMENSETHIK

2.3.1. Bedeutung der Firmenkultur für das Whistleblowing

2.3.2. Verhaltens- & Ethikkodexe

3. RECHTLICHE ASPEKTE DES WHISTLEBLOWING

3.1. BESTEHENDE GESETZGEBUNG

3.1.1. Gesetze als taugliche Mittel?

3.1.2. Vergleich nationaler Gesetzgebungen in Bezug auf Whistleblowing

3.2. WHISTLEBLOWING UND DER SOX

3.2.1. Relevante Paragraphen und ihre Bedeutung

3.2.2. Verfahren und Ausmass des SOX 806

3.2.3. Erste Erfahrungen mit dem SOX 806

4. UNTERNEHMERISCHE REAKTION AUF DIE WBP

4.1. VOR DEM SOX: DER FALL ENRON

4.1.1. Die Protagonisten

4.1.2. Entstehung und Ablauf des Whistleblowing Prozesses bei ENRON

4.1.3. Mögliche Fehlerquellen bei ENRON

4.2. DER SOX: MÖGLICHE MASSNAHMEN DER UNTERNEHMEN

4.2.1. Wissenschaftliche Vorschläge für interne Whistleblowing Programme

4.2.2. Praktische Umsetzung interner Whistleblowing Programme

4.3. NACH DEM SOX: REAKTION EINER SCHWEIZER FIRMA

4.3.1. Ausgangslage

4.3.2. Funktionsweise der anonymen Beschwerde-Helpline

4.3.3. Kritische Würdigung und alternative Vorschläge

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Whistleblowing-Prozess aus einer ökonomischen Perspektive, um zu bewerten, inwieweit Gesetze wie der Sarbanes-Oxley Act (SOX) als Instrumente zur Corporate Governance und Frühwarnung bei Rechtsverletzungen in Unternehmen geeignet sind. Dabei wird analysiert, wie Anreizstrukturen für Mitarbeiter geschaffen werden können, um Missstände frühzeitig zu melden, ohne dabei destruktive ökonomische Anreizkonstellationen zu fördern.

  • Spieltheoretische Analyse des Whistleblowing-Prozesses (Prisoner's Dilemma).
  • Einfluss der Unternehmensethik und Firmenkultur auf das Meldeverhalten.
  • Rechtliche Analyse und ökonomische Absicht der Whistleblowing-Paragraphen im SOX.
  • Fallstudien zu ENRON sowie einer anonymisierten Schweizer Unternehmung.
  • Evaluation praktischer Implementierungsansätze für interne Whistleblowing-Programme.

Auszug aus dem Buch

4.1.1. Die Protagonisten

ENRON geht 1985 aus der Fusion zweier grosser Gasunternehmen hervor und steigt danach kometenhaft zu einem der grössten Arbeitgeber der USA auf. Anfangs betreibt das Unternehmen hauptsächlich einen Grosshandel mit Gas und Strom, dehnt sein Angebot aber stetig auf andere Geschäftszweige aus (Breitbandservice, Energie, Transport). Mit seiner 1999 in Betrieb gesetzten Online Plattform EnronOnline vertreibt die Firma über 1’200 Produkte und verzeichnet riesige buchhalterische Gewinne. Das Unternehmen wird vom Wirtschaftsmagazin Fortune sechsmal in Folge zum innovativsten Unternehmen gewählt, was das unglaubliche Vertrauen der Anleger in Enron weiter unterstreicht.

Der Aktienkurs von ENRON steigt im Jahr 2000 um 87%, bricht dann aber aufgrund grosser Aktienverkäufe von Führungskräften in der ersten Jahreshälfte 2001 um 39% ein. Am 16. Oktober 2001 gibt ENRON einen Verlust von 618 Mio. Dollar bekannt und senkt sein Eigenkapital um 1.2 Mia. Dollar. Die undurchsichtige Produktpalette und die komplexen Strukturen mit vielen Partner- und Tochterfirmen lassen es zu, dass Gewinne und Umsätze über Jahre viel zu hoch ausgewiesen werden, ohne dass Analysten, Journalisten, und teilweise wohl auch Revisoren es merken. ENRON korrigiert diese Gewinne am 8. November 2001 nachträglich um 586 Mio. Dollar nach unten. Am 2. Dezember ist es offiziell: ENRON beantragt Gläubigerschutz nach ‚Chapter 11’ und stellt den grössten Bankrott in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dar.

Sherron Watkins arbeitet bis kurz vor dem Bankrott als Direktorin für Konzernentwicklung bei ENRON. 1983 erwirbt sie an der ‚University of Texas at Austin’ den Master im Rechnungswesen und ist seither anerkannte Wirtschaftsprüferin. Zwischen 1982 und 1990 ist sie bei Arthur Andersen als Revisorin angestellt und arbeitet in Houston und New York. Drei Jahre später wird sie von Andrew Fastow, dem späteren Finanzchef von ENRON, engagiert. Ihm ist sie zwischen Juni und August 2001 auch direkt unterstellt, bevor sie auf Wunsch in die Personalabteilung umgeteilt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik anhand prominenter Skandale und Einführung in die Relevanz des Whistleblowing als Frühwarnsystem im Kontext des Sarbanes-Oxley Act.

2. KONZEPTIONELLE ANALYSE DES WHISTLEBLOWING PROZESSES: Theoretische Untersuchung mittels Spieltheorie, Betriebswirtschaftslehre und Ethik, um Anreize und Voraussetzungen für ein effektives Whistleblowing zu ergründen.

3. RECHTLICHE ASPEKTE DES WHISTLEBLOWING: Ökonomische Analyse der gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere der spezifischen Whistleblowing-Paragraphen des SOX, und deren Eignung als Instrumente.

4. UNTERNEHMERISCHE REAKTION AUF DIE WBP: Detaillierte Fallstudien zum Zusammenbruch von ENRON und der Implementierung von Whistleblowing-Programmen in einer Schweizer Unternehmung.

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Synthese der Ergebnisse, wonach ein kultureller Wandel und interne Mechanismen zur Förderung der Transparenz wichtiger sind als rein strafrechtliche Schutzbestimmungen.

Schlüsselwörter

Whistleblowing, Sarbanes-Oxley Act, Corporate Governance, Spieltheorie, Prisoner's Dilemma, Unternehmensethik, Firmenkultur, ENRON, Compliance, interner Kontrollmechanismus, Betrugsprävention, Beschwerde-Helpline, Bilanzmanipulation, Risikomanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet das Phänomen Whistleblowing aus einer wirtschaftstheoretischen Perspektive und analysiert, wie neue Gesetze, insbesondere der SOX, als Kontrollinstrumente in Unternehmen wirken können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit verknüpft spieltheoretische Modellierungen mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen zur Unternehmenskultur und analysiert gleichzeitig die rechtlichen Auswirkungen des Sarbanes-Oxley Act auf die Unternehmenspraxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu erörtern, ob staatliche Interventionen wie Whistleblowing-Paragraphen tatsächlich zu einer Stärkung der Corporate Governance beitragen oder ob sie lediglich neue Kosten verursachen, ohne die eigentlichen Ursachen von Fehlverhalten zu beheben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine multidisziplinäre Vorgehensweise gewählt: eine modellhafte spieltheoretische Analyse, ergänzt durch die Auswertung empirischer Studien zur Effektivität von Whistleblowing und konkrete Fallstudienanalysen.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Spieltheorie/Ethik), die Analyse der SOX-Paragraphen und eine detaillierte Fallstudie zu ENRON sowie eine weitere Analyse bei einem anonymisierten Schweizer Unternehmen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Kernbegriffe sind Whistleblowing, der Sarbanes-Oxley Act, Corporate Governance, das spieltheoretische Modell der "Prisoner's Dilemma"-Problematik sowie der Begriff der "Compliance" als unternehmerische Verhaltensrichtlinie.

Warum wird Sherron Watkins im ENRON-Fall zwiespältig betrachtet?

Obwohl Watkins als Symbol für Whistleblowing gilt, kritisieren einige Experten, dass sie lange kooperierte und erst spät handelte, was nach einer strikten Definition der Kriterien Zweifel an ihrem Status als "ideale" Whistleblowerin aufkommen lässt.

Warum zögern Schweizer Unternehmen bei der Implementierung von anonymen Hotlines?

Die untersuchten Praktiker äußern die Sorge, dass die Anonymität zwar formal garantiert wird, in der Praxis jedoch Rückschlüsse auf den Whistleblower durch Linienverantwortliche kaum vollständig zu verhindern sind, was die Gefahr subtiler Vergeltungsmaßnahmen bestehen lässt.

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Details

Title
Die Whistleblowing Paragraphen im Sarbanes Oxley Act aus ökonomischer Sicht
College
University of Basel  (Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum)
Grade
sehr gut
Author
lic. rer. pol. Yves Grüninger (Author)
Publication Year
2004
Pages
51
Catalog Number
V28032
ISBN (eBook)
9783638299275
ISBN (Book)
9783638806213
Language
German
Tags
Whistleblowing Paragraphen Sarbanes Oxley Sicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
lic. rer. pol. Yves Grüninger (Author), 2004, Die Whistleblowing Paragraphen im Sarbanes Oxley Act aus ökonomischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28032
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