Turnierentlohnung und Anstrengung der Sportler
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. - 2 -
2. THEORETISCHER HINTERGRUND - 4 -
2.1 Anreiztheorie und das Prinzipal-Agent Modell - 4 -
2.2 Basiswerk der Turniertheorie von Lazear/Rosen (1981) - 5 -
2.3 Erkenntnisse aus den bisherigen Überlegungen - 6 -
2.3.1 Direkte Anwendung auf den Sport. - 6 -
2.3.2 Weiterentwicklungen der klassischen Turniertheorie - 7 -
2.3.3 Grenzen der Anwendbarkeit der Turniertheorie. - 8 -
3. EVIDENZ AUS DEM SPORT - 10 -
3.1 Das Beispiel Golf - 10 -
3.1.1 Aufbau und Hypothesen. - 10 -
3.1.2 Empirische Analyse - 11 -
3.1.3 Kritische Würdigung - 12 -
3.2 Zusätzliche Erkenntnisse aus dem Marathon Sport. - 13 -
3.2.1 Aufbau und Hypothesen. - 14 -
3.2.2 Empirische Analyse - 14 -
3.2.3 Kritische Würdigung - 14 -
3.3 Zusätzliche Erkenntnisse aus dem Autorennsport - 15 -
3.3.1 Aufbau und Hypothesen. - 15 -
3.3.2 Empirische Analyse - 16 -
3.3.3 Kritische Würdigung - 16 -
4. SCHLUSSFOLGERUNG - 18 -
- 1 -
1. Einleitung
Inwiefern das Entlohnungssystem von Arbeitskräften eine Auswirkung auf deren Produktivität hat, war schon oft Gegenstand von empirischen Untersuchungen. Lazear (2000) beispielsweise dokumentiert den Unterschied der Produktivität der Arbeitskräfte vor und nach dem Übergang von Stundenlöhnen zu Stücklöhnen und stellt eine signifikante Zunahme der Produktivität fest. 1 Der Turnierentlohnung als Spezialform der Leistungsentlohnung hingegen, wurde bislang deutlich weniger Gewicht verliehen. Die vorliegende Arbeit befasst sich denn auch genau mit dieser Form der Entlohnung und untersucht die Wirkung der gesetzten Anreize auf die Anstrengung der Turnierteilnehmer. Dabei bietet sich der Sport als Untersuchungsgebiet an, weil Daten über die Anreize für die Teilnehmer (Preisverteilung) vorhanden sind und unter gewissen Bedingungen die Anstrengung über den erzielten Output (Rang) messbar ist. 2 Zudem existieren gute Angaben über individuelle Attribute der einzelnen Arbeitnehmer (Sportler), die Gehälter sind recht transparent und die gesamte Karriere der Sportler kann vollständig verfolgt werden. 3 Da diese Statistiken auch durchgehend detaillierter und genauer sind als typische mikroökonomische Daten, erachte ich es als sinnvoll, verschiedene Analysen aus dem Sport miteinander zu vergleichen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Turnierentlohnung auf ihre Anreizwirkungen hin zu untersuchen und im besten Fall allgemeingültige Erkenntnisse zu erhalten.
In einem ersten Schritt soll der theoretische Hintergrund der Anreiz-& Turniertheorie verständlich gemacht werden (Abschnitt 1). Im Gegensatz zu fixen Gehältern (Input abhängig) oder konventionellen Stücklöhnen (Output abhängig) zeichnet sich die Turnierentlohnung durch einige Merkmale aus, die unter bestimmten Voraussetzungen zu effizienteren Ergebnissen führen können. So entschädigen Turniere den Teilnehmer aufgrund seiner relativen Leistung gegenüber seinen Mitstreitern und nicht aufgrund seines absolut erzielten Resultats, was vor allem dann vorteilhaft ist, wenn der absolute Output nicht oder nur unter grossem Auf-wand messbar ist oder der Zufall eine wichtige Rolle spielt. Die Turnierentlohnung setzt implizit voraus, dass die gesamte Preissumme zu Beginn festgelegt wird, dass die einzelnen Preisgelder unabhängig vom Leistungsniveau ausbezahlt werden und dass damit Anreize zur Mehranstrengung geschaffen werden. 4
1 Vgl. Lazear, 2000, 1346ff.
2 Vgl. Ehrenberg/Bognanno, 1990, 75S.
3 Vgl. Kahn, 2000, 75.
4 Vgl. Lazear/Rosen, 1981, 841ff.
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Empirische Studien aus den Sportarten Golf, Marathon und Autorennen sollen in einem weiteren Schritt das theoretische Modell statistisch prüfen und weitere Erkenntnisse liefern (Abschnitt 3). Beispielhaft sei an dieser Stelle der Veranstalter eines Golfturniers erwähnt, der gemäss Hypothese über die Variation der Faktoren Gesamtpreissumme und Gehaltsspreizung eine optimale Anstrengung der Teilnehmer begünstigen oder im besten Fall gar erzwingen kann. 5 Dieser Abschnitt hat auch zur Aufgabe, die gestellten Hypothesen auf ihre Zielerreichung hin zu durchleuchten und die Methoden und Befunde kritisch zu betrachten. Der letzte Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und lässt Raum, um die behandelten Studien auf Parallelen zur Anwendbarkeit ausserhalb des Sports zu untersuchen (Abschnitt 4).
5 Vgl. Ehrenberg/Bognanno, 1990, 74Sff.
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2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Anreiztheorie und das Prinzipal-Agent Modell
Die zentrale Frage der Anreiztheorie ist, wie man jemanden dazu bringen kann, genau das für sich zu tun, was man will. Bei vollständiger Beobachtbarkeit der Anstrengung wird sich der Angesprochene solange mehr bemühen, bis sein Grenznutzen gleich seinen Grenzkosten ist. Sobald die Information aber unvollständig ist, wird dies nicht mehr der Fall sein und wir sehen uns mit einer neuen Ausgangslage, einer Prinzipal-Agent Konstellation, konfrontiert. 6 Auf der einen Seite sagt dieses Prinzipal-Agent Modell aus, dass wenn der Agent den Output nicht vollständig über seine Anstrengung steuern kann, er nicht das gesamte Risiko alleine zu tragen bereit ist. Auf der anderen Seite ist der Prinzipal im Ungewissen über den Input des Agenten und möchte seinen Teil des Risikos vermindern. Um solche Situationen zu modellieren, treffen wir drei wesentliche Annahmen: 7
1. Der Agent ist anstrengungsscheu; solange er aufgrund seines Inputs bezahlt wird, minimiert er seine Anstrengung.
2. Der Agent ist risikoscheu; beispielsweise will er auch bei einem Nulloutput entschädigt werden, da er sich ansonsten gegen für ihn unkontrollierbare Einflüsse nicht absichern könnte.
3. Die Vertragsparteien können die Entschädigung nicht aufgrund der Anstrengung festlegen, da diese nur unter enormen Überwachungskosten oder gar nicht messbar ist. In diesem Sinne kann ein sportliches Turnier oftmals als eine Prinzipal-Agent Situation interpretiert werden, indem der Veranstalter (Prinzipal) vom Sportler (Agent) eine maximale Anstrengung verlangt, ohne die Bemühung des Sportlers exakt messen zu können. Die asymmetrische Information besteht demnach darin, dass der Veranstalter eines Turniers nur unvollständig über die Leistungsbereitschaft des Athleten informiert ist, diesen aber mittels Anreizen zur maximalen Leistungsfähigkeit treiben möchte. 8 Gelingt dies, dann wurde die Informationsrente des Agenten - und infolgedessen das Risiko des Prinzipals - bedeutend reduziert. 9 Typischerweise kommt man nach solchen Analysen zum Schluss, dass eine stärkere Bindung der Entlohnung an den Output zwar die Motivation des Sportlers erhöht, ihn aber einem höhe-
6 Vgl.Varian, 1999, 653ff.
7 Vgl. Baron/Kreps, 1999, 247ff.
8 Vgl. Frick, 1998, 116.
9 Vgl. Frick, 2003, 2.
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ren Risiko aussetzt. Diese Ineffizienz erhöht sich umso mehr, je grösser die unkontrollierbaren Einflüsse sind. 10
2.2 Basiswerk der Turniertheorie von Lazear/Rosen (1981)
Mit dem Paper „Rank-Order Tournaments as Optimum Labor Contracts“ (1981), veröffentlicht im Journal of Political Economy, legten die beiden Ökonomen Edward P. Lazear und Sherwin Rosen den Grundstein zur Turniertheorie. Dabei analysieren sie Lohnsysteme, welche aufgrund des individuellen Rangs und nicht entsprechend der Höhe des absoluten Outputs vergüten, was unter anderem unkontrollierbare Einflüsse neutralisiert. Die Theorie basiert zwar auf Erfahrungen in Organisationen, kann aber gut auf sportliche Wettbewerbe wie Golf, Marathon oder Autorennen angewendet werden, da gerade diese ranggeordnet sind. Infolgedessen werden hier die wichtigsten Punkte des Papers von Lazear/Rosen (1981) zusammengefasst:
E Vorzugsweise werden Arbeiter gemäss ihrer Grenzproduktivität entlohnt, womit in der Gegenwart günstiger und verlässlicher Leistungsüberwachung inputabhängige periodische Löhne am effizientesten sind und das Risiko vom Arbeitnehmer getragen wird. Da eine derartige Überwachung nicht immer möglich ist, drängen sich alternative Anreizsysteme auf, um Drückebergerei zu verhindern. Die Autoren vergleichen dabei klassische Stücklöhne mit der Turnierentlohnung, wobei entscheidend ist, ob die Effizienzgewinne auf-grund der outputorientierten Entlohnung die Verluste der Risikoteilung überwiegen mögen oder nicht. Ranggeordnete Entschädigungssysteme vermögen unter gewissen Bedingungen die Kosten der Outputmessung zu senken und die Risikoverteilung positiv zu beeinflussen.
E Obwohl Turniere und Stücklöhne durchaus unterschiedliche Einrichtungen zur Generierung von Anreizen sind, beweisen die beiden Autoren, dass unter der Annahme risikoneutraler Arbeiter beide Systeme eine pareto-optimale Allokation erreichen. Im praktischen Einsatz wird man allerdings feststellen, dass die Kosten der Messung in den beiden Systemen wesentlich variieren können. Wenn es billiger ist, den Rang eines Teilnehmers zu messen (Ordinalskala) als dessen absoluten Output (Kardinalskala), so dominiert die Turnierentlohnung den Stücklohn. In diesem Fall werden die Löhne insofern Prämien ähneln, als dass sie vom realisierten Grenzprodukt abweichen. Andererseits ist bei einfach
10 Vgl. Baron/Kreps, 1999, 277f.
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Arbeit zitieren:
lic. rer. pol. Yves Grüninger, 2004, Turnierentlohnung und Anstrengung der Sportler - Golf und andere Beispiele, München, GRIN Verlag GmbH
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