Gliederung
1. Einleitung
2.1 Zwei stark differenzierende Attributionsstile
2.2 Das “starke“ und das “schwache“ Geschlecht
2.3 Wider geschlechtsdiskriminierender Einschätzungen
3. Schluss
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Auch in unserer heutigen Zeit trägt die Schule durch Lernziele, Lerninhalte und natürlich durch das Verhalten der Lehrkräfte dazu bei, Geschlechterstereotype und Rollenklischees weiter zu verfestigen. Das nach außen hin scheinbar egalitäre Schulsystem mit seinem koedukativen Unterricht konnte die Diskriminierung der Frauen bis heute nicht gänzlich überwinden. Dieses Phänomen der Ungleichheit zwischen eigentlich Gleichen lässt sich auch an den Selbstkonzepten von Jungen und Mädchen verdeutlichen.
So differenzieren die Selbsteinschätzungen schulischer Leistungen bei Schülerinnen und Schülern ganz erheblich von einander. Dies hängt eng mit den unterschiedlichen Attributionsstilen der beiden Geschlechter zusammen.
Doch die negative Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit kann sich gerade bei Mädchen im Schulalltag und im späteren Berufsleben sehr ungünstig auswirken. „Es ist inzwischen ein bekanntes Phänomen, daß Frauen in vielen Berufszweigen (Banken, Dienstleistungen, Handel, Nahrungsindustrie) auf der unteren Hierarchieebene mit ca. 30-40 % vertreten sind, für die obere Hierarchieebene jedoch die “5 % Schallmauer“ als fast unüberwindbar gilt“ 1 .
Um so gravierender ist es hierbei, dass bereits in der Grundschule die Weichen für eine männliche oder weibliche Sozialisation bereits gestellt zu sein scheinen. In der vorliegenden Ausarbeitung möchte ich daher auf dieses Phänomen weiter eingehen. Dabei soll vor Allem die Frage nach den unterschiedlichen Attributionsstilen, aber auch deren Auswirkung auf den Unterricht kritisch reflektiert werden. Bei dieser Betrachtung werden immer wieder die Geschlechterstereotypen herangezogen, um das Gesamtbild auch aus der Situation der Lehrkräfte, die ja schließlich auch die Sozialisation durch Eltern und Umfeld durchlaufen haben, zu berücksichtigen. Nic ht um sie zu entschuldigen, sondern lediglich um Verständnis für Verhaltensweisen aufzubringen.
Sicherlich erwartet man von einer Ausarbeitung über Gleichberechtigung und Geschlechterstereotypen eine besonders sensible Sprachwahl, die keines der Geschlechter bevorzugt oder benachteiligt. Allerdings empfinde ich die Schreibung von weiblichen und männlichen Formen als störend in Bezug auf den Lesefluss. Daher werde ich die maskuline Schreibung verwenden, und lediglich an Stellen, an denen ein Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht bzw. verdeutlicht werden soll, beide Formen verwenden.
1 Zitiert nach: Rustemeyer, Ruth. (Selbst-)Einschätzung schulischer Leistungen bei (SchülerInnen/)LehrerInnen und deren Auswirkungen im Unterricht. 1993. S.161
4
2.1 Zwei stark differenzierende Attributionsstile
Mittels der Attributionstheorie versucht man den Vorgang zu erfassen, mit dessen Hilfe sich der Alltagsmensch eigenes oder fremdes Verhalten erklärt 2 . Wichtige und häufig genannte Faktoren sind dabei Begabung, Anstrengung, Aufgabenschwierigkeit und Zufall. Unter diese Verhaltensschemata fallen auch die Leistungseinschätzungen von Jungen und Mädchen in der Schule, mit denen hier weitestgehend gearbeitet wird. In mehreren Untersuchungen 3 wurde herausgefunden, dass sich Mädchen und Jungen hinsichtlich ihrer Attributionsmuster deutlich von einander unterscheiden. So erklären Männer ihre Erfolge häufig stärker an internalen/ stabilen Ursachen wie Fähigkeit und Begabung, während sie Misserfolge eher auf eine externale Ursache wie Pech oder eine internal/ variable wie mangelnde Anstrengung zurückführen.
Frauen dagegen verwenden für Erfolge oftmals externale oder internal/ variable Ursachen wie Aufgabenschwierigkeit, Glück oder Anstrengung und machen internal/ stabile Ursachen (wie mangelnde Begabung) für Misserfolge verantwortlich. Allein aus diesen Zuschreibungen für die eigene Leistungseinschätzung manifestiert sich bereits das geschlechtsspezifisch unterschiedliche Verhalten von Jungen und Mädchen, wenngleich auch in der Wissenschaft diese Annahmen nicht gänzlich unumstritten sind, ergeben sich daraus doch weitere Aspekte. So sind etwa Mädchen und Jungen ganz unterschiedlich zuversichtlich, wenn es um die Einschätzung zukünftiger Leistungen geht. Auffällig hierbei ist, dass Mädchen bereits in Vorschulalter dazu neigen, ihr Leistungsniveau, gemessen an den tatsächlichen Leistungen zu unterschätzen, während Jungen sich in der Regel eher überschätzen 4 . Dies variiert von Unterrichtsfach zu Unterrichtsfach. Am deutlichsten ist der Erwartungsunterschied zwischen Frauen und Männern bei Aufgaben, die typischerweise eher als “männliche“ Aufgaben/ Bereiche definiert sind. Auch hier wurde in Untersuchungen die Hypothese bestätigt, dass „offenbar männliche und weibliche Personen sogenannte ´maskuline` Aufgaben/ Tätigkeiten subjektiv als schwerer einschätzen im Vergleich zu ´femininen` Aufgaben, d. h. es wird unterstellt, zur erfolgreichen Bewältigung ´maskuliner` Aufgaben benötige man ein höheres Maß an Anstrengung und / oder Fähigkeit“ 5 .
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Vgl. Rustemeyer, Ruth. (Selbst-)Einschätzung schulischer Leistungen bei (SchülerInnen/)LehrerInnen und deren Auswirkungen im Unterricht. 1993. S.162
3 Vgl. Tiedemann, J./ Faber, G. Mädchen im Mathematikunterricht. In: Zeitschrift f. Entwicklungspsychologie u. Pädagogische Psychologie, 27 (1). 1995 .S.63
4 Vgl. Rustemeyer, Ruth. (Selbst-)Einschätzung schulischer Leistungen bei (SchülerInnen/)LehrerInnen und deren Auswirkungen im Unterricht. 1993. S.162
5 Zitiert nach: Rustemeyer, Ruth. (Selbst-)Einschätzung schulischer Leistungen bei (SchülerInnen/)LehrerInnen und deren Auswirkungen im Unterricht. 1993. S.162
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Arbeit zitieren:
Timo Mauelshagen, 2004, Koedukation - Unterschiedliche Attributionsmuster von Jungen und Mädchen im Schulunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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