Inhalt
1. Einleitung
2. Die geisteswissenschaftliche Pädagogik
3. Definition: Didaktisches Modell
4. Definition: Bildung
5. Wolfgang Klafki
6. Das Grundproblem: Die Frage nach dem Bildungsgehalt
7. Didaktische Analyse: Entstehungs- und Wirkungsgeschichte
7.1. Der Urtext
7.2. Die Neufassung
8. Strukturmodell der Bildungstheoretischen Didaktik: Die didaktische
Analyse
9. Die fünf Grundfragen
9.1. Exemplarische Bedeutung des Inhaltes
9.2. Gegenwartsbedeutung
9.3. Zukunftsbedeutung
9.4. Struktur des Inhalts
9.5. Unterrichtliche Zugänglichkeit
10. Kritik
11. Zur Aktualität der didaktischen Analyse
12. Literatur
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1. Einleitung
Obwohl die bildungstheoretische Didaktik und ihr zentrales Element, die didaktische Analyse, eine der ältesten „gängigen“ Didaktiken ist und dar- über hinaus Ende der sechziger /Anfang der siebziger Jahre massiv von Vertretern anderer Erziehungs- und Bildungstheorien kritisiert wurde, hat sie im Laufe der Zeit kaum an Aktualität verloren.
Noch heute sind die fünf Grundfragen der didaktischen Analyse nach Klafki Standart für die sorgfältige und fundierte Planung von Unterricht. Wie aber ist es möglich, dass die didaktische Analyse nach wie vor die am häufigsten genutzte Hilfe zur Unterrichtsplanung ist, obwohl der bil- dungstheoretische Ansatz in den siebziger Jahren bereits für nicht weiter- führenswert erklärt wurde ?
Neben einem Überblick über die bildungstheoretische Didaktik und des- sen Strukturmodell für die Unterrichtsplanung, der didaktischen Analyse, soll dieser Frage im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden.
2. Die geisteswissenschaftliche Pädagogik
Die Ansätze der geisteswissenschaftlichen Pädagogik wurden nach dem ersten Weltkrieg entwickelt, und reichen, unterbrochen durch die Zeit des Nationalsozialismus, bis in die sechziger Jahre hinein. Nach einer Phase der Kritik gewinnen die wichtigsten Inhalte auch heute wieder an Bedeu- tung.
Einer der Urväter war Wilhelm Dilthey (1833-1911), dessen Philosophie dieser Richtung der Pädagogik zugrunde liegt. Für Dilthey war das Ver- stehen des Sinnes und der Bedeutung des menschlichen Handelns von wesentlicher Bedeutung. `Die Natur erklären wir, das Seelenleben ver- stehen wir` (GUDJOHNS, S.31).
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Die zentralen Elemente der geisteswissenschaftlichen Pädagogik lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Der Mensch rückt ,,als wollender, fühlender und handelnder in all seinen Lebensbezügen in den Mittelpunkt [...]."(GUDJOHNS, S.31). Die Lebensphilosophie ist in der geisteswissenschaftlichen Pädagogik von elementarer Bedeutung, denn das ,,Leben meint immer auch das ur- sprüngliche und lebendige Leben im Gegensatz zu den erstarrten, des Leben behindernden Formen des begrifflichen Denkens"(GUDJOHNS, S.31).
Die Erziehungswirklichkeit wird sozusagen zu einem Text, ,,der auf seine Sinngehalte hin zu befragen ist und auf mögliche Sollensgehalte für er- zieherisches Tun auszulegen ist."(GUDJOHNS, S.31).
Diese zentralen Punkte beeinflussten viele bedeutende Erziehungswis- senschaftler des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem aber Herman Nohl (1879 - 1960), Theodor Litt (1880-1962), Eduard Spranger (1882 - 1963), Wilhelm Flitner (1889-1990), und Erich Weniger (1894-1961). Bis in die sechziger Jahre hinein war diese wissenschaftliche Position die vorherrschende in der Pädagogik der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem Aufkommen der empirischen Methoden in den Wissenschaften ver- lor die Geisteswissenschaftliche Erziehungswissenschaft jedoch an Be- deutung. Damals fand die so genannte ,,realistische Wende" (Gudjohns, S.34) statt; sie bezeichnet das Vordringen der empirischen Methoden in den Bereich in die Erziehungswissenschaften.
Ein weiterer Grund für die schwindende Bedeutung war die aufkommen- de ,,allgemeine sozialwissenschaftliche Orientierung“ der Pädagogik.
3. Definition: Didaktisches Modell
Ein didaktisches Modell ist ein erziehungswissenschaftliches Theoriege- bäude, welches der Analyse und Modellierung didaktischen Handelns in schulischen und nicht schulischen Handlungszusammenhängen dient. Ferner stellt es den Anspruch, theoretisch umfassend und praktisch fol-
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genreich die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen des Lehrens und Lernens aufzuklären. Ein didaktisches Modell wird in seinem Theo- riekern in der Regel einer wissenschaftstheoretischen Position (manch- mal auch mehreren) zugeordnet. (vgl. Jank/Meyer, S. 92). Das didaktische Modell, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt, die bil- dungstheoretische Didaktik, wird der geisteswissenschaftlichen Pädago- gik zugeordnet.
4. Definition: Bildung
Wie der Begriff bildungstheoretische Didaktik bereits aussagt, beschäftigt sich dieses didaktische Modell damit, ein Konzept zur Unterrichtsvorbe- reitung auf der Grundlage einer Theorie der Bildung zu entwickeln. (vgl. Jank/Meyer, S.137). Daher ist es für das Verständnis des Modells von Bedeutung, den Begriff Bildung aus Sicht der Bildungstheoretiker zu klä- ren.
Wolfgang Klafki, der Begründer der bildungstheoretischen Didaktik, be- schreibt als implizite Leitfrage der klassischen Bildungstheorien folgende Frage:
„Mit welchen Inhalten und Gegenständen müssen sich junge Menschen auseinandersetzen, um zu einem selbstbestimmten und vernunftgeleite- ten Leben in Menschlichkeit, in gegenseitiger Anerkennung und Gerech- tigkeit, in Freiheit, Glück und Selbsterfüllung zu kommen?“ Laut Klafki weisen alle großen Bildungstheorien (von Wilhelm von Hum- boldt, Johann Friedrich Pestalozzi, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher oder Johann Friedrich Herbart) vier gemeinsame Charakteristika auf:
1. Bildung zielt auf die Befähigung zu vernünftiger Selbstbestimmung.
Selbsttätigkeit war somit auch für die „Klassiker“ schon ein zentra- les Merkmal des Bildungsprozesses, da jeder seinen eigenen Weg zu vernünftiger Selbstbestimmung finden muss. Begriffe wie Selbstbestimmung, Freiheit, Autonomie, Mündigkeit und Vernunft
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Katarina Michaele Raker, 2002, Die bildungstheoretische Didaktik: Entstehung, Kritik, Aktualität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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