Universität des Saarlandes, FR 3.1 Philosophie
Grundvorlesung: Sprachphilosophie
1. Semester
Edward Sapirs "Sprache" - Kapitel 5
von: Benjamin Baum
- Inhalt -
1. Edward Sapir und die Sprache
1.1 Leben und Werk -2-
1.2 Das Kapitel „Form und Sprache: Grammatische Begriffe“ -3-
1.4 Die grammatischen Formenkategorien -6-
2. Was braucht die Sprache?
2.1 Die unentbehrlichen Sprachbegriffe -8-
2.2 Entbehrliche Sprachbegriffe -9-
3. Zu Form und Funktion
3.1 Drei Gründe für den Vorrang der Form vor der Funktion -11-
4. Sapirs neue Begriffstafel
4.1 Die vier neuen Kategorien -13-
4.2 Die Abstufung der Anschaulichkeit -15-
5. Literaturangaben
1. Edward Sapir und die Sprache
1.1 Leben und Werk
Die Theorie vom sprachlichen Drift, die Sapir´sche Sprachtypologie – und natürlich die Sapir-Whorf-Hypothese über das Verhältnis von Sprache und Denken: das sind die Schlagworte, die man aus heutiger Sicht mit dem Sprachwissenschaftler Edward Sapir in Verbindung bringt. Sie haben ihm einen festen Platz in der Riege jener Linguisten eingebracht, die durch neuartige Hypothesen und ungewohnte Denkansätze die Geschichte ihrer Wissenschaft wesentlich mit bestimmt haben. Geboren wurde Sapir am 26. Januar 1884 in Lauenburg, Pommern. Nachdem er 1889 zusammen mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten emigriert war, studierte er ab 1901 an der Columbia University in New York zunächst Deutsche Philologie und Indogermanistik. 1905 schloss er sein Germanistikstudium mit einer Arbeit über Herders „Theorie des Ursprungs der Sprache“ ab. Anschließend studierte er Anthropologie. Im Jahre 1909 folgte nach verschiedenen Forschungstätigkeiten in Washington, Berkeley, Philadelphia und Oregon die Promotion über die Grammatik einer Indianersprache namens Takelma. Ein Jahr später wurde Sapir als Leiter der Division of Anthropology ans National Museum nach Ottawa berufen. Hier beschäftigte er sich neben dem Nootka und der Na-Dene-Sprachen auch mit der Poesie. Insgesamt zeichnete Sapir 39 Indianersprachen auf, schlug 1921 die erste Gesamtgliederung der nordamerikanischen Indianersprachen vor. Bei seiner stets interdisziplinären Arbeit verband er Feldforschung mit theoretischer Linguistik, Anthropologie mit Sprachwissenschaft.
Im Jahre 1925 folgte Sapir einem Ruf aus Chicago, wo er eine Professorenstelle am Department of Sociology and Anthropology annahm. Hier gründete er zusammen mit anderen Sprachwissenschaftlern die Language - das Organ der Linguistic Society of America. 1931 schließlich wechselte Sapir zur Yale University, New Haven, wo er als Professor für Anthropologie und Linguistik die erste dortige School of Linguistic gründete. Am 4. Februar 1939 erlag Sapir seinem zweiten Herzanfall. Sapirs linguistisches Hauptwerk Sprache - Eine Einführung in das Wesen der Sprache - zugleich sein einziges abgeschlossenes Buch - stellt noch heute einen geschätzten und viel zitierten Fundus einflussreicher Theorien und Hypothesen innerhalb der Sprachwissenschaft sowie des amerikanischen Strukturalismus dar. Sapirs Theorie der sprachlichen Relativität sieht jede Sprache in engem Zusammenhang mit Geisteswelt und Kultur der betreffenden Sprachgemeinschaft. Große Wirkung entfalten bis heute Sapirs Sprachtypologie und insbesondere seine Lehre von den grammatischen Begriffen, die er im fünften Kapitel seines Hauptwerks präsentiert.
1.2 Das Kapitel „Form und Sprache: Grammatische Begriffe“
Sapir stellt im fünften Kapitel seines Hauptwerks Sprache die - wie er es nennt - „Welt der Begriffe“ dar, „[…] insoweit sie in der Struktur der Sprache zum Ausdruck kommt […]“. Zur Verdeutlichung der verschiedenen Arten von Begriffen betrachtet er zunächst einen recht einfachen Satz in englischer Sprache: the farmer kills the duckling („Der Farmer tötet das Entlein“). Aus diesem Satz ragen drei Grundbegriffe heraus: der des Farmers als Subjekt bzw. Satzgegenstand, der des Tötens als Erklärung der Art der Tätigkeit, über die der Satz Aufschluss gibt und der des Entleins (duckling) als eines Gegenstandes im Satz, „[…] der bei dieser Tätigkeit eine wichtige, wenn auch passive Rolle spielt […].“ Unter genauerer Betrachtung dieser einzelnen Grundbegriffe arbeitet Sapir heraus, dass „keine Sprache jede einzelne anschauliche Vorstellung durch ein selbständiges Wort oder ein Wurzelelement ausdrücken“ könne. „Die Möglichkeiten der anschaulichen Erfahrungswelt sind unerschöpflich, die Mittel aber selbst der reichsten Sprache sind eng begrenzt“.
[...]
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Benjamin Baum, 2004, Edward Sapirs "Sprache" - Kapitel 5, Munich, GRIN Publishing GmbH
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