VICTOR TURNERS SYMBOLTHEORETISCHER ANSATZ ALS
BEITRAG ZUR RITUALANALYSE
1.) Ritualanalyse in der Ethnologie, verschiedene Ansätze 3
2.) Der Ansatz Victor Turners in der Ritualanalyse 4
2.1.) Turners theoretische Orientierung, Anfänge 4
2.2.) Definitionen, darauf aufbauende Thesen. 5
3.) Victor Turners Konzept des Liminalen in: 6
-Betwixt and between: The liminal period in Rites de Passage. 1967. In: V. Turner. 6
-The forest of symbols. Aspects of Ndembu ritual. Ithaca. 6
Kap. IV. 6
3.1.) Ausgangsmodell, Absichten Turners. 6
3.2.) Symbolkomplexe, Interpretation. 7
3.3.) Weiterführende Aussagen, Anmerkungen. 10
4.) Turners Einfluss auf die ethnologische Forschung, Kritik 12
LITERATUR : 16
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1.) Ritualanalyse in der Ethnologie, verschiedene Ansätze
Die Analyse von Ritualen, deren Bedeutung (insbesondere im Zusammenhang mit kulturellen Werten), ist als 'klassisches Thema' der Ethnologie von unterschiedlichen theoretischen Ansätzen her behandelt worden. Dies bedingt Unterschiede in der Interpretation, die beispielsweise, als Versuch einer Zusammenführung der Erkenntnisse, in die Definition von Alexander (1997: 139) einfließen: "Ritual defined in the most general and basic terms is a performance, planned or improvised, that effects a transition from everyday life to an alternative context within which the everyday is transformed".
Hervorzuheben sind hierin der Performance-Aspekt (der zusätzlich zum 'inhaltlichen Gebrauch' von rituellen Texten berücksichtigt werden muss), der Raum für Improvisation (der Aspekt, dass Rituale in unterschiedlichem Maße fest- oder nicht festgelegt sind), sowie die betonte Unterscheidung des Rituellen vom Alltäglichen (über eine Trennung in zwei Sphären hinaus einen Wandel des Alltäglichen bewirkend).
Ferner auffallend in o.g. Definition ist: das Auslassen des häufig vorzufindenden (nach früheren Definitionen unabdingbaren) religiösen Kontextes -eines zentralen Streitpunktes vergangener Debatten.
Welche Schwierigkeiten allein die Definition des Untersuchungsgegenstandes bereitet, zeigt auch Lewis (1980: 6), wenn er konstatieren muss: "The attempt to set ritual apart from other kinds of activity and define a clear boundary round it, was not gained general support".
Gleichwohl hatte bereits Van Gennep zu Anfang des Jahrhunderts (1960 (1908): 9) systematische Anstrengungen (hier: innerhalb der Kategorie) zur Klärung von 'ritual', bzw. 'rite', unternommen:
"...a single rite may fall simultanously into four categories. When their four opposites are eliminated, there remain sixteen possible ways of classifying any given rite..." Zur Entwicklung: Nach Van Genneps Ausführungen (auf dessen Modell eines Ritualablaufs -siehe 3.1.- Turners hier ausführlich behandelter Artikel fußt) waren in der Ritualanalyse für geraume Zeit funktionalistische Gedankengänge bestimmend gewesen, darin der strukturfunktionalistische Ansatz. Als bekannte Vertreter seien Durkheim und Radcliffe-Brown genannt -als Kerngedanke die 'Funktion' des Rituals für die 'Struktur' einer Ethnie: Stärkung des Zusammenhalts.
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Selbst der funktionalistischen Schule entstammend, hatte sich Victor Turner bald von deren Grundannahmen gelöst. Dazu Alexander (s.o.: 149):
"Turner rejects the argument of classical 'functionalist' theorists... that ritual is strictly an instrument of social cohesion and social continuity, or stasis. And he rejects the functionalist argument that ritual maintains cohesion by reaffirming the socialstructural differentiation on which the existing social order is based". Turners Arbeiten -hier (eingeschlossen: Geertz) 'symboltheoretischer' Ansatz genannt- und, inwiefern sie der ethnologischen Forschung in der Ritualanalyse neue Erkenntnisse bereitet haben, ist im Folgenden Gegenstand dieser Hausarbeit. Als weitere (z.T. zeitlich nachfolgende) Ansätze sollen an dieser Stelle (Näheres, Turners Einfluss betreffend: Teil 4) der (symboltheoretisch-)strukturalistische Ansatz, die Performance-Theorie (siehe: in o.g. Definition von 'ritual' eingegangene Gedanken), sowie die kognitive und die sprachpragmatische Analyse genannt sein.
2.) Der Ansatz Victor Turners in der Ritualanalyse
2.1.) Turners theoretische Orientierung, Anfänge
Turner, der bald feststellen musste, an die
"present limits of competence of anthropological explanation" (1964: 35) gestoßen zu sein, beschäftigte sich bereits als Funktionalist mit Fragen des sozialen Wandels -welche mit den Erklärungen dieser theoretischen Orientierung nur unzureichend beantwortet wurden. Nach Alexander (1997: 149) erkannte Turner in Ritualen, bis dahin Kraft des 'Bewahrens' in der Ethnologie, die entgegengesetzte Wirkung:
"He has called attention to ritual's capacity to bring into existence radically new, even unforeseen, images, ideas, values, ideals, and social arrangements. And he has shown that ritual has the capacity through these innovations to challenge and even subvert existing cultural ideas and social arrangements, moving society and culture in a totally new direction".
Wie folgend beschrieben, entwickelte sich im Zusammenhang mit dieser Erkenntnis ein neuer Ansatz in der Ritualanalyse, der sich textlich z.T. weiterhin mit dem Funktionalismus, wie auch mit dem zeitgenössisch auftretenden Strukturalismus,
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auseinandersetzte (meist in abgrenzender Weise, gelegentlich auch deren Erkenntnisse einbeziehend).
2.2.) Definitionen, darauf aufbauende Thesen
In "Symbols in Ndembu Ritual" (1964: 20) (einem als zentral angesehenen Text) gab Turner seine zugrundegelegten Definitionen:
"By ritual I mean prescribed formal behaviour for occasions not given over to technological routine, having reference to beliefs in mystical beings or powers. The symbol is the smallest unit of ritual which still retains the specific properties of ritual behaviour; it is the ultimate unit of specific structure in a ritual context". Man beachte, einerseits, die von Turner noch vorgenommene Erwähnung des religiösen Kontextes (vgl. Teil 1); Ausgangspunkt für weitere Überlegungen, andererseits, ist das Heranziehen von Symbolen, die innerhalb seiner Symbolinterpretation, des symboltheoretischen Ansatzes, die entscheidende Rolle spielen. Turners weitere Überlegungen (zu einem größeren Teil anhand von Beispielen aus der von ihm untersuchten Ethnie der Ndembu, Sambia) kreisen demzufolge um die Entschlüsselung angewandter Symbole.
Hierbei finden z.T. -über die Aussagen seiner Informanten hinaus- Erkenntnisse der Tiefenpsychologie (C.G. Jung -dessen Konzept eines Kollektiven Unterbewusstseins Turner als Hintergrund ritueller Symbole jedoch nicht zustimmt) Anwendung. Im Sinne einer Abstraktion auf mehreren Ebenen heisst es bei Turner: "Some of the meanings of important symbols may themselves be symbols". (1964: 23)
Dass die Interpretation 'an sich', als über die Aussagen der Informanten hinausgehendes Unterfangen, Konfliktstoff birgt, ist Turner bewusst, wenn z.B. in der emischen Sicht einem Milch-Baum nur die "linking and unifying aspects" (In: s.o.: 27) zugesprochen werden, und er, Turner, dennoch aus dem Verhalten seiner Informanten "in action situations" auf davon (von den ihm gegebenen Auskünften) abweichende Bedeutungen schließt. Gleichwohl sollen die verschiedenartigen Interpretationen -inclusive voneinander abweichender emischer Spezialisten- und Laien-Perspektive- gleichwertige Komponenten darstellen; methodisch ist es Turner
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Arbeit zitieren:
Christian Breuer, 1998, Victor Turners symboltheoretischer Ansatz als Beitrag zur Ritualanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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