Ludwig-Maximilians-Universität München
Katholisch-Theologische Fakultät, Lehrstuhl für Moraltheologie
Seminar: Mein Schicksal. Das Interesse an der Biographie des anderen
Heilige und Heiligsprechung
von: Timo Grünbacher
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
Heilige und Heiligsprechung im Wandel der Geschichte 5
Die ersten Anfänge 5
Fehlentwicklungen der Heiligenverehrung 6
Beginn der Kanonisation im späten Mittelalter 7
Der Prozess der Heiligsprechung 9
Unterschied zwischen „selig“ und „heilig“ 9
Beteiligte Personen 9
a) Der Antragsteller (Actor) 9
b) Der Postulator 9
Der Verlauf der Prozessführung 10
a) Präjudiziale Phase 10
b) Informative Phase 11
c) Römische Phase 11
d) Heiligsprechung 13
Zwei ausgewählte Biographien 14
a) Johannes Maria Vianney, der Pfarrer von Ars 14
b) Bruder Klaus von der Flüe 15
Literaturverzeichnis 17
Einleitung
Die Lektüre eines Heiligenlexikons provoziert beim religiösen Leser ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits ein bewunderndes Erstaunen über eine Spezies Mensch, die der des Lesers kaum mehr gleicht; andererseits die schmerzliche Erkenntnis, dass das eigene Leben so weit vom Ideal entfernt ist. Der Heilige stellt also mit seinem vorbildlichen Leben alles andere in den Schatten. In genau diese Zwiespältigkeit formulierte im Jahr 2000 Papst Johannes Paul II. seine Botschaft zum 15. Weltjugendtag in Rom: „Jugendliche aller Kontinente, habt keine Angst, die Heiligen des neuen Jahrtausends zu sein!“1 Der Papst weiß um die Schwierigkeit, diese Aussage ernst zu nehmen: „Ist es heute überhaupt möglich, heilig zu sein? Wenn man nur auf die menschlichen Fähigkeiten zählen wollte, würde diese Aufgabe zu Recht unmöglich erscheinen. Eure Erfolge und Niederlagen sind euch ja bekannt. Ihr wisst, welche Bürden auf dem Menschen lasten, welche Gefahren ihm drohen und welche Folgen seine Sünden haben. Manchmal könnte man den Mut verlieren und meinen, es sei unmöglich, in der Welt oder bei sich selbst etwas zu verändern.“2
Und trotzdem schenkt dieser Papst den Jugendlichen der Welt das Vertrauen, dass gerade sie, in dieser modernen, schwierigen Welt heilig werden können. Der Begriff „Heilige“ ist vielfältig. Wenn Papst Johannes Paul II. dazu auffordert, Heilige zu werden, dann erwartet er von den Jugendlichen nicht, dass sie ein so legendäres Leben führen, wie uns von den Heiligen berichtet wird. Vielmehr geht es um das Streben nach Heiligkeit in den ganz alltäglichen und kleinen Dingen, denn zur Heiligmäßigkeit ist jeder berufen, wie es im ersten Petrusbrief heißt: „Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden.“ (1. Petr 1,15) In dieser Seminararbeit möchte ich Einblick geben in das Leben der Heiligen, über die uns das Heiligenlexikon berichtet. Ich möchte herausstellen, wie sich der Begriff „Heilige“ und deren Heiligsprechung im Laufe der Jahrhunderte verändert hat, und wie die Heiligsprechung, also die Kanonisation, heute vollzogen wird.
Am Ende stehen die Biographien des Pfarrers von Ars und des Bruders Klaus von der Flüe. Sie sollen trotz ihrer Legendenhaftigkeit aufzeigen, dass diese Heilige trotzdem Menschen wie wir waren. Heilige und Heiligsprechung im Wandel der Geschichte Wenn die Kirche von Heiligen spricht, haben wir heute ein mehr oder weniger klares Verständnis, was die Kirche damit meint. Etwa: Heilige sind herausragende Persönlichkeiten des Glaubens, die von der Kirche amtlich in den Stand der Heiligkeit erhoben worden sind. Allerdings hat der Begriff „Heilige“ einen geschichtlichen Werdegang hinter sich, sodass unser heutiges Verständnis keineswegs mit dem Verständnis früherer Jahrhunderte übereinstimmt. Ein Blick in die Geschichte zeigt den Wandel der Heiligenverehrung auf.
Die ersten Anfänge
In der Apostelgeschichte erfahren wir vom Sterben des wohl ersten Heiligen der Kirche: Stephanus. Auch wenn die Authentizität dieses Berichtes angezweifelt werden kann, so erhalten wir doch Einblick in das Begriffsverständnis der Christen des Neuen Testaments. Lukas stellt das Sterben des Stephanus analog des Sterbens Jesu dar: angefangen bei der Verhaftung mit darauf folgender Verteidigungsrede seines Glaubens, der gewaltsame Tod und die noch im letzten Atemzug ausgesprochene Bitte an Gott um Verze ihung für seine Mörder, außerdem sein charismatisches Auftreten und die Beschreibung als Wundertäter und Prediger. Diese Form der Darstellung soll zeigen, dass Stephanus das Leiden und den Tod Jesu nachvollzieht, dass „die Geschichte Stephans (…) die Geschichte Christi in einem anderen Gewand“3 ist. Und genau das ist es, was ihn in der frühen Kirche zu einem Heiligen macht.
[...]
1 http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/messages/youth/documents/hf_jp-ii_mes_29061999_xv -world-youthday_ ge.html
2 Ebenda.
3 Woodward, Kenneth L., Die Helfer Gottes. Wie die katholische Kirche ihre Heiligen macht, München 1990, S. 61.
Arbeit zitieren:
Timo Grünbacher, 2004, Heilige und Heiligsprechung, München, GRIN Verlag GmbH
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