INHALTSVERZEICHNIS
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS
GLIEDERUNG
1. Einleitung. 2
2. Einordnung des „Bogengleichnisses“ in das Gesamtwerk des Parzival. 3
3. Interpretationsansätze der neueren Forschung. 4
3.1. Die Unmöglichkeit des slehten Erzählens ohne krümbe. 4
3.2. Die naturgemäße slehte der Erzählung. 6
3.3. Das Bogengleichnis als Zäsur. 9
3.4. Die biuge als Voraussetzung der slehte. 11
4. Fazit. 12
LITERATURVERZEICHNIS. 14
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1. Einleitung
Wolfram von Eschenbachs Parzival stellt innerhalb der mittelalterlichen Epen eines der herausragensten literarischen Werke dar. Voller mehrdeutiger Sinngehalte erschließt sich die Erzählung, auch auf Grund des anspruchsvollen sprachlichen Stils des Autors, nicht auf den ersten Blick. Innerhalb dieses Kunstwerks fallen immer wieder Passagen auf, wie der Prolog, die die Germanisten seit jeher zu verschiedensten Interpretationen anregen. Die meistdiskutierte Textstelle findet sich jedoch im Bogengleichnis wieder, zu dem unzählige Interpretationen erschienen sind. Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Interpretationsansätze geben und die verschiedenen Deutungen vergleichen. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen die Argumentationsstruktur innerhalb der ausgewählten Aufsätze nachzuvollziehen und die Ausführungen auf Schlüssigkeit zu überprüfen. Dabei soll immer wieder das Augenmerk auf dem mittelhochdeutschen Text liegen, wobei mir als Grundlage die Übersetzung nach Karl Lachmann diente. Die wichtigste Aufgabe bestand zunächst in der Auswahl der wichtigsten Interpretationsansätze. Ich habe mich dabei von zwei Kriterien leiten lassen. Als erstes war es mir wichtig diejenigen Interpretationen herauszustellen, die am „extremsten“ divergieren, zum Anderen spielte natürlich auch die Verfügbarkeit der Texte eine, wenn auch geringe Rolle, da zumindest in Berlin der größte Teil der Aufsätze verfügbar war.
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2. Einordnung des Bogengleichnisses in das Gesamtwerk des Parzival
Zunächst ausgehend von der rein numerischen Einteilung befindet sich das „Bogengleichnis“ in Wolframs Parzival im fünften Buch im 241. Dreißiger und steht somit am Ende des ersten Drittels des Gesamtwerkes.
Inhaltlich gesehen befindet sich das „Bogengleichnis“ als Einschub inmitten der 1. Parzivalhandlung. Nach vielen gefahrenreichen Kämpfen und Abenteuern gelangt Parzival endlich zur Gralsburg nach Munsalvaesche, wo er äußerst freundlich empfangen wird. Nach der ersten Begegnung mit dem Gralskönig und dem Gral selbst sowie einem außergewöhnlichen Festmahl auf der Gralsburg tragen die Jungfrauen den Gral wieder aus dem Saal heraus, wobei Parzival durch die nur kurz geöffnete Tür im Nebengemach auf einem Bett einen weißhaarigen Greis erblickt. Hier eröffnen sich dem Leser, der das Geschehen in diesem Moment aus der Perspektive der Zuhörerschaft Wolframs oder gar Parzivals selbst betrachtet 1 die Frage nach näheren Informationen zu diesem alten Mann. Doch an dieser Stelle schaltet sich Wolfram selbst in den weiteren Handlungsverlauf ein. Er mahnt an, dass diese Frage erst zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden kann. (Pz.241, 1-7)
Im Leser entsteht nun erst recht eine Neugier. Wolfram weiß dies nicht nur, sondern beabsichtigte diese Wirkung sogar. In diesem Zusammenhang rechtfertigt sich Wolfram anschließend für diese, für ihn so typische, Erzählweise. Anhand eines bîspels ,welches in der Forschung als Boge ngleichnis bezeichnet wird, veranschaulicht er seine Art des Erzählens. Dieses von ihm gewählte Gleichnis ist nur eines von vielen bîspeln die Wolfram im Verlauf seiner Erzählung einfügt. Neben dem „hakenschlagenden Erzählen“, einem Hasen gleich, wie Wolfram es im ersten Buch darstellt (Pz.1,18-20), vergleicht er auch das Symbol des Zweifels und der Unentschlossenheit mit den zwei Farben einer Elster. (Pz.1,1-15) Mit Hilfe dieser
1 Kern, Peter, Zur Reflexion über die Erzählweise im ,Parzival’ (2002), S.46
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zahlreichen Vergleiche findet nicht nur eine Rechtfertigung für die ihm eigene Erzähltechnik statt, sondern er versucht sich durch sie von anderen, durchaus auch konkurrierenden, Autoren seiner Zeit, wie etwa Gottfried von Strassburg abzugrenzen.
3. Interpretationsansätze der neueren Forschung
Im Folgenden möchte ich nun die wichtigsten Interpretationsansätze der neueren Forschung darlegen. Einige Ansätze unterscheiden sich nur in geringfügigen Übersetzungsvarianten, die allerdings gravierende Auswirkungen auf die Deutung des Gesagten haben. Im wesentlichen geht es im „Bogengleichnis“ um die Beziehung zwischen dem eigentlichen Bogen und der Sehne, die jeweils unterschiedliche Erzähltechniken symbolisieren. Der Bogen steht für krummes (krümbe) umständliches Erzählen und die Sehne entspricht dem geraden (slehten) Erzählen. Die Begriffe sleht und krump stehen in nahezu allen Deutungen im Mittelpunkt der Betrachtung.
Wolfram sagt nun, dass die gerade Erzählweise den Leuten mehr gefallen wird, da das krumme Erzählen den Zuhörer auf Umwege führt. (Pz.241,13-16)
Nun möchte ich einige Forschungsansätze zum „Bogengleichnis“ vorstellen.
3.1. Die Unmöglichkeit des slehten Erzählens ohne krümbe
Der wichtigste Vertreter dieses Interpretationsansatzes ist Thomas Rausch, der in seinem Aufsatz „Die Destruktion der Fiktion“ 2 versucht einen Funktionszusammenhang zwischen der bildhaften Sehne und dem Bogenstab he rzustellen.
In seiner Interpretation merkt Rausch zunächst an, das Wolfram eine Trennung zwischen lebensweltlicher Erfahrung und der Sprache vornimmt, indem er die Sehne des Bogens separat vom Bogenstab betrachtet, obwohl zwischen beiden in der Realität ein untrennbarer
2 Rauch, Th., Die Destruktion der Fiktion (2000), S.66f
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Arbeit zitieren:
Carsten Mogk, 2004, Das Bogengleichnis in Wolfram von Eschenbachs Parzival, München, GRIN Verlag GmbH
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