Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Aktueller Forschungsstand 5
3. Methodische Vorbemerkungen 8
3.1 Methodik. 8
3.2 Feldzugang. 10
3.3 Auswertung des Datenmaterials 11
4. Der 1. FC Kaiserslautern und die Einbindung des Vereins in die Stadt
Kaiserslautern und die umgebende Region 13
5. Fußball-Fankultur 19
6. Weibliche Fußballfans. 25
6.1 Allgemeine Vorbemerkungen. 25
6.2 Problematik bei der Charakterisierung und Abgrenzung der weiblichen
Fantypen. 26
7. Typologie weiblicher Fußballfans 28
7.1 Normalos. 28
7.2 Teenies 39
7.3 Fancluberinnen. 51
7.4 Fanatikerinnen 66
7.5 Einzelfall „Die Schweizerin“ 79
8. Differenzierung weiblicher und männlicher Fußballfans. 81
9. Schlußbetrachtung. 84
Anhang. 87
Leitfaden 87
Literaturverzeichnis 89
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1. Einleitung
„Am Anfang war nur der Ball. Als das runde Leder rollen lernte, gab es auf den Zuschauerrängen keine bengalischen Feuer, keine Fahnenschwenker, keine Trommler, keine Vereinshymnen und keine Haßgesänge. Es gab überhaupt keine Fans, nicht einmal Zuschauerränge. Denn zur Zeit des Volksfußballs, als man noch keine fest definierten Regeln oder Spielfelder kannte, existierte noch keine Trennung in Spieler und Zuschauer.“ 1 Seit dieser Zeit hat sich die Situation jedoch grundlegend verändert, gerade in den letzten Jahrzehnten rückte der Profi-Fußball mehr und mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Immer neue Besucherrekorde in den Fußballstadien der einzelnen Vereine gingen mit der Tatsache einher, daß sich auch die Zuschauerschaft in den letzten Jahren mehr und mehr veränderte. Zwar dominieren in den Fußballstadien noch immer die Männer, doch der Anteil der weiblichen Fans hat sich in der vergangenen Zeit immer mehr erhöht. Die wachsende Frauenquote in der Fangemeinde führt allerdings auch zu neuen Aspekten der Fußball-Fankultur, welche einer eingehenden Untersuchung bedürfen. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, wie die weiblichen Fußballanhänger ihr Fansein organisieren, ob beispielsweise spezifische Verhaltensweisen und Erlebnismodi oder eventuell sogar charakteristische Arten der Auseinandersetzung mit dem Spiel und dem Umfeld des Vereins bestehen.
Das sich an diese Einleitung anschließende zweite Kapitel vermittelt zunächst eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand auf dem Themengebiet der weiblichen Fußballfans. Dabei wird sehr schnell deutlich, daß die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Forschungsgegenstand kaum ausgeprägt ist. Im Gegensatz zu den männlichen Fußballfans und zu ihrer Präsenz im Stadion sind die Frauen in der Literatur nur sehr spärlich vertreten. Nachfolgend wird im dritten Punkt die methodische Vorgehensweise bei dieser Untersuchung dargestellt, welche vor allen Dingen durch das problemzentrierte Interview, als einer Sonderform des qualitativen Interviews, geprägt ist. Weiterhin werden in diesem Zusammenhang die diversen Arten des Feldzugangs und die Vorgehensweise bei der Datenauswertung veranschaulicht.
1 Schulze-Marmeling, D. 1 : Vom Spieler zum Fan. Kleine Geschichte der Fußballfans. In: Schulze-Marmeling, D. (Hrsg.): „Holt Euch das Spiel zurück“: Fans und Fußball. Göttingen, 1995, S. 11.
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Der vierte Gliederungspunkt schildert die besondere Situation des Fußballclubs 1. FC Kaiserslautern, aus dessen Umfeld die befragten weiblichen Fans stammen, und die Einbindung dieses Traditionsvereins in die Stadt Kaiserslautern und die umgebende Region. Die bestehende Verbundenheit des Vereins und der Menschen eines ganzen Gebiets wird dabei unter Beachtung der Begriffe ‚Heimat‘ und ‚Ortsbezogenheit‘ erörtert.
In Kapitel fünf werden einige generelle Aspekte und Details der Fußball-Fankultur, wie beispielsweise äußere Erkennungszeichen und charakteristische Rituale der Fangemeinde, näher dargestellt. Außerdem beschäftigt sich dieser Abschnitt mit einer spezifischen Art der Ausdifferenzierung der allgemeinen Fanszene in einzelne Fangruppen und mit der Verbindung der Fußball-Fankultur mit dem Phänomen der Außeralltäglichkeit.
Der sich anschließende sechste Gliederungspunkt beinhaltet eine einleitende Beschreibung weiblicher Fußballfans. Dabei wird in einem ersten Schritt die bisherige Entwicklung der weiblichen Fankultur kurz skizziert, und in einem nächsten Schritt werden einige problematische Aspekte im Zusammenhang mit der Charakterisierung und Abgrenzung der weiblichen Fangruppen, welche sich im Rahmen dieser Untersuchung ergaben, geschildert. Das siebte Kapitel umfaßt eine ausführliche Darstellung der vier weiblichen Fantypen (Normalos, Teenies, Fancluberinnen, Fanatikerinnen), die sich im Rahmen dieser Arbeit, anhand der durchgeführten Interviews mit FCK-Fans, herauskristallisierten. Zusätzlich wird eine ganz besondere weibliche Fanpersönlichkeit, eine 64jährige Schweizerin, die zu jedem Heimspiel des FCK aus Zürich anreist, in einem Einzelfall-Porträt beschrieben. Punkt acht beschreibt im Anschluß daran bestehende Differenzen zwischen weiblichen und männlichen Fans, welche sich nicht allein in der Organisationsstruktur des jeweiligen Fanseins oder geschlechtsspezifischen Erlebnismodi erschöpfen, sondern auch durch den Konsum von Alkohol und das Auftreten von Aggressivität bestimmt werden. Abschließend beschäftigt sich die Schlußbetrachtung mit einer
zusammenfassenden Darstellung der bis dahin behandelten Aspekte der Untersuchung und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen auf diesem Gebiet.
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2. Aktueller Forschungsstand
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen der weiblichen Fußballfans erstreckt sich in Deutschland bisher auf wenige Veröffentlichungen, welche meistens in Form von Artikeln und Aufsätzen abgefaßt sind. Zusätzlich existieren einige Werke, die sich in allgemeiner Art mit der Materie ‚Frauen und Fußball‘ beschäftigen. Die Durchsicht verschiedener Werke ergibt folgendes Bild: Das von Beate Fechtig vorgelegte Buch zu diesem Thema beinhaltet Aufsätze und Abhandlungen zur Geschichte des Damenfußballs, zu Fußballspielerinnen, Trainerinnen und Journalistinnen, ebenso wie zu Frauen von Fußballprofis und zu weiblichen Fußballfans. „Frauen und Fußball - zwei Welten treffen aufeinander“ 2 , diese Aussage aus dem Vorwort ihres Buches bestätigt sich in leicht abgewandelter Form ebenso für die Präsenz weiblicher Fußballfans in der wissenschaftlichen Literatur. In den fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen sind die weiblichen Fußballfans deutlich unterrepräsentiert. Einer der wenigen weiteren Artikel, der sich mit dieser Thematik beschäftigt, wurde von Claudia Pöhland verfaßt und beinhaltet einen kurzen Abriß der aktuellen Situation innerhalb der deutschen Fußballstadien. Die Autorin stellt dar, wie durch die allgegenwärtige Präsenz der Medienlandschaft und die Bestrebungen der einzelnen Vereine das Fußballspiel zu einem ‚Allrounderlebnis‘ für die ganze Familie werden zu lassen, auch immer mehr Frauen den Weg ins Fußballstadion finden. Zudem setzt sich die Verfasserin kritisch mit der althergebrachten Meinung auseinander, daß Fußball ein reiner Männersport ist und die Kombination von Frauen und Fußball bereits einen Widerspruch an sich darstellt. 3 Ein etwas älterer Aufsatz von Alexander Thomas befaßt sich mit der Thematik des Damenfußballs und dessen bisheriger Entwicklung in Deutschland 4 , und ein relativ kurzer Artikel von Gisela Kern gibt die Meinungen dreier „FußballFrauen“ 5 , zweier Fußballspielerinnen und der Ex-Frau eines Fußballfans wieder.
Die wissenschaftliche Literaturlage zum Themenkomplex der männlichen Fußballfans stellt sich hingegen völlig anders dar. Es existieren diverse
2 Fechtig, B.: Frauen und Fußball: Interviews, Porträts, Reportagen. Dortmund, 1995, S, 7.
3 Vgl. Pöhland, C.: Fußball - Fans - Frauen. In: Schulze-Marmeling, D. (Hrsg.): „Holt Euch das Spiel zurück“: Fans und Fußball. Göttingen, 1995, S. 103ff.
4 Vgl. Thomas, A.: Zur Sozialpsychologie des Damenfußballs. In: Albrecht, D. (Hrsg.): Fußballsport: Ergebnisse sportwissenschaftlicher Forschung. Berlin, 1979, S. 218ff.
5 Kern, G.: FußballFrauen - drei Protokolle. In: Der Deutschunterricht, Jhg. 50, Heft 2/1998, S. 74.
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Veröffentlichungen zu diesem Themengebiet, in vielen Fällen sogar in detaillierter Buchform. Die Werke der Autoren Peter Becker und Gunter A. Pilz 6 , Wilhelm Heitmeyer und Jörg-Ingo Peter 7 sowie das Buch von Hans Ulrich Herrmann 8 beschäftigen sich in sehr ausführlicher Form mit männlichen (jugendlichen) Fußballanhängern. Sie beschreiben die Entwicklung der Fußball-Fankultur, die Motivationen der Fußballfans, aber auch Gesellungsformen und die Gewaltaffinität mancher Fans. Zusätzlich existieren noch etliche Veröffentlichungen in Artikel- bzw. Aufsatzform, die sich mit jeweils spezifischen Themenkomplexen der Fußball-Fankultur befassen. In einigen Publikationen zu männlichen Fußballfans finden auch Frauen ab und zu Erwähnung. In den meisten Artikeln und Aufsätzen werden Frauen dabei vielfach als „Freundin von ...“ dargestellt, als eine Art Anhängsel, deren Anwesenheit im Fußballstadion lediglich dem Zweck dient, die männliche Fanehre über sie zu definieren. 9
Im Vergleich zur Anwesenheit im Fußballstadion sind die weiblichen Fans in der wissenschaftlichen Literatur also noch immer deutlich unterrepräsentiert. Untersuchungen zufolge ist heute bereits jeder vierte Fußballfan weiblich 10 , und die aktuellen Bilder aus den Fußballstadien zeigen deutlich, daß der Anteil der Frauen an der Gesamtheit der Fans mehr und mehr ansteigt. Dieser Entwicklung wird von der Literatur jedoch keine Rechnung getragen. Wie bereits dargestellt existieren kaum detaillierte Veröffentlichungen zum spezifischen
Themenkomplex weiblicher Fußballfans. Auch die Motivationen der weiblichen Fans und der Grad der Beteiligung am Fanalltag bleiben bei den bisherigen Abhandlungen weitgehend im Dunkeln. Dabei lassen sich durchaus einige Hypothesen bezüglich der weiblichen Fankultur aufstellen, welche natürlich einer gründlichen Überprüfung bedürfen:
6 Vgl. Becker, P./Pilz, G.A.: Die Welt der Fans. Aspekte einer Jugendkultur. München, 1988.
7 Vgl. Heitmeyer, W./Peter, J.-I.: Jugendliche Fußballfans. Soziale und politische Orientierungen, Gesellungsformen, Gewalt. Weinheim, München, 1988.
8 Vgl. Herrmann, H.U.: Die Fußballfans. Untersuchungen zum Zuschauersport. Schondorf, 1977.
9 Vgl. Becker, P./Pilz, G.A., a.a.O., S. 82.
10 Vgl. Fechtig, B., a.a.O., S. 7.
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1) Frauen betreiben eher einen persönlichen Starkult als Männer, sie favorisieren viel öfter einen spezifischen Fußballspieler, dessen Fan sie sind. Je jünger die Frauen sind, desto hingebungsvoller betreiben sie diese Leidenschaft. 2) Für Männer steht während eines Fußballspiels - neben den spielerischen Fähigkeiten - eher der Kampf im Vordergrund, für die Frauen eher die Körperlichkeit der ‚Kämpfer‘.
3) Je größer die allgemeine Identifikation mit dem Verein innerhalb seines ganzen Umfeldes (Stadt, Region) ist, desto größer ist auch die weibliche Fangemeinde des Fußballvereins.
4) Je medienwirksamer der Fußball vermarktet wird (‚ran‘, Champions League), je mehr er als Massenphänomen alle Bevölkerungsschichten erreicht, desto mehr Frauen finden den Weg ins Stadion bzw. in die Fangemeinschaft. 5) Je mehr Bestrebungen in Richtung Fußball als ‚Freizeitvergnügen für Groß und Klein‘ unternommen werden, desto mehr weibliche Fans kommen ins Stadion. Hinzu kommt eine Veränderung der gesellschaftlichen Perspektive, Fußball wird nicht mehr nur als primitiv und rowdyhaft angesehen, sondern als gesellschaftliches und kulturelles Ereignis.
6) Wenn Frauen ins Stadion gehen, dann viel eher in Fangruppen als alleine. Die Gemeinschaft vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in einer - trotz wachsender weiblicher Teilnahme - noch immer männlich dominierten Freizeitkultur.
7) Die weiblichen Fans lassen sich unterschiedlichen Fantypen zuordnen, welche sich u.a. in Organisationsform, Art der Motivation und Grad der Beteiligung unterscheiden.
Die Richtigkeit dieser Hypothesen soll im folgenden, mit Hilfe spezifischer qualitativer Forschungsmethoden, untersucht werden. Weiterhin versucht diese Arbeit ein differenziertes Bild der weiblichen Fans darzustellen und aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich zu berücksichtigen.
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3. Methodische Vorbemerkungen
3.1 Methodik
Das qualitative Interview als eine Sonderform der Befragung hat in den vergangenen Jahren eine vermehrte Beachtung innerhalb der empirischen Sozialforschung erfahren. Dabei sei im folgenden unter einem Interview ein planmäßiges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung verstanden, „bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Informationen veranlaßt werden soll.“ 11 Im Gegensatz zu den rein quantitativen Forschungsmethoden, die den Befragten, wenn überhaupt, einen relativ geringen Spielraum für individuelle Erfahrungen und Statements lassen, ermöglicht das qualitative Interview, die befragten Personen als Einzelpersonen stärker in den Vordergrund zu stellen. Dadurch, daß in einem solchen Gespräch keine feste Fragen-Reihenfolge mit vorgegebenen Antwortformulierungen besteht, erlaubt diese Form des Interviews den Befragten offen und ohne, durch den Fragebogen vorgegebene, formelle Einschränkungen zu den spezifischen Themengebieten Auskunft zu geben. Zusätzlich bietet diese Art der Befragung die Chance, dem betreffenden Forschungsgegenstand möglichst offen
gegenüberzutreten, um bestehende Hypothesen zu überprüfen, zu ergänzen und abzusichern oder gegebenenfalls durch neue zu ersetzen. Eine spezifische Ausprägung des qualitativen Interviews stellt das sogenannte problemzentrierte Interview dar, welches von Andreas Witzel konzeptioniert wurde. Dabei erfüllt dieses Interview eine doppelte Funktion, „einmal bezieht es sich auf eine relevante gesellschaftliche Problemstellung und ihre theoretische Ausformulierung als elastisch zu handhabendes Vorwissen des Forschers; zum anderen zielt es auf Strategien, die in der Lage sind, die Explikationsmöglichkeiten des Befragten so zu optimieren, daß sie ihre Problemsicht zur Geltung bringen können.“ 12 Ein wesentlicher Bestandteil des problemzentrierten Interviews ist der sogenannte Leitfaden, welchem die Aufgabe zukommt, das Gespräch zwischen Interviewer und Befragtem zu strukturieren bzw. zu lenken. Mit Hilfe des Leitfadens werden spezifische Themenkomplexe abgehandelt, die helfen, die einzelnen Interviews in ähnlicher Weise aufzuschlüsseln und diese somit untereinander vergleichbar zu machen.
11 Scheuch, E.K.: Das Interview in der Sozialforschung. In: König, R. (Hrsg.): Grundlegende Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung. Erster Teil. Stuttgart, 1973, S. 70f.
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Zur Erforschung der Erlebniswelten weiblicher Fußballfans eignet sich diese spezifische Form des qualitativen Interviews ganz besonders, denn sie ermöglicht den befragten Personen möglichst ausführlich zu den, durch den Leitfaden vorgegeben Themen, Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wird dem Interviewer die Chance gegeben, durch ergänzende Nachfragen bestimmte Themengebiete zu vertiefen und durch das Gespräch neu hinzukommende Inhalte aufzunehmen, um aus dieser möglichst ausführlichen individuellen Darstellungsweise unter Umständen übergreifende Muster ableiten und so eine entsprechende Typologie herstellen zu können.
Der Großteil, der für diese Arbeit gesammelten Daten wurde deshalb mit Hilfe eben dieser Form der Befragung erhoben. Die Methode erlaubt es, eine Gesprächssituation zu schaffen, in welcher sich die einzelnen Interviewpartner selbst als Experten bezüglich des Interviewthemas wahrnehmen können. Dies führt dazu, daß sich die betreffenden Personen ernst genommen fühlen, das Interesse an der Unterhaltung wächst und es somit möglich ist, das Gespräch in einer offenen und angenehmen Atmosphäre durchzuführen. Die veranstaltete Gruppendiskussion war in ihrem Aufbau ebenfalls an den Interviewleitfaden angelehnt. Im Verlauf der Diskussion zeigten sich jedoch die spezifischen Vor-und Nachteile dieser Form der Befragung. Einerseits wurden mehr Themengebiete und Gesichtspunkte angesprochen als in der doch etwas künstlicher wirkenden Situation eines Einzelinterviews, andererseits bestanden auch gewisse Koordinationsprobleme, denn die Beteiligten sprachen doch mehr oder weniger häufig durcheinander, was zwangsläufig zu gewissen Schwierigkeiten bei der Auswertung des Gespräches führte. 13
In einem Ausnahmefall war der direkte persönliche Kontakt, der zur Durchführung eines problemzentrierten Interviews nötig gewesen wäre, aufgrund der großen räumlichen Distanz zwischen Kaiserslautern und Zürich nicht herzustellen. Deshalb kam in dieser Angelegenheit lediglich eine schriftliche Befragung mit Hilfe eines Fragebogens, welcher im Aufbau an den Leitfaden der Interviews angelehnt war, in Betracht. Die Fragen waren in offener Form gestellt, so daß der Befragten, ähnlich dem problemzentrierten Interview, ein relativ großer Spielraum für eine detaillierte individuelle Beantwortung blieb.
12 Witzel, A.: Verfahren der qualitativen Sozialforschung. Frankfurt a.M., 1982, S. 69.
13 Vgl. Scheuch, E.K., a.a.O., S. 127ff.
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3.2 Feldzugang
Der Kontakt zu den einzelnen Gesprächspartnern wurde auf höchst unterschiedliche Art und Weise hergestellt. Eine sehr erfolgversprechende Variante war der Besuch der Homepage des 1. FC Kaiserslautern im Internet. Hier bietet der Verein seinen Mitgliedern, Fans und Interessierten die Möglichkeit, sich in einem sogenannten Gästebuch mit diversen Kommentaren, Einstellungen und Meinungen zu verewigen. In diesem Gästebuch fanden sich unterschiedliche Eintragungen von weiblichen FCK-Fans, die einerseits ihre Meinung zur aktuellen Situation des Vereins äußerten und andererseits auf diesem Wege Kontakt zu anderen FCK-Fans suchten, um sich mit ihnen auszutauschen. Über die jeweiligen E-Mail-Adressen wurde Kontakt zu den betreffenden Fans aufgenommen und Erkundigungen eingezogen, ob sie Interesse an einem Interview über den FCK bzw. über ihre eigene Rolle als weibliche FCK-Fans hätten. Der größte Teil von ihnen war auf der Stelle zu einem solchen bereit, lediglich bei zwei Mädchen kam es aufgrund mangelnder zeitlicher Flexibilität der beiden nicht zu einem Gespräch. Eine Alternative zu dieser Methode stellte der Besuch des Trainings der Mannschaft des FC Kaiserslautern dar. Bei diesen Gelegenheiten war es möglich, weibliche Fans direkt anzusprechen und somit in den meisten Fällen gleich einen Zeitpunkt für ein Interview zu vereinbaren. Weiterhin erwies sich ein Gespräch mit dem offiziellen Fanbeauftragten des FCK als sehr erfolgreich, er war in der Lage, diverse Informationen über einige Fanclubs zu vermitteln. Mit einem Fanclub konnte ein Termin vereinbart werden, zu dem dann auch fünf weibliche Fanclubmitglieder erschienen. Aufgrund der Teilnehmerzahl gestaltete sich das Gespräch dann jedoch eher als Gruppendiskussion statt als ‚normales‘ Interview, was sich jedoch sehr anregend auf den Gesprächsverlauf und somit auch auf die Ergiebigkeit der Informationen auswirkte. Ein weiteres Interview mit einer Fanclubvorsitzenden kam durch die Hilfe eines Fanclubverzeichnisses aus dem Internet zustande, und zusätzlich vermittelte diese Fanclubliste einige erste Informationen über den ‚besonderen‘ weiblichen FCK-Fan aus Zürich. Mit dieser Dame wurde ein erster Kontakt über E-Mail geknüpft, und nach einem flüchtigen Kennenlernen erklärte sie sich zur Teilnahme an einer Befragung bereit und schickte den Fragebogen umgehend ausgefüllt zurück. Ein weiterer Kontakt zu weiblichen FCK-Fans kam über private Bekanntschaften zustande. Alle
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angesprochenen Fans erklärten sich gerne zu einem Interview bereit, und mit einer Ausnahme erschienen sie auch alle pünktlich zum vereinbarten Termin.
3.3 Auswertung des Datenmaterials
Alle durchgeführten Interviews und auch die Gruppendiskussion wurden, nachdem das Einverständnis der Befragten eingeholt wurde, auf Tonband aufgezeichnet. Dies hat den Vorteil, daß der Interviewer seine volle Aufmerksamkeit dem jeweiligen Gespräch widmen kann, ohne nebenbei protokollieren zu müssen, außerdem ermöglicht die Aufnahme eine Art Kontrolle des Gesprächskontexts und der Interviewerrolle. Nach jedem Interview wurde ein sogenanntes Postskriptum angefertigt, dessen Aufgabe darin besteht, auch die nicht vom Tonband aufgezeichneten Interaktionen, sowohl vor und während des Gesprächs als auch nach dessen Ende, darzustellen. Zusätzlich werden darin die jeweilige Gesprächssituation, die äußeren Rahmenbedingungen sowie Beobachtungen, Zweifel und Vermutungen des Interviewers notiert, die eine spätere Auswertung des Interviews möglicherweise erleichtern können. 14 Das im Rahmen der vorliegenden Arbeit in Form von Tonbandaufzeichnungen erhobene Datenmaterial wurde zunächst transkribiert und anschließend qualitativ ausgewertet. In einzelnen Fällen war es nötig Interviews ins Hochdeutsche zu ‚übersetzen‘ und den Grundsätzen der Schriftsprache anzugleichen, um eine exakte Verwertung des Materials zu gewährleisten. Dabei war es jedoch wichtig, die einzelnen Schritte jeweils anhand der Tonbandaufzeichnungen präzise nachzuvollziehen, um durch die ‚Übersetzung‘ eventuell auftretende Sinnverzerrungen so weit als möglich auszuschließen. Als Grundlage für die Auswertung diente der Interviewleitfaden, dessen einzelne Kategorien eine gewisse Strukturierung der einzelnen Gespräche ermöglichten bzw. vorgaben. Die Porträts der unterschiedlichen Fantypen sind dabei wie folgt gegliedert:
• Fankultur/Organisation
• Gemeinschaft/Interaktion
• Erlebnismodi/Emotionen
• Geschlechtsspezifik
14 Vgl. Spöhring, W.: Qualitative Sozialforschung. Stuttgart, 1989, S. 179.
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Diese Vorgehensweise schafft die Voraussetzungen, die einzelnen Individuen untereinander, aber auch die spezifischen Fantypen miteinander vergleichbar zu machen. Im Fall der Gruppendiskussion gestaltete sich die Auswertung etwas schwieriger, da die beteiligten Personen sehr häufig auch durcheinander sprachen, waren einige Textpassagen unverständlich und konnten somit nicht vollständig transkribiert werden.
Die durchgeführte schriftliche Befragung, welche in ihrer Struktur an den Interviewleitfaden angelehnt war, wurde mit Hilfe der Leitfadenkategorien ausgewertet. Da die befragte Person jedoch eine solch besondere ‚Fanpersönlichkeit‘ darstellte, mündete die Auswertung des Fragebogens in eine Einzelfalldarstellung, eine Art Porträt.
Es läßt sich folgender abschließender Stand der Datenerhebung festhalten:
Die befragten weiblichen Fußballfans verteilen sich nach ihrem Alter wie folgt:
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4. Der 1. FC Kaiserslautern und die Einbindung des Vereins in die Stadt Kaiserslautern und die umgebende Region
Der 1. FC Kaiserslautern, welcher am 02.06.1900 gegründet wurde, gilt als einer der Traditionsvereine der Fußball-Bundesliga. Ursprünglich entstand der 1. FC Kaiserslautern als Zusammenschluß mehrerer ortsansässiger Vereine, bevor allerdings der heutige Name gewählt wurde, änderte sich auch die Bezeichnung des Vereins einige Male. Trotz einiger Hochs und Tiefs des Vereins war Kaiserslautern seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 bis zur Saison 1996/97 beständig Mitglied der obersten Fußballklasse. In jenem Jahr aber mußte der 1. FCK als Gründungsmitglied nach 33 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit aus der Bundesliga absteigen. Fans, Verantwortliche und Spieler des Vereins mußten sich für ein Jahr mit der Realität der Zweiten Liga abfinden. In Kaiserslautern ging in dieser Zeit die Angst vor einem schwarzen Loch um, in welchem der Verein in der Zweiten Liga versinken könnte. Doch die Fans unterstützten ihren Verein nach Kräften, die Zuschauerinnen und Zuschauer strömten wie in Erstliga-Zeiten in das Stadion auf den Betzenberg und auch die Auswärtsspiele des FCK wurden zu wahren Pilgerfahrten der Fans. In der Saison 1997/98 gelang dem 1. FCK dann jedoch der direkte Wiederaufstieg in die Eliteklasse des deutschen Fußballs. Innerhalb der fast 100jährigen Geschichte des Vereins konnten jedoch auch einige wichtige Erfolge verzeichnet werden, so errang der 1. FCK in den Jahren 1951, 1953, 1991 und 1998 den Titel des „Deutschen Meisters“; desweiteren konnten zwei Pokalsiege (1990 und 1996) und ein Super-Cup-Sieg (1991) auf Seiten des FCK verbucht werden.
Obwohl vor allem der Profifußball den Verein und die Stadt Kaiserslautern auch international bekannt gemacht hat, widmen sich die mehr als 10.500 weiblichen und männlichen Mitglieder des Vereins jedoch nicht nur dem Fußballsport, sondern auch diversen anderen Sportarten wie beispielsweise Basketball, Boxen, Handball, Hockey und Leichtathletik. 15 Genauere Angaben über die FCK-Mitglieder lassen sich anhand zweier Mitgliederstatistiken ablesen:
15 Vgl. Rohrbacher-List, G. 1 : Punkte, Tore, Spieler - Daten zum Verein. In: Rohrbacher-List, G. (Hrsg.): 1. FC Kaiserslautern: der Berg, das Land und der Ball. Göttingen, 1995, S. 349.
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Die breite Öffentlichkeit nimmt jedoch in der Hauptsache Notiz von den Profifußballern des FCK, von den Erfolgen und Mißerfolgen der Mannschaft um Ciriaco Sforza und Youri Djorkaeff. Alle vierzehn Tage, regelmäßig zu den Heimspielen des FCK, wird das Fritz-Walter-Stadion zum Ziel wahrer
16 Quelle: 1. FCK (Hrsg.): fair. Das Mitglieder-Magazin des 1. FC Kaiserslautern. Kaiserslautern, 3. Quartal 1999, S.32.
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Besucherströme, bis auf wenige Ausnahmen während der Saison ist das Fußballstadion mit 40.500 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauft. An den Spieltagen der Fußball-Bundesliga herrscht dann sowohl in der Innenstadt als auch auf den Autobahnen und Bundesstraßen rings um Kaiserslautern ein buntes Treiben. Dies ist unter anderem auf die Tatsache zurückzuführen, daß ein Großteil der Fans des FCK nicht aus Kaiserslautern selbst oder aus dem direkten Umland der Stadt kommt. Die Mehrzahl der Anhänger des Vereins nehmen für ihr Fansein längere Anreisezeiten in Kauf, viele kommen aus dem Saarland, dem Rheinland, dem Raum Trier, aus Luxemburg, der Vorderpfalz und aus Hessen. So verbindet der 1. FC Kaiserslautern Menschen einer gesamten Region, die über die Pfalz hinausreicht, auf besondere Weise. 17
„Wer nach Kaiserslautern kommt, den muß man über die Bedeutung des 1. FC Kaiserslautern und seines Stadions für die Stadt und Region nicht lange aufklären. Symbolträchtig erhebt sich das Stadion auf dem ‚Betze‘ wie eine Burg über der Stadt (...). Bei Flutlichtspielen erhält man den Eindruck, die Stadt würde von hier aus an- und ausgeknipst.“ 18 Eng verbunden mit dem Verein 1. FCK ist natürlich Kaiserslautern und die unmittelbar umgebende Region. Die Stadt Kaiserslautern, welche im Bundesland Rheinland-Pfalz liegt und dem Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz angehört, gilt als Oberzentrum der Region Westpfalz. Innerhalb der Grenzen der Großstadt leben 101.315 Einwohner (1998), darunter 9.554 Ausländer, was einem Anteil von 9,4% entspricht. Insgesamt wohnen somit 18,2% der Bewohner der Region Westpfalz innerhalb der Stadtgrenze Kaiserslauterns. Die größten Arbeitgeber der Stadt Kaiserslautern und der umgebenden Region sind das Opel-Werk, die US-Army und die Firma Pfaff. Fakt ist weiterhin, daß sich die Stadt im Mittelpunkt einer strukturschwachen Region befindet, in einer (ökonomischen) Randlage. Die Arbeitslosenquote von Kaiserslautern betrug im Dezember 1999 10,6%.
Die sozialgeographische Situation der Stadt stellt sich folgendermaßen dar: Die A6 von Saarbrücken nach Mannheim führt direkt an Kaiserslautern vorbei, desweiteren leitet einen die A62 ab Landstuhl direkt in Richtung Pirmasens, Kusel
17 Vgl. Rohrbacher-List, G. 2 : Prolog - Der „Betze“ ist immer in Sichtweite. In: Rohrbacher-List, G. (Hrsg.): 1. FC Kaiserslautern: der Berg, das Land und der Ball. Göttingen, 1995, S. 11f.
18 Schulze-Marmeling, D. 2 : Pfälzer Spezialitäten. Über die Vor- und Nachteile, ein „Provinzverein“ zu sein. In: Rohrbacher-List, G. (Hrsg.): 1. FC Kaiserslautern: der Berg, das Land und der Ball. Göttingen, 1995, S. 275.
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und Trier. Die sich noch im Bau befindliche A63 ebnet den Weg nach Mainz, und von dort erschließen diverse weitere Autobahnen das Rhein-Main-Gebiet. Kaiserslautern liegt an der Bahnlinie Saarbrücken-Mannheim, weiterhin bestehen direkte Zugverbindungen nach Bingerbrück, Pirmasens, Lauterecken und in diverse weitere Ortschaften. Die Entfernungen zu den nächstgelegenen Flughäfen betragen nach Frankfurt am Main circa 100 Kilometer und nach Saarbrücken circa 60 Kilometer. Das kulturelle Angebot der Stadt umfaßt u.a. diverse Bibliotheken, Sporteinrichtungen, Kinos, ein Theater, in welchem Opern, Operetten, Musicals, Schau- und Kammerspiele aufgeführt werden, ein Museum, ein Kulturzentrum und eine Pfalzgalerie. Zudem findet im Jahr 2000 die Landesgartenschau innerhalb der Stadtgrenzen statt, von der erwartet wird, daß sie viele Gäste in das Zentrum der Westpfalz locken wird. Diverse Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Grund-, Haupt-, Sonder- und Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, ein technisches Gymnasium und ein Wirtschaftsgymnasium, sowie eine Volkshochschule) ergänzen das Kulturangebot der Stadt. Desweiteren verfügt Kaiserslautern über eine Vielzahl von Freizeit- und Sporteinrichtungen, und direkt vor der Haustür eröffnet sich den Kaiserslauterern mit dem Naturpark Pfälzerwald das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. 19 Trotz der auch regional übergreifenden Aktualität des 1. FC Kaiserslautern spielen gerade in diesem Zusammenhang natürlich ganz besonders die Aspekte der Heimat und Ortsbezogenheit von Menschen eine wichtige Rolle. In der heutigen Zeit der Modernisierung, des sozialen Wandels aller Lebensformen, der zunehmenden Anonymisierung und Entwurzelung, suchen Menschen immer häufiger nach neuen Räumen von Heimat. In vielen Bereichen findet eine Art Rückbesinnung auf Heimat und Region statt, denn die meisten Menschen sind auf eine gewisse Art und Weise auf die Zugehörigkeit zu einer fortdauernden Gemeinschaft angewiesen, innerhalb derer die Bedürfnisse nach Sicherheit, emotionaler Beständigkeit, Bestätigung und Vertrauen eine Antwort finden. Heimat läßt sich dabei als eine Art einmaligen (räumlichen) Erfahrungsraum darstellen, einen subjektiven Bereich der Vertrautheit. Dieses Gefühl wächst den Menschen schon von Kindesbeinen an durch die Gesamtheit der Traditionen und spezifischen Lebensbedingungen, durch Zuteilung und Empfang partieller Loyalitäten und Sinnerfülltheiten zu. Innerhalb dieses komplexen Gebildes reift
19 Vgl. SVA (Hrsg.): Alles über Kaiserslautern 1999/2000. Mannheim, 1999, S. 8f.
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der einzelne Mensch zu einer individuellen Persönlichkeit heran, knüpft erste Beziehungen in der sozialen Welt und sammelt erste Erfahrungen in der Gesellschaft. Allerdings muß man sich Heimat in gewisser Weise auch aktiv aneignen und gestalten, denn nur in der bewußten Auseinandersetzung mit diesem Thema kann der einzelne Mensch das für die eigene Identität so wichtige Passungsgefüge zwischen sich und seiner Umwelt herstellen. Die häufig positive Besetzung der eigenen Heimat - sowohl in der territorialen als auch in der individuellen Ausprägung - ermöglicht es dem Menschen eine eigene Identität zu finden und auszuprägen und später, auch in eventuellen Krisen- und Umbruchsituationen, eine emotionale und soziale Sicherheit zu erlangen und zu erhalten. Der jederzeit mögliche Rückzug auf die eigene Heimat schafft die Voraussetzungen für die Menschen soziale Zugehörigkeiten zu empfinden, diese zu konsolidieren oder neu auszuprägen. 20 Eng verbunden mit dem Begriff der Heimat ist das Phänomen der Ortsbezogenheit, der Tendenz von Menschen, sich in bestimmtem Situationen und zu bestimmten Zeiten mit einem Ort zu identifizieren. Der Ort, ganz besonders der eigene Geburtsort, in welchem man über die Jugendzeit hinaus einen Lebensabschnitt verbracht hat, dient als Bezugsobjekt, als Symbol der Identifizierung. Der Prozeß der sozialen Integration von Menschen in bestimmte Gruppen oder Gemeinschaften (auch Ortsgemeinschaften) findet über allgemein geteilte Werte und Normen statt. Zur Verstärkung der Integration bedienen sich die einzelnen Gruppierungen je spezifischer Ziele und Symbole, wie beispielsweise Fahnen, Gesängen, Tänzen, Wappen usw. Der
Identifizierungsprozeß macht sich dabei die Aktivierung von bestimmten Symbolen zu ganz gewissen Situationen zunutze. Wenn ein Individuum diese spezifischen Symbole benutzt, so kommt auf diesem Wege auch ein Bezug auf die charakteristische Gruppierung zustande. Der Integrationsprozeß findet um so stärker statt, je mehr der Verkehrskreis einer Person, also Freunde und Bekannte, als Teil einer auf den Ort bezogenen Kategorie zutage tritt.
20 Vgl. Graf von Krockow, C.: Heimat - Eine Einführung in das Thema. In: Cremer, W./Klein, A. (Hrsg.): Heimat - Analysen, Themen, Perspektiven. Bielefeld, 1990, S. 56ff.
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Die dauerhaften Verknüpfungen von Handlungen und Gefühlen mit einem bestimmten Ort führen häufig zu kollektiven Emotionen, welche sich in gewissen Situationen als Ortsbezogenheit von Menschen äußern können. 21 Heimat und Ortsbezogenheit, diese beiden Begriffe stellen Phänomene dar, welche in gewisser Weise die enge Verbundenheit der Menschen aus der Region mit dem 1. FC Kaiserslautern erklären können. Der Verein bietet seinen Fans eine Art Identifikationspotential an, scheinbar „stiftet der Fußballverein regionale Identität in Zeiten weltweiter Globalisierung.“ 22 Gerade in einer Region, die von Strukturschwäche und hoher Arbeitslosigkeit betroffen ist, suchen viele Menschen, sowohl Frauen als auch Männer, ein Gegenstück zu dem oft tristen Alltag, eine Art Gegenpol, um sich wenigstens ab und zu an einem positiven Erlebnis aufzubauen. Einiges davon finden sie auch im Fritz-Walter-Stadion beim FCK. Der Verein und das in den letzten Jahren immer weiter modernisierte Stadion sind erfreuliche Symbole einer Stadt und Region, in der ansonsten hauptsächlich Stagnation und pessimistische Stimmung vorherrschen. Für die Fans des 1. FC Kaiserslautern, und zu dieser Gruppe zählt sich ein Großteil der Bewohner der Region, bietet der Verein ein Stück Lebensqualität. „Denn der FCK ist nicht nur von sportlicher Bedeutung, sondern auch ein psychologischer und ökonomischer Faktor - mittelbar, als derzeit wichtigster Imageträger für Stadt und Region; unmittelbar, als bedeutender Steuerzahler und Arbeitgeber.“ 23
21 Vgl. Treinen, H.: Symbolische Ortsbezogenheit. In: Atteslander, P./Hamm, B. (Hrsg.): Materialien zur Siedlungssoziologie. Köln, 1974, S. 234ff.
22 Schmidt, K.-W.: Religion, Heimat, Identität. Vereinsbilder und Fansongs im Deutschunterrichteine Anregung. In: Der Deutschunterricht, Jhg. 50, Heft 2/1998, S. 79.
23 Schulze-Marmeling, D. 2 , a.a.O., S. 275.
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Arbeit zitieren:
Christiane Schorr, 2000, Weibliche Fußballfans - Eine Typologie am Beispiel der Fans des 1. FC Kaiserslautern, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Brauchen Tageszeitungen Fachjournalisten?
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Elitenbildung - eine Frage der sozialen Herkunft
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Vordiplomarbeit, 27 Seiten
Christiane Schorr's Text Weibliche Fußballfans - Eine Typologie am Beispiel der Fans des 1. FC Kaiserslautern ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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