Inhalt
1. Einleitung 3
2. Zur Definition von Kunst 4
3. Soziologische Sichtweisen von Kunst 5
4. Arnold Hausers Ansatz
im Kontext der Kunst der DDR 7
4.1. Künstler und Ausdruck 7
4.2. Beispiele aus der Dramengeschichte 10
4.3. Die Theaterlandschaft der DDR 11
4.4. Die Wahrheit von Kunst 13
5. Zur Deutung von Kunst 14
5.1. Die Abhängigkeit
k ünstlerischer Stile von Daseinsbedingungen 14
5.2. Einwand gegen
die ideologische Deutung von Kunst 15
5.3. Kunsthistorische Betrachtungsmöglichkeiten 16
6. Schluss 17
7. Literatur 18
2
Kunst und Gesellschaft
Zur Interpretation der Kunst der Deutschen Demokratischen Republik
1. Einleitung
Die Frage nach der Bedeutung der Kunst für eine Gesellschaft findet schon seit längerer Zeit nicht mehr nur in Künstlerkreisen, sondern auch in der Soziologie und anderen Wissenschaften größere Beachtung. In diesem Kontext entstanden eine Reihe von Theorien, die den Zusammenhang von Kunst und Gesellschaft zu erfassen versuchen, bzw. widerlegen möchten.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, verschiedene historische und soziologische Kunstbegriff zu beschreiben und definieren, mit deren Hilfe die Betrachtung von Kunstwerken zu verschiedenen Epochen, in unterschiedlichen geographischen Regionen und mit dem Hintergrund verschiedener politischer Systeme und gesellschaftlicher Formen möglich ist. Basierend auf diesen Betrachtungsformen sollte letztendlich auch die Betrachtung der Kunst der Deutschen Demokratischen Republik möglich sein, deren Interpretation sich heute als nicht unproblematisch darstellt: Die Betrachtung der Kunstwerke eines Staates, der nicht mehr existiert und der eine Reihe von Vorgaben und Forderungen an die Kunstschaffenden richtete, ist für ehemalige Bürger der DDR wie auch für die der BRD nicht einfach.
Im ersten Abschnitt soll ein allgemeiner, geschichtlicher Kunstbegriff definiert werden, um in den folgenden Kapiteln unterschiedliche soziologische Sichtweisen zu betrachten. Beschrieben und auf ihre Anwendbarkeit überprüft werden soll insbesondere eine Sichtweise auf Kunst und den Künstler, wie sie Arnold Hauser in seinem Text Kunst und Gesellschaft formuliert. Hierbei soll vor allem überprüft werden, ob sich sein Ansatz - der auf dem Grundgedanken der Ideologienbildung basiertzur Interpretation ostdeutscher Kunst eignen könnte. Beispiele aus der Geschichte der DDR-Kunst sollen deshalb immer wieder herangezogen werden.
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2. Zur historischen Definition von Kunst
Bevor verschiedene soziologische Kunstdefinitionen aufgezeigt werden können, ist eine geschichtliche Betrachtung unabdingbar. 1 Der ursprüngliche Kunstbegriff basierte noch auf einem engen Zusammenhang zwischen Kunst- und Gebrauchsfunktion. Kunst hatte im Rahmen kultischer Handlungen immer auch einen religiösen oder ornamentalen Aspekt und war in das Alltagsleben der Menschen integriert. Erst allmählich löste sich die Kunst von dieser Betrachtungsweise: Immanuel Kant z.B. ging bei der Kunstbetrachtung schon von einem interesselosen Wohlgefallen aus. Ende des 18. Jahrhunderts schließlich vollzog sich die Unterscheidung von Kunst und Handwerk, bzw. Kunst und Wissenschaft. Mit diesen historischen und sozialen Voraussetzungen einhergehend wandelte sich auch die Vorstellung davon, welche spezifischen Fähigkeiten des Menschen zur Kunstproduktion notwendig seien. Kant betrachtete beispielsweise ästhetisches Vermögen, also eine Verstandesleistung, als Voraussetzung für den Schöpfungsakt, während im 18. Jahrhundert ein auf Intuition basierender Geniebegriff vorherrschte, demzufolge sich dem Künstler die Form des zu Schaffenden in einem Moment göttlicher Inspiration offenbart, wie im Sturm und Drang. Nach Platon und Aristoteles galt Kunst lange Zeit als bloße Nachahmung der Natur, als mimesis, immer dem praktischen Handwerk untergeordnet. In der Renaissance hingegen wurde dem schöpferischen Akt - der inventio - ein höherer Rang zugesprochen. Kunst bekam einen individuellen Charakter und ihr wurde im Zuge des Neuplatonismus ein erheblicher Erkenntniswert zugesprochen. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte das Kunstwerk einen utopischen Charakter. In ihm wurde das Ideal, von welchem die Natur nur als das Abbild galt, anschaulich. So ging auch Goethe von der Vorstellung aus, dass sich im Besonderen das Allgemeine preisgibt.
Schopenhauer verstand Kunst als Beruhigungsmittel, Nietzsche hingegen als Stimulans des Lebens. In der Moderne wird dann die Künstlichkeit des
1 zur historischen Darstellung vgl. Kapitel in: Hauskeller, Michael. Was ist Kunst?
Positionen der Ästhetik von Platon bis Dante. München, 1998
4
Kunstwerks selbst zum Thema. Es entwickelt eine eigene, von der Realität autonome Wirklichkeit.
Traditionell setzt der Kunstbegriff also einen Erkenntnisprozess, eine spezifische Fertigkeit des Schaffenden sowie die gesellschaftliche Akzeptanz seines Produktes voraus. In der Moderne jedoch wurde diese Kunstauffassung immer wieder in Frage gestellt. Die künstlerische Idee hat das handwerkliche Können als Charakteristikum für die Kunst abgelöst; prinzipiell kann jede und jeder sich zum Künstler machen oder zum Künstler erklärt werden.
Ausdrucksformen von Kunst als Gestaltung geistig-seelischen Erlebens können hierbei Wort, Musik, Gegenständen etc. sein. Sie ist die Vermittlung der sicht- und wahrnehmbaren Realität durch Formen, die aus der Phantasie des Künstlers und seinem Umgang mit einem eigenständigen Material entstehen. 2
3. Soziologische Sichtweisen von Kunst
Eine Betrachtungsweise der Einbettung von Kunst in die Gesellschaft beruht auf einer makrostrukturellen Beschreibung der Zusammenhänge. In diesem Konzept wird von der Kunst „als einem ausdifferenzierten System der Gesellschaft“ 3 ausgegangen, dessen Rahmenbedingungen beschrieben werden. Indem die Kunst als unabhängiges Teilsystem aus der Gesellschaft ausdifferenziert wird, bleiben „kunstferne Sinnrationalitäten“ 4 außen vor. Die Kunsthandlung bleibt somit autonom und kann sich an ihrem eigenen Sinnzusammenhang orientieren. Der Soziologe Niklas Luhmann reduziert diesen Sinnzusammenhang auf die zwei wichtigsten Hauptkriterien: Der Prozess der Kunstherstellung, d.h. das Auftragen von Farbe auf eine Leinwand oder das Schreiben eines künstlerischen Textes, schafft eine „Differenz zwischen dem Kunstwerk und dem, was ausgeschlossen bleibt.“ 5
2 vgl. www.brockhaus.de, Suchbegriff Kunst
3 Gerhards, Jürgen (Hrsg.): Soziologie der Kunst. Produzenten, Vermittler und
Rezipienten. Opladen, 1997, S. 11
4 Gerhards, Jürgen (Hrsg.): Soziologie der Kunst. Produzenten, Vermittler und
Rezipienten. Opladen, 1997, S. 11
5 Gerhards, Jürgen (Hrsg.): Soziologie der Kunst. Produzenten, Vermittler und
Rezipienten. Opladen, 1997, S. 11
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Arbeit zitieren:
Michael Kaiser, 2003, Kunst und Gesellschaft - Zur Interpretation der Kunst der Deutschen Demokratischen Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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