In dieser Arbeit soll die Bedeutung des Winterhilfswerks im sozialpolitischen System des nationalsozialistischen Deutschlands untersucht werden. Dazu wird im ersten Teil der Ausarbeitung ein allgemeiner Abriss des sozialpolitischen Ns-Staates erfolgen, mit der Schwerpunktsetzung auf die Wohlfahrt in den Jahren 1933 – 1945. Da das Winterhilfswerk in seiner Ausprägung während des Dritten Reiches Bestandteil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) war, sind für eine nähere Untersuchung des Winterhilfswerkes auch der Aufbau, die Arbeitsweise und die Entstehung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt von entscheidender Bedeutung. Um also zunächst eine grundsätzliche strukturelle Einordnung des Winterhilfswerkes in das Sozialwesen des Dritten Reiches vornehmen zu können, kommt man an einer detaillierten Beschreibung der NSV nicht vorbei. Im Anschluss daran geht diese Arbeit näher auf die Entstehungsgeschichte und den Aufbau des Winterhilfswerks ein. Dabei wird die Entstehung und Hierarchie dieser Organisation ebenso wie die Finanzierung Gegenstand dieser Untersuchung sein.
Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Ausarbeitung liegt in der Beschreibung und Analyse des Bedeutungswandels des Winterhilfswerks von den Anfängen zu Beginn der 30er Jahre bis zu seinem Ende 1945. Im Fokus des Interesses des Verfassers steht in diesem Zusammenhang die propagandistische Außenwirkung, ebenso wie der Wandel des Winterhilfswerkes im öffentlichen Ansehen. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob das Winterhilfswerk tatsächlich - wie von der nationalsozialistischen Propaganda verbreitet - das Beispiel für eine große, gemeinnützige und notlindernde freiwillige Solidarität der Deutschen untereinander war, oder aber schlicht eine inoffizielle, zusätzlich zu der normalen Steuerlast von den Bürgern erzwungene Geldeinnahmequelle der faschistischen Regierung
Gliederung
1. Einleitung
2. Sozialpolitik im Dritten Reich
2.1 Grundzüge der staatlichen Sozialpolitik im Dritten Reich
2.2 Sozialpolitische Maßnahmen
2.2.1 Beschäftigungspolitik
2.2.2 DAF
2.2.3 Sozialversicherungspolitik
2.2.4 Familienpolitik
3. Wohlfahrtspflege
3.1 Die Geschichte der Wohlfahrtspflege
3.1.1 Wohlfahrtspflege in der Weimarer Republik
3.1.2 Wohlfahrtspflege im Dritten Reich
3.2 Die Nationalsozialistische Volksfürsorge NSV
3.2.1 Entstehung der NSV
3.2.2 Gliederung und Aufgabenbereiche der NSV
4. Das Winterhilfswerk
4.1 Entstehung
4.1.1 Winterhilfe in der Weimarer Republik
4.2 Das Winterhilfswerk im NS-Staat
4.2.1 Aufgaben
4.2.1.1 Bedürftigenhilfe
4.2.1.2 Mutter - Kind – Hilfswerk
4.2.2 Finanzierung
4.2.2.1 Lohnopfer
4.2.2.2 Eintopfsonntage
4.2.2.3 Straßensammlungen
5. Analyse
5.1 Bedeutungswandel
5.2 Propaganda und Wirklichkeit – Eine Analyse
5.3 Die Bedeutung des Winterhilfswerks für das Sozialsystem
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung des Winterhilfswerks (WHW) innerhalb des sozialpolitischen Systems im nationalsozialistischen Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das WHW tatsächlich eine freiwillige Form der nationalen Solidarität darstellte oder primär als ein durch das NS-Regime erzwungenes Instrument zur Einnahmenbeschaffung und Propaganda fungierte.
- Strukturelle Einordnung des Winterhilfswerks in das Sozialwesen des "Dritten Reichs".
- Entstehungsgeschichte und hierarchischer Aufbau der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).
- Analyse des Bedeutungswandels des WHW von den 1930er Jahren bis 1945.
- Untersuchung der propagandistischen Wirkung gegenüber der realen sozialen Funktion.
- Finanzierungsmechanismen und deren tatsächlicher Grad an Freiwilligkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Winterhilfswerks für das Sozialsystem
Die Bedeutung des Winterhilfswerks für das nationalsozialistische System ist vielfältig. Bei einem Finanzvolumen der Sammlungen von 0,7 % – 1 % des Bruttolohnes aller Arbeiter wird schon deutlich, welch eine Finanzkraft zur Verfügung stand, mit der aktiv Politik betrieben werden konnte, da es sowohl dem Winterhilfswerk als auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) freigestellt war, wofür die Finanzen eingesetzt wurden. Zwar gab es jedes Jahr einen öffentlichen Rechenschaftsbericht, doch inwieweit diesem von der NSDAP veröffentlichten Dokument glauben geschenkt werden kann, ist fraglich.
Mit den Mitteln des Winterhilfswerks konnten zum Einen gezielt systemkonforme Personenkreise unterstützt werden, und auf der anderen Seite aufgrund der willkürlichen Zuteilung auch Bevölkerungsgruppen von Unterstützungsleistungen ausgenommen werden.
Das Winterhilfswerk konnte des weiteren wirtschaftlich helfen, Märkte zu regulieren. Allein durch die Produktion mehrerer Millionen WHW-Abzeichen wurden Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung des Winterhilfswerks im NS-Sozialstaat zu untersuchen und dessen propagandistische Rolle zu hinterfragen.
2. Sozialpolitik im Dritten Reich: Beschreibt die theoretischen Grundlagen der staatlichen Sozialpolitik sowie die realpolitischen Maßnahmen wie Lohnfestsetzungen und Arbeitsbeschaffungsprogramme.
3. Wohlfahrtspflege: Analysiert den historischen Übergang der Wohlfahrtspflege von der Weimarer Republik hin zur Gleichschaltung durch die NSV im nationalsozialistischen System.
4. Das Winterhilfswerk: Detailliert die Entstehung, die Aufgabenbereiche wie das Mutter-Kind-Hilfswerk sowie die verschiedenen Finanzierungsmethoden des WHW.
5. Analyse: Untersucht den Bedeutungswandel des WHW, kontrastiert NS-Propaganda mit der tatsächlichen Praxis und bewertet die Funktion des WHW als Machtinstrument.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Winterhilfswerk, NSV, Sozialpolitik, Wohlfahrtspflege, Propaganda, Volksgemeinschaft, Drittes Reich, Lohnopfer, Eintopfsonntag, Arbeitsbeschaffung, NS-Ideologie, soziale Kontrolle, Kriegsfinanzierung, Solidarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung des Winterhilfswerks (WHW) im sozialpolitischen System des nationalsozialistischen Deutschlands und analysiert dessen Rolle als Propagandainstrument.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Sozialpolitik, dem Aufbau der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und der Organisation sowie Finanzierung des Winterhilfswerks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob das WHW tatsächlich eine gemeinnützige freiwillige Solidaritätsleistung war oder ein erzwungenes Mittel zur staatlichen Einnahmengenerierung und ideologischen Indoktrination.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine historische Analyse unter Auswertung von Fachliteratur, um die Struktur der NS-Sozialpolitik sowie die propagandistische und tatsächliche Wirkung des Winterhilfswerks gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den Abriss der Sozialpolitik nach 1933, die Geschichte der Wohlfahrtspflege, den detaillierten Aufbau der NSV und die spezifischen Abläufe der Spendensammlungen des WHW.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Winterhilfswerk, die NSV, Sozialpolitik, Propaganda, Lohnopfer und die Volksgemeinschaft im "Dritten Reich".
Wie unterschied sich die Unterstützung durch das WHW von der traditionellen Wohlfahrt?
Im Gegensatz zur traditionellen Wohlfahrt diente das WHW nicht nur der Nothilfe, sondern war strikt an ideologische Kriterien gebunden, die nicht-systemkonforme oder jüdische Bevölkerungsgruppen ausschlossen.
Welchen Einfluss hatte der Zweite Weltkrieg auf das WHW?
Mit Kriegsbeginn wandelte sich das WHW zunehmend; die freiwillige Komponente trat in den Hintergrund, und die Mittel wurden verstärkt für die Unterstützung von systemrelevanten Gruppen oder Familien im Kontext aktiver Bevölkerungspolitik eingesetzt.
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- Jan Möller (Author), 2003, Das Winterhilfswerk. Erscheinungsbild und Bedeutung im Sozialsystem des Dritten Reichs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28205