Inhaltsverzeichnis
Einleitung S 1
1. Sprachspiel
S 2
2. Eine Sprache erfinden S 4
3. Spiele und Sprachspiele
S 5
4. Sprachspiel der Benennung S 6
5. Regeln im Spiel S 7
6. Mit Sprache spielen S 11
7. Grenzen S 13
Resümee S 14
Literaturverzeichnis S 16
II
Einleitung Wittgenstein geht es um das Sprechen, um die tägliche Interaktion als das allgegen- wärtige Spiel, und wie sich dieses strukturiert. Er nähert sich dem Phänomen der Sprache von „innen“, betritt ihr Spielfeld und fragt nicht, nach dem „Was“, welches die Diskurse hervorbringt und lenkt. Ihn interessieren zuvorderst die internen Funkti- onsweisen.
Der Schwerpunkt der Hausarbeit wird deshalb auf der Struktur des Sprachspiels und seinen internen Mechanismen liegen. Diesbezüglich folgende Leitfragen: Inwieweit wird ein Spiel durch Regeln begrenzt? Was kann als eine Regel angesehen werden, und wie konstituieren sich die Regeln eines Spiels? Lassen sie sich beschreiben? Wie läßt sich Neues integrieren?
Und welchen Unterschied gibt es in dieser Hinsicht zwischen einem Spiel, einem Sprachspiel und der Sprache allgemein?
Ansatzpunkte bilden Wittgensteins Kommentare zu den Regeln und dem Regelha f- ten des Sprachspiels und zu dessen Grenzen. In diesem Zusammenhang halte ich allerdings auch eine kurze Einführung in den Sprachspielbegriff Wittgensteins für sinnvoll. Seine Bedeutungstheorie soll jedoch in diesem Kontext nicht ausführlich behandelt we rden.
Es ergibt sich eine Schwierigkeit bei der Interpretation von Wittgensteins Spätphilo- sophie, die sich allerdings bei jeder Theorie über die Sprache stellt: Instrument und Objekt fallen zusammen. Wittgenstein versucht dieser Schwierigkeit zu entkommen, indem er sich fast ausschließlich auf konkrete Situationen bezieht. Aus diesem Grund lassen seine „Zettelsammlungen“ viel Raum für die Interpretation. Dabei stellt sich die Frage, ob es legitim ist, Wittgensteins Spätphilosophie zu systematisieren, was dieser doch gerade vermeiden wollte. Doch für eine Auseinandersetzung ist es meiner Ansicht nach unumgänglich. In diesem Sinne werde ich Wittgenstein Gewalt antun. Doch „wittgensteinianisch“ handelt es sich gar nicht um eine Meta- Perspektive: Ich werde das Sprachspiel der Beschreibung und Interpretation von Wittgensteins Philosophie spielen.
Neben „Philosophische Untersuchungen“ werden einige seiner Spätwerke als Quelle dienen: „Philosophische Grammatik“, „Blaue Buch“, „Philosophische Bemerkungen“ und „Über Gewißheit“.
1
1. Sprachspiel Wittgensteins „Sprachspieldefinition“:
„Wir können uns auch denken, daß der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte in (2) eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele „Sprachspiele“ nennen (...). Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tä- tigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das „Sprachspiel“ nennen.“ 1
Er bezieht den Begriff des „Sprachspiels“ sowohl auf spezielle, umgrenzte Situatio- nen im alltäglichen Sprechhandeln, z. B. auf solche, in denen Kinder die Sprache erlernen, und ebenso auf „das Ganze“, auf Sprache und Tätigkeit, abgelöst vom situ- ativen Kontext. Das „Sprechhandeln“ fungiert dabei als Sinnbild des menschlichen Daseins insgesamt.
Sprache und Tätigkeit sind für Wittgenstein nicht separat denkbar. Im Ausdrucks- handeln, wenn Ziele formuliert, Intentionen offengelegt werden etc., also in der ve r- balen Praxis wird offensichtlich, dass die Sprache nicht vom handelnden Individuum, das sich ihrer bedient, loszulösen ist.
Im Alltag trifft man auf unterschiedlichste kommunikative Situationen mit dement- sprechend vielfältigen Verhaltens- und Redeweisen. Sie richten sich u. a. an be- stimmten Zwecksetzungen im Interaktionsprozess aus. 2 „- Es gibt unzählige solcher Arten: unzählige Arten der Verwendung alles dessen, was wir „Zeichen“, „Worte“, „Sätze“ nennen. Und diese Mannigfaltigkeit ist nichts Festes, ein für allemal Gegebenes; sondern neue Typen der Sprache, neue Sprachspiele, wie wir sagen können, entstehen und andre veralten und werden vergessen. (...) Das Wort „Sprachspiel“ soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder ei- ner Lebensform.“ 3
Im Prozess des täglichen Sprechens, des täglichen Handelns sind die Verwe n- dungsweisen von sprachlichen Ausdrücken Veränderungen unterworfen. Die man- nigfaltigen Wort- und Satzarten werden kontextabhängig aktualisiert und modifiziert. Es handelt sich um eine prinzipielle Offenheit.
Auch hier zeigt sich, dass die Sprache nicht losgelöst von Handlungskontexten zu betrachten ist. Die gesamte Praxis und Lebenstätigkeit läßt sich nach Wittgenstein als ein Netzwerk zusammenhängender Sprachspiele begreifen. 1 PU 7.
2 Wittgenstein hebt im folgenden die unterschiedlichen Funktionen, welche ein Wort erfüllen kann, hervor. Siehe ÜG 64: „Die Bedeutung eines Worts vergleiche mit der „Funktion“ eines Beamten. Und „verschiedene Bedeutungen“ mit „verschiedene Funktionen“.
3 PU 23.
2
Er unterstellt ein dialektisches Verhältnis zwischen Sprache und Praxis. Dem natürli- chen Lebensraum entsprechen typische Handlungszusammenhänge, in welche die kommunikative Verwendung der betreffenden sprachlichen Ausdrücke normalerwei- se eingebettet ist und von denen her sie ihre Bedeutung empfängt. 4 Die Sprache strukturiert aber ebenso die Erkenntnis und Welterfahrung des Menschen. Die Sprachspiele liefern die Struktur, mit deren Hilfe man sich in der Wirklichkeit orientiert und in ihr agiert:
„Die Sprache selbst ist das Vehikel des Denkens.“ 5 Der Gebrauch der Sprache ist damit nicht nur fundamentaler Bestandteil unseres Lebens, sondern er greift gleichzeitig in unser Leben ein. Die Sprache ist es, die un- sere Erfahrung in bestimmte Kanäle leitet. Die Konstitution der Objekte unserer Er- fahrung ist nach Wittgensteins Vorstellung durch unsere grammatische Praxis gere- gelt.
Die Sprachspiele bilden den Interaktionshorizont, in dem sich kulturelle Repräsenta- tionen eingeschrieben haben, und die nun als Strukturierungshilfe, als Ordnungspri n- zip und erste Voraussetzung zur Kommunikation - ob mündlich oder schriftlich, ob Schrift- oder Bildsprache - fungieren. Demnach ist der Mensch also abhängig von der Beherrschung von Sprachspielen, von Kulturtechniken im weiteren Sinne, wenn er sich ausdrücken und „interagieren“ will.
Nur in einem bestimmten Rahmen ist es möglich sich auszudrücken, gleichzeitig ist innerhalb dieses Rahmens eine hohe Varianz von Ausdrucksmöglichkeiten gegeben. Diese Ausdrucksmöglichkeiten sind allerdings nicht statisch festgelegt, sondern Ver- änderungen unterworfen, die sich in der täglichen „Sprachspiel-Praxis“ zeigen. „Stellen wir uns die Tatsachen anders vor als sie sind, so verlieren gewisse Sprachspiele an Wichtigkeit, andere werden wichtig. Und so ändert sich, und zwar allmählich, der Gebrauch des Vokabulars der Sprache.“ 6
Wittgenstein kann man nicht im Sinne eines rein strukturalen Denkens verstehen, wonach Tatsachen selbst als Zuschreibungen angesehen werden. 4 Die „Lebensformen“ finden in den Sprachspielen ihre Verkörperung. Für Lebensformen dürfen wir nach Witt- genstein nicht versuchen Gründe anzugeben. PU 19: „Und eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen.“ 5 PU 329.
6 ÜG 63.
3
Quote paper:
Jessica Heyser, 2002, Die Regeln des Sprachspiels. Zu Ludwig Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Über Franz Kafkas "Das Urteil" - Unermessliche Schuldgefühle...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Wittgensteins Auffassung von Augustinus' Sprachverständnis
Philosophy - Philosophy of the Present
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Gottfried Wilhelm Leibniz und die Theodizee
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Kinderwerbung - Strategien und Gestaltung von Werbung speziell für Kin...
Communications - Movies and Television
Termpaper, 18 Pages
Die Wortfeldtheorie nach Jost Trier im Lichte ihrer Kritik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 44 Pages
Die Geschlechterkonstruktion in der Mikrotheorie
Scholary Paper (Seminar), 32 Pages
Nero. Regierungsantritt und erste Maßnahmen
History - World History - Early and Ancient History
Termpaper, 16 Pages
Sprechakttheorie und Werbeanalyse auf der Grundlage von Dieter Fladers...
Termpaper, 14 Pages
Jessica Heyser's text Die Regeln des Sprachspiels. Zu Ludwig Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen" is now available as a printed book
Jessica Heyser has published the text Die Regeln des Sprachspiels. Zu Ludwig Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen"
Jessica Heyser has uploaded a new text
0 comments