1 SEX UND GENDER SINNVOLLE ORDNUNGSKATEGORIEN 4
1.1 DIE BIOLOGISCHE ZWEIGESCHLECHTLICHKEIT 4
2.1 BIOLOGISMUS NATURALISMUS 6
2.2 GLEICHHEIT DER GESCHLECHTER 7
2.4.1 DISKURSTHEORIE 8
2.4.2 ETHNOMETHODOLOGIE 9
13 3 2 PHALLOZENTRISMUS
14 3 3 WISSENSCHAFT
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Neuere Erklärungskonzepte zur sozialen Konstruktion von „gender“
0 Einleitung
Die Zweiteilung der Geschlechter in Männer und Frauen als sich gegenseitig ausschließende Kategorien erscheint in weiten Teilen menschlicher Gesellschaften seit denkbar langer Zeit als unhinterfragbare Tatsache. Während in früheren Zeiten der Frage nach dem Ursprung d er Zweigeschlechtlichkeit mit einem Verweis auf die göttliche Schöpfung (im Christentum) begegnet wurde, wird die Existenz zweier Geschlechtskategorien in heutiger Zeit über die Natur (Evolution, Biologie) begründet. Diese Letztbegründung bietet den Ausgangspunkt für alle darauf aufbauenden geschlechtsspezifischen Unterscheidungen in diversen gesellschaftlichen Kontexten. Auch die Frauenforschung und Frauenbewegung hat in ihren frühen Stadien Konzepte auf Grundlage der Zweigeschlechtlichkeit entwickelt und diese sozialisationstheoretisch begründet. In jüngerer Zeit läßt sich jedoch ein Wandel weg von der Akzeptanz natürlicher Geschlechtsunterschiede hin zur Dekonstruktion eben dieser Unterschiede erkennen. Frau (und teilweise auch man) geht mit Bezug auf andere erkenntnistheoretische Annahmen (wie z. b. die konstruktivistische Epistemologie) davon aus, daß die Zweigeschlechtlichkeit im sozialen Prozeß konstruiert wird.
In der vorliegenden Hausarbeit sollen zunächst die Geschlechtskategorien anhand der Konzepte „sex“ und „gender“ gegenübergestellt und kritisch beleuchtet werden. Im Anschluß daran werden unterschiedliche theoretische Grundpositionen vorgestellt, die die Geschlechterdifferenz oder deren Aufhebung in verschiedener Weise erklären. Parallel hierzu sollen auch einige Strömungen in der Frauenbewegung mit unterschiedlichen Annahmen und Zielrichtungen angesprochen werden. Im Anschluß an diesen Theorieteil folgen einige Beispiele aus den Bereichen Arbeit und Wissenschaft, welche die Konsequenzen der sozialen Konstruktion von Geschlecht hinsichtlich dem Aufbau und Erhalt männlicher Herrschaftsstrukturen in Gesellschaften illustrieren sollen. Hierbei wird die Geschlechterdifferenz als notwendige Voraussetzung für eine anschließende Hierarchie im Geschlechterverhältnis betrachtet. Abschließend werden einige Gedanken mit Blick auf mögliche Coping-Strategien sowie prophylaktische Maßnahmen von Frauen und Männern zur Durchbrechung dieser hierarchischen Verhältnisse skizziert.
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1 „Sex“ und „gender“ - sinnvolle Ordnungskategorien?
1.1 Die biologische Zweigeschlechtlichkeit Im anglo-amerikanischen Sprachraum bezeichnet das Wort „sex“ den biologisch zugeschriebenen Status von Menschen als Männer oder Frauen. Eine solche Zuschreibung erfolgt aufgrund verschiedener anatomischer, morphologischer, physiologischer oder endokrinologischer Unterscheidungen (vgl. Gildemeister/Wetterer, 1992, S. 209). So wird z. B. bei der Geburt eines Menschen anhand seiner äußeren Geschlechtsmerkmale das biologische Geschlecht (entweder Mädchen oder Junge) festgelegt. Im Alltagsverständnis der meisten Menschen ist diese Festlegung als selbstverständlich (da „natürlich“) verankert.
Allerdings scheint bei näherer Betrachtung der bestimmenden Kriterien für die Festlegung des „sex“ eine grundsätzliche und widerspruchsfreie Einordnung in zwei sich ausschließende Kategorien (Mann/Frau) problematischer zu sein als angenommen. Die für die Bestimmung trennscharfer Klassifizierungen verantwortlichen Wissenschaften (z. B. Biologie und Physiologie) entwerfen neuerdings ein weitaus differenzierteres Bild der binären biologischen Geschlechtszuordnung. Die Geschlechtskategorien „werden nicht mehr als zwei entgegengesetzte, einander ausschließende Kategorien verstanden, sondern vielmehr als Kontinuum, bestehend aus dem genetischen Geschlecht, dem Keimdrüsengeschlecht und dem Hormongeschlecht.“ (Lorber/Farell, 1991, S. 7).
Darüber hinaus müssen die verschiedenen Geschlechtsfaktoren nicht unbedingt bei einer Person übereinstimmen und außerdem sind ihre Wirkungen umweltabhängig (vgl. Gildemeister/Wetterer, 1992, S. 209). An dieser Stelle sei ein Beispiel zur Illustration angefügt: einer heterosexuellen russischen Athletin wird die Teilnahme bei den olympischen Spielen als Frau untersagt, da sie aus medizinischer Sicht (d. h. hinsichtlich ihrer Chromosomen) männlich ist (vgl. Gergen, 1996, S. 238). Somit erscheint eine eindeutige Zuordnung zu einem biologischen Geschlecht unter Berücksichtigung aller als relevant erachteten Unterscheidungskriterien entgegen alltäglicher und auch sozialwissenschaftlicher Erwartungshaltungen als unmöglich.
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1.2 Die soziale Zweigeschlechtlichkeit Das Pendant zu „sex“ als biologischem Geschlecht ist im englischen „gender“ als soziales bzw. kulturelles Geschlecht. Gender wird als in Sozialisationsprozessen erworbener Geschlechtsstatus definiert. Im klassischen Sinne (frühe Frauenforschung) werden analog zur biologischen Zweigeschlechtlichkeit ebenfalls zwei Gendertypen (maskulin/feminin) unterschieden. Welche Kriterien einer Unterscheidung zwischen maskulinem und femininem Gender zugrunde liegen, ist jedoch alles andere als eindeutig. So werden verschiedenste bipolare Konstrukte angeführt, und dem einen oder anderen Gender als typische Merkmale, Eigenschaften, Verhaltensweisen, etc. unterstellt. Beispiele hierfür sind: rational/irrational, objektiv/subjektiv, stark/schwach, logisch/intuitiv, usf. (vgl. Seifert, 1992, S. 275).
Die Verwendung des Gender-Konzeptes bietet zunächst den entscheidenden Vorteil, daß Unterschiede im Verhalten und Handeln zwischen den Geschlechtern losgelöst von dem jeweiligen „sex“ der Geschlechter erklärbar sind, da sie aufgrund der Gender-Sozialisation entstanden sein können. Andererseits besteht die Gefahr einer Manifestation des Denkens in zwei Kategorien, welche angeblich in einem (wenn auch unbestimmten) Zusammenhang mit den zugrundeliegenden biologischen Geschlechtskategorien stehen. Somit werden biologische Unterschiede, die je nach Wahl der Kriterien alles andere als eindeutig sind (s. o.), und soziale/kulturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern in einem gewissem Sinne parallelisiert. Gildemeister und Wetterer (1992) sprechen in diesem Zusammenhang von einem latenten Biologismus der Gesamtstruktur „sexgender“ (a. a. O., S. 207).
Aus der Annahme, daß es (exakt) zwei biologische und zwei soziale Geschlechter gibt, die sich kongruent aufeinander abbilden lassen (damit ist gemeint, daß männliche Wesen maskulin sind und weibliche Wesen feminin, was immer das auch sein mag), folgt im Umkehrschluß, daß es keine „Mischtypen“ (maskuline Frauen, feminine Männer) gibt. Im Gegensatz zu der Annahme der sozialen Zweigeschlechtlichkeit zeigen Ergebnisse der kulturanthropologischen Forschung, daß in manchen Kulturen drei Gender-Identitäten nebeneinander gelebt werden, in anderen ein Wechsel zwischen verschiedenen sozialen Geschlechtern möglich ist und in wieder anderen Genderrollen z. T.
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Sascha Wingen, 1998, Neuere Erklärungskonzepte zur sozialen Konstruktion von "gender", Munich, GRIN Publishing GmbH
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