Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Entwicklung des Medienjournalismus in den USA 2
2.1 Definition und Aufgaben des Medienjournalismus 2
2.2 Entstehungshintergründe. 3
2.3 Historische Entwicklung 4
2.4 Beständige medienjournalistische Themenfelder. 7
3 Medienjournalistische Akteure 8
3.1 Inside the Media Industry - Interne Media-Watchdogs. 8
3.1.1 Medienjournalismus in den Medien. 8
3.1.2 Journalism Reviews 10
3.2 Outside the Media Indutry - Externe Media-Watchdogs. 11
3.2.1 News Councils 11
3.2.2 Private Organisationen 12
3.2.2.1 AIM als einflussreichster konservativer Media-Watchdog. 12
3.2.2.2 FAIR als größte liberale Organisation 13
3.2.2.3 Mediachannel als neutraler Beobachter 14
4 Bedeutung des Medienjournalismus 15
4.1 Legitimation und Notwendigkeit 15
4.2 Kritik und Probleme 16
5 Fazit. 19
Anhang 21
Abk ürzungsverzeichnis. 23
Literaturverzeichnis 24
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Medienjournalistische Akteure
Abbildung 2: Medienjournalismus als fünfte Gewalt.
Abbildung 3: Zyklen im Medienjournalismus (seit 1945)
1
1 Einleitung
Die Medien sind in einer Demokratie wichtiger, als sie gemeinhin wahrhaben wollen. Als vierte Gewalt überwachen und kritisieren sie die drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative und prägen zunehmend den öffentlichen Diskurs über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Doch wie ist es eigentlich um die Kontrolle der Kontrolleure bestellt? Da in Demokratien die Pressefreiheit eines der höchsten Güter ist, verfügen weder Staat noch Bürger über wirksame Kontrollinstanzen und Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den Medien. Folglich sind andere Mechanismen notwendig, um journalistische Qualität zu prüfen und zu sichern. Als einer der gangbarsten Wege gilt hierbei die kritische Selbstbeobachtung der Branche in Form von Medienjournalismus.
In den USA hat Medienjournalismus - also Journalismus, der über Medienthemen berichteteine lange Tradition. In seiner Vielfältigkeit und Bedeutung gilt er für andere Demokratien als beispielhaft. Nach einem ersten Boom in den späten Sechzigern erlebt Medienjournalismus seit den neunziger Jahren einen „zweiten Frühling“ 1 . Ausschlaggebend dafür sind die Konzentrationsbewegungen im Mediensektor, das Aufkommen des Internet sowie eine gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit für die Medien. Es entstanden unzählige und vielfältige Foren der Medienkritik in Tageszeitungen, Stadtmagazinen und Online-Medien. Darüber hinaus kontrollieren und kommentieren dutzende private Organisationen ökonomische und journalistische Entwicklungen der Medienbranche. Medienjournalismus gilt inzwischen als eine Art „fünfte Gewalt“, die den Journalismus als vierte Gewalt kontrolliert (Abb.1). Doch haftet einem zweiten Frühling rein semantisch immer etwas „rührend Vergebliches“ 2 an. Susanne Fengler spricht in Ihrer Dissertation zum Medienjournalismus in den USA in diesem Zusammenhang von einem „letzten Aufbäumen gegen den unvermeidlichen Lauf der Dinge“ 3 . Dabei meint sie zum einen den Kampf gegen die längst eingetretene Werteverschiebung im seriösen Journalismus, zum anderen die wachsende Macht der Medienproduzenten im sich konzentrierendem Medienmarkt.
Diese Ambivalenz zwischen enormer Bedeutung und vermeintlicher Wirkungslosigkeit des Medienjournalismus wird in der vorliegenden Arbeit untersucht. Ziel ist eine umfassende Darstellung sowie kritische Betrachtung medienjournalistischer Aktivitäten in den USA. Dabei werden drei Schwerpunkte gesetzt. Zuerst soll geklärt werden, wie sich Medienjournalismus in
1 Fengler (2002b), S. 12.
2 Susanne Fengler erläutert dies mit dem Beispiel eines älteren Menschen, der überraschend aufblüht, weil er
unerwartet noch mal sein Herz verschenkt. vgl. ebd.
3 ebd.
2
den USA entwickelt hat und mit welchen Themenfeldern er sich beschäftigt. Dabei wird das Phänomen in den Kontext des US-amerikanischen Mediensystems eingeordnet. Zweitens werden Arbeitsweisen und Interessen der aktuellen medienjournalistischen Akteure beleuchtet. Dies bildet die Ausgangsbasis für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Drittens wird anhand von positiven und negativen Aspekten des Medienjournalismus der Frage nach Wirkung und Wirkungslosigkeit medienjournalistischer Aktivitäten nachgegangen. Abschließend soll die Frage geklärt werden, inwiefern Medienjournalismus seine ihm zugeschriebene Rolle als „fünfte Gewalt“ erfüllen kann oder ob ihm doch eher etwas „rührend Vergebliches“ anhaftet.
2 Entwicklung des Medienjournalismus in den USA
2.1 Definition und Aufgaben des Medienjournalismus
Unter Medienjournalismus versteht man „jedes journalistische Produkt, das Medien oder die betreffenden Sachverhalte, Ereignisse etc. thematisiert und sich dabei einerseits an ein Fachpublikum und andererseits an ein Nicht-Fachpublikum wendet“. 4 Der Begriff bezeichnet jegliche Berichterstattung von Journalisten über ihre eigene Branche und schließt auch die in den Massenmedien geäußerte Medienkritik mit ein.
Im Wesentlichen erfüllt Medienjournalismus zwei Aufgaben. Zum einen soll er den stetig wachsenden und unübersichtlicher werdenden Mediensektor verständlich bzw. zumindest überschaubar machen, zum anderen dient er durch die Überprüfung der Einhaltung von journalistischen Normen zur publizistischen Qualitätssicherung. Eine strukturierte und kontinuierliche Berichterstattung über die Medien soll es vor allem dem Mediennutzer ermöglichen, Entwicklungen einzuordnen und diese kritisch zu hinterfragen. Aufgrund des enormen Wachstums des Mediensektors gewinnt dieser Aspekt auch für Journalisten und deren Orientierung in der eigenen Branche zunehmend an Bedeutung. Ausschlaggebend im Medienjournalismus sind die Selbstreflexion journalistischen Handelns und der Beitrag zur journalistischen Selbstkontrolle. Entscheidend ist die Abgrenzung zur Medien-PR, die die unreflektierte Selbstdarstellung von Medienunternehmen in ihren eigenen Produkten beinhaltet. 5
4 Fengler (2002b), S. 12 in Anlehnung an eine Definition von Krüger und Müller-Sachse (1997), S. 2 ff.
5 vgl: http://www.medienjournalismus.de/html/begriff.htm (24.04.2003).
3
Medienjournalismus erfolgt in den USA zum einen durch die Branche selbst in Form von Artikeln oder Kolumnen in Zeitungen und Magazinen oder Radio- bzw. Fernsehsendungen zu Medienthemen. Zum anderen existieren unzählige externe Organisationen, die sich die kritische Prüfung der Medieninhalte zur Aufgabe gemacht haben und sich als „Kontrolleure der Macht, gefiltert durch die Medien“ 6 verstehen (Abb.2).
2.2 Entstehungshintergründe
Medienjournalismus in seiner jetzigen Form hat sich in den USA vor allem in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren entwickelt. Mit dem Aufkommen des Internets und den Fusionswellen in der amerikanischen Medienwirtschaft erlebte er in den neunziger Jahren eine zweite Boomphase. Grundlegend für die Entwicklung der Aktivitäten ist vor allem das wachsende Interesse der Öffentlichkeit für die Medien und eine zunehmend kritischere Betrachtung ihrer Autorität. 7 Als vierte Gewalt kontrollieren und kritisieren die Medien - auch „Watchdogs“ genannt - die drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative und prägen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung. 8 Schon Niklas Luhmann konstatierte, das alles, was wir heute wissen, wir aus den Massenmedien wissen. 9 Deshalb spielt die Berichterstattung über Journalismus in einer Demokratie bei der publizistischen Qualitäts- und Vielfaltssicherung eine zentrale Rolle. Die Akteure im Medienjournalismus, sog. „Media-Watchdogs“ 10 , stellen so etwas wie eine fünfte Gewalt dar, die die vierte Gewalt kontrolliert (Abb.1). Treffend formuliert ist dies im Motto des New Yorker Online-Media-Watchdogs Mediachannel.org: „As the media watch the world, we watch the media“ 11 .
Ein weiterer entscheidender Aspekt für die Entwicklung von Medienjournalismus ist der Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in die Medien. Eine Studie der American Society of Newspaper Editors ergab: „All the public opinon shows that 2/3 to 3/4 of those surveyed say that they have a high level of distrust for what they see, read and hear in the press”. 12 Als Grund dafür wird die zunehmende Boulevardisierung aufgrund verschärften publizistischen Wettbewerbs angesehen. Um Aufmerksamkeit zu erlangen, setzen Medienmacher auf Trivialisierung, Sensationalismus, Emotionalisierung, Infotainment, Star-Kult oder den Einsatz
6 Lande (2001), S. 49.
7 vgl. ebd.
8 vgl. Ruß-Mohl (2000), S. 252.
9 vgl. Luhmann (1996), S. 9.
10 Der Begriff „Media-Watchdogs“ (deutsch „Medien-Wachhunde“) wird in dieser Arbeit für alle Personen und
Institutionen verwendet, die Medienjournalismus betreiben. Der Terminus „Watchdogs“ wird synonym zu
„Medien“ allgemein verwendet.
11 Lande (2001), S.49.
12 ebd.
4
fragwürdiger journalistischer Praktiken (bspw. das Eindringen in die Privatsphäre). Durch Medienjournalismus und das Transparentmachen interner Vorgänge und eigenen Fehlverhaltens wollen vor allem jene Medien, die auf Qualität und ethische Standards Wert legen, „Glaubwürdigkeit als Imagedimension und Wirkungsfilter“ 13 zurückgewinnen. Vor allem bei der Entstehung der unzähligen externen Media-Watchdogs spielt nicht zuletzt die Forderung der amerikanischen Öffentlichkeit nach Kontrolle der Medien eine entscheidende Rolle. Eine Umfrage des Centers for Media and Public Affairs (CPMA) im Jahr 1997 ergab, dass 52 Prozent der Amerikaner der Ansicht sind, dass die Medien ihre First-Amendment-Freiheiten 14 missbrauchen. 15 Zwei Drittel sprachen sich für den Einsatz von Institutionen aus, die kontrollierend und sanktionieren auf Medieninhalte einwirken sollen. Von staatlicher Seite gibt es in den USA jedoch keinerlei regulierende Instanzen und Sanktionsmöglichkeiten. „Freedom of the press in the United States belongs to the person who owns the press. (...) The media owners decide what the news values will be”. 16 Das Fehlen von Medieninhalte betreffenden Gesetzen sowie formalen Vorschriften macht folglich eine Kommunikation über journalistische Leistungen notwendig, die nur durch Medienjournalismus erfolgen kann. Zudem besteht bei den Journalisten das weit verbreitete Interesse an der auf Unabhängigkeit gestützten Berufsrolle. „Freedom of the Press“ gilt als absolut unangreifbares Gut in der amerikanischen Demokratie und wäre unvereinbar mit staatlichen Kontrollinstanzen. Medienjournalismus ist jedoch nicht zuletzt ein Mittel durch Selbstreflexion und Selbstkontrolle potentiellen Sanktionen vorzubeugen. Darüber hinaus stellt Susanne Fengler fest, dass „offenbar […] nur Medienjournalisten als Berufskollegen eine Chance [haben, N.R.], als Kontrollinstanzen von den Journalisten akzeptiert zu werden“. 17
2.3 Historische Entwicklung
Während die deutschen Medien erst in den achtziger Jahren damit begannen, sich mit Missständen im Journalismus auseinanderzusetzen, hat Medienjournalismus in den USA eine lange Tradition. Vor allem die frühen Medienkritiker des zwanzigsten Jahrhunderts - Will Irwin, Walter Lippmann, Upton Sinclair, A.J. Liebling oder George Seldes - setzten die
13 Fengler (2002b), S. 80 zitiert nach Bentele (1988), S. 421.
14 Das First Amendment, verankert in der Bill of Rights von 1791, in Verbindung mit dem 14. Amendment von
1868, sichert in den USA die Freiheit der Berichterstattung. Dies schließt Presse- Meinungs-, Versammlungs-
und Petitionsfreiheit sowie ferner Rechte wie Informations-, Rundfunk-, Kunst- und Filmfreiheit und das Recht
auf Zutritt zu Strafprozessen ein. Das First Amendment verbietet Eingriffe des Gesetzgebers in die
Pressefreiheit, um die Grundlagen der Meinungsbildung vor einer Kontrolle durch die Regierung zu schützen.
15 ebd., S. 86.
16 Whitehouse (o.J.), http://usinfo.state.gov/journals/itgic/0401/ijge/gj05.htm (24.04.2003).
17 Fengler (2002b), S. 70.
Arbeit zitieren:
Nicole Ruhl, 2003, Watching the Watchdogs. Medienjournalismus in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
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