Inhaltsverzeichnis
Einleitung : 3
Die Gesellschaftliche Rolle der Arbeit 4
Der quasiindustrielle Gebrauch von Arbeit 7
Die Arbeit von Haushaltssklaven 9
Arbeit und Identität 10
Schluss überlegungen: Marginalität, Abhängigkeit und Freiheit 12
Literaturverzeichnis 14
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Einleitung
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Funktion und die heterogene soziale Realität der Arbeit von römischen Besitzsklaven in der zentralen Periode des Römischen Reichs darzustellen und mit ihrer Rezeption im Diskurs der römischen Elite in Bezug setzen. Im Speziellen soll die Frage behandelt werden, wie sich das Selbstbild der Sklaven und ihrer Arbeit innerhalb einer von aristokratischen Werten geprägten Gesellschaft konstituiert hat. Gerade das Selbstbild der Sklaven kann lediglich impressionistisch dargestellt werden, da nahe zu keine authentischen Selbstdarstellungen von Sklaven überliefert sind. Auf dieses spezifische Problem der Quellenlage will Ich im Folgenden kurz eingehen:
Literatur und Gesetzestexte stellen nur bedingt eine verlässliche Quelle für die Rekonstruktion des Zusammenhangs von Sklavenarbeit und Identität dar, da sie zum großen Teil Verfassern zuzuordnen sind, die selbst nicht gearbeitet haben. Beide stellen einen exklusiven Diskurs dar, in denen unterprivilegierte Gruppen keinen Ausdruck finden. Gesetzestexte stellen lediglich die Rahmenbedingungen sozialen Agierens dar und schweigen sich über soziale Realitäten aus, während Literatur lediglich verlässlich Aufschluss über die Wertordnung und Einstellungen des Autors gibt, nicht jedoch deskriptiv zu lesen ist. Es herrscht Uneinigkeit darüber, wie häufig wiederkehrende Stereotypen, etwa des faulen Sklaven, zu deuten sind. Anders als etwa Bradley, der in ihnen überspitzte und transformierte Indikatoren von sozialen Realitäten sieht, neigen andere Wissenschaftler eher dazu, Stereotypen eine verschleiernde und mystifizierende Funktion beizumessen. Haben sich nun die genannten Quellen als prekär erwiesen, so muss auch die vermeintliche Beredtheit anderer, authentischerer Quellen, in diesem Falle Grabinschriften, kritisch betrachtet werden. Grabinschriften geben grundsätzlich Auskunft über Teile der sozialen Realität von Personen zum Zeitpunkt ihres Todes und sind somit Teil eines nicht-exklusiven Diskurses, der die Artikulation unterprivilegierter Gruppen gewährleistet. Gleichwohl ist diese Artikulation von einer völlig anderen Qualität
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als jene in Literatur und Gesetzestexten. Zunächst sind die überlieferten Informationen auf diesen Trägern denkbar dürftig und erschöpfen sich oft in Rechtsstatus, Arbeit und Namen des Verstorbenen. Grabinschriften verfügen weiterhin über einen spezifischen Code, der ihrer symbolischen und zeremoniellen Funktion geschuldet ist. Die verwendete Sprache mag für Zeitgenossen unzweideutig gewesen sein, für die Gegenwart ist für die Deutung allerdings eine nicht zu unterschätzende Transferleistung notwenig 1 Aus der hier dargestellten Quellenproblematik ergibt sich die Notwendigkeit eines vergleichenden Vorgehens.
Beginnen möchte ich mit einer Darstellung der Einstellungen der römischen Oberschichten bezüglich der Arbeit, deren Knappheit den formalen Vorgaben dieser Seminararbeit geschuldet ist. Ungeachtet der Tatsache, dass Sklavenbesitz im Römischen Reich ein Massenphänomen war, möchte ich mich weitgehend auf das beschränken, was ich im Folgenden - terminologisch etwas unscharf - als Elite bezeichnen werde, also die Oberschicht des Römischen Reichs, welche im wesentlichen durch die drei führenden Ordines repräsentiert werden kann.
Die gesellschaftliche Rolle der Arbeit
Die Ansichten der römischen Eliten der Arbeit gegenüber können durch Ciceros Kategorisierung und Hierarchisierung verschiedener Tätigkeiten in seinen De Officiis anschaulich charakterisiert werden. Für ihn ergab sich eine binäre Opposition von standesgemäßem, respektablem Lebensunterhalt auf der einen und unwürdigem auf der anderen Seite anhand eines Katalogs inhärenter Merkmale der jeweiligen Beschäftigung. Diese Merkmale ordnete er in einem assoziativen Kontinuum an, dessen niedrigste Stufe das Bild des Sklaven ist; zusammenfassend ergibt sich folgendes Spektrum: der Status einer Beschäftigung mit dem Grad der Abhängigkeit des Beschäftigten ab. Je mehr eine bestimmte Arbeit persönliche Dienstleistung beinhaltete, desto niedriger und „sklavischer“ war ihr Status. Handarbeit und intellektuelle Tätigkeiten bildeten auf dem Spektrum polare Gegensätze. Auch bestimmte Arbeitsplätze, vor allem die Werkstatt, waren sklavisch bzw. unfrei konnotiert. Der Aspekt des
1 Joshel, Sandra, Work, identity and legal status at Rome, Norman u. a. 1992 , S. 9-5.
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sozialen Nutzens bildete ebenfalls eine Kategorie; So wurde der Handel als materialistisch, unmoralisch und tendenziell sklavisch empfunden, da er auf Sklaven projizierte Charakterzüge, wie etwa Unredlichkeit und Opportunismus fördere, während hingegen die Medizin, Architektur und die Lehrtätigkeit aufgrund ihrer sozialen Wirkung und der von ihnen geforderten intellektuellen Fertigkeiten als höherwertig eingestuft wurde. Als niedrigste Statusstufe wird von Cicero der Mercenarius, der Lohnarbeiter, konstruiert, welcher in Ciceros Diktion quasi synonym zum Sklaven verwendet wird 2
Bemerkenswert ist hierbei, dass Sklaven de facto in allen Bereichen dieses von Cicero erstellten Kontinuums vorhanden waren, nicht nur in den vom ihm explizit als unwürdig empfundenen. Es gab im Römischen Reich, vom Bergbau und dem Hauspersonal abgesehen, nahezu keine Arbeit, die exklusiv von Sklaven ausgeführt wurde. 3
Die Landwirtschaft, das Militärwesen und die Politik hingegen waren die standesgemäßen Tätigkeitsbereiche für Männer von Rang und Namen 4 . Vor allem Erstere wird von Cicero hervorgehoben, keine Tätigkeit ist seiner Ansicht nach eines freien Mannes würdiger 5
Aber auch hier klafften Lücken zwischen der sozialen Realität und dem aristokratischen Ideal; nicht wenige Mitglieder der römischen Elite hatten Einnahmequellen aus dem Handel, dem Bankwesen oder anderen nicht direkt mit der Landwirtschaft verbundenen Quellen, worüber sie entweder Stillschweigen bewahrten oder sich mit ideologischen Konstruktionen behalfen, etwa die der Höherwertigkeit des Großhandels gegenüber dem Kleinhandel 6 . Die hier skizzierte Einstellung zum Handel war jedoch nicht nur auf die Eliten beschränkt, sondern zeigte sich auch implizit dadurch, dass auch gewöhnliche Händler den Titel Mercator bei ihren Grabinschriften nicht zu erwähnen pflegten 7 .
Diese Beobachtung sind typische Phänomene der Wertordnung der gesamten klassischen Antike; symptomatisch für die Geringschätzung der Arbeit war zum Beispiel im spirituellen Bereich die relative Vernachlässigung der Schutzgötter
2 Joshel, Work, S. 66f, vgl. Cicero, De Officiis, I,41 und I, 150-151.
3 Finley, Moses, Die antike Wirtschaft, München 1993, S. 79.
4 Treggiari, Susan, Roman Freedmen during the Late Republic, Oxford 1969, S. 88.
5 Cicero, De Officiis, I, 151.
6 Treggiari, Susan, Freedmen, S. 88.
7 AaO, S. 89.
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Arbeit zitieren:
Bernhard Pirkl, 2004, Sklavenarbeit im Römischen Reich - Arbeit, Nichtarbeit und Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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