Einleitung.
Jedem, der sich eingehend mit mittelalterlicher Dichtung beschäftigt, muss schon beim Lesen des Titels das Besondere des Kudrunepos auffallen: Das Epos trägt den Namen einer Frau, Kudrun, mehr noch der Dichter erklärt: „Ditze buoch ist von Kudrun“ 1 . Diese Tatsache, die eine tragende Rolle der Figur Kudrun vermuten lässt, die allgemein übliche Dreiteilung des Epos in einen Hagen-, Hilde- und Kudrunteil 2 (? männlich vs. ? weiblich) , sowie die ab Hilde 1 auftretende matrilineare Genealogie 3 könnten aufgrund ihrer Besonderheit als ›Indizien‹ betrachtet werden, die die Aufstellung der These gestatten, dass es sich bei der ›Kudrun‹ um einen Frauenroman handelt. Hugo Kuhn geht jedoch noch weiter und schreibt:
„Die ›Kudrun‹ ist ein Frauenroman, bis in erstaunliche politische Eingriffe der Frau hinein.“ 4
Ziel dieser Abhandlung soll es sein zu untersuchen, ob und inwieweit diese These über die genannten ›Indizien‹ hinaus durch das Kudrunepos gestützt wird.
Frauenroman - Begriffsklärung und Prognosen.
Vorab bedarf es einer Klärung, was der Begriff Frauenroman meint und wie er im Rahmen der Abhandlung verstanden werden soll.
Die Definition des Frauenromans, als ein „von Frauen verfasster Roman [...] um ein Frauenleben“ 5 , als „Literatur [...], die sich kritisch mit der Erfahrung von Frauen auseinandersetzt“ 6 oder kurz gesagt als „Literatur von, für und über Frauen“ 7 , auf den Begriff des Frauenromans in dieser Abhandlung anzuwenden, hieße, die These bereits in ihrem Keim zu ersticken. Zum einen sind die Werke des Mittelalters in einer überwältigenden Mehrheit von Männern verfasst. 8 Es hat zwar auch schreibende Frauen, z. B. Marie de France 9 oder die Mystikerinnen 10 ,
1 Stackmann (Hrsg.), Kudrun, S. 1; weitere Verweise auf das Werk werden innerhalb des laufenden Textes durch runde Klammern markiert.
2 Vgl. Janzen, Zum Aufbau, S. 516f.
3 Nolte, Das Kudrunepos, S. VII.
4 Kuhn, Kudrun, S. 509
5 Wilpert, Sachwörterbuch, S. 310.
6 Stephan, Reallexikon, S. 625.
7 Ebd. S. 626.
8 Nolte, Das Kudrunepos, S. IX.
9 Brinker-Gabler, Deutsche Literatur, S. 44f.
10 Ebd., S. 88ff.
3
gegeben, doch schrieben sie „an und für Gott, der sich ihnen in mystischen Erlebnissen unmittelbar und spürbar offenbart hatte“ oder sie thematisierten „den Bruch zwischen Schweigen und Schrift selbst“, „be-schrieben das Szenarium, den Raum, in welchem sich Schrift für sie ereignen konnte“. 11 Letzteres ist definitiv kein Thema der ›Kudrun‹. Ersteres betreffend lässt sich sagen, dass das Kudrunepos zwar keineswegs ›Gott-los‹ ist, wie sich vor allem im Kudrunteil zeigt, dass sich dessen Rolle aber auch nicht dahingehend erstreckt, dass von dem Epos als Text „an und für Gott“ gesprochen werden kann 12 . Über den Kudrundichter ist nichts bekannt, man geht aber im Allgemeinen von einem männlichen Verfasser aus. Theodor Nolte sieht die männliche Hand sogar bewiesen. In Bezug auf die positive Reaktion Kudruns gegenüber dem um die Minne kämpfenden Herwig schreibt er, dass die Frau, die sich dem aggressiven Werber nicht entziehen könne und sich ihm in Minne unterwerfe, eine rein männliche Phantasie sei. 13 Letztendlich gibt es keine eindeutigen Beweise, die für eine Frau oder gegen einen Mann als Dichter des Epos sprächen, so dass ein männlicher Verfasser angenommen werden muss. So fragt auch Kuhn:
„Wer war dieser erstaunliche Mann, der Dichter der ›Kudrun‹?“ 14
Man könnte mutmaßen, dass der Dichter der ›Kudrun‹ vielleicht eine Mäzenatin hatte, die ihn veranlasste, ein derartiges Werk zu schreiben, aber dies wäre eben nur eine Mutmaßung, für die sich ebenfalls keinerlei Beweise finden lassen. Genauso wenig ist bewiesen, dass das Kudrunepos für Frauen geschrieben wurde. Der Text spricht weder Leser, noch Leserin, wie in einigen mittelalterlichen Texten üblich 15 , an. Allein die Tatsache, dass im Mittelalter wesentlich mehr Frauen als Männer lesen konnten 16 oder, dass Bücher zu dem wenigen gehörten, das Frauen im Mittelalter erben konnten 17 ist noch kein Beweis dafür, dass sich der Dichter der ›Kudrun‹ vornehmlich an Frauen richtete. Auch die, wie Nolte meint, idealisierte Darstellung der Kudrun 18 kann nur ein Indiz für eine derartige Annahme sein.
11 Bäurle/ Braun, Über das Schreiben, S. 1.
12 Vgl. Hoffmann, Kudrun, S. 167f. und 191.
13 Nolte, Das Kudrunepos, S. 39.
14 Kuhn, Kudrun, S. 514.
15 Ebd., S. 70, insb. Fußnote 225.
16 Schirmer, Mystik und Minne, S.14.
17 Ebd.
18 Nolte, Das Kudrunepos, S. 71.
4
Der Begriff des Frauenromans kann demnach nicht innerhalb des gesetzten Rahmens auf das Epos angewendet werden. Lässt man aber diese Aspekte außer acht und konzentriert sich auf die von Helga Meise erkannte Besonderheit des Frauenromans: der Kampf um den Charakter der Frau, seine begehrenswerten und abstoßenden Seiten und die daraus resultierende Herausbildung von Zügen weiblicher Identität, so dass ein Modell ›Weiblichkeit‹ entsteht 19 ; hat man einen Ansatzpunkt, von dem aus es gilt, die einzelnen Frauen, insbesondere aber Kudrun, in Bezug auf ihre dargestellte Persönlichkeit, Entwicklung und Bedeutung im Handlungskontext und -verlauf zu betrachten. Darüber hinaus macht der von Frauen produzierte Roman laut Meise „die Anstrengungen, Ratschläge, Versuche [sichtbar], mit denen die Frauen auf das Feld von Moralisierung und Normalisierung reagieren, in das sie sich eingespannt sehen [...].“ 20 Könnte man diese ›Charaktereigenschaften‹ des Frauenromans auch dem Kudrunepos zuordnen, ließe sich eine Be zeichnung des Epos als Frauenroman im weitesten Sinne des Begriffes rechtfertigen.
Exkurs: Situation der adligen Frau im Mittelalter.
Es ist notwendig, zuerst das Umfeld zu schildern, in das sich adlige Frauen des Mittelalters im allgemeinen eingespannt sahen, um die Reaktionen der Frauen in der ›Kudrun‹ besser würdigen zu können.
Adlige Frauen waren wie andere Frauen nicht rechtsmündig. Sie standen unter der Muntwaltschaft eines meist männlichen Verwandten. Wurde eine Frau verheiratet, musste an den Bräutigam eine Mitgift gezahlt werden, wodurch sie einen zusätzlichen Kostenfaktor für ihre Familien darstellte 21 . Allein schon darum sah sich eine Frau, die keine Söhne gebar, der Gefahr der Scheidung genauso ausgesetzt, als wenn sie keine Kinder bekäme 22 . Aber genau jenes war in erster Linie ihre Funktion, Ehefrau zu sein und Mutter 23 , vor allem von Söhnen als Trägern der Familienfolge, denn nur sie waren im Allgemeinen erbfähig 24 . Adligen Frauen war es aufgrund ihres Standes verwehrt zu arbeiten, allerhöchstens konnten sie Kranke ihres Standes pflegen. Sie hatten gegenüber
19 Meise, Die Unschuld und die Schrift, S. 10.
20 Ebd., S. 11.
21 Schirmer, Mystik und Minne, S.13.
22 Nolte, Das Kudrunepos, S.27.
23 Schirmer, Mystik und Minne, S.13
24 Nolte, Das Kudrunepos, S.27.
5
anderen Frauen das Vorrecht, sich zu bilden. War eine adlige Frau ausnahmsweise Lehnserbin, eine Möglichkeit, die nur bestand, wenn sie einzige Erbin war, hatte sie die gleichen Rechte, wie Männer: Verwaltung ihres Besitzes, Gerichtsbarkeit und Aufstellung eines Heeres. 25 Von diesen wenigen Fällen abgesehen waren Frauen „Schachfiguren in der Familienpolitik, nicht in der Lage ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten“ 26 . Innerhalb der seit dem 13. Jahrhundert üblichen „patriarchalisch organisierten Verheiratungspraxis“ 27 war zwar die Einwilligung der Töchter notwendig 28 , doch war dies eine reine Formalität, da diese ihren Vätern gegenüber als Mündel zum Gehorsam verpflichtet waren. 29 Dies ist insoweit auch das Feld, in dem die Frauen des Kudrunepos leben und handeln.
Die Frauen in der ›Kudrun‹.
„Im Kudrunepos geht es [...] um Konflikte, die innerhalb der höfischen Welt durch Brautwerbungen (einschließlich Entführung und Raub) ausgelöst werden und zu einem eskalierenden Prozess der Gewalt und Gegengewalt führen, bis es, auf einem Höhepunkt dieser Entwicklung, zu einer neuen Konfliktlösungsstrategie kommt.“ 30
Innerhalb dieses Handlungsrahmens soll untersucht werden, wer die einzelnen Frauen in der ›Kudrun‹ sind und „welche Funktion der Kudrunepiker [ihnen] in der jeweiligen Brautwerbungshandlung einerseits und vor dem Hintergrund der mehr und mehr auf eine Katastrophe zusteuernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Gemeinwesen andererseits zudiktiert.“ 31
Ute 1.
Ute 1 spielt in dem Kudrunepos keine tragende Rolle. Ihre Eheschließung ist nicht thematisiert. Sie wird nur in vier Strophen genannt, hat somit einen Strophenanteil von lediglich 0, 23 % 32 . Gleichsam ist nicht viel über sie bekannt. Sie war die Frau von Ger und Mutter von König Sigebant (1, 3), „durch ir hôhe tugende sô
25 Schirmer, Mystik und Minne, S.14
26 Ebd.
27 Opitz, Vom Familienzwist, S. 125.
28 Nolte, Das Kudrunepos, S. 27.
29 Vgl. Ebd., S. 29.
30 Nolte, Das Kudrunepos, S. 12.
31 Ebd., S. VIII.
32 Siehe Anhang.
6
gezam dem rîchen wol ir minne.“ (1, 4) Aber bereits sie hat eine Funktion, die auch ihre Ahninnen innehaben werden: Sie ist die Beraterin eines Mannes, denn sie ist es, die Sigebant rät, sich eine Frau zu nehmen (7; 8).
Ute 2.
Sigebant richtet sich nach dem Rat seiner Mutter und lässt seine Verwandten um die norwegische Prinzessin Ute 2 als Braut für ihn werben (8). Diese Brautwerbungshandlung entspricht der zur Entstehungszeit der ›Kudrun‹ Mitte des 13. Jh.s 33 üblichen Praxis der friedlichen Brautwerbung 34 und dient somit als ›Ausgangspunkt‹, von dem aus die im Einzelnen durchgespielten Variationen des Brautwerbungsthemas bewertet werden können. 35 Utes Rolle in diesem Szenario ist einfach: „ Si wart [Sigebant] gemahelet [...] “ (9, 1). In dieser Passivkonstruktion spiegelt sich deutlich die passive Position wider, die die Frau trotz geforderter Einwilligung ihrerseits in der Brautwerbungs- und Eheschließungspraxis einnahm. Dennoch ist Ute in ihrer Ehe nicht passiv. In den 49 Strophen (2, 87 % Strophenanteil), in welchen sie eine Rolle spielt, wird sie zusammenfassend als liebliches Mädchen (13, 1) beschrieben, das als Königin „vil gewaltic“ (14, 4) wurde. Sie wird dargestellt als schöne, freundliche (46) und wegen ihrer Großzügigkeit (21; 36; 40f.) hochgeachtete Königin (42), die ebenfalls als Ratgeberin ihrem Mann zur Seite steht und ihn an seine Pflichten als König erinnert (26-36) und die selbst in Zeiten der Trauer um ihren entführten Sohn Hagen die Pflichten, die ihrer Position anhaften, nicht vergisst (63ff.), in dieser ihrer Stärke ihrem Mann sogar überlegen ist, in dem sie die Fassung behält, als er sie verliert (62). Sie erweist sich dadurch als selb ständige Frau mit ›Führungsqualitäten‹. In ihrer Figur deutet sich damit bereits jenes Selbstbewusstsein, jenes königliche Auftreten, an, dass auch ihrer Enkelin und Urenkelin einmal eigen sein wird. Darüber hinaus lässt sich auch über Ute 2 nichts Bedeutsames sagen. Ihr Charakter ist einschichtig beschrieben, die Figur erfährt keine Entwicklung. Das ihr widerfahrene Leid verändert sie nicht, sie bleibt die pflichtbewusste, „höfisch-vorbildliche“ 36 Königin, die sie ist (63).
33 Kuhn, Kudrun, S. 508.
34 Ebd., S. 509.
35 Vgl. Nolte, Das Kudrunepos, S. 4f.
36 Hoffmann, Kudrun, S. 271.
7
Hilde 1.
Die Figur der Hilde 1 dient nicht dazu, die These eines Frauenromans zu untermauern. Als eine der drei Königstöchter und eigenständig in immerhin schon 90 Strophen (Anteil von 5, 28 %) genannt, bleibt ihr Charakter doch wesentlich nebulöser als der der Ute 2. Sie ist schön, die Schönste auf der Erde (169), freundlich (170), „wol in der mâze“ (178) und „gezogenlîche“ (335), kurz gesagt eine Frau, „der [Hagen] und [sîne] friunde ze dirre welte haben wênic schande“ (177).
Die märchenhafte 37 Werbung Hagens um Hilde mit ihren Elementen des Matriarchats und der Gynäkolokalität 38 (Hagen ehelicht die Frau, die ihn erzogen hat) ist pragmatisch und schon allein darum frei von Konflikten. Sie ist daher als eine der Variationen des Brautwerbungsthemas interessant, für die Untersuchung aber nic ht weiter bedeutsam. Gleiches muss für die Figur der Hilde 1 gelten.
Hilde 2.
Ganz anders muss ihre Tochter Hilde 2 bewertet werden. Deren entscheidender Einfluss auf das Epos deutet sich bereits in dem interessanten Aspekt an, dass die Generationsgeschic hte von der bisher männlichen Genealogie in eine weibliche umschwingt. Im bezeichnenderweise allgemein Hildeteil genannten Mittelteil des Kudrunepos steht plötzlich eine Frau im Mittelpunkt. Dieser Teil wird zum einen getragen von dem Plan, den Hetel und seine Mannen entwickeln und durchführen, denn die Werbung um Hilde ist eine gefährliche, für die Boten oft tödliche 39 , zum anderen von ihrer Entscheidung und den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Auch im Kudrunteil bleibt ihr Anteil an der Geschichte wesentlich. Wie hoch ihr Anteil am Kudrunepos insgesamt ist, zeigt sich bereits darin, dass sie mit 363 Strophen den zweithöchsten Strophenanteil von 21, 29 % hat. Das Erste, was man von Hagens Tochter erfährt, ist, dass sie schön ist (197, 3), mehr noch, „diu hêrlîche meit wart unmâzen schœne“ (199, 1f.). Diese Schönheit, ein Attribut, das Hilde immer wieder beigestellt wird, mag eine Äußerlichkeit sein, die Hilde noch keinen Charakter verleiht, die aber insofern wichtig ist, als „edele fürsten rîche die begunden sinnen, wie si wollten werben nâch des wilden Hagenen tohter minnen“ (199, 3f.). Also nicht ihr einmaliger Charakter, sondern
37 Loerzer, Eheschließung, S.20.
38 Nolte, Das Kudrunepos, S. 72f.
39 Kuhn, Kudrun, S. 509.
8
ihre Schönheit ist Ausgangspunkt für diesen Teil der Geschichte, sie ist es, die Hetel seine Männer ausschicken lässt, um trickreich um die Schöne zu werben 40 . In Hagens Land angekommen treffen Horant, Wate und die anderen dann auf eine junge Frau, die abgeschieden von der Welt aufgezogen wurde (198) und vielleicht auch darum recht neugierig und kommunikativ ist (343ff.). Ihr besonderes Interesse gilt dabei Wate, den sie unbedingt treffen möchte, so dass sie diesen Wunsch auch ihrem Vater gegenüber äußert (328f.). Einen noch größeren Eindruck hinterlässt jedoch Horants Gesang auf sie (385). Sie möchte, dass er noch einmal für sie singt. Daher lässt sie ihren Vater rufen (385, 4), liebkost und umschmeichelt ihn, setzt also bei ihm gezielt die Waffen der Frau und vor allem der Tochter ein, um ihren Willen zu bekommen (386). Sie ist sich ihrer selbst und ihrer Wirkung also durchaus bewusst. Da Hagen ihr den Wunsch aber nicht erfüllen mag, handelt sie nun selbständig: Bewusst und gezielt hinter dem Rücken ihrer Eltern lädt sie den Sänger in ihre Kemenate (391) und besticht dafür sogar einen Kämmerer (392). Nachdem ihr Horant von seinem höfischen Herrn und dessen Liebe zu ihr berichtet hat (400ff.), entscheidet sie erneut selbständig, Hetels Werbung anzunehmen, obwohl sie weiß, dass dies wiederum gegen den Willen ihres Vaters geschieht (407). In gewisser Weise könnte man sogar sagen, sie ist geradezu gezwungen, diese selbständige Entscheidung zu treffen, eben weil sie weiß, dass ihrem Vater kein Bewerber, sicher auch Hetel nicht recht sein würde, hat er doch schon mehrfach Werbungsboten töten lassen (200ff.). Hoffmanns Einschätzung, Hilde sei offenbar leicht zu beeindrucken 41 , da sie die Werbung so rasch annähme, erscheint etwas oberflächlich. Man muss bedenken, dass Hildes Chancen auf eine Heirat aufgrund von Hagens „übermuot“ (201, 2) verschwindend gering bis gar nicht vorhanden waren. Plötzlich gerät sie in eine Position, die es ihr ermöglicht, das ihr auferlegte Schicksal zu ändern. Sie erhält die Möglichkeit, einen höfischen Ritter und König zu heiraten. Diese Werbung anzunehmen, selbst wenn es unter dem Deckmantel der minne geschieht, ist eine vernünftige Entscheidung. Wie viel Vernunft darin liegt, zeigt sich allein schon in Hildes Antwort auf die Werbung: „kome er mir ze mâze, ich wollte im ligen bî.“ (405, 2) Darüber hinaus kann Hilde genauso wenig als leicht zu beeindrucken bezeichnet werden, weil sie sich entscheidet, von einem als „ gefüege“ beschriebenen Ritter die Werbung anzunehmen, wie man Hetel so bezeichnen
40 Vgl. Hoffmann, Kudrun, S. 71.
41 Ebd., S. 72
9
Arbeit zitieren:
Monique Weinert, 2003, Kudrun - Ein Frauenroman?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das bürgerliche Trauerspiel am Beispiel von Lessings "Miß Sara Sa...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 16 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
Hauptseminararbeit, 55 Seiten
Die scheinbare Unabhängigkeit der 'Neuen Frau' in Irmgard Keun...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 21 Seiten
Sind Institutionen in der Lage...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hauptseminararbeit, 29 Seiten
Schiller, Friedrich - Kabale und Liebe / Lessing, G.E. - Emilia Galott...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Georg Trakl und die Funktion des Hässlichen in seiner Lyrik
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 21 Seiten
Zeitgenössische Kritik an der Neuen Sachlichkeit
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Seminararbeit, 20 Seiten
Georg Trakl: Verfall - Gedichtinterpretation
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Emilia Galotti und Luise Millerin - die Protagonistinnen von 'Emil...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 33 Seiten
Methodentraining - Internetrecherche "Fußballweltmeisterschaft 20...
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Kommunikationsmodelle: Organonmodell von Bühler und Kommunikationsmo...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 9 Seiten
Einflussfaktoren von Armut in deutschen Städten
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 21 Seiten
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Studienarbeit, 73 Seiten
Individualität und Rolle bei Kriemhild und Hagen
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 20 Seiten
Irmgard Keun: "Das kunstseidene Mädchen" - Frauentyp der Neu...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 13 Seiten
Jan-Dirk Müllers "Spielregeln für den Untergang" - Eine Neuo...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 18 Seiten
Hugo von Hofmannsthal und sein "Jedermann" - Biographie, zen...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 58 Seiten
Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit - Gibt es einen Her...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hauptseminararbeit, 33 Seiten
Monique Weinert hat den Text Kudrun - Ein Frauenroman? veröffentlicht
Monique Weinert hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare